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Das Stadtgespräch November 2018

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54 Das

54 Das Stadtgespräch Lübeck ist mehr als Früher Zufahrt - heute Park In einem amerikanischen alternativen Reiseführer Anfang der 1980er Jahre hieß es über Norddeutschland, dass der Besuch dieser Region einfach nicht lohne. Das wahre Deutschland wäre Bayern. Immerhin räumte der Autor in seiner – vermutlich jugendlichen – Ignoranz ein, dass man durchaus nach Lübeck fahren sollte, wenn man Thomas Mann-Fan ist. Davon gab und gibt es in den USA jede Menge. Mit den »Buddenbrooks« setzte der damals 26jährige Mann seiner Heimatstadt ein literarisches Denkmal. Der Roman, der sich zum ersten deutschsprachigen Gesellschaftsroman mit Weltgeltung entwickelte, erschien 1901 und beschrieb den »Verfall einer Familie«, wie schon gleich der Titel besagte. Die Familie, die der spätere Literaturnobelpreisträger beschrieb, war die eigene, die typisch für eine Lübecker Patrizierfamilie war. Und natürlich ist das Buddenbrook-Haus heute zu besichtigen. Buchstäblich reiches Erbe Angesichts der Bauten, die sich die Pfeffersäcke – Salzsäcke wäre für Lübeck angebrachter –, wie die reichen Kaufleute auch genannt wurden, in die Stadt setzten, bekommt der Besucher schon eine Idee davon, welche Bedeutung die alte Hansestadt, die heute gut 200.000 Einwohner beherbergt, in früheren Zeiten gehabt hat. Im nächsten Jahr darf Lübeck auf seine 1.200jährige Geschichte zurückblicken, denn die Slawen gründeten 819 die Siedlung Liubice an der Mündung der Schwartau in die Trave – die Türme auf der bekannten Marmelade sind die sieben Türme von Lübeck. Wichtiger als die Flüsse war jedoch, dass Lübeck Mitte des 12. Jahrhunderts die erste deutsche Hafenstadt an der Auch das Traveufer lädt zum Verweilen ein Buddenbrooks und Ostsee war. Damit war auch die direkte Handels-Verbindung zum nur 65 Kilometer entfernten Hamburg gegeben. 1163 wurde der erste Dom Lübecks geweiht, nachdem Heinrich der Löwe genehmigt hatte, das Lübeck Bischofsstadt wurde. Zwei Jahre zuvor wurde Lübeck den gotländischen Händlern gleichgestellt, die bis dahin den Handel in der Ostsee dominierten. Der Handel mit Pelzen aus Russland, Salz und Heringen machte die Stadt reich, die im 13. Jahrhundert auch nicht davor zurückschreckte Konkurrenten, also aufstrebende Städte wie Stralsund, zu überfallen. Meist aber schloss man Bündnisse. 1361 wurde Visby als Hauptstadt der Hanse von den Dänen erobert, Lübeck rückte nach und wurde die »Königin der Hanse« und damit zeitweise die wichtigste Handelsstadt Nordeuropas. Neben Köln und Magdeburg war Lübeck im 14. Jahrhundert sogar eine der größten Städte des Reiches. Erst Mitte des 16. Jahrhunderts war es vorbei mit der Bedeutung der Hanse und ihrer Königin, der letzte Hansetag fand 1669 in Lübeck statt. 1815 wurde Lübeck auf dem Wiener Kongress zur Freien und Hansestadt Lübeck ernannt, zum Stadtstaat, was man spöttisch gesagt heute nur noch am Nummernschild HL, also Hansestadt Lübeck, erkennt. Was gibt’s zu sehen? Im Zweiten Weltkrieg fiel ein Großteil der dicht bebauten Altstadt dem Flächenbombardement der Alliierten zum Opfer. Die erhaltenen Teile des mittelalterlichen Stadtkerns auf der Altstadtinsel wurden 1987 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, was ungewöhnlich für eine ganze Altstadt in Nordeuropa ist. Mehr als eintausend Gebäude umfasst dieses

55 Niederegger Weltkulturerbe Alltstadt Weltkulturerbe, die als Denkmäler eingetragen sind. Insofern ist die ganze Altstadt sehenswert mit ihren renovierten und liebevoll restaurierten Bauten. Im 17. Jahrhundert umschlossen Lübeck gewaltige Stadtmauern, deren Verlauf auf Luftbildern noch zu erkennen ist. Das berühmteste Wahrzeichen der Stadt war Teil dieser Befestigungen. Das beeindruckende Holstentor bewachte den Zugang zur Stadt, wird aber schon längst von beiden Seiten umfahren. Früher kannte jeder das Holstentor, zierte es doch rund dreißig Jahre lang die Rückseite des 50-Mark-Scheins. Der trutzige Bau beherbergt heute das Stadtmuseum. Durch den bereits oben erwähnten Marmeladendeckel sind die sieben Türme Lübecks ebenfalls bekannt. Sie stammen von den fünf Haupt-Kirchen Lübecks, von denen zwei doppele Türme haben. Da ist zunächst einmal St. Marien, die Kirche des Rates der Hansestadt Lübeck. Die imponierende Backsteinbasilika wird auch als Mutterkirche der Backsteingotik im Ostseeraum angesehen. Im Inneren birgt St. Marien zahlreiche Kunstwerke wie das Triumphkreuz von Gerhard Marcks im Hochchor über dem Swarte Altar von 1495 oder die größte mechanische Orgel der Welt. Von 1667 bis 1707 war der berühmte Kirchenmusiker und Komponist Dietrich Buxtehude Organist und Werkmeister an St. Marien. Als ich als Kind Lübeck mit Verwandten besucht habe, hat mich vor allem die Gedenkkapelle im Südturm beeindruckt und ehrlich gesagt etwas gegruselt. Denn die beiden Kirchenglocken, die beim Luftangriff 1942 auf den Steinboden herabstürzten und ihn zerschmetterten, liegen noch heute dort und verdeutlichen die Schrecken des Krieges. Die beiden Totentanzfenster nehmen die Motive und Gestalten des hier 1942 verbrannten Fries vom Lübecker Totentanz auf. Historisch bedeutender ist wohl der Dom zu Lübeck. Nachdem im Bereich des heutigen Doms eine Holzkirche gebaut und 1163 geweiht wurde, begannen die Pläne für die große steinerne Kirche, deren Grundstein 1173 gelegt wurde. Als Ersatz für den Naturstein, der in dieser Gegend nicht zur Verfügung stand, nahm man Backstein als Baustoff. Geweiht wurde der Dom 1247. Kurz danach wurde dem Dom auf der Nordseite das Paradies, eine große Vorhalle, angefügt und 1266 begann die große Erweiterung nach Osten. In der Nacht zum Palmsonntag 1942 brannten durch den Bombenangriff nicht nur die Hansestadt und die beiden großen Kirchen St.

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