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Das Stadtgespräch September 2016

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30 TIPPS

30 TIPPS Das Stadtgespräch MAC P. LORNE »Der Pirat« Es gibt eine Reihe von Kategorien, die Bücher lesenswert machen, aber es gibt eine, die entfacht beim Leser einfach nur Leidenschaft: der fette Schmöker! Ein paar Hundert Seiten dick und trotzdem kann man ihn nicht aus der Hand legen, das ist ein Buch für mich! Um einen solchen Schmöker handelt es sich bei Mac P. Lornes »Der Pirat – Ein Francis- Drake-Roman«, der soeben bei Knaur erschienen ist. Auf nicht weniger als 650 Seiten enthält der Roman alles, was ihn lesenswert macht. Dabei war ich nach den ersten Seiten richtig enttäuscht von dem Buch, denn die Handlung setzt erst ein, nachdem Drake seinen legendären Raubzug mit Weltumseglung hingelegt hat. Dieses Abenteuer ist bekannt und Stoff für viele Romane, aber genau da liegt auch der Reiz dieses neuen Drake-Romans. Denn der Pirat der Königin Elisabeth I. hat noch viele Jahre gewirkt nach dem Piratenstreich mit ausdrücklicher, wenn auch inoffizieller Billigung der Königin. Die war nämlich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in der prekären Lage, dass sie sich zu Recht von der Großmacht Spanien bedroht fühlte. Der spanische Regent wollte unbedingt verhindern, dass England zur See-Großmacht und damit zur Konkurrenz avanciert. Das genau wollte die jungfräuliche Königin (dazu sagt der Roman auch einiges) jedoch, ohne dass sie es sich leisten konnte, offen gegen Philipp zu agieren. Soweit ist mir die Geschichte auch bekannt gewesen. Und auch über den englischen Sieg über die spanische Armada wusste ich Bescheid – habe ich jedenfalls gedacht. Doch so einfach, wie es mein altes Englischbuch dargestellt hat – Francis Drake war Kegeln, hat vom Angriff der Spanier erfahren und dann durch einen Geniestreich die Flotte vernichtend geschlagen mit Hilfe eines Unwetters – war die Sache dann doch nicht. Die Fakten, die Lorne akribisch recherchiert hat und auf sehr unterhaltsame Weise präsentiert, bieten ein weitaus komplexeres Bild. In Wahrheit war die Großmacht Spanien vor allem den aufstrebenden Seemächten gegenüber in der Technik und im Denken weit unterlegen. Dogma und Fortschritt vertragen sich halt nicht gut. Neben den vielen historischen Aspekten, die Lorne in seinem Roman verarbeitet hat, fasziniert natürlich auch die Biographie Drakes den Leser. Der Autor geht Drakes geheimnisumwitterten Reise als Spion in Venedig ebenso auf den Grund wie seinen kleinen und großen privaten Triumphen und Tragödien. Und es ist das gute Recht eines Romans, die Szenen und Dialoge, die nicht historisch verbürgt sind (und das sind die meisten) mit viel Phantasie und gekonnter Routine zu gestalten. Natürlich wird auch nicht mit reichlich Action gespart, aber gleichzeitig entwirft der Autor ein sehr differenziertes Bild der damaligen Zeit, in der zwar der Abenteurer bejubelt wurde – aber auch jederzeit dem politischen Kalkül geopfert werden konnte. Der Lese-Spaß kostet 14,99 Euro. BERNARD CORNWELL »Die dunklen Krieger« Ebenfalls genauestens recherchiert ist der neue Roman Bernard Cornwells. Der neunte historische Roman aus der Serie um den Krieger Uhtred mit dem Titel «Die dunklen Krieger» führt wieder ins 9. Jahrhundert, als sich im Ringen zwischen Nordmännern und Angelsachsen die englische Nation bildete. Auch wenn man die vorherigen Romane nicht kennt, bietet das auf Deutsch bei Rowohlt erschienene Taschenbuch (10,99 Euro) ordentlich Lesefutter. Wobei nicht gesagt sein soll, dass es sich bei dem Roman um leichte Kost handelt. Wer romantisches Mittelalter erwartet, der wird eines Besseren, besser gesagt eines Schlimmeren belehrt. Zu sagen, dass das Leben im England des 9. Jahrhunderts hart gewesen ist, trifft die Sache doch nur sehr am Rande. Es herrscht ein brüchiger Friede in England. Das Königreich Mercia im Norden wird von Æthelflæd regiert, Tochter des verstorbenen Königs Alfred. An der Nordgrenze des Landes hat sie ihren erfahrensten Kriegsherren installiert, Uhtred ist sein Name. Und aus dem Norden kommt auch der Feind, ein mächtiges Heer aus Iren und Nordmännern, angeführt vom furchtbaren Ragnall Iverson. Ragnall hat einen Bruder, mit dem Uhtred sich in der Vergangenheit schon gemessen hat, den er als Krieger achtet – und dem er seine Tochter zur Frau gegeben hat. Bald kommt Zweifel auf im Reiche Mercia, woran Uhtred sich am Ende mehr gebunden fühlen wird: an Lehnseid oder Blutverwandtschaft. Cornwell, einer der besten seiner Zunft, kennt sich nicht nur im frühen Mittelalter aus, sondern auch in der napoleonischen Zeit, in der Soldat Sharpe seine Hauptfigur ist. Cornwells Schicksal war es, zur Untätigkeit verdammt zu sein, als er mit seiner amerikanische Freundin, seiner jetzigen Frau, in Staaten zog. In seinem Beruf als Journalist durfte er nicht arbeiten. So fing er aus lauter Not und Langeweile mit dem Schreiben von historischen Romanen an. Und das ist ein Glückfall für seine Anhänger nicht nur in den englisch-sprechenden Ländern.

TIPPS 31 DVD-TIPP Jung & schön Isabelle ist jung – siebzehn – und schön mit ihrem zarten Körper, dem großen Schmollmund und der Haarmähne, für die manche Frau töten würde. Ihre Familie, bestehend aus Mutter, Stiefvater und kleinem Bruder kurz vor der Pubertät, ist ausgesprochen nett und sympathisch. Zusammen verbringen sie die Sommerferien im Ferienhaus in Südfrankreich, laden Freunde zum Essen ein und genießen gemeinsam das Leben. Isabelle lernt einen netten (deutschen) Jungen kennen, mit dem sie zum ersten Mal die Liebe erfährt. Und hier endet dann die Parallele zum Achtziger Jahre Hit »La Boum«. Denn anders als die romantische verliebte Figur, die Sophie Marceau berühmt machte, stellt Marine Vacth (Jahrgang 1991) mit Isabelle ein Mädchen dar, das eher die kleine Schwester von Catherine Deneuve in »Belle de Jour« sein könnte. Ernüchtert von der Erfahrung mit dem ersten Sex und gleichzeitig fasziniert von der eigenen Macht über Männer, beginnt Isabelle ein Doppelleben. Als Oberstufenschülerin lernt sie im Herbst des gleichen Jahres brav und unauffällig an einem Pariser Gymnasium, als Lea jedoch arbeitet sie als Prostituierte in Fünf- Sterne-Hotels. Die überwiegend alten Männer sind begeistert von der unverbrauchten jungen Frau, die es ihrerseits genießt, Macht über reiche, einflussreiche Männer in den besten Jahren zu haben. Bald schon stapelt sie buchstäblich Geld. Ihre Familie ist vollkommen ahnungslos. Jedenfalls so lange, bis einer ihrer Kunden sich so sehr erregt, dass er einem Herzinfarkt erliegt. Die Polizei kommt Isabelle auf die Schliche und behält ihr Wissen natürlich nicht für sich. Wie es dann weitergeht soll hier nicht verraten werden, aber der Film, der eine ganze Reihe von Tabuthemen streift, dramatisiert nicht und löst aber auch nicht alles in Wohlgefallen auf. Der britische Guardian urteilte in seiner Filmkritik, dass dieser Film ein sehr französischer ist, und da hat das Blatt wohl recht, allein schon wegen der Chansons von Francoise Hardy, die jeweils am Ende der vier Teile des Films (Sommer, Herbst, Winter, Frühling) zu hören sind. WIEDERENTDECKT: JACK LONDON »Mord auf Bestellung« «Sie zahlen, wir morden!» lautet die Devise einer New Yorker Attentatsagentur. Einzige Bedingung: Die Liquidation des Opfers muss sozial nützlich und legitim sein. So die Ausgangslage in «Mord auf Bestellung», in dem der weltbekannte Abenteuerautor Jack London im ungewohnte Genre des Thrillers brilliert. Doch schon die Entstehungsgeschichte des Romans, den Manesse in Eike Schönfelds Neuübersetzung gerade herausgebracht hat (263 Seiten, 24,95 Euro), macht den neuentdeckten Agententhriller aus dem Jahr 1910 zu einem ganz besonderen Buch. Wie Freddy Langer in seinem Nachwort erläutert, stammt die Idee zu diesem Roman über eine Attentatsagentur von dem damals noch unbekannten späteren Literatur- Nobelpreisträger Sinclair Lewis, dem Jack London die Idee für fünf Alles für den Hund NAPF EXPRESS Frostfleisch WOLFSBLUT PLATINUM HUNTER – Halsbänder und Leinen Sandra Verhoff Lindenstraße 8 · 59302 Oelde Telefon 02522/1055 Öffnungszeiten: Mo. –Fr. 8.30 –12.30 & 14 –18 Uhr Samstag 8.30 –13.00 Uhr

Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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