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Das Stadtgespräch Rheda-Wiedenbrück Ausgabe Januar 2020

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Die Januar Ausgabe vom Stadtgespräch.

A Inklusion – auf dem

A Inklusion – auf dem Rücken der Lehrer 7 (V. l.) Die von den Schulräten Maximilian Kuntze und Stephan Kern auf den Tisch gelegten Fakten schockierten den Schulausschuss. (Kem) »Wir können den Kindern nicht das geben, was sie benötigen. Das macht mich fassungslos. An den Schulen des gemeinsamen Lernens fehlen Förderschullehrer. Aber die Situation ist noch dramatischer, weil vielfach auch Regelschullehrer fehlen«, resümierte der Erste Beigeordnete Dr. Georg Robra in der jüngsten Schulausschusssitzung. Ratsherr Andreas Hahn von den Bündnisgrünen ergänzte ernüchtert, er sei sehr enttäuscht, dass die Schulen mit gemeinsamem Unterricht rund 50 % der bestmöglichen Förderung der Kinder nicht gewährleisten können. Fakten Im Kreis Gütersloh besteht an den Sekundarstufenschulen I (Haupt-, Real-, Gesamtschule, Mittelstufe Gymnasium) des gemeinsamen Lernens ein Bedarf von 105 Förderschullehrern. Das berichteten im Schulausschuss die Schulräte beim Schulamt für den Kreis Gütersloh, Stephan Kern und Maximilian Kuntze. Vorhanden sind aber nur 55 Fachkräfte. Diese Differenz entspricht der Ausstattung an der Städtischen Gesamtschule Rheda-Wiedenbrück (Stellenbedarf ca. 10 / Personalausstattung rund 5) und dem Ratsgymnasium (Bedarf 2 / Ausstattung 1). Ebenfalls an den Grundschulen ist die Personalausstattung unbefriedigend. Im Kreisgebiet besteht ein Bedarf von rund 73 Förderschullehrern. Vorhanden sind zirka 47. Im Gebiet der Doppelstadt ist die Situation relativ am günstigsten bei der Brüder-Grimm-Schule (Bedarf 4 / vorhanden 2,7). An der Johannisschule und dem Grundschulverbund Andreas-Wenneber sind von 2,16 bzw. 2,67 Stellen 1,00 und 1,07 Dienstposten mit Förderschullehrern besetzt. Förderschulen Bei den von Kindern und Jugendlichen aus Rheda-Wiedenbrück besuchten Förderschulen Kopernikus- sowie Wiesen- und Regenbogenschule besteht nur eine geringfügige Unterbesetzung. Die Paul-Maar- und die Martinschule können sich sogar über ein kleines Plus freuen. Lösung? Maximilian Kuntze gestand: »Die Besetzung der Förderschullehrerstellen an Schulen mit gemeinsamem Unterricht ist ein Problem, das wir kurzfristig nicht lösen können. Es gebe einfach zu wenig Lehramtsstudenten für die Besetzung dieser Stellen. Verständlich, dass vor diesem Hintergrund seine Anmerkung nicht trösten konnte, dass es in anderen Kreisen vielfach noch schlechter als im Kreis Gütersloh aussehe. Finger in die Wunde Die Inklusion wird einseitig auf die Lehrkräfte abgeladen, ohne eine hinreichende Unterstützung durch Förderschullehrer zu gewähren. 50 Das Stadtgespräch

Y Yunus Ulusoy: Wir müssen bei der Integration umdenken Symposium Ambassador Club Ems Rheda 1 (V. l.) Ambassador-Präsident Norbert Ellermann, Vizepräsident Andre Schulte, Referent Yunus Ulusoy, Aysegül Winter (Kem) Die soziale Distanz der Einwanderer aus der Türkei zur Mehrheitsgesellschaft sei größer als bei anderen Migrantengruppen, sagte Yunus Ulusoy, Mitarbeiter der »Stiftung Zentrum für Türkeistudien im grenzüberschreitenden Raum Deutschland–Türkei«, jetzt auf dem Symposium des Ambassador Clubs Ems Rheda e. V. Auf der sehr gut besuchten Veranstaltung in der Gaststätte Reuther führte der von Aysegül Winter (Ambassador-Vorstand) eingeladene Referent unter dem Thema »Quo Vadis Migration und Integration« weiter aus, dass das u. a. daran liege, dass sie meist durch Aussehen oder Kleidung gleich als Einwanderer auffallen und weitaus häufiger mit Reaktionen darauf rechnen müssen, als zum Beispiel ein blonder Pole oder Russe, der vielleicht erstmal gar nicht als Migrant erkannt wird. Parallelgesellschaft? Der Referent verwies bei der von Nimo Sudbrock moderierten Veranstaltung auf eine Studie der Uni Münster, wonach mehr als die Hälfte der befragten Türkischstämmigen angaben, sich nicht als Teil der deutschen Gesellschaft anerkannt zu fühlen, »egal, wie sehr ich mich anstrenge«. Trotz dieser Defizite, die sich beispielsweise im gesellschaftlichen Zusammenleben und der Teilhabe am Bildungssystem manifestieren, riet er »bei diesen Themen immer zu Gelassenheit. Wir sind besser aufgestellt als der allgemeine Eindruck vermittelt.« »Ihre Antworten auf konkrete Einzelfragen reichen leider nicht aus«, sprach Michael Pfläging (CDU-Ratsherr) dem Auditorium offensichtlich aus dem Herzen. Auf Dr. Georg Robras (Erster Beigeordneter) Frage nach dem gewünschten Frauenschwimmen ausschließlich für muslimische Frauen und Jörg Drostes (EG-Schulleiter) geschilderten Schwierigkeiten bei der Teilnahme aller Schülerinnen und Schüler am Schwimmunterricht, hatte der Referent herausgestellt: Das seien für ihn Details, die sich aber verändern. Seine These: »Integration werden Sie nicht lösen, wenn Sie die Probleme in den Mittelpunkt stellen. Erreichen Sie die Herzen der Menschen. Dann kriegen Sie ihre Herzen zurück. Wir müssen umdenken!« Das Stadtgespräch 51

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