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Das Stadtgespräch Rheda-Wiedenbrück Ausgabe Februar 2020

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Viel Spaß beim digitalen Lesen der Februar-Ausgabe vom Stadtgespräch.

G »Vielleicht kann

G »Vielleicht kann meine Geschichte anderen helfen« Geboren im falschen Körper (bew) Franka ist weg. Sie ist gegangen. Für immer. Vielleicht hat es sie nie richtig gegeben. Auch wenn sie körperlich anwesend war – in ihrer Familie und bei Freunden, im Kindergarten, in der Schule oder sogar überaus erfolgreich beim Fußball. U17-Bundesliga, im Tor für den FSV Gütersloh, das war Frankas Position. Und trotzdem hat sie sich mit 15 Jahren verabschiedet aus ihrem Leben, um endlich etwas Grundlegendes richtig zu stellen. Etwas, das sie immer schon in sich trug aber dennoch nie greifen, geschweige denn begreifen konnte. Bis zu diesem Abend in den Herbstferien 2017. »Hi, komm rein«, sagt Max Leweling mit angenehm rauer Stimme und läuft schon mal vor in die gemütliche Wohnküche seines Elternhauses in Rheda-Wiedenbrück. Kein Zweifel, das ist ein Junge, ein Jugendlicher, ein junger Mann – wie man das bei einem gerade eben 18-Jährigen eben so definiert. Niemand, der seine Lebensgeschichte nicht kennt, würde je auf den Gedanken kommen, dass dieser sportliche Typ einst als Mädchens auf die Welt gekommen ist. Anzug statt Kleid – schon immer Schon im Kindergarten trug das Kind die Haare kurz und ausschließlich Jungenkleidung. »Der angekündigte Kauf eines Badeanzugs für den Schwimmunterricht in der Schule löste einen riesigen Wutanfall aus. Da war nichts zu machen. Wir haben dann eine Badehose gekauft«, erinnert sich Mutter Diethild Leweling. Zur Kommunion geht das Kind bereits völlig selbstverständlich im Anzug und nicht im weißen Kleid. Die Eltern tolerieren diese Eigenarten von Anfang an und ahnen dennoch nicht, dass im Leben ihres Kindes nichts selbstverständlich ist. »Ich dachte, wir haben eben ein sehr burschikoses Mädchen und habe das akzeptiert. Auch, weil ich als Kind selbst oft sehr jungenhaft war, war mir das Verhalten gar nicht so fremd«, erzählt die Mutter. Max schaut seine Eltern nachdenklich an und sagt: »Ich habe euch nie gesagt, was in mir vorgeht. Ich dachte immer, ich bin völlig verrückt. Irgendetwas stimmt nicht mit mir. Schon mit etwa fünf Jahren fing das an. Natürlich konnte ich überhaupt nicht verstehen, was an mir falsch ist«. Dieser Zustand des Falschseins hält für Max weitere zehn Jahre an. In dieser Zeit versucht er seine Grübeleien zu verdrängen und steckt all seine Energie ins Fußballtraining. Zunächst beim SC Wiedenbrück, dann bei RW St. Vit und schließlich landet das Torwart-Talent bei den Mädchen des FSV Gütersloh. Vater Reiner Leweling, selbst Torwarttrainer, teilt die Leidenschaft seines Kindes und fördert die Begabung von Beginn an. Für Franka gibt es nicht anderes als Fußball. In einem früheren Stadtgespräch-Artikel über den erfolgreichen sportlichen Werdegang äußert sie: »Wenn ich mit Fußball aufhören würde, wüsste ich nicht, was ich machen sollte«. Erkenntnis trifft wie ein Schlag Das ist im Sommer 2017 – im darauf folgenden Herbst wird plötzlich alles anders. Bereits einige Monate zuvor lief abends eine TV-Dokumentation über Menschen mit Transidentität, deren erlebtes Geschlecht nicht mit ihrem angeborenen tatsächlichen Geschlecht übereinstimmt. Die Erkenntnis trifft WIR LIEFERN WÖCHENTLICH KOSTENFREI! Für Privat & Gewerbe WISSEN, WAS IN DER WELT PASSIERT! Keine langfristigen Vertragsbindungen Umweltfreundliche Mehrfachnutzung 1, 2 oder 3 Wochen nach Erscheinen wesentlich günstiger zu erhalten Sie sparen bis zu 50% gegenüber dem Kiosk-Preis 05242 – 9089177 I Hauptstraße 21 I Rheda-Wiedenbrück 16 Das Stadtgespräch

Den männlichen Namen sucht Max sich selbst aus. »Auf einmal lag ein Zettel auf dem Küchentisch«, erinnert sich die Mutter schmunzelnd. Weder für sie noch für den Vater wäre es jemals in Frage gekommen, Max die Unterstützung zu versagen. Als nächstes weiht Max, noch in den Herbstferien, die Mädchen aus seiner Klasse ein. »Sie haben super reagiert. Für die war das zum Glück keine große Sache und sie haben meine wirkliche Identität sofort akzeptiert«, erzählt Max. Nach den Ferien werden die übrige Klasse und natürlich auch die Lehrer in Kenntnis gesetzt. 1Max Leweling aus Rheda-Wiedenbrück möchte mit seiner Geschichte auf das Thema Transidentität aufmerksam machen. wie ein Schlag. »Alles bekam auf einmal einen Sinn. Ich verstand endlich, was mit mir los ist«, erinnert sich Max an diesen Schlüsselmoment. An diesem Zeitpunkt ist das Leben von Franka vorbei. Max sagt klar und deutlich: »Ich bin kein neuer Mensch geworden. Franka gab es für mich einfach nie«. Dennoch dauert es bis zu den Herbstferien, bis er seine Eltern und den Bruder einweiht. »Als er sich uns anvertraut hat, war das im ersten Moment natürlich ein Schock. Wir hatten einfach nicht damit gerechnet, dass dieses burschikose Auftreten so gravierend und grundlegend die gesamte Identität unseres Kindes bestimmt«, sind sich Diethild und Reiner Leweling einig. Ab diesem Zeitpunkt fokussiert sich in der Familie alles auf die bestmögliche Unterstützung für Max und seinen zukünftigen Weg als Mann. Es werden alle Informationen zur Thematik gesammelt und Beratungsangebote in Anspruch genommen. Fußball-Karriere ist jäh beendet Was sich so leicht dahin sagt, ist manches Mal ein schwerer Gang. »Offen in Frage gestellt oder angegriffen hat mich zwar niemand, aber ich weiß, dass hinter meinem Rücken geredet wird. Davon versuche ich mich frei zu machen. Die Meinung anderer muss mir egal sein«, äußert Max sehr reflektiert. Viele Freunde verliert er in dieser ersten Zeit, aber es kommen auch zahlreiche neue hinzu. Heute besteht sein Freundeskreis ziemlich ausgeglichen aus Mädchen und Jungen. Die Thematik der Transidentität ist für geschlechtssichere erwachsene Menschen schon schwer greifbar und für die meisten Jugendlichen vermutlich völlig abstrakt. In einem Alter, in dem alle ihren Platz im Leben noch suchen, sich austesten und vergleichen oder einfach nur dazugehören wollen, ist es schwer verständlich, wenn einer kommt und das bestehende Gefüge auf den Kopf stellt. Besonders bitter ist für ihn, dass er sein geliebtes Fußballspiel aufgeben muss. Mit dem Zeitpunkt des Coming-Outs beendet er seine Karriere beim FSV Gütersloh. Als Junge in einer Mädchenmannschaft, das ist nicht erlaubt. Zumal Max das Hormon Testosteron erhält – dieses gilt im Sport als Dopingmittel. q Wir sind SEAT in Rheda-Wiedenbrück. Dein neuer SEAT Partner für den Kreis Gütersloh und Oelde. Besuch uns in Rheda-Wiedenbrück. Auto-Zentrale Karl Thiel GmbH & Co. KG Karl-Thiel-Str. 1, 33378 Rheda-Wiedenbrück Tel. 05242 5905-670, www.thiel-gruppe.de thiel_Imageanzeige_Neue-Marke-SEAT_RWB_195x133.indd 1 16.01.20 09:38 Das Stadtgespräch 17

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