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Das Stadtgespräch September 2016

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56 Das

56 Das Stadtgespräch Nyhavn Dänemark © Scythian wikipedia Reise ins Glück Die Entscheidung darüber, wohin man im Urlaub fährt, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Das Wetter spielt ebenso eine Rolle wie die Kosten, die Bequemlichkeit der Anreise, das Essen im Reiseland, die Freundlichkeit der Menschen. Letzteres hängt auch mit der Kategorie zusammen, um die es hier gehen soll. Man kann nämlich auch dorthin fahren, wo die Menschen am glücklichsten sind. Wer jetzt geneigt ist, die Frage zu stellen »woher will man wissen, in welchem Land die Leute glücklich sind?«, der hat nicht mit den Forschern gerechnet. Sogar auf universitärem Niveau beschäftigen sich heute nicht weniger Wissenschaftler mit dem Problem des Glücks. So weist die Erasmus University in Rotterdam eine World Database of Happiness aus, in der buchstäblich tausende Befragungen und Untersuchungen zum Thema verwertet sind. Aus diesen Daten kann man offenbar tatsächlich herausfiltern, wo die Menschen glücklich sind und wo eher nicht. Hitliste der Glücksnationen Dabei ist das Glücksempfinden natürlich durchaus subjektiv. Als glücklichste Nation geht Costa Rica in der Kategorie Glücklichsein der Nationen hervor. Das Land, das auch als die Schweiz Lateinamerikas bezeichnet wird, ist dabei keineswegs so reich, wie man es sich vielleicht vorstellt. Und die europäische Schweiz liegt ebenso an der Spitze wie Luxemburg. Wir Deutsche sind dabei eher so mittelmäßig glücklich - immer noch glücklicher als die Briten, und die Daten wurden natürlich vor dem Brexit erhoben! Die Skandinavier liegen weit vor uns, allen voran Island, aber zu dem Überraschungs-Land der Fußballeuropameisterschaft lesen Sie demnächst im Stadtgespräch noch einiges mehr. Zumindest Glückseuropameister sind die Isländer schon mal. Aber auch Norweger, Schweden, Dänen und Finnen liegen weltweit ganz weit vorne. Das schöne Wetter kann ja schon mal nicht der Grund dafür sein, dass diese Nationen glücklich sind. Das bestätigt auch die Platzierung von Kanada, denn das zweitgrößte Land der Welt hat alles Mögliche zu bieten, was wirklich fantastisch ist, aber das Wetter gehört nicht dazu, wenn man einmal vom Sommer absieht, der in manchen Landesteilen ähnlich wie in Skandinavien eher in Wochen als in Monaten gerechnet wird. Ein alter Witz: Was war bei euch in Kanada mit dem Sommer? Antwort: Der war auf einem Mittwoch. Erstaunlich finde ich, dass auch Mexiko, Kolumbien oder Panama weit vorne in der Glücksstatistik liegen. Die hätte ich eher als Korruptionsparadiese eingestuft, denn ich weiß, dass man in Mexiko selbst die Müllmänner schmieren muss, damit die Tonnen, die alle paar Tage in der tropischen Hitze geholt werden müssen, nicht permanent »vergessen« werden. Auch übermäßige politische Stabilität kann man diesen Staaten nicht unterstellen und auch keinen allgemeinen Wohlstand. Die Formel für Glück Definitiv ein Glücksfaktor scheint der Umgang mit der Zeit zu sein. Während in den USA, Deutschland oder Japan die Menschen eben keine Zeit haben, gehen die glücklicheren Länder anders, besser mit der Zeit um. Eine gelassenere Einstellung zur Zeit lässt länger und glücklicher leben. Der Glückforscher Mariano Rojas aus Costa Rica gibt an, dass frühere Experten die falsche Kategorie bei der Definition von Armut gegeben haben. Armut ist für ihn nicht in erster Linie, wenn man kein Geld hat, sondern wenn man keine Zeit für Beziehungen hat und keine Zeit, sein Leben zu leben. Ein anderer Glückfaktor, der eng mit der Zeit zusammen hängt, ist das Gemeinschaftsgefühl. Wer in einem Land lebt, in dem man höflich zueinander ist, sich gegenseitig respektiert und sich mit den anderen verbunden fühlt, dem geht es offenbar meistens gut. Freundschaften, Familie und soziale Netze sind ein entscheidender Glücksfaktor. Ein Grundvertrauen ist wichtig. In Kanada schließen viele Leute noch heute nicht ihre Häuser ab. Und als wir unsere Ferienhütte auf Island gebucht haben, schrieb die Vermieterin, dass der Haustürschlüssel auf dem Tisch liegt, die Hütte steht offen – da klaut schon niemand was! Aber nützt uns das, wenn wir wissen, wie glücklich andere Länder sind? Ich finde schon, denn gerade wenn man reist, hat man auch die Muße, über seinen eigenen Umgang mit der Zeit etwa nachzudenken. Denn die Anzahl der Sonnenstunden ist ja offenbar nicht wirklich ein Glückfaktor, jedenfalls nicht auf Dauer.

57 Wie traumhaft sind Traumhochzeiten? Ich habe da so eine Privattheorie, die sich natürlich auf nichts Wissenschaftliches stützt. Nur auf eigene Beobachtungen. Nach meiner bescheidenen, wenn auch langjährigen, Beobachtung gehen gerade die Beziehungen, in denen furchtbar viel Aufwand betrieben wird, oftmals am schnellsten in die Brüche. Mit Aufwand meine ich dabei nicht, dass man dem anderen das Frühstück macht oder von mir aus ans Bett bringt (war ich schon krümeltechnisch und sitzpositionsmäßig nie so für). Auch ins Musical zu gehen, auch wenn man selbst lieber fernsehen oder ein Bier in der Kneipe trinken würde, halte ich nicht für besonders viel Aufwand, ebenso wie das gemeinsame Einkaufen. Aber wenn es stets das ganz Besondere sein muss, das am besten noch für alle sichtbar ganz Besondere, dann setzt mein Skepsis schon ein. Schon die Hochzeit, nein, schon der Antrag muss aber so etwas von besonders sein. Im Sommer durften wir ein asiatisches Paar beobachten, dass in voller Hochzeitsmontur buchstäblich um die halbe Welt nach Island gereist ist – damit dort die richtigen Hochzeitsfotos gemacht werden konnten. Dabei muss man sich die allermeisten der gigantischen Wasserfälle des Landes erwandern und das bei elf Grad, Nässe und eisigem Wind im Juli! Darum war die Braut auch mit Daunenjacke und Wanderschuhen ausgerüstet, die sie natürlich für die Shootings mit Selbstauslöser immer wieder ausgezogen hat. Die Gänsehaut entsprang wohl eher nicht dem Glücksgefühl. Auch war das Kleid anschließend ruiniert (nasser Lavaschlamm ist nicht so gut für weiße Brautkleider), aber das alles spielte offenbar keine Rolle, wenn es die ganz besonderen Hochzeitsfotos sein müssen. Oder nehmen wir »Sarah and Mark in Love«, die Traumhochzeit des Jahres 2005 und großes Reality- TV Event. Das habe ich überhaupt nur mitbekommen, weil ich beim Zappen auf einmal den Strand mit Kreuzritterburg im Hintergrund erkannt habe, an dem wir schon des Öfteren Urlaub im Herbst oder zu Ostern Urlaub gemacht hatten. Dieser Traumstrand östlich von Tarragona, den eine Burgruine krönt – den Campingplatz auf der anderen Seite der Burg hat man komischer Weise nie im Bild gesehen, war die Kulisse für die Traumhochzeit, bei der nicht nur selbst gebastelte Ehegelübde verlesen wurden, sondern auch ein eigens komponiertes Lied live performt wurde (wie sie den Strom für die Band dahin bekommen haben, ist mir schleierhaft, vielleicht war ein Generator zwischen den Felsen versteckt?). »Ich habe 22 Jahre nach meinem Traummann gesucht, nach Dir Marc Terenzi«, hieß es da und: »Ich werde immer für Dich da sein. Ich werde Dich beschützen. Du wirst tief in meinem Herzen sein, solange ich atme…« Nein, war das romantisch. Allerdings dauerte diese Ewigkeit nicht einmal bis ins verflixte siebte Jahr! Stellt sich die Frage, warum Paare gigantischen Aufwand treiben und meinen, ohne einen Wedding Planer kann man heute überhaupt nicht mehr heiraten. Offenbar geht es doch darum, dass man auf jeden Fall ganz anders, ganz einzigartig und ganz besonders wirken möchte. Und wenn dann die Hochzeit vorbei ist, dann muss nach Möglichkeit erst recht gezeigt werden, wie toll und einzigartig die Beziehung von Bärchen und Schätzchen ist. Auf keinen Fall darf der Alltag alltäglich rüberkommen. Und darin liegt wohl auch die Gefahr, denn wer mit der Einstellung »für mich soll’s rote Rosen regnen« sein Leben und vor allem seine Beziehung bestreiten möchte, für den wird’s langfristig oder auch schon mittelfristig schwierig. Wenn zum regulären Alltagsstress auch noch der Stress kommt, stets etwas Besonderes auf die Beine stellen zu müssen, dann kann das nur schief gehen. Und wenn man in den Tagen nach Olympia noch ein sportliches Bild zum Vergleich für eine Ehe heranziehen kann, dann doch nicht den 100-Meter-Sprint. Da geht es doch eher um den Marathonlauf – und dabei meine ich den eigentlichen Lauf mit den verschiedensten Stationen, nicht die Medieninszenierung der Hahner-Zwillinge. Winnys Gym dein Partner für Fitness & Figur Reha-Sport, individuelle Trainingsbetreuung, Figur- und Rücken-Coaching, Vacutraining, Powerplate, großes Kursprogramm Bosfelder Weg 94a | Fon 4 73 68 | www.winnysgym.de

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