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Das Stadtgespräch November 2020 für Mein Rheda-Wiedenbrück

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leben durchaus auch mit

leben durchaus auch mit seinem neuen Roman zu tun haben könnte. In dem sollte es um die Machenschaften in manchen Altersheimen gehen. Allerdings hat Nelson von dieser Problematik überhaupt keine Ahnung. Er musste also einen Informanten haben. Bruce schaltet private Ermittler ein, die schon bald die ersten verstörenden Erkenntnisse liefern. Spannung ist dabei garantiert. Die Übersetzung ist auch prima, allerdings kann ich mir eine kleine Klugscheißerei nicht verkneifen. In der Mitte des Romans sagt eine Kalifornierin auf die Frage, warum sie nicht nach Florida zieht »Der Staat ist mir ein bisschen zu rot«. Das ist missverständlich, denn mit rot sind in den USA von heute natürlich nicht die Kommunisten gemeint, die man im schwer konservativen Florida mit der Lupe suchen müsste, sondern rot im Sinne von republikanisch im Gegensatz zu blau demokratisch. Wenn man das nicht mit »ein bisschen zu republikanisch« übersetzen mag, denn hätte »ein bisschen zu schwarz« besser gepasst. Aber wie gesagt, das tut der Übersetzung keinen Abbruch. Erschienen ist der neueste Grisham bei Heyne, Hardcover, 367 Seiten, 22 Euro. Debra Jo Immergut »Die Gefangenen« Während Follett und Grisham Namen sind, die seit Jahrzehnten weltweit bekannt sind, kann man das von Debra Jo Immergut nicht behaupten, jedenfalls in Kreisen der Belletristik nicht. Die renommierte Journalistin des Wall Street Journals ist allerdings keineswegs zu unterschätzen, ihr erster Roman »Die Gefangenen« ist unbedingt lesenswert. Ihr Debüt ist ein Thriller, der im Gefängnis spielt. Knasterfahrung hat Immergut reichlich. Nein, sie hat nicht selbst gesessen, das bringen nur Leute wie der britische Erfolgsautor Geoffrey Archer fertig. Aber sie hat viele Jahre kreatives Schreiben in Strafanstalten unterrichtet. In der Frauenhaftanstalt Milford Basin begegnen sich zwei Menschen, die im Grunde beide nicht dorthin gehören. Der eine ist der neue Gefängnispsychologe Frank Lundquist, der eigentlich völlig andere Vorstellungen von seiner Karriere hatte. Doch durch seine eigenen Fehler liegt die Karriere am Boden, aber immerhin will er das Beste daraus machen und hält nach einem halben Jahr im Bau immer noch durch. Die zweite Person hat dagegen ganz andere Probleme, denn Miranda Green ist zu zweiundfünfzig Jahren Haft verurteilt. An einem Montagmorgen begegnen sie sich als Inhaftierte und ihr zuständiger Psychologe in den Praxisräumen der Haftanstalt. Allerdings begegnen sie sich nicht zum ersten Mal. Frank erkennt sie auf Anhieb. Die Haare, der Gang, das Lächeln – sie hat sich nicht verändert. In der Highschool war er unsterblich in dieses Mädchen verliebt, geradezu obsessiv. Damals hat sie ihn keines Blickes gewürdigt. Nun steht Miranda in ihrer gelben Gefängniskluft vor ihm, wegen kaltblütigen Mordes verurteilt. Frank ist ihr als Psychologe zugewiesen, müsste aber den Fall wegen Befangenheit abgeben. Doch genau das will und kann er nicht, zumal da Miranda ihn nicht zu erkennen scheint. Die Therapie-Sitzungen beginnen, und je länger sie andauern desto klarer wird für Frank, dass nicht nur Miranda Gefangene im doppelten Sinn ist: im Knast und in ihrer schicksalhaften Vergangenheit. Schließlich trifft er eine folgenschwere Entscheidung. Immer wenn man in diesem Roman den Eindruck hat, dass man ahnt, wohin der psychologische Hase läuft, schlägt der wieder einen Haken. Wer manipuliert wen? Wer übt welche Macht aus? Welche Verletzungen sind echt, welche gespielt? »Die Gefangenen« ist ein echter Leckerbissen der Thriller-Literatur. Erschienen als Hardcover bei Penguin, 300 Seiten, 20 Euro. Alexander Oetker »Rache in Marseille« Im Vergleich zu Grisham oder Follett ist Alexander Oetker ein junger Schnösel mit gerade einmal 38 Jahren. Aber der junge Mann hat schon so einiges aufzuweisen. Kaum dem Teenageralter entwachsen schon bei RTL eingestiegen, leitete er ab 2008 vier Jahre lang das Westeuropa-Studio der Mediengruppe RTL Deutschland und berichtete als Korrespondent für die Sender RTL, n-tv und VOX aus Paris. 2017 kam mit »Luc Verlains erster Fall« sein Debüt-Roman heraus, der auch prompt auf der Bestseller-Liste des Spiegels landete. Mittlerweile hat der fleißige Schreiber mehrere Krimireihen am Start, besagten Luc Verlain, der in der weiteren und näheren Umgebung von Bordeaux ermittelt und die beste Polizistin Zyperns Sofia Perikles, deren Geschichte er unter dem Pseudonym Yanis Kostas erzählt. Schließlich sind da noch Zara und Zoë, um die es hier gehen soll. Zara und Zoë sind das doppelte Lottchen, nur in der Krimi-Version. Ihre Kindheit haben sie in einem finsteren Vorort von Marseille verbracht, bis dann Zara mit ihrer Mutter nach Deutschland gezogen ist. Von da an recht wohlbehütet aufgewachsen, machte Zara dank ihrer überragenden Auffassungsgabe bei der Polizei Karriere. Mittlerweile ist sie die Spitzen-Profilerin bei Europol. Auch ihre sieben Minuten jüngere Schwester Zoë hat Karriere gemacht, allerdings in einer ganz anderen Richtung. Sie ist nämlich die rechte Hand eines korsischen Mafia-Bosses, der über Jahrzehnte die Marseiller Unterwelt regiert hat. So gut wie niemand kennt ihren Namen, hinter vorgehaltener Hand wird sie die Fürstin der Unterwelt genannt. Dann passiert ein grausamer Mord an einem Mädchen, dessen Familie im Ruf steht, sowohl etwas mit Terrorismus als auch mit der nord afrikanischen Mafia zu tun zu haben. Zara und Zoë erhalten von ihren jeweiligen Chefs den Auftrag, den Mörder zu finden. Und so brillant die Polizistin Zara auch ist, so wenig kommt sie mit ihrer Methode weiter, sich stets an die Regeln zu halten. So beschließt sie, unbemerkt die Rollen mit ihrer bösen Schwester zu tauschen, denn die macht ihre Regeln selbst. Eine rasante Variation des Doppelten Lottchen beginnt, bei der die Grenzen zwischen good cop und bad cop zu verwischen beginnen. Außerdem merkt man dem Krimi an, dass der Autor tatsächlich mehr als einen rein touristischen Blick auf die Orte des Krimi-Geschehens hat. Erschienen ist der erste Fall von Zara und Zoë soeben als vollständige Taschenbuchausgabe bei Droemer, 328 Seiten, 9,99 Euro. Auch der zweite Fall »Tödliche Zwillinge« ist bereits erschienen, 338 Seiten, broschiert, 14,99 Euro und wartet darauf verschlungen zu werden. 42 Das Stadtgespräch

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