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Das Stadtgespräch November 2017

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52 Das

52 Das Stadtgespräch Die Drei-Flüsse-Stadt Passau AUF DER DONAU BIS ZUM SCHWARZEN MEER Teil 1: Von Passau nach Wien Wer aus Rheda kommt, der weiß, was ein Fluss ist. Na gut, wer aus Wiedenbrück kommt auch. Schließlich fließt die Ems in beiden Stadtteilen an der Badeanstalt vorbei, der Bazze meine ich natürlich – hat je ein Kind bei uns gesagt: Komm, wir gehen ins Freibad? Und unser Fluss, die Ems, kam mir recht groß vor. Außerdem war sie fast 400 Kilometer lang – wirklich beeindruckend. Dann allerdings haben wir Verwandte in Passau besucht und ich war das erste Mal im Leben mit unfassbaren Mengen von Süßwasser konfrontiert. Hier kam niemand auf die Idee, den Fluss mit hochgekrempelten Hosen barfuß zu überqueren, wie es schon gelegentlich eine Mutprobe unter der Eisenbahnbrücke an der Ems verlangte. Und wenn man dann noch von der Brücke über die Donau auf das reißende Wasser schaute, hatte man nach kurzer Zeit das Gefühl, als wenn man sich selbst den Fluss hinauf bewegen würde. Als mir dann auch Vodafone verbindet... Ihr Vodafone-Partner vor Ort .in der halle 4. .rheda-wiedenbrück .fon: (05242) 5790757 noch gesagt wurde, dass die Donau im Schwarzen Meer mündet, grauste mir endgültig. Denn ich stellte mir das Schwarze Meer natürlich wie die Ostsee in Schwarz vor – dabei reichte die mir schon, wenn sie an trüben Tagen dunkelgrün war. Mittlerweile weiß ich natürlich längst, dass das Schwarze Meer keineswegs schwarz ist. Obwohl, eine Theorie stützt sich auf dunkle Sedimente, die das Wasser verfärben sollen. Wahrscheinlich ist jedoch, dass die alten Perser, die die Himmelsrichtungen durch Farben angaben, dieses Meer schwarz, gleichbedeutend mit nördlich, nannten. Die antiken Griechen und später weitere Anrainer übernahmen die Namensgebung. Auch im Türkischen heißt es Karadeniz, also Schwarzes Meer. Bequemes Abenteuer Auch ist mir längst klar, dass 371 Kilometer Länge, wie sie die Ems hat, keineswegs beeindruckend ist, wenn Business Premium Store Glasneck.com I Thomas Glasneck GmbH man sie dann vergleicht. Der Rhein ist dreimal so lang, wobei auch der nur auf Platz 10 der europäischen Flüsse liegt. Die Donau ist dagegen der zweitlängste Fluss Europas (nur die Wolga ist länger) und mit 2.845 Kilometern fast achtmal so lang wie die Ems. Zudem fließt die Donau durch zehn Länder, die Wolga nur durch das westliche Russland. Insofern ist eine Reise von Passau bis ans Schwarze Meer schon etwas Besonderes, jedenfalls reizvoll und ein bisschen abenteuerlich. Die Idee, die ganze Strecke zu bereisen, habe ich natürlich nicht als erster gehabt. Manche spotten schon, dass Donaukreuzfahrten den Fluss zur Autobahn machen. Und so ganz von der Hand zu weisen ist diese Behauptung nicht, jedenfalls solange es nur bis Budapest geht. Dieses Stück Donau ist von Passau aus gut in fünf bis sieben Tagen hin und zurück zu bewältigen und bietet wirklich Interessantes, wie wir später sehen werden. Allerdings wird es so richtig spannend erst ab Ungarn, denn dann beginnt der überraschend unbekannte Balkan, wo man dann auch nur noch selten auf andere Kreuzfahrschiffe trifft. Zeit und Geld Die Gründe dafür sind wohl auch rein praktischer Art, denn für die gesamte Strecke bis zum Schwarzen Meer spielen zwei Faktoren eine erhebliche Rolle, nämlich – wie so oft - Geld und Zeit. Fangen wir mit der Zeit an. Von Passau bis zum Donaudelta sind es mehr als 2.200 Kilometer – nur der Hinweg. Das ist eine gewaltige Strecke, noch dazu, wenn Schleusen, die hier Staustufen genannt werden, dazu kommen. Wenn ich richtig gezählt habe, sind es insgesamt 14, ebenfalls nur auf einem Weg. Die Höchstgeschwindigkeit der Schiffe liegt bei gut 20 km/h, wenn es flussabwärts geht. Gegen den Strom wird es natürlich langsamer. Und die Passagiere wollen natürlich möglichst lange Liegezeiten für ihre Besichtigungen. Also muss die Kreuzfahrt zwei Wochen oder länger dauern, sonst bekommt man nicht alles mit. Oder man befährt nur eine Strecke mit dem Schiff, fliegt also zum Beispiel nach Bukarest und beginnt die Reise im Donaudelta. Damit bringt man sich meiner Meinung nach um das echte Reisen, denn gerade in der Langsamkeit liegt auch der Reiz dieser Fahrt. Und natürlich ist auch die Variante mit Flug nicht günstig. Wobei günstig ohnehin nicht die richtige Vokabel ist, denn auch wenn es bei einer längeren Reise relativ gesehen billiger pro Tag wird, kommt doch am Ende eine stattliche Summe heraus. Da lohnt der Preisvergleich auf alle Fälle. Und beim Preisvergleich sollte man unbedingt darauf achten, dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht, also eine Kabine mit Bullauge mit einer Balkonkabine. Genauer gesagt Kabine mit französischem Balkon, was ein etwas schönfärberischer Begriff für »die Türen lassen

53 sich öffnen« ist, denn der »Balkon« ist wenige Zentimeter schmal. Noch vor wenigen Jahren hatten allein die Arosa-Schiffe den Luxus der Balkonkabine, doch mittlerweile verkehren nur noch wenige Schiffe des ehemaligen Ostblocks auf der Donau, deren spröder Charme eher an Jugendherberge als an Luxusdampfer erinnert. Alle neuen Schiffe haben jede Menge Balkonkabinen. Leinen los in Passau Los geht die große Reise in Passau. Dort hat man sich auf zwei Urlaubergruppen eingestellt: Die eine sind die Radfahrer, die den Donauradweg von Passau bis nach Wien radeln – es gibt noch sieben weitere Fernradwege, die durch Passau führen. Die Strecke nach Wien ist sehr beliebt, weil sie immer leicht abschüssig in Fließrichtung der Donau verläuft. Die Urlauber rücken mit dem Auto samt Fahrrad an (einige kommen natürlich auch mit der Bahn), übernachten in Passau, lassen dort den Wagen in der Hotelgarage oder bei der Pension stehen und radeln los. Wenn sie in Wien angekommen sind, fahren sie per Bahn zurück oder, noch bequemer, lassen sich abholen. Die zweite Gruppe sind die Kreuzfahrer. Wer nicht mit der Bahn anrückt, macht das genauso wie die Radler. Das Auto bleibt während der Kreuzfahrt in Passau und zum Anlieger geht es per Taxi oder der Vermieter bringt die Gäste zum Schiff. Bereits in Passau lohnt das Sightseeing. Der Ort wird auch Drei-Flüsse- Stadt genannt, wobei die Donau und der Inn tatsächlich beeindruckende Flüsse sind, der dritte (Ilz) aber eher an die Ems bei Niedrigwasser erinnert. Schon die Kelten hatten sich an diesem Ort angesiedelt, die Römer erbauten erste Befestigungen. Wirklich wichtig wurde die Stadt aber als Bischofssitz (739 A.D.). 999 erhielt sie sogar die Landeshoheit, was bedeutete, dass sie alle möglichen Rechte inne hatte, wie zum Beispiel eine eigene Gerichtsbarkeit, die Aufsicht über die Gewerbe, die Kontrolle des Münz- und Mautwesens. Im Mittelalter hatten die Bischöfe ihre Macht so weit ausgeweitet, dass sie den Salzhandel dominierten und Besitzungen bis hin nach Ungarn hatten. Die Passauer Altstadt, in der sich die Häuser auf dem schmalen Streifen zwischen Inn und Donau drängen, kündet vom Wohlstand. Aber auch von diversen katastrophalen Überschwemmungen. An mehreren Stellen findet man die Markierungen, bis wohin das Wasser der Donau wann gestiegen ist. Im letzten Jahr kam mit dem Starkregen eine neue Dimension der Naturkatastrophen hinzu. Innerhalb weniger Minuten fiel so viel Wasser aus den Wolken, dass mehrere Fahrzeuge in die Donau gespült wurden. Die kirchlichen Würdenträger brauchten jedoch weder in der Vergangenheit noch heute nasse Füße zu fürchten, liegen ihre Anwesen doch in steiler Höhe. Um das ehemalige fürstbischöfliche Palais finden sich viele prächtige Bauten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Auch der Dom St. Stephan mit seiner gewaltigen Orgel ist innen reich verziert mit Stuckaturen. Der wenig Kulturbeflissene findet reichlich Möglichkeiten in der ausgedehnten Fußgängerzone zu shoppen, Souvenirs zu kaufen und auch das leibliche Wohl kommt in den Restaurants und Biergärten der Stadt nicht zu kurz. Richtiger Weise planen die Reedereien die Kreuzfahrten so, dass möglichst viele Strecken nachts befahren werden, was manchmal wirklich schade ist, aber den Vorteil bietet, dass die Gäste jeden Tag ein neues Ziel anlaufen – und das nicht mitten in der Nacht. Auf einer Fahrt wie unserer von 17 Tagen bedeutet das, dass man auf dem Hin- und Rückweg in einem Land und an mehreren Orten Station macht, also etwa am fünften und am zwölften Tag in Serbien ist. Um keine Verwirrung zu stiften, gehe ich deshalb geografisch und nicht chronologisch vor. In die Heimat des Marillen-Schnaps’ Zwischen Passau und Wien liegt die Wachau. Die »schönsten 35 Kilometer Österreichs«. Ob dieser Werbespruch tatsächlich der Wahrheit

Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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