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Das Stadtgespräch September 2017

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32 Das

32 Das Stadtgespräch Es muss nicht immer Seegang sein. zösischen Nationalfeiertag 14. Juli bis Mitte August sollte man die Unterkunft auf jeden Fall zuvor reservieren. Die Auswahl reicht vom Luxushotel über einfachere Hotels bis herunter zu denen mit zwei Sternen. Auch die Campingplätze sind sehr unterschiedlich, es gibt Plätze mit fünf Sternen, Animation für Kinder, Erwachsene und alles, was dazwischen liegt, fünf Pools, perfekten Supermärkten und Restaurants auf dem Platz und allen Luxus, den man sich sonst noch wünscht. Und es gibt das »camping à la ferme«, also auf dem Bauernhof, und allen Kategorien, die dazwischen liegen. Aber der Platz ist überall in der Hauptsaison begrenzt und die lokalen Behörden schauen in dieser Zeit genau hin – für Leute, die wild campen, wird es dann knapp. Immer beliebter werden die Ferienhäuser. Zum Teil liegen die ebenfalls auf Campingplätzen, zum Teil alleinstehend. Oder es gibt auch Ferienwohnungen in großen Anlagen, die zum Teil alte Bausubstanz darstellen, zum anderen Teil aber neu gebaut sind im Stil, der für diese Region typisch ist, also mit Gefach aus Tonziegeln in Fischgrätmuster, oder im baskischen Stil. Leben wie Gott in Frankreich Die zuerst für den deutschen Sprachraum 1693 belegte Redewendung »Leben wie Gott in Frankreich« kann locker noch heute übernommen werden. Natürlich ist in unserem Nachbarland das Essen ebenfalls auch eine Frage des Geldes. Für gutes Essen Geld auszugeben ist in Frankreich eine Selbstverständlichkeit. Natürlich haben auch die Franzosen das Fastfood längst entdeckt und gerade in den Urlaubsorten gibt es reichlich Pizzerien und auch Crèperien. Doch mit dem entsprechenden kulinarischen Führer ausgestattet findet man leicht auch gehobene Qualität. Noch einfacher ist es, die Einheimischen zu fragen. Die scheinen zwar in der Hauptsaison in der Minderheit zu sein, aber Stress macht sich dennoch nicht breit. Und auch die Erkenntnis, dass man beim Essengehen Zeit mitbringen sollte, ist den Gascognern, die auch auf Entenbrust und Gänsestopfleber stehen, nicht fremd. So sind Einheimische und Urlauber sogar bereit, für frische Miesmuscheln Schlange zu stehen – selbst wenn der Laden nur Holztische mit Sitzbänken als Komfort bietet. Miesmuscheln und anderes Meeresgetier bekommt man auch auf den vielen Dorffesten serviert, idealer Weise mit dem entsprechenden lokalen Wein. Dazu gibt es oftmals noch live Musik mit traditionellen Instrumenten und Volkstanzaufführungen. Tradition noch groß geschrieben Hier ist man eben noch stolz auf

33 Die Kirche im Dorf lassen Geselligkeit wird groß geschrieben. seine Traditionen. Dazu gehört auch der Stierkampf, den es entweder in der französischen Variante gibt oder in der spanischen. Bei der französischen Variante, course landaise, haben die Stiere ein langes Seil um die Hörner und werden zur Begeisterung des Publikums durch die meist ovale Arena gejagt. Die mutigen Männer springen über sie hinweg, aber immerhin wird das Tier nicht getötet. Die spanische Variante gibt es allerdings auch und die endet tödlich, für den Stier immer, für den Matador manchmal. Eine weitere Eigenart sind die stelzenlaufenden Gascogner. Die haben heute keine Funktion außer Brauchtumspflege und Touristenattraktion mehr, waren aber früher die einzigen, die sich zu Fuß durch die Sumpfgebiete bewegen konnten. In abgelegenen Gebieten wird auch noch Gascon gesprochen, ein okzidentalischer Dialekt, also eine romanische Sprache, die anderen romanischen Sprachen ähnelt – im Gegensatz zum Baskischen, das man nur wenige Kilometer weiter südlich findet und das nicht einmal Teil der indogermanischen Sprachenfamilie ist. Entsprechend versteht man weder gesprochen noch geschrieben auch nur ein Wort. Ob man schon im Baskenland ist, kann man unschwer an der Häufung der Nummernschilder erkennen. Obwohl die Franzosen im Gegensatz zu uns die EU-Richtlinie zu den anonymisierten Autokennzeichen umgesetzt haben – man soll aus datenschutztechnischen Gründen die Herkunft des Autos nicht mehr erkennen – prangt doch im Nummerschildhalter stolz die Nummer ihres Departements. Die Landes haben die 40, die Gegend um Bordeaux die 33 und das Baskenland hat die 64. Auch das ist übrigens klassisch französisch: Die Richtlinien befolgen und anschließend alles so machen wie schon immer. Aber vielleicht zieht es uns Ausländer nicht nur wegen der endlosen Wälder, die von tollen Radwegen durchzogen sind, des leckeren Essens und des gewaltigen Ozeans in Frankreichs Südwesten, sondern gerade auch die ruhige Lebensart, von der wir wirklich etwas mehr haben sollten.

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