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Das Stadtgespräch November 2019

Die aktuelle Ausgabe des Stadtmagazins für Rheda-Wiedenbrück. November 2019

42 TIPPS

42 TIPPS Das Stadtgespräch deshalb überschaubar sind, weil sie Milliarden fremden Geldes verschieben und so selbst zum Milliardär werden, ganz gleich, ob die Anleger gewinnen oder verlieren. Letzteres ist die Regel. Hedgefonds-Manager nennt man diese Sorte Mäuse, die unverschämt Reichen. Für die gelten auch andere Regeln und sie selbst setzen natürlich auch andere Maßstäbe an. Wer beispielsweise eine Rolex an der Hand trägt, der hat sich in diesem Zirkel schon disqualifiziert, denn der Wert einer Uhr muss schon das Jahresgehalt eines Durchschnittsamerikaners bei weitem überschreiten. Doch Barry sehnt sich nach dem einfachen Leben. Er möchte auch gerne die Zeit zurückdrehen – natürlich nicht an seiner Uhrensammlung, denn die beinhaltet einige Exemplare, die zu wertvoll zum Tragen sind und mechanisch im Safe bewegt werden müssen, damit sie in hundert Jahren keine Millisekunde nachgehen. Aber das einfache Leben, als er noch mit dem Greyhound-Bus zu seiner Jugendliebe gereist ist, das soll es für Barry jetzt sein. Und so durchquert er im Bus den nordamerikanischen Kontinent von New York im Osten bis nach Texas im Westen. Auf der Reise arbeitet er auch verschiedene Stationen seines Lebens ab, bis er schließlich seine Jugendliebe wieder trifft, die noch nicht oder nicht mehr vergeben ist. Neben dem beruflichen Hamsterrad lässt Barry allerdings seine Frau und sein autistisches Kind in der New Yorker Luxuswohnung zurück. Im Interview antwortet Shteyngart auf der Frage nach der tollen Recherche und wie er in die Informationen der Hedgefonds-Manager herangekommen sei: »Die waren überglücklich, über sich zu reden, denn viele haben keine Freunde. Oder sie haben Freunde, aber das sind eigentlich Feinde«. Und so ist ihm ein Roman gelungen, der den Werken von Tom Wolfe in nichts nachsteht. Erschienen als Hardcover bei Penguin, 430 Seiten, 24 €. DER HÖRBUCH: LEILA SLIMANI »All das zu verlieren« Adèle ist grauenhaft. Nicht äußerlich, denn sie ist Mitte dreißig und ausgesprochen attraktiv. Und auch ihr Leben scheint perfekt zu sein. Ihr Mann ist erfolgreicher Arzt mit vielversprechender Perspektive, sie hat einen kleinen, süßen Sohn und außerdem arbeitet sie als Journalistin, die große Freiheit in ihrem Job genießt. Die Familie lebt in einer geräumigen Wohnung im 18. Pariser Arrondissement, einer der besten Adressen der Stadt. Natürlich gibt es auch eine Kinderfrau. Alles könnte perfekt sein, wenn Adèles Leben nicht durch eine Sucht mitbestimmt würde. Sie hat nämlich bei jeder sich bietenden Gelegenheit schnellen, billigen und teils brutalen Sex mit irgendwelchen Männern. Das können Wildfremde sein, die sie auf Partys oder auch auf der Straße oder in der Metro trifft. Das können aber auch gemeinsame Freunde oder Kollegen ihres Mannes sein. Mit großem Geschick, enormen Improvisationstalent und einem fein gesponnenen Netz aus Lügen gelingt es ihr, ihre Umgebung und vor allem ihren Mann Richard zu täuschen. Dabei ist es nicht so, dass Adèle sich schnell verliebt. Eher im Gegenteil. Ihre Männerbekanntschaften lassen sie kalt, ihr geht es nur um den Kick, je düsterer desto besser. Sie will eine Puppe »im Garten eines Ungeheuers« sein, so der französische Original-

TIPPS 43 titel. Schnell wird klar, dass Adèles Leben auf eine Art Katastrophe zusteuert, die dann aber anders ausfällt, als man erwarten würde. Leila Slimani, die marokkanische Wurzeln hat und auf Elite- Bildungsinstitutionen studierte, hat mit ihrem Debutroman, der bereits 2014 in Frankreich erschienen ist und jetzt erst in deutscher Übersetzung herausgekommen ist, eine Schwester von Anna Karenina, Effie Briest und Emma Bovary geschaffen. Doch anders als die Heldinnen von Tolstoi, Fontane oder Flaubert lässt Adèle sich nicht wegen echter Gefühle mit anderen Männern ein. Und dennoch gibt es Parallelen, denn auch dem Verhalten der Frauenfiguren aus dem 19. Jahrhundert liegt vor allem eine tiefe Verlorenheit zugrunde, wie sie auch Slimanis düstere Heldin umtreibt. Für die Lesung von Leila Slimanis erstem Roman hat der hörverlag die Idealbesetzung gefunden. Nora Waldstätten, die wie die Autorin Jahrgang 1981 ist, hat in internationalen Verfilmungen wie Ken Folletts »Die Tore der Welt« mitgespielt und ist den Fernsehzuschauern als die leicht autistische Ermittlerin Hannah Zeiler in »Die Toten vom Bodensee« bekannt. Stets glaubwürdig präsentiert sie in dieser vollständigen Lesung auch die schwierigsten Passagen dieses schonungslosen Romans. SCHLIESS ANLAGEN NACH IHREN WÜNSCHEN Ein Schlüssel für alle Ihre Türen. www.niehof.de Das Mehr an Sicherheit GmbH Mo - Fr: 7.00 - 18.00 Uhr Sa. 8.00 - 13.00 Uhr Rietberger Str. 9 Rheda-Wiedenbrück Telefon: 05242 579 19-0 Fax: 05242 579 19-20 CAMILLA WAY Das Böse in ihr Clara und ihr Freund Luke sind ein rundum glückliches Paar. Seit kurzem wohnen sie sogar zusammen. Doch dann verschwindet Luke eines Morgens spurlos. Clara ist sofort klar, dass etwas passiert sein muss. Sie wendet sich an die Polizei und diese findet heraus, dass Luke von einer Stalkerin massiv bedrängt und bedroht wird. Auch Clara selbst begibt sich auf die Suche nach ihrem Freund. Dabei entdeckt sie, dass Luke ganz offensichtlich eine Affäre hatte und er auch sonst nicht der zu sein scheint, für den sie ihn immer gehalten hat. Auf ihrer Suche nach der Wahrheit stößt Clara schließlich auf ein Mädchen namens Hannah. Hannah, die eiskalt, brutal und äußerst gefährlich sein soll. Und dann ist da auch noch Beth. Beth, die weiß, wozu Hannah fähig ist und die fürchtet, dass etwas, was für immer im Verborgenen hätte bleiben sollen, nun ans Licht gekommen ist und ihre Tochter zu einer unberechenbaren Gefahr werden lässt. Die Britin Camilla Way hat mit »Das Böse in ihr« einen exzellenten Psychothriller geschrieben. Von Beginn an läuft es einem eiskalt den Rücken herunter und man ist nicht nur einmal sprachlos über die Geschehnisse in der Geschichte. Am Ende wird alles schlüssig, aber dennoch sehr überraschend aufgelöst und man bleibt als Leser völlig aufgewühlt und nachdenklich zurück. Erschienen ist »Das Böse in ihr« als Taschenbuch im Verlag Piper, hat 368 Seiten und ist erhältlich in der Buchhandlung büchergüth für 10 €. GUTSCHEIN AUF EINEN ARTIKEL IHRER WAHL 15 RABATT* RA % PIUS-APOTHEKE Stromberger Straße 10 Rheda-Wiedenbrück Tel.: 05242 - 3 44 33 SONNEN-APOTHEKE Hauptstraße 17 Rheda-Wiedenbrück Tel.: 05242 - 406 89 01 *Nur gegen Vorlage dieses Gutscheins Pro Kunde nur ein Gutschein einlösbar. Ausgenommen Aktionsware, bereits reduzierte und sortimentsfremde Artikel, rezeptpflichtige Artikel und Bücher. Nicht mit anderen Rabattaktionen kombinierbar.

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