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Das Stadtgespräch November 2017

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42 TIPPS

42 TIPPS Das Stadtgespräch buchversion ist auch schon auf dem Markt), denn die Gefahr, sich festzulesen und dann nicht genug Schlaf zu bekommen, ist durchaus gegeben. JEAN-CHRISTOPHE RUFIN »Der Schatzmeister des Königs« Jean-Christophe Rufin, geboren 1952, ist eigentlich Arzt. Er hat in Paris studiert und seinen Wehrdienst als Militärarzt in Tunesien absolviert. Später wurde er stellvertretender Vorsitzender der französischen Ärzte ohne Grenzen. Zahlreiche Reisen führten in den Orient und nach Afrika. Als Botschafter wirkte er im Senegal und in Gambia. Der humanitäre Aktivist kämpft seit Jahren für den Umweltschutz, und das alles, bevor seine schriftstellerische Karriere begann. Heute zählt Rufin längst zu den charismatischsten und vielseitigsten Persönlichkeiten des französischen Kulturlebens. Er schrieb zahlreiche sehr erfolgreiche Romane, in denen er sich mit weltpolitischen und gesellschaftlichen Fragen eingebettet in eine historische Handlung befasst. Viele seiner Werke erhielten Auszeichnungen, darunter den Prix Goncourt. 2008 wurde er als jüngstes Mitglied der Académie Francaise gewählt. In »Der Schatzmeister des Königs« (erschienen bei C. Bertelsmann, Hardcover, 480 Seiten, 20 Euro) begegnen wir Jacques Cœur. Als Sohn eines bescheidenen Kürschners im 15. Jahrhundert wird Jacques Cœur in Bourges geboren, wo der Autor selbst übrigens bei seinen Großeltern aufgewachsen ist. Jacques wird zum reichsten Mann Frankreichs – der Roman ist also auch eine mittelalterliche »vom Tellerwäscher zum Millionär«-Geschichte. Seinem finanziellen und kaufmännischen Geschick ist es zu verdanken, dass Karl VII. den Hundertjährigen Krieg beenden kann. Auch verändert er die Sicht der alten Welt auf den Orient. Er geht bei Königen und dem Papst ein und aus, und bereist alle Länder der im Spätmittelalter bekannten Welt. Er erlebt Niederlagen und Demütigungen, bevor er Freiheit und Wohlstand erreicht. Und von allen Frauen, denen er begegnet, ist es Agnès Sorel, die erste offizielle königliche Maitresse in der Geschichte Frankreichs, mit der ihn eine tiefe Liebe verbindet. Elegant und sprachmächtig erzählt Rufin von Jacques Cœur, dem Visionär weltumspannenden Handels, der den Traum von einer noch unverdorbenen Globalisierung als Chance für die ganze Menschheit träumte und verwirklichte. TANJA KINKEL »Grimms Morde« Tanja Kinkel kann auch Mittelalter, was seit ihrem Roman »Die Löwin von Aquitanien« (1991) über die Mutter von Richard Löwenherz, Eleonore von Aquitanien, klar ist. Der neue Roman der deutschen Spiegel-Bestsellerautorin beginnt jedoch wie ein TV- Tatort, führt dabei aber zurück in das neunzehnte Jahrhundert und verbindet märchenhaftes Setting und historische Spannung mit einer grausamen Mordserie. Kassel, 1821: Die ehemalige Mätresse des Landesfürsten wird Geschäftssinn, Freundschaft, Loyalität, Liebe nichts scheint mehr von Bedeutung zu sein. Die wahren Feinde sind dabei nicht die rivalisierenden Konfessionen. Der eigentliche Kampf wird zwischen denen ausgefochten, die an Toleranz und Verständigung glauben, und den Tyrannen beider Seiten, die ihre Ideen den anderen aufzwingen wollen – koste es, was es wolle. Ned Willard wünscht sich nichts sehnlicher, als Margery Fitzgerald zu heiraten. Doch als mittelloser Kaufmannssohn ist er chancenlos gegen die alten Seilschaften, die über Wohl und Wehe entscheiden. Ned verlässt Kingsbridge, um für die protestantische Prinzessin Elizabeth Tudor zu arbeiten. Als diese wenig später Königin wird, wendet sich ganz Europa gegen England. Um in dieser heiklen Situation früh vor Mordkomplotten, Aufständen und Angriffen der konkurrierenden Mächte gewarnt zu sein, schart die scharfsinnige Monarchin kluge Männer ums sich. Ned wird in die kleine Gruppe geschickter Spione und mutiger Geheimagenten aufgenommen, die es Elizabeth I. ermöglichen, in den nächsten fünfzig Jahren, an ihrem Thron und ihren Prinzipien festzuhalten. Daneben gibt es natürlich, wie bei dem begnadeten Erzähler Follett nicht anders zu erwarten, jede Menge Nebenhandlungen, die uns nach Spanien, Flandern, nach Frankreich, in die Karibik und andere Orte bringen, denn die ganze Welt ist im Umbruch. Eine Warnung noch vorweg: Nicht während der Woche lesen (oder hören, die Hörnach Märchenart bestialisch ermordet. Die einzigen Indizien weisen ausgerechnet auf die Gebrüder Grimm. Die Polizei ermittelt zu dieser Zeit allerdings nicht in Adelskreisen, die sich lieber Bericht erstatten lassen, anstatt Fragen zu beantworten. So geraten die Grimms in das Visier des Oberwachtmeisters von Kassel. Schließlich kommen den Grimms Jenny und Annette von Droste-Hülshoff zu Hilfe. Ein plattdeutsches Zitat aus einer der Geschichten, welche die Schwestern zur Märchensammlung der Grimms beigetragen hatten, war bei der Leiche gefunden worden. Bei ihrer Suche müssen sich die vier aber auch ihrer Vergangenheit stellen: Vorurteilen, Zuneigung, Liebe – und Hass, und diese Aufgabe ist nicht weniger schwierig. In der Zeit nach Napoleon, also einer Zeit, wo am Theater in Kassel ein Beifallsverbot erteilt wird, damit Stücke nicht politisch missbraucht werden können, Zensur und Überwachung in deutschen Fürstentümern wieder Einzug halten und von Frauen nur Unterordnung erwartet wird, sind Herz und Verstand gefragt. Geschickt verwebt Tanja Kinkel die privaten Verwicklungen von zwei der berühmtesten Geschwisterpaare der deutschen Literaturgeschichte in ein unglaubliches Verbrechen. Erschienen bei Droemer, Hardcover, 472 Seiten, 22,99 Euro.

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Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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