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Das Stadtgespräch Rheda-Wiedenbrück Ausgabe Januar 2020

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Die Januar Ausgabe vom Stadtgespräch.

Tillmann Bendikowski

Tillmann Bendikowski »Ein Jahr im Mittelalter Ebenfalls um das zwölfte Jahrhundert geht es in dem schon optisch und haptisch sehr schönen Buch des Historikers Tillmann Bendikowski »Ein Jahr im Mittelalter«, erschienen bei C.Bertelsmann, 446 Seiten, viele farbige Abbildungen, 28 Euro. Dabei geht es dem Leiter der Medienagentur Geschichte in Hamburg nicht um die schillernden Führungsgestalten wie Friedrich Barbarossa oder Richard Löwenherz, sondern eher um den normalen Alltag. Und da gibt es einiges zu entdecken, denn es sind die konkreten Dinge des Lebens, die uns besonders faszinieren: Wie lebten und starben die Menschen? Wie feierten sie, wie liebten sie sich, wie reisten sie, wie stritten sie sich, wie zogen sie sich an und was aßen und tranken sie? Was taten sie bei Krankheit, wie schützten sie sich vor Hitze und Kälte? Woran glaubten sie, wovor hatten sie Angst, was machte ihnen Mut? Der Autor beschreibt sehr anschaulich und unterstützt durch zahlreiche farbige, teilweise wunderschöne Abbildungen den thematisch in zwölf Monats-Kapitel gegliederten Jahreslauf, der für die Menschen der damaligen Zeit natürlich ungleich mehr Bedeutung hatte als heute, wo der Kühlschrank sommers wie winters stets gefüllt ist. Der Leser lernt so die fremde Welt vor fast tausend Jahren kennen, die aber dennoch in mancher Hinsicht der unseren gleicht. Wenn beispielsweise der Sittenverfall von Wächtern der Moral beklagt wird, dann klingt das wie heute. Und obwohl unser Leben heute nicht schon per Definition ein Überlebenskampf im wahren Sinne des Wortes ist, sind uns doch die Ängste der mittelalterlichen Menschen nicht unbekannt. Was Bendikowskis Buch noch so lesenswert macht, ist die Mischung aus guter Lesbarkeit und wissenschaftlicher Korrektheit. Zahlreiche Anmerkungen und ein umfangreiches Literaturverzeichnis helfen den Wissbegierigen, die mehr weiter ins Mittelalter eintauchen wollen. Adrian McKinty »The Chain« Noch größer als die Gemeinde der Mittelalter-Fans ist die der Krimi-Liebhaber. Natürlich gibt es auch für die jede Menge Neues auf dem Markt. Ein wirklich außergewöhnlicher Thriller, der empfindsame Seelen durchaus um den Schlaf bringen könnte, ist »The Chain« des Nord-Iren Adrian McKinty. Schon die Grundidee lässt erschaudern, basiert sie doch auf dem Prinzip des Kettenbriefes. Also: Rachel Klein ist allerziehende Mutter ihrer Teenie-Tochter Kylie. Völlig unerwartet wird Kylie entführt, was natürlich ein Alptraum für Rachel ist, denn sie kommt so gerade mal um die Runden mit ihrem Geld. Und um Geld geht es tatsächlich auch bei der Entführung, denn Rachel soll fünfundzwanzigtausend Dollar in Bitcoins im Darknet überweisen. Doch damit sind die Forderungen der Entführer noch lange nicht erfüllt, denn nun ist die Rachel Teil der Kette. Und nur, wenn Rachel selbst ein Kind entführt und die Eltern dazu bringt, die Entführer zu bezahlen und ebenfalls ein Kind zu entführen, sind die Entführer Kylies bereit, das Mädchen frei zu lassen. Rachel tut alles, um ihrer Tochter wieder heile zurück zu bekommen, zumal als sie die Nachricht bekommt, dass die Entführer einen Polizisten getötet haben. Auch scheint die Kette alles über sie zu wissen. Und das, obwohl die Entführer ihrer Tochter alles andere als Profis sind, wollen die doch nur ihren eigenen Sohn retten, der ebenfalls entführt ist. Also schmiedet auch Rachel einen Entführungsplan. Dabei hilft ihr ihr Schwager, der zwar ziemlich heruntergekommen ist, aber immerhin eine Vergangenheit als Einsatzkraft hinter sich hat. Doch Rachel ist nicht nur Hausfrau, verzweifelte Mutter und Opfer, sondern auch ein Kämpferin, die bereit ist, sich den Drahtziehern zu stellen. Spannung und auch einige Überraschungen erwarten uns bei der Lektüre von »The Chain«, erschienen als Taschenbuch bei Knaur, 351 Seiten, 14,99 Euro. Frederick Forsyth »Der Fuchs« Eigentlich gibt es fast nur zwei Namen, die für die Gattung des Spionage-Thrillers stehen, nämlich John Le Carré und natürlich Frederick Forsyth. Letzterer war mit 19 jüngster Pilot der British Airforce. Nach seiner Armeezeit war er als Korrespondent der Agentur Reuters und dem BBC unter anderem in der DDR und anderen Ostblockstaaten sowie einigen afrikanischen Staaten wie Nigeria tätig. Nach eigenen Angaben hat er auch 20 Jahre für den britischen Geheimdienst MI6 gearbeitet. Weltweit bekannt wurde der Autor, der über 70 Millionen Bücher verkauft hat, mit »Der Schakal«, von 1971, und «Die Akte Odessa«, von 1972, die jeweils ein Jahr später auf Deutsch erschienen sind und auch verfilmt wurden. Beruhigend zu erfahren, dass Forsyth mit Anfang 80 noch mindestens genauso gut schreibt wie mit Anfang 30. Das gilt für seinen trockenen Schreibstil, der stets auf den Punkt kommt, aber auch für die Aktualität des Themas. Es geht, wie der Titel schon sagt, um den Fuchs. Doch der Fuchs ist keineswegs ein raffinierter Krimineller, wie der Schakal es war. Vielmehr handelt es sich bei Luke, dem Helden des gerade erschienen Romans, um einen achtzehnjährigen Jungen mit autistischen Zügen. Seine Umwelt nimmt der nur begrenzt wahr, aber durch den Cyberspace segelt er wie kein Zweiter. Dabei überwindet er spielend Sicherheitssysteme, jedoch nicht, um sich finanzielle Vorteile zu verschaffen oder irgendwelche politischen Ziele zu verfolgen, sondern einfach, weil er es kann. Das bleibt nicht unentdeckt und ruft neben den Amerikanern, die sich ohnehin permanent bedroht fühlen, auch die heimischen britischen Dienste auf den Plan, die den Jungen unter ihre Fittiche nehmen. Und selbstverständlich tun sie das nicht aus reiner Sorge für einen kleinen Untertan ihrer Majestät, sondern um sich im Cyberwar massive Vorteile zu verschaffen. Natürlich bleibt auch das nicht unbemerkt, und so rufen sie die Russen auf den Plan, die natürlich an der neuesten menschlichen Superwaffe, für die auch die ausgeklügelsten Firewalls kein Hindernis darstellen, ein lebhaftes Interesse haben. Der Roman kann einen wirklich bange machen, denn an keiner Stelle denkt man »das ist ja alles Quatsch«. Ein Szenario, wie es sich Forsyth für sein spätes Werk ausgedacht hat, würde tatsächlich 68 Das Stadtgespräch

sämtlichen kalten Krieger auf den Plan rufen und vermutlich auch einige Terrororganisationen. Dennoch oder gerade deshalb ist der Thriller natürlich von allererster Güte, wobei verzeihlicher Weise an manchen Stellen noch »rule Britannia« durchschimmert. Erschienen als Hardcover bei C.Bertelsmann, 317 Seiten, 20 Euro. Wiebke Kalläne »Apfelgelb« Niederlande im 17. Jahrhundert: Der zwar künstlerisch sehr begabte, aber völlig mittellose Bauernsohn Jarik de Boer kommt nach Delft und begegnet dort dem jungen Maler Jan Vermeer. Dieser erkennt schnell Jariks Talent und nimmt ihn als Lehrling bei sich auf. Seine Aufgabe: Er soll Farben wie das Apfelgelb für den Meister anmischen. Zunächst fühlt er sich auch sehr wohl und sieht es als große Ehre an, dass er für Vermeer arbeiten darf. Doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr wird Jarik bewusst, dass er sich nichts mehr wünscht, als selbst zu malen. Mitten in diesem Zwiespalt trifft er auf die schöne Griet. Leider steht die Liebe der beiden unter keinem guten Stern, denn Griet ist bereits einem anderen Mann versprochen… Der Debütroman »Apfelgelb« der Autorin Wiebke Kalläne, die übrigens in Oelde lebt und damit also eine echte Ostwestfälin ist, wurde inspiriert von dem Gemälde »Briefleserin am offenen Fenster«. Das Bild wurde von 1657 bis 1659 vom niederländischen Maler Jan Vermeer gemalt. Seit 1742 befindet es sich in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden, wo es seit 2017 restauriert wird. Ab Mitte 2020 soll es der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. »Apfelgelb« ist ein spannender historischer Roman über das sogenannte Goldene Zeitalter in den Niederlanden, gleichzeitig auch ein Buch über eine verbotene Liebe und natürlich über die niederländische Malerei. Man ist gleich mitten in der Geschichte, wird sofort von dieser in den Bann gezogen und dies bleibt auch bis zum Ende so. Erschienen ist der Roman »Apfelgelb« als Hardcover im Solibro-Verlag, hat 180 Seiten und ist erhältlich in der Buchhandlung bücher-güth für 18 €. Jugendbuch Erin Stewart »Sieh mich an« Ava ist sechzehn und wenn sie in den Spiegel schaut, gefällt ihr nicht, was sie dort sieht. Ganz normal für Sechzehnjährige, doch bei Ava geht es nicht darum, dass sie Pickel oder widerspenstige Haare fürchtet. Die Haut ihres Körpers sieht aus wie ein »morbider, zusammengenähter Quilt«, denn nach einem Brand sind sechzig Prozent ihrer Haut zerstört. Und die wenigen Teile ihrer Haut, die durch einen glücklichen Zufall noch intakt sind, dienen den Ärzten dazu, als Reservelager für die zerstörten Hautpartien zu fungieren. Doch damit nicht genug, denn der Hausbrand, der Ava so schwer verletzte, hat auch ihre Eltern umgebracht sowie ihre Cousine, die ihre beste Freundin war. Nach einem Jahr sind nun die Ärzte der Meinung, dass wieder etwas Normalität in Avas Leben einkehren müsste. Sie kann das Krankenhaus verlassen und nach Hause zurück. Wobei ihr Zuhause eigentlich das ihrer verstorbenen Cousine ist. Deren Eltern, Cora und Glenn, kümmern sich seither um Ava und überreden sie dazu, wieder eine Schule q Das Stadtgespräch 69

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