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Das Stadtgespräch Rheda-Wiedenbrück Ausgabe Januar 2020

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Die Januar Ausgabe vom Stadtgespräch.

1 Ohne steigendes Wasser

1 Ohne steigendes Wasser ist Holland Hnicht in Not. Holland in Not, aber noch ist Polen nicht verloren Redensarten auf den Grund gegangen Gelegentlich hört man noch heute, dass Holland in Not ist. Gemeint ist dabei, dass eine krisenhafte Situation herrscht. Ständig auf der Suche nach dem Ursprung von Redensarten sind wir auch auf diese gestoßen, die wörtlich genommen nicht viel Sinn ergibt. Wieso soll unser wohlhabendes Nachbarland in Not sein – wenn man einmal von diversen Fußball Welt- und Europameisterschaften absieht, für die man sich nicht qualifizieren konnte. Und da scheinen wir auch schon auf der richtigen Spur zu sein. Nein, nicht beim Fußball, sondern bei der Ironie. Es soll ein nicht ernst gemeinter Satz aus dem 16. Jahrhundert überliefert sein, der mit »Bijt hem een vloo, soo is Holland in last«, also: wenn ihn ein Floh beißt ist Holland in Not. Und da Flohbisse nicht nur in Holland im 16. Jahrhundert nun keine Seltenheit waren, stand der Ausdruck wohl schon damals für eine übertriebene Reaktion auf eine Lappalie – Lappalien kommen übrigens von Lappen, im Sinne von Lumpen, doch das nur nebenbei. Dabei hatte Holland durchaus seinen Anteil an ernsten Krisen. Über Jahrhunderte musste man an der holländischen Küste, die nicht durch vorgelagerte Inseln geschützt ist, Überschwemmungen fürchten. Und die hatten in den niedrig gelegenen Landen verheerende Folgen. Gelegentlich wurden die Überschwemmungen auch von der Bevölkerung herbeigeführt, indem man die Deiche öffnete, etwa als die Franzosen Ende des 17. Jahrhunderts einmarschierten, die es trotz der nassen Füße sieben Jahre dort aushielten. Auch bei den spanischen Erbfolgekriegen (1701 bis 1714) wurde diese Waffe eingesetzt. In der Regel wur- 1 Polen – nicht verloren de jedoch gemahnt, man solle die Deichpflege nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn Holland könnte wieder in Not geraten. Die Ironie des Schicksals ist, dass das Hochwasser heute wieder gefürchtet wird, denn die Erderwärmung führt zum Anstieg des Meeresspiegels. Folglich gibt es heute schon modernste Pfahlhäuser, die bei ansteigendem Wasserspiegel komplett in die Höhe gefahren werden können. Von fremden Besatzern können nicht nur die Holländer ein Lied singen, sondern auch die Polen. Die tun das dann auch tatsächlich, denn der erste Satz der polnischen Nationalhymne ist nicht nur in Polen zum geflügelten Wort geworden: Jeszcze Polska nie zgin ła. Das bedeutet zu Deutsch: »noch ist Polen nicht verloren« und bedeutet, dass eine Situation durchaus ausweglos erscheinen mag, man aber die Hoffnung dennoch nicht verlieren sollte. Und tatsächlich ist das Lied zu einer Zeit entstanden, als Polen als Staat nicht mehr existierte. Als Józef Wybicki (1747-1822) als Mitglied einer polnischen Einheit im italienischen Exil 1797 einen Text schrieb, der später von einem Unbekannten vertont wurde, gab es Polen nur noch virtuell, als Idee. 1795 verloren die Polen, die gegen die erste polnische Teilung von 1772 aufbegehrten, endgültig gegen die Russen. Der Wiener Kongress wenige Jahre später zementierte das Schicksal Polens nur, dessen südliche Landesteile anschließend zum österreichischen Kaiserreich gehörten. Der Westen war natürlich preußisch, der Osten russisch. 120 Jahre lang gab es keinen polnischen Staat, genauer gesagt bis zum Ende des 1. Weltkrieges. 1927 wurde das Lied zur Nationalhymne. Doch auch die schützte nicht vor der nächsten Teilung, denn im Hitler-Stalin-Pakt wurde das Land 1939 ungefähr hälftig aufgeteilt – wobei die Truppen Stalins nach eigenen Angaben eine reine Schutzfunktion hatten, denn schließlich lebten im Osten neben Polen auch Ukrainer, Weißrussen, Russen, Tataren, Armenier, Deutsche, Tschechen und andere Ethnien, nicht zuletzt viele Juden. Gelegentlich kann man auch heute noch Tataren in Polen finden, denn die bieten sich an touristischen Orten in voller Montur inklusive Säbel als Fotomotiv an. Solche östlichen Nachbarn sieht man gern, genauso wie die vielen westlichen Besucher, die dieses interessante Land mit der wechselvollen Geschichte heutzutage besuchen. Denn die hoffnungsvolle Nationalhymne hatte Recht. 76 Das Stadtgespräch

F Fertigstellung im Dezember Emsstufen (Kem) Die einen finden sie toll. Andere halten sie einfach für viel zu teuer und nicht für ungefährlich. Sicher aber ist, dass die Stadtverwaltung von einer Fertigstellung der Baumaßnahme im Dezember ausgeht und diese in dem vom Rat beschlossenen Finanzrahmen in Höhe von 322.000 € bleibt, berichtete uns die Pressesprecherin Lena Henkenjohann. Während der Arbeiten hat es keine unvorhergesehenen Ereignisse gegeben, die den Baufortschritt beeinträchtigt haben. 1 Großes Interesse finden die Bauarbeiten an der Emsstreppe. P Parkschule Weiterhin starker Ausbau der Schullandschaft (Kem) An der zweizügigen Gemeinschaftsgrundschule wollen Stadtverwaltung und Rat zwischen Mai 2020 und dem Jahr 2022 das Defizit insbesondere im Bereich der Gruppen- und Ganztagsräume sowie die beengte Situation in der Mensa durch einen 360 qm großen Neubau und Umbauarbeiten im Bestandsgebäude kompensieren. Die Baumaßnahmen erlauben die Bildung von Jahrgangseinheiten (zwei Klassenräume mit einem gemeinsamen Gruppenraum). Sie verbessern zugleich die Bedingungen für flexibles Arbeiten und Differenzierung. Eine spürbare Verbesserung ergibt sich zugleich aus der Vergrößerung der vorhandenen Klassenräume (von beispielsweise 49 auf mindestens 61 qm). Der auf vier Räume vergrößerte Ganztagsbereich wird vom Ober- in das Erdgeschoss umziehen. Die 37 qm große Mensa samt Küche erhält eine Fläche von rund 100 qm. Die Schulfamilie freut sich schon auf die Verbesserungen: »Auf die konkreten Baupläne durch das Immobilienmanagement sind wir gespannt«, heißt es in dem Brief der Schulleiterin Almut Wendt an die Fachbereichsleiterin Dr. Ina Epkenhans-Behr. Gesamtschulstandort Wiedenbrück 35 Fünftklässler besuchen seit den Sommerferien den Gesamtschulstandort Wiedenbrück. Im August 2018 konnte die Schule noch 64 Mädchen und Jungen begrüßen. Parallel dazu stieg die Anzahl der Anmeldungen an der Osterrath-Realschule. Auf diese überraschende und signifikante Fluktuation reagierten die Stadtverwaltung und der Schulausschuss jetzt mit einem »abgespeckten« und sehr flexiblen Konzept für den geplanten Erweiterungsbau beim Gesamtschulstandort Wiedenbrück. Nachdem Rat und Verwaltung von einer 3,5-zügigen Gesamtschule in Wiedenbrück ausgehend ein 1605 qm umfassendes Raumprogramm für den Neubau erarbeitet hatten, stimmte der Schulausschuss nunmehr einer Reduzierung auf 1445 qm zu. Obwohl die zukünftige Zügigkeit des Gesamtschulstandorts (verständlicherweise) nur schwierig zu pro- gnostizieren ist, wie die Fachbereichsleiterin Dr. Ina Epkenhans-Behr im Schulausschuss erläuterte, fehlen neben Klassenräumen definitiv Fachunterrichtsräume für Technik / Werken und Musik mit den entsprechenden Nebenräumen sowie Aufenthalts- bzw. Ganztagsflächen. Flexibel Bei möglichen Abweichungen der Zügigkeit nach oben könnte die Gesamtschule die großen Differenzierungsräume temporär als Klassenräume nutzen. Umgekehrt soll eine größtmögliche flexible Gestaltung der Unterrichtsräume dafür sorgen, dass diese jederzeit möglichst störungsfrei – auch durch Drittnutzer – erreicht werden können. »Mit dem Ziel eine stabile Schullandschaft anbieten zu können, spricht sich die Schulverwaltung aber für eine weiter bestehende Vierzügigkeit der Osterrath-Realschule aus«, heißt es in der Sitzungsvorlage. Fest steht, dass die ORS die Musikräume in dem Neubau der Gesamtschule mitnutzen kann. Die baulichen Voraussetzungen der ORS ermöglichen wiederum eine Nutzung der dort vorhandenen Mensa und Aula durch die Gesamtschule, schreibt das Bonner Büro für Schulentwicklungsplanung in der von der Stadt in Auftrag gegebenen Raumanalyse. Verwaltung und Rat wollen durch einen Architektenwettbewerb eine attraktive Lösung für den Neubau erreichen. 1 Der Gesamtschulstandort Wiedenbrück wird durch einen Neubau ergänzt. Das Stadtgespräch 77

Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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