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Das Stadtgespräch September 2018

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28 anzeige Das Stadtgespräch Steffen Finger, Anja de Temple, Christian de Temple, Ingrid de Temple, Heinz-Werner de Temple, (oben im Fenster) Janine Winkenstette, Katrin Westergerling DIE DRITTE GENERATION: FLUCH ODER SEGEN? – TEIL 5 Ein Zufall legte den Grundstein für die Traditionsgeschichte der Tischlerei und des Bestattungsunternehmens de Temple (CL) »Den Zufall gibt die Vorsehung – zum Zwecke muss ihn der Mensch gestalten.« Mit diesem schönen Zitat des Marquis von Posa aus der Feder von Friedrich Schiller (Don Carlos III,9) steigen wir ein in die Historie der Tischlerei und des Bestattungsunternehmens de Temple in Rheda. Denn mit einem Zufall begann 1948 die berufliche Erfolgsgeschichte der Familie de Temple, die sich seit 70 Jahren bewährt. Der Gründer des holzverarbeitenden Betriebes an der Schulenburg, Wilhelm de Temple, wurde 1911 in Werl geboren. Als fleißiger Tischlergeselle sammelte er in den 30er Jahren bei der Möbelfabrik Bücker in Rheda erste Erfahrungen im Bau von altdeutschen Wohnzimmerschränken. Schnell war klar, dass er sich mit diesem faszinierenden wie praktischen Gewerbe selbstständig machen wollte. So absolvierte er 1937 mit Bravour seine Prüfung zum Tischlermeister. Doch dann kam der Krieg und an die Umsetzung von beruflichen Plänen war nicht mehr zu denken. Wilhelm de Temple wurde nach Wernigerode im Harz versetzt. Glücklicherweise musste er keinen Dienst an der Front leisten, sondern durfte seiner Profession treu bleiben und reparierte Segelflugzeuge aus Holz. Trotz all der Wirrungen in den Kriegsjahren kam das private Glück nicht zu kurz. Im Jahr 1940 heiratete er Maria und freute sich 1943 über die Geburt des gemeinsamen Sohnes Heinz-Werner. 8 Jahre später erblickte der 2. Sohn Richard das Licht der Welt. Nach Kriegsende zog es Wilhelm schnell zurück ins westfälische Rheda, um seinen Traum einer eigenen Tischlerei zu realisieren. Der geschickte Holzfachmann wollte sich auf den Bau und Verkauf von Särgen spezialisieren. Er setzte sich in den Zug Richtung Ruhrgebiet, um Bestattern seine Geschäftsidee zu präsentieren. Während der Zugfahrt lernte er zufällig den etwa gleichaltrigen Tischler Clemens Schmidt aus Osnabrück kennen. Clemens begab sich mit dem gleichen Plan auf die Reise Richtung Dortmund. Die beiden waren sich auf Anhieb sympathisch und hofften – unabhängig voneinander – auf ein baldiges Wiedersehen. Lange mussten sie nicht warten, denn schon auf der Rückfahrt liefen sich die beiden wieder über den Weg. Clemens Verkaufsgespräche liefen überaus erfolgreich und Wilhelm stellte schmunzelnd fest, dass seine Talente in der Kaltakquise noch reifen mussten. Während der mehrstündigen Zugfahrt legten die beiden Gleichgesinnten den Grundstein einer beruflichen Zusammenarbeit. Wilhelm gründete zusammen mit seiner Frau Maria am 1.4.1948 die Tischlerei und das Bestattungsunternehmen de Temple in Rheda – und Clemens lieferte ihm die Särge. Diese fundierte und freundschaftliche Kooperation wird bis heute – in dritter Generation und unter dem Namen »Schmidt-Hendker GmbH« – fortgeführt. 1963 verstarb Maria leider viel zu früh. Wilhelm heiratete 1964 ein zweites Mal, ebenfalls wieder eine Frau namens Maria. Die gelungene Grundlage des Familienbetriebs de Temple ist sicherlich auf den unermüdlichen Einsatz von Wilhelm und Maria zurückzuführen. Hochwertige Tischlerarbeiten aus de Temples florierender Werkstatt verbreiteten

anzeige 29 schon bald viel Freude und avancierten zu gefragten Möbelstücken. Hingegen fanden viele Trauerende Trost durch Marias mitfühlende Gesprächsführung und die würdevolle Gestaltung der Beisetzung. Damals durften die Verstorbenen noch im eigenen Zuhause aufgebahrt werden und wurden auf einer Pferdekutsche zur Kirche begleitet. Zu seinem Sohn Heinz-Werner pflegte Wilhelm stets zu sagen: »Junge, du wirst auch mal Tischler«. Mit dieser väterlichen Prophezeiung sollte Wilhelm Recht behalten. Denn am 1.1.1977 übernahm Heinz-Werner den familiär geführten, holzverarbeitenden Betrieb und leitete seit dem 15.10.1983 zusammen mit seiner Frau Ingrid das Bestattungsunternehmen. Die jungen Eheleute de Temple führten mit großem Einfühlungsvermögen, guten Ideen und viel Fleiß den Familienbetrieb im Sinne der 1. Generation fort. Heinz- Werner kümmerte sich um die Tischlerei, die Überführungen sowie die Beerdigungen und seine Frau Ingrid begleitete die Angehörigen behutsam beim Gestalten des persönlichen Abschieds. Auch half sie den Hinterbliebenen bei der Abwicklung formaler Schritte und bot ihnen stets eine verlässliche Stütze. Ihrer Idee ist es zu verdanken, dass seit den 90er Jahren Trauerkarten für die Angehörigen im eigenen Betrieb gedruckt werden. Die Gründer des Traditionsbetriebs Maria und Wilhem de Temple 1975 wurde Sohn Christian geboren und auch ihm wurde die Leidenschaft zu Tischlerarbeiten in die Wiege gelegt. Schon vor dem Bau des ersten eigenen Vogelhäuschens war klar, dass er in die Fußstapfen seiner Eltern und Großeltern treten wird. Als gelernter und innovativer Tischlermeister steht er seit dem 1.1.2006 an der Spitze des Familienunternehmens. Christians privates Glück komplettierte sich, als er 2011 die Hannoveranerin Anja heiratete. Sie hilft den Angehörigen feinfühlig in ihrer Trauer und kümmert sich diskret und zuverlässig um die organisatorischen Arbeiten. Sie hält in verschiedenen Institutionen sensible Vorträge über das Tabuthema Tod, unterschiedliche Beerdigungsformen und den umfassenden Nutzen einer Bestattungsvorsorge. Seit dem 1.1.2012 sind Anja und Christian für die betrieblichen Geschicke des Bestattungsunternehmens de Temple verantwortlich. Und seit den Geburten der beiden Söhne 2013 und 2014 lächelt den beiden auch schon fröhlich eine eventuell nächste Generation entgegen. Das Stadtgespräch: Jetzt habe ich das große Los gezogen und darf zeitgleich 2 Generationen interviewen. Verraten Sie uns, welchen Berufswunsch Sie beide als Kinder hatten? Heinz-Werner de Temple: Meine Eltern haben den Tischlerei- und Bestattungsbetrieb 1948 gegründet und ihn immer weiter ausgebaut. Der Betrieb befand sich schon damals auf demselben Gelände wie mein Elternhaus. Das war immer sehr spannend und schon früh war klar, dass ich auch Tischler werden möchte. Außerdem wurde damals die Frage »Was möchtest du mal werden?« gar nicht gestellt. Es war selbstverständlich, in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Ich hatte großes Glück, dass es sich um einen holzverarbeitenden Betrieb handelte. Holz fand ich immer gut. Christian de Temple: Tischler. Genau wie mein Vater (dabei wirft er einen liebevollen Blick zu seinem Vater). Mein Papa konnte immer alles reparieren, was kaputt ging. Dadurch war er ein sehr gefragter Mann. Das hat mich begeistert und ich habe mir als kleiner Bub fest vorgenommen, das später auch einmal zu können. Das Stadtgespräch: Das ist eine schöne Überleitung zu unserer 2. Frage. Warum sind Sie in den Familienbetrieb eingestiegen? Christian de Temple: Weil ich da reingewachsen bin, der Betrieb ist mir vertraut und er hat unserer Familie trotz des großen Arbeitseinsatzes und Freizeitverzichts immer viel Freude bereitet. Auch ich fand es immer klasse, soviel wie ich wollte mit Holz zu arbei-

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