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Das Stadtgespräch September 2017

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48 TIPPS

48 TIPPS Das Stadtgespräch ELISABETH HERRMANN »Stimme der Toten« Judith Kepler ist Tatortreinigerin. Sie kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Tod Spuren hinterlassen hat, die niemand sonst entfernen kann. Ihr neuer Fall führt zu einem Mann, der vom Dach einer Bank mitten in Berlin gestürzt ist. Für die Polizei scheint klar: es war Selbstmord. Doch Judith entdeckt einige Ungereimtheiten und meldet dies den Ermittlern. Sie ahnt nicht, dass sie damit in ein Wespennest gestochen hat: sie gerät ins Visier einer äußerst gefährlichen Gruppe, die die Bank mit einem Hackerangriff lahm legen will. Der Anführer der Gruppe, Bastide Larcan, zwingt Judith mit ihm zusammenzuarbeiten. Larcan kennt Dinge aus Judiths Vergangenheit, die selbst für sie bisher unklar waren. Und schon bald keimt in ihr ein schrecklicher Verdacht auf… Bestsellerautorin Elisabeth Herrmann feiert in »Stimme der Toten« ein Wiedersehen mit der Tatortreinigerin Judith Kepler. Wie schon im ersten Teil der Reihe »Zeugin der Toten«, versteht es Herrmann geschickt mit dem Leser zu spielen und ihn immer wieder auf falsche Fährten zu locken. Miträtseln ist also absolut erwünscht und am Ende wartet eine kleine Überraschung. Erschienen ist »Stimme der Toten« als Hardcover im Goldmann-Verlag, hat 544 Seiten und ist erhältlich in der Buchhandlung bücher-güth für 20 €. INY LORENTZ »Das Mädchen aus Apulien« Natürlich kann man dem Autorenduo, das zusammen Iny Lorentz ist, vorwerfen, dass es seine Bücher immer nach einem bestimmten Muster schreibt. Das mag man als trivial ansehen oder wertneutraler »Formula Fiction« nennen, aber das dürfte den beiden Schöpfern der historischen Romane herzlich egal sein. Mir übrigens auch, denn ich finde, die stets als Wälzer daherkommenden historischen Romane – »Das Mädchen aus Apulien« hat 618 Seiten – haben immer etwas fürs Herz und für den Verstand. Außer einer Romanze, einem gerüttelt Maß an Action, verschiedene Stationen wie bei einem Roadmovie erhält der Leser doch immer auch eine unterhaltsame Geschichtsstunde. Wer kennt sich schon im Italien des 13. Jahrhunderts aus? Zur Story: Die junge Pandolfina, Tochter einer Sarazenen-Prinzessin und eines apulischen Grafen, sucht Zuflucht am Hof des Staufer-Kaisers Friedrich II.. Sie steht nach dem Tod ihres Vaters allein auf der Welt da und muss sich ihres Nachbarn erwehren, der die väterliche Burg gewaltsam in seinen Besitz gebracht hat und das Mädchen zur Heirat zwingen will. Der Staufer Friedrich, der zu jener Zeit vom Papst gebannt war, zögert zunächst aus politischen Gründen, nimmt sie aber dann doch in seinen Haushalt auf: Nachdem sie ihm im Heiligen Land das Leben gerettet hat, ermöglicht er es ihr, als eine der ersten Frauen in Salerno Medizin zu studieren. Doch noch bevor sie die diversen Schwierigkeiten überwinden kann, die auch im aufgeklärten Reich des Staufers eine Frau in der Männerdomäne erwarten, verschlägt es sie aus politischen Gründen aus dem warmen Italien ins ihrer Ansicht nach ausgesprochen barbarische Deutschland, wo sie um ihr Leben und ihr Glück kämpfen muss. Der Staufer-Kaiser Friedrich II. ging als »Stupor Mundi«, als das Staunen der Welt, in die Geschichte ein. Er zählt noch heute zu den faszinierendsten und bewegendsten Gestalten der europäischen Geschichte und regte nicht nur die Phantasie seiner Zeitgenossen, sondern auch zahlreicher Chronisten und Schriftsteller an. Doch dazu mehr in dem unterhaltsamen neuen Wälzer, der mit 19,99 Euro Kosten wieder ein ausgesprochen günstiges Preis- Leistungs-Verhältnis hat. WIEDERENTDECKT: PIERRE DRIEU LA ROCHELLE »Die Komödie von Charleroi« Es stellt sich durchaus die Frage, ob man sich mit einem Werk eines ausgesprochen umstrittenen Autoren beschäftigen soll, der zeitweise mit den Nazis im besetzten Frankreich kooperiert hat und dessen Schriften auch antisemitische Pamphlete umfassen. Doch wer Pierre Drieu la Rochelles Werk ignoriert, dem entgeht auch »Die Komödie von Charleroi« und andere Erzählungen, die ein Stück wertvollster Literatur über den Ersten Weltkrieg darstellen. Lebenshunger und Todessehnsucht, patriotische Gefühle und Desillusionierung: Pierre Drieu la Rochelles brillante Erzählungen spiegeln die innere Zerrissenheit des streitbaren Autors wider,

TIPPS 49 Erzählers. Seine zynische Lässigkeit, sein stetiges Abtasten der Realitäten, die umso drastischer wirkende Überzeichnung einzelner Figuren: Diese Prosastücke bieten einen schillernden Rückblick auf das Schlüsselerlebnis einer irrlichternden Generation, der »lost generation« Hemingways aus französischer Sicht. Erschienen bei Manesse, 276 Seiten, 24,95 Euro. der selbst Kriegsteilnehmer war. Einer, der sich romantisch nach Heldentum sehnte, beschreibt hier die Absurdität des Ersten Weltkriegs und die schmerzliche Orientierungslosigkeit der Heimkehrer. Er erzählt von Madame Pragen, einer ehrgeizzerfressenen Pariser Witwe der Oberschicht, die 1914 ihren schmächtigen Sohn in den Krieg geschickt hat, um einen Helden aus ihm zu machen. Er fiel in den ersten Tagen während eines bedeutungslosen Scharmützels im belgischen Charleroi. Im Jahr 1919 nutzt nun seine Mutter einen Besuch des Schlachtfelds, um sich vor den provinziellen Honoratioren der Stadt als Grande Dame zu inszenieren, den Erzähler als ihren Assistenten, also Diener, im Schlepptau. In »Der Hund der Heiligen Schrift« brüstet sich ein junger Veteran mit Verdun-Erfahrung seiner Heldentaten. Doch in der Kinoreihe vor ihm sitzt ein ehemaliger Kamerad, der es besser weiß. Auf Anhieb fasziniert der Ton des JUGENDBUCH: RACHEL BATEMAN »Glücksspuren im Sand« Die unkonventionelle Storm war schon immer das Vorbild ihrer jüngeren Schwester Anna. Als sie bei einem tragischen Autounfall ums Leben kommt, ist Anna am Boden zerstört. Doch dann findet sie eine Liste ihrer Schwester – eine Liste all der Dinge, die man in einem perfekten Sommer unbedingt tun muss. Dinge wie »Im Regen küssen«, »Ins Dive-In-Kino gehen« (was auch immer das sein mag!) oder auch einfach: mutig leben. Im Andenken an ihre Schwester und um ihre eigene Traurigkeit zu überwinden, macht Anna sich daran, die Aufgaben der Liste zu erfüllen. Ihr stets zur Seite: der Nachbarsjunge Cameron, der irgendwie immer schon da war. Der auch Storms engster Freund war. Und der vielleicht der Schlüssel zu einem neuen Glück sein könnte. Wenn es da nicht ein schlimmes Geheimnis gäbe. Rachel Bateman hat sich in den USA bereits einen Namen als Jugendbuchautorin gemacht. Neben dem Schreiben betreibt sie eine Verlagsserviceagentur und unterstützt unabhängige Autoren bei der Publikation ihrer Bücher. Mit ihrer Familie lebt Rachel Bateman auf einer Farm mitten in Montana – wo sie manchmal von den Weiten des Ozeans träumt. Die Altersempfehlung des Verlages für »Glücksspuren im Sand« ist ab 13 Jahren, erschienen bei Heyne

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