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Das Stadtgespräch Oktober 2016

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54 Das

54 Das Stadtgespräch BUNT UND LEBENDIG BUNT UND LEBENDIG Der Herbst auf dem Friedhof Kaum eine Jahreszeit wird so unterschiedlich empfunden wie die die Monate Oktober und November: Die einen freuen sich über die bunten Farben des Laubs, den herben Duft der Erde und die Bewegung, die der Herbstwind in die Landschaft bringt. Bei anderen steht der Herbst für Abschied. In jedem Fall ist der Oktober der ideale Monat, um über die Grabgestaltung für unsere verstorbenen Angehörige und Freunde nachzudenken: Wird das Grab ihnen als Persönlichkeit gerecht? Tröstet es uns beim Besuch und Andenken an die gemeinsamen Zeiten? Könnten wir ihnen ein schöneres Denkmal setzen? Mit ein bisschen Mühe im Vorfeld werden am 1. November dann Lichter auf Gräbern entzündet, die wieder eine Verbindung schaffen zwischen uns Lebenden und unseren Toten. Auf den Friedhöfen in Rheda- Wiedenbrück ist eine individuelle Gestaltung der Grabstätten im Rahmen gewisser Spielregeln noch immer sehr gut möglich (s. Link am Ende des Artikels). Wir sind nicht dazu verpflichtet, das Gedenken stereotyp oder eintönig zu gestalten, die Grabgestaltung kann so persönlich und individuell sein wie die Trauer selbst. Trauer ist so persönlich wie die Grabgestaltung Neben den klassischen Grablegern, die es allüberall für kleines Geld zu kaufen gibt, erfüllt ein Florist oder ein Friedhofsgärtner auch gern individuelle Wünsche jenseits der gerade aktuellen »Gesteckmode«, mit denen man sowohl seinem gestalterischen Ehrgeiz als auch dem Respekt vor dem Verstorbenen gerecht wird. Auch ein Supermarktgesteck kann durch ein paar Handgriffe viel persönlicher werden: zum Beispiel durch Blätter, Nüsse oder Früchte von einem Baum oder Strauch, den der Verstorbene einmal selbst gepflanzt hat. Oder man arbeitet ein Andenken in Gesteck oder Pflanz-Schale, das man bisher als Erinnerung behalten hat – sei es eine Schleife, geschmackvolle Knöpfe, ein nicht allzu kostbares Schmuckstück oder ein ehemals heiß geliebtes Werkzeug, das einen völlig neuen und individuellen Stil in die gekaufte Ware bringt. Wer mehr machen möchte, versorgt das Grab womöglich mit einer Einpflanzung in der Lieblingsfarbe des Verstorbenen, setzt einen Ministrauch oder -baum in Erinnerung an eine gemeinsame Reise, bringt eine Seidenblüte an als Anspielung an den Hochzeitsstrauß… Wer sich erst einmal einlässt auf seine eigenen Erinnerungen, findet schnell einen Schmuck, der weder kitschig noch überladen wirkt. Langlebige immergrüne Erinnerungen Indem man den Geschmack der Verstorbenen trifft oder das Grab im Stil von deren typischen Charaktereigenschaften oder Vorlieben gestaltet, bleiben die Erinnerungen an die Verstorbenen wach. Der Architekt bekommt klare Formen und Linien, die Hobbygärtnerin bunte Vielfalt, das Kind bleibt im Gedenken immer klein und verspielt. Für den Winter müssen wir innerhalb dieser Entscheidungen nach Pflanzen suchen, die die bevorstehenden Temperaturen nicht nur unbeschadet, sondern auch in voller Schönheit überstehen. Kleine Gehölze wie Mispel und Muschelzypresse, Buchspflanzen, Eibe und ein klein wachsender Rhododendron setzen immergrüne Akzente, ohne ein Grab zu dominieren. Sie wachsen langsam und zeigen dadurch auch symbolisch ein um’s andere Jahr, wie sich die eigene Trauer entwickelt und verändert. Wer aus zeitlichen oder gesundheitlichen Gründen ein pflegeleichtes Grab braucht, auf dem möglichst wenig Unkraut

55 Buchsbaum oder blühende Pflanzen Bodendecker oder Kiesbeet sprießt, ist mit Bodendeckern wie Contoneaster oder Waldsteine sehr gut bedient. Sie sind eine ansehnliche Grundlage für den gelegentlichen Farbtupfer in Form von frischen Schnittblumen zum Beispiel zu Gedenk- oder Feiertagen. Der allgemeine Zeitdruck oder auch weite Anreisewege machen es den Angehörigen oft schwer, das Grab individuell und ansprechend zu gestalten, zu erhalten und auf Dauer zu pflegen. Mit der Friedhofsgärtnerei kann man bestimmte regelmäßige Arbeiten und den Preis dafür vereinbaren. Oder man einigt sich mit hilfsbereiten Nachbarn und Freunden, damit die zumindest abgeblühte Pflanzen und Sträuße entsorgen oder immer mal wieder eine Kerze aus dem Karton anmachen, den man ihnen vorher gebracht hat. Hier hilft es, auch anderen Hinterbliebenen Freiraum für ihr Gedenken zu überlassen und an sich selbst nur Ansprüche zu stellen, die auch in der Praxis zu leisten sind. Efeu ist auf einem Grab nicht nur praktisch, sondern auch von großer Symbolik, da es für Unsterblichkeit steht, ebenso wie Buchsbaum und Immergrün, das wie andere Bodendecker und langsam wachsende Pflanzen das Grab »sauber« und grün halten. Ihnen reicht ein formerhaltender Rückschnitt gegen das Wuchern maximal zweimal im Jahr. Individuelle Akzente machen die Erinnerung persönlich Wer öfter kommen möchte, setzt bei den zwischenzeitlichen Besuchen einen deutlichen Akzent mit frischen Blumen, einem saisonalen Blüher wie gerade jetzt Chrysanthemen im Topf oder einem Accessoire, das ebenso gut der eigenen Wohnung schmücken könnte: Vase, Teelicht, Bilderrahmen, Festtagsdeko oder etwas ganz Persönliches aus dem Bestand des gemeinsamen Lebens. Ein Gegenstand pro Besuch wohlgemerkt mit Entsorgung des voraus gegangenen: So ein Purismus ist allemal geschmackvoller, als die kleine Grabfläche mit lauter guten Ideen zu überfrachten. Zu viele Kombinationen, zu viele Farben und zu viele unterschiedliche Formen stören nicht nur die Andacht, sondern auch den guten Geschmack, und nichts wirkt wirklich, wenn jemand es allzu gut gemeint hat mit Einkauf und Bastelwerk. Es kommt die nächste Chance mit der Frühjahrsbepflanzung… Einen Ort zum Trauern zu erhalten im Andenken an Verstorbene, die einem nahe standen – das kommt auf jeden Menschen früher oder später zu. Neben anderen Bestattungsmöglichkeiten erfüllt die klassische Grabstätte vielen das wichtige Bedürfnis, den Verstorbenen zu besuchen, mit Blick auf den Grabstein zu verweilen und sich zu erinnern, zu trauern eben. Es lohnt sich, auf diesen Platz der Erinnerungen Zeit und Gedanken zu verwenden, und so manchem Verstorbenen sind wir das auch schuldig. Aus der Friedhofsatzung von St. Clemens, Rheda: www.stclemens-rheda.de/attachments/ article/22/ Friedhofssatzung.pdf

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