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Das Stadtgespräch Rheda-Wiedenbrück Ausgabe Februar 2020

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Viel Spaß beim digitalen Lesen der Februar-Ausgabe vom Stadtgespräch.

Die Spur der

Die Spur der Hinkelsteine Mit der Megalithkultur durch Europa Niemand, der je vor den Pyramiden in Gizeh bei Kairo gestanden hat, war unbeeindruckt. Natürlich gibt es auch moderne Bauten, vor denen man staunend steht, doch wie wir wissen, ist heutzutage die Technik ganz anders entwickelt. Unvorstellbar, was die Menschen hier vor viereinhalb Tausend Jahren zustande bekommen haben, und das Ganze ohne Fahrzeuge mit Rädern. Die Cheops-Pyramide mit ihren über 140 Metern Höhe hat einen Neigungswinkel von exakt 51°50'40" und besteht dabei aus drei Millionen Steinblöcken, von denen jeder zweieinhalb Tonnen wiegt. Unfassbar. Und währenddessen haben unsere zotteligen Vorfahren im Norden in Höhlen gehaust und mit der Keule wilde Tiere und wahlweise Familienmitglieder bearbeitet. Richtig? Nicht ganz. Höhlenmenschen oder Architekten? Das wird spätestens dann klar, wenn man den hohen Nordwesten Europas besucht. Genauer gesagt Irland, denn dort findet sich nur wenige Kilometer nördlich von Dublin die Anlage von Newgrange. Zugegebener Maßen verschlägt es dem Besucher nicht sofort die Stimme, wenn er sich dem Bau nähert. Zunächst einmal sieht der nur aus wie ein Hügel. Als solcher war er auch über Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende angesehen worden. Die Bauern der Nachbarschaft ließen ihr Vieh auf der baumbestandenen Anhöhe weiden. Ein Glücksfall der Geschichte war es dann, dass der Großgrundbesitzer Charles Campbell ein paar Steine wegräumen ließ und dabei eine Grabkammer entdeckte. Das war im Jahr 1699. Zufällig war ein Gelehrter der Universität Oxford ganz in der Nähe unterwegs, der sofort erkannte, dass es sich bei dem Hügelgrab 1 Den Wohnhäusern nachgebaut um etwas ganz Besonderes handelte. Schon im 18. anschließend auch im 19. Jahrhundert untersuchten Wissenschaftler Newgrange, das schließlich 1882 zusammen mit einigen Entdeckungen in der Nachbarschaft unter staatlichen Schutz gestellt wurde. Heute steht längst fest, dass die Anlage um 3150 v. Chr. erbaut wurde, also gut ein halbes Jahrtausend vor den ägyptischen Pyramiden. Newgrange 56 Das Stadtgespräch

hat einen Durchmesser von gut 90 Metern und wird durch einen fixierenden Steinring eingefasst. Ein 22 Meter langer Gang führt ins Innere der Anlage. Dort findet sich ein sieben Meter hohes Kraggewölbe, das auch nach mehr fünftausend Jahren wasserdicht ist. Aber das ist nicht das eigentlich Erstaunliche, denn der normalerweise stockfinstere Gang wird einmal im Jahr, nämlich zur Wintersonnenwende im Dezember, bis in den letzten Winkel erleuchtet. Beziehungsweise fast bis in den letzten Winkel, ein Meter fehlt, weil die Erdachse in den letzten fünf Jahrtausenden etwas geruckelt hat. Irgendwie mag man die Menschen, die über solche astronomischen Kenntnisse verfügten und zudem auch künstlerisch versiert waren, wie die wunderschönen Verzierungen der großen runden Megalithen zeigen, die den Eingang zur Grabkammer bewachen, nicht Steinzeitmenschen nennen. Große-Stein-Kultur Die Verwendung von Megalithen, wörtlich großen Steinen, war in prähistorischer Zeit weit verbreitet, vom Gebiet des heutigen Irlands oder Schottlands über Skandinavien und Deutschland bis hin nach Portugal und Spanien. Vor allem Frankreich ist hervorzuheben, zeigt es doch besonders viele beeindruckende Standorte. Die großen Steine finden sich aber auch in Nordafrika, Malta, in Palästina, der östlichen Türkei und sogar an den Küsten des östlichen Schwarzen Meeres. Und da sich die Anlagen ähnelten, ging die Forschung des frühen 20. Jahrhunderts davon aus, dass es eine zusammenhängende Megalith-Kultur gegeben hätte. Es gab zwar verschiedene regionale Baustile, so wurden im Westen runde Erdhügel errichtet, in unserer Region eher die sogenannten Hünengräber, die länglich waren. Aber dennoch wurden überall Materialien sorgsam ausgewählt, Farbe und Struktur der Steine war niemals zufällig, sondern immer mit gestalterischem Willen verwendet. Auch wurden die Gräber als Behausungen der Toten offenbar nach den Behausungen der Lebenden errichtet. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts verbesserten sich die Forschungsmethoden, vor allem die der Datierung. Da die Fundorte zudem so weit auseinander lagen, konnte man sich offenbar nur schwer vorstellen, dass es sich bei den Großsteingräbern um eine Kultur handelte, die sie erschaffen hatte. Man ging von parallelen Entwicklungen aus. Allerneueste Forschungen haben herausgefunden, dass tatsächlich zwischen den T-förmigen Steinsäulen aus Göbekli, Türkei, die aus dem zehnten vorchristlichen Jahrtausend stammen, und q 1 Der Eingang zur Grabkammer 1 Noch lange ist nicht alles ausgegraben 1 Mittelalterlicher Sündenfall auf Megalith Das Stadtgespräch 57

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