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Das Stadtgespräch September 2017

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54 Das

54 Das Stadtgespräch stellte Kiste herausholen und entsorgen. Von Natur aus neugierig öffnete er die verstaubte Kiste und stieß auf alte Schriftstücke, Mitgliedsbücher, SPD-Parteibücher und einen alten Presseartikel über den Frühsozialisten und Armenarzt Dr. Lüning sowie die in Rheda früher ansässigen Zigarrenarbeiter. Von beiden hatte er noch nie etwas gehört. Er begann, nach weiteren Informationen über Dr. Lüning und die Zigarrenarbeiter zu forschen. Seitdem ist er immer wieder Gast in verschiedensten Archiven – dem Stadt- und Kreisarchiv, dem Archiv bei der Bezirksregierung und dem Landschaftsverband. Mit neuen Themen kamen neue Quellen dazu, so vor kurzem das Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsarchiv in Köln, um hier Information zu seinem Projekt über die Eisenbahngeschichte in Rheda zu bekommen. Der Besuch der Archive wurde zu seinem ganz speziellen Hobby. Seine Arbeit entscheidend gefördert hat der frühere Stadtarchivar Ernst-August Lübbermann. Er half ihm beim Übersetzen alter Sütterlinschriften aus dem vorletzten Jahrhundert, überließ ihm später historische Dokumente, die er dann aber schon selber übersetzen konnte. Aus seinen Recherchen über Dr. Lüning und die Rhedaer Zigarrenarbeiter erwuchs sein erstes Kompendium über die Arbeiterbewegung in Rheda. Für die Illustration brauchte er Fotos. Er wurde fündig bei Änneken Drees, der Buchhandlung Thormann und der Druckerei Scharpenberg. Er erwarb dort die ersten alten Ansichtskarten von Rheda. Freunde, die von seinem Projekt erfuhren, unterstützten ihn mit weiteren Ansichten. So baute er einen Fundus auf, dessen Inhalt über sein ursprüngliches Interesse hinausging. Die Sammelleidenschaft hatte ihn von nun an erfasst. Als aktives Mitglied beim Heimatverein Rheda stieß er in einer Gerümpelkammer im Domhof unter Decken und anderen, längst vergessenen Gerätschaften auf einen Karton, der sein Interesse weckte. Dieser enthielt unzählige Röllchen mit Schwarz-weiß-Filmen, aufgenommen von dem freien Reporter Hans-Jürgen Bodderas. Die rund 13.000 Negative zeigen Ansichten von Rheda und Wiedenbrück, Aufnahmen von Festen bei den Bauern- und Stadtschützen, dem Turnverein Rheda, und, und, und. Die Originale liegen heute geordnet im Archiv des Heimatvereins – das Pendant gescannt auf Jochen Sängers Festplatte. Wann immer es möglich ist, versucht er durch Nachfragen bei alteingesessenen Leuten Informationen zu den abgebildeten Personen zu bekommen. Dadurch bekommen die Bilder einen Namen. Kurzum: Alte Fotos, Ansichtskarten und die Geschichten dahinter: Schätze, die Jochen Sänger für die Zukunft bewahrt. Dummköpfe machen keine Fehler Man kann den Leuten doch nur vor den Kopf gucken. Ob sie schlau oder dumm sind, sieht man doch nicht. Richtig? Falsch! Jedenfalls wenn man den Untersuchungen von Jason S. Moser von der Michigan State University glaubt. Oder auch Travis Bradberry, der sich der emotionalen Intelligenz gewidmet hat. Diese Forscher sind nämlich der Meinung, dass sich dumme Leute, also Leute mit niedrigem Intelligenzquotienten, ständig selbst entlarven. Ganz typisch für Dummköpfe ist, wenn sie behaupten, keine Fehler zu machen. Selbst, wenn der Fehler offensichtlich ist, versuchen dumme Leute stets, andere für ihre Fehler verantwortlich zu machen. Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen ist für sie nicht drin. Entweder bemitleiden sie sich selbst oder Zusammenarbeit zeugt von Intelligenz. versuchen sofort, anderen die Schuld zuzuschieben. Warum habe ich immer das Bild eines Mannes mit orangenen Haaren vor Augen, während ich diese Zeilen schreibe? Nun, egal. Jedenfalls hat derjenige, der seine Verantwortung nicht annimmt, in der eigenen Wahrnehmung doch gar keinen Fehler gemacht, muss also auch in Zukunft sein Verhalten nicht ändern.

55 Dummköpfe haben immer Recht Die gleiche Denkweise greift, wenn es um Meinungen geht. Dumme Menschen denken typischer Weise, sie hätten mit ihrer Meinung immer Recht. Gleichzeitig erkennen sie nicht, wenn jemand anderes gute Argumente vorbringt oder in der Sache kompetenter als sie selbst ist. Sie gehen einfach davon aus, dass das, was sie meinen, auf alle Fälle richtig ist, wobei es vollkommen egal ist, was andere vorbringen. Diese Selbstüberschätzung hat sogar einen Namen: Dunning-Kruger-Effekt. Das nach den beiden Psychologen benannte Phänomen ist so einfach nachvollziehbar wie tragisch: Wenn jemand inkompetent bei der Lösung eines Problems ist, dann bräuchte er dieselben Fähigkeiten, um das Problem zu lösen, wie um seine eigene Inkompetenz einzusehen. Diese Fähigkeiten hat er nun aber gerade nicht. Erschreckender noch ist, dass Dunning und Kruger herausgefunden haben, dass inkompetente Menschen in den Bereichen Leseverstehen oder auch Autofahren über größeres Selbstvertrauen als ihre kompetenten und intelligenten Mitmenschen verfügen. Dummköpfe dürfen sich aufregen und andere Meinungen ignorieren Grundsätzlich ist die Tatsache, dass sich jemand aufregt, kein Zeichen dafür, dass er besonders intelligent oder dumm wäre. Alle regen sich auf, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es sich vorgestellt haben. Aber wie Langzeituntersuchungen, die sich über mehr als 20 Jahre hinzogen, gezeigt haben, verfügen dumme Menschen nur über eine einzige Verhaltensweise, wie sie auf Konflikte aller Art reagieren, nämlich durch Wut und Aggression. Auch haben die Forscher aus Michigan festgestellt, dass Kinder, die früh vorgemacht bekommen, dass die einzige Konfliktlösung aus Wut und Aggression besteht, in ihrer späteren intellektuellen Entwicklung deutlich gehemmt werden. Damit zusammen hängt auch der nächste Aspekt, den die Forscher herausgefunden haben, denn intelligente Menschen verstehen die Position der anderen. Sie können sich auch in andere hineindenken und nachvollziehen, warum jemand anders denkt und handelt als man selbst. Diese Idee ist dummen Leuten völlig fremd. Ebenso wie die Vorstellung, einem anderen zu helfen, ohne dass man selbst direkt davon profitiert. Egoismus ist notwendig und menschlich. Allerdings muss es in jeder Gemeinschaft auch eine Balance geben zwischen dem, was für mich selbst gut ist, und dem, was für die Gemeinschaft gut ist. Sonst würde niemand Steuern zahlen oder gar spenden. Dummköpfe sind besser als alle anderen Auch die Kanadier haben sich mit den typischen Verhaltensweisen von Menschen mit unterschiedlicher Intelligenz beschäftigt. Die Universität von Ontario hat herausgefunden, dass kluge Menschen anderen Menschen helfen und sie zu motivieren versuchen. Auch fürchten sie nicht, dass andere schlauer als sie selbst sein könnten. Die Dummköpfe jedoch stellen sich selbst, wann immer sich die Gelegenheit bietet, als die Besten dar. Sie reden schlecht über andere, um selbst besser dazustehen. Und natürlich ist die »Rübe-runter«-Mentalität, also der Ruf nach möglichst harten Strafen, bei den Dummen viel weiter verbreitet als bei den Schlauen. Auch Schwulenhass und Rassismus sind keine Zeichen von Intelligenz, im Gegenteil. Und schließlich haben die Psychologen herausgefunden, was die Biologen für das Tierreich schon lange erkannt hatten: Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit sagt deutlich etwas über die Intelligenz aus. Je größer die ist, desto größer ist die Intelligenz.

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