Aufrufe
vor 4 Jahren

Das Stadtgespräch November 2016

  • Text
  • Rheda
  • Stadt
  • November
  • Haus
  • Oktober
  • Zeit
  • Menschen
  • Genau
  • Ebenfalls
  • Beiden

36 TIPPS

36 TIPPS Das Stadtgespräch WIEDERENTDECKT: ZELDA FITZGERALD «Himbeeren mit Sahne im Ritz» Zelda und F. Scott Fitzgerald waren in den Zwanziger Jahren so bekannt wie Brad Pitt und Angelina Jolie heute – mindestens. Und wie letztere haben auch Zelda und ihr Mann ordentlich an ihrem Ruhm und ihrem Ruf gearbeitet. Die Welt bezeichnete Zelda vor ein paar Jahren gar als die Amy Winehouse der Zwanziger, wobei Zeldas Abstürze nicht gar so öffentlich waren. Jedenfalls verkörperte kaum jemand den Zeitgeist der Roaring Twenties so wie Zelda Fitzgerald. Sie war der Prototyp des »Flappers«: frech, abenteuerlustig, extravagant. Dabei ging es nicht um Politisches, sondern allein um die Ästhetik. Die Flapper rebellierten gegen Konventionen, standen für die emanzipierte Frau – insofern war ihr Verhalten dann doch wieder politisch, denn die Männer waren vielfach verunsichert von schlagfertigen, lebhaften und lauten Frauen. Das Lebensgefühl dieser Ära hat Zelda Fitzgerald in beeindruckenden Erzählungen eingefangen, die nun erstmals auf Deutsch zu entdecken sind. Das ist übrigens nicht zufällig, denn einige der Geschichten wurden deshalb nicht veröffentlicht, weil sie nicht von ihrem Mann geschrieben waren. In ihrem sehr kenntnisreichen Nachwort weist Felicitas von Lovenberg darauf hin, dass für eine Geschichte, bei der Zelda nicht als Co-Autorin genannt wurde sondern nur ihr Mann, achtmal mehr gezahlt wurde. Im Mittelpunkt der soeben erschienenen Geschichten stehen bei Zelda Fitzgerald stets Frauen: eigensinnige und eigenständige Heldinnen, sich auf einem Ozeandampfer ebenso zu Hause fühlen wie im Ritz oder auf den Champs- Élysées. Die nach der Theaterprobe lieber noch um die Häuser ziehen, als zu Mann und Kind zu eilen. Die es nach Hollywood schaffen und ihre Filmkarriere für die Liebe ihres Lebens wieder aufgeben. Oder die in einem Provinznest in den Südstaaten von der weiten Welt und ihrem großen Auftritt träumen. Zelda Fitzgerald führt den Leser auch rund 100 Jahre später mitten hinein in das scheinbar glamouröse, schillernde, unstete Bühnenuniversum der Tänzerinnen, Schauspielerinnen und Sängerinnen. Die Lichter des Broadway, Schrankkoffer voller Tüllkleider, Orchideen in onduliertem Haar: In opulenten Details erweckt sie das Jazz Age zum Leben. Ihre atmosphärisch dichten Erzählungen handeln von der hohen Kunst, sich selbst zu inszenieren – aber auch von dem hohen Preis, den man dafür zahlt. Bleibt zu hoffen, dass Nancy Milfords Biographie «Zelda» von 1970 irgendwann noch einmal neu aufgelegt wird, die das wirklich tragische Schicksal der Autorin beschreibt, deren feine schriftstellerische Kunst zu Lebzeiten gerne übersehen wurde. Ihr berühmter Ehemann dagegen war sich ihres Talents offenbar durchaus bewusst, verwendete er doch manche ihrer Bemerkungen und Tagebucheintragungen wörtlich in seinen Romanen. Und das war bei weitem nicht der einzige Betrug in ihren gemeinsamen Jahren, doch das steht wiederum auf einem ganz anderen Blatt. Die soeben bei Manesse erschienen Kurzgeschichten (218 Seiten, 24,95 Euro) jedenfalls bieten weit mehr als die Äußerlichkeiten der Roaring Twenties – und mindestens das haben sie mit dem »Great Gatsby« gemeinsam. 100 Seiten Ötzi Vor 25 Jahren wurde der Ötzi in Südtirol gefunden. Seitdem ist eine Menge über den zufälligen Sensationsfund geschrieben worden. So viel, dass der normale Leser schnell den Überblick verliert. Und genau dieser Leser ist die Zielgruppe für eine neue Reihe, die der Reclam- Verlag gerade auf den Markt gebracht hat. Dabei soll Wissen unterhaltsam aufbereitet und auf nur 100 Seiten präsentiert werden. In dieser neuen Reihe bietet Reclam Bände zu aktuellen und relevanten Themen aus Kultur und Geschichte, Naturwissenschaft und Gesellschaft. Die Autoren haben jeweils einen besonderen Bezug zu ihrem Thema und tun ihr Möglichstes, um den Leser ebenfalls für ihr Gebiet zu begeistern. Abbildungen, Rankings und Infografiken lockern den Text auf. Mit ihrem taschentauglichen

TIPPS 37 Format, das nur etwas größer ist als die kleinen gelben Bändchen, die wir aus der Schule kennen, und einem Umfang von nur 100 Seiten bieten die Bände die ideale Lektüre für Zwischendurch. Das Konzept getestet habe ich an »Ötzi. 100 Seiten« von Albert Zink. Alber Zink ist kein Journalist, sondern Mumienforscher. Aber für die Schreiberei hat er ebenfalls eine Ader, denn es gelingt ihm, sein geballtes Fachwissen für den Laien verständlich und auch noch unterhaltsam an den Mann oder die Frau zu bringen. Zu einem erheblichen Teil sind es eigene Untersuchungsergebnisse, die wissenschaftliche Schlussfolgerungen stützen. Dabei ist das Leben Ötzis, das momentan verfilmt wird mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle (den musste man nicht groß schminken – nein, Scherz!), alles andere als langweilig. Wenn jemand Laktose-Intoleranz und Tätowierungen für typisch für das 21. Jahrhundert ansieht, muss er umdenken, denn Ötzi hatte bereits beides vor mehr als 5.000 Jahren. Es ist absolut faszinierend, was die Wissenschaft heute alles herausbekommt, bis hin zum genauen Speiseplan des Jungsteinzeitlers. Und auch die Umstände seines Todes wurden CSI-mäßig untersucht, nur viel genauer. Der Tathergang konnte recht genau rekonstruiert werden, aber es bleiben nach 5.000 Jahren dennoch natürlich einige Fragen offen, wenn auch die Frage nach einem gewaltsamen Tod längst bejaht werden konnte. Wer mehr über Ötzi und seine Zeit erfahren möchte, findet am Ende der 100 Seiten noch entsprechende Literaturhinweise. Das alles für 10 Euro.Gleichzeitig mit dem Band Ötzi sind die folgenden Bände erschienen: Jane Austen, Asterix, Superhelden, Twin Peaks, Menschenrechte, David Bowie, John F. Kennedy, Ovid, Reformation. Das ist nicht gerade der klassische Bildungskanon – aber das war ja wohl auch die Idee! Ich jedenfalls kann mir gut vorstellen, noch weitere blaue Bändchen zu lesen. HÖRBUCH: YRSA SIGURDARDOÓTTIR »DNA« Vielleicht haben Sie gerade in meinem Reisebericht über Island im Stadtgespräch gelesen, der betont, wie friedlich es auf Island ist. Die Vermieter legen die Schlüssel der Sommerhäuser auf den Tisch, abgeschlossen wird nicht. Auch die gewaltige Natur löst doch eher Demut und Frieden aus als alles andere, sollte man meinen. Doch trotzdem oder gerade deshalb schwingt bei isländischen wie bei anderen skandinavischen Krimis immer auch der Schrecken ungezähmter Brutalität mit. Vielleicht passt ein typisch isländisches Bild dazu, nämlich das vom Gletscher – unter dem ein gewaltiger Vulkan auf seinen Ausbruch wartet. In Yrsa Sigurdardoótirs neuem Roman, der als Hardcover im btb Verlag (480 Seiten, 19,99 Euro) und als Audioversion im hörverlag, ebenfalls 19,99 Euro, explodiert der Vulkan menschlicher Brutalität bei einer jungen Familienmutter. Der Täter kommt aus dem Nichts, ohne Erbarmen schlägt er zu. Die junge Mutter dreier kleiner Kinder wird nachts in ihrer Wohnung in Reykjavik überfallen und auf bestialische Weise ermordet. Einzige Zeugin ist ihre siebenjährige Tochter, die der Täter übersieht und die deshalb wider Erwarten den Angriff übersteht. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Die junge Mutter war allseits beliebt, ebenso wie ihr Ehemann, der zur Tatzeit im Ausland war. Weder beruflich noch privat hatten sich die beiden Feinde gemacht. Den Schlüssel zur Lösung des Falls kann scheinbar nur das kleine Mädchen liefern, die aber nicht allzu viel preisgibt. Der recht unerfahrene Kommissar Huldar, der die Ermittlungen leitet und sich erstmals in einem so wichtigen Fall beweisen muss, hat darüber hinaus ein weiteres Problem. Er ist gezwungen, mit der Psychologin Freyja zusammenzuarbeiten. Nicht, dass die Frau ihm unsympathisch wäre oder gar hässlich. Ganz im Gegenteil. Allerdings hat Huldar vor kurzem nach einer Kneipentour als Jonas der Schreiner die Nacht mit ihr verbracht. Anschließend hat er lautlos das Weite gesucht und die geschockte Freyja nach dem One-Night-Stand verlassen. Entsprechend bedient ist sie, als der falsche Schreiner als richtiger Kommissar viel zu spät zur ersten Vernehmung des Mädchens kommt. Während sich die Psychologin und der Ermittler zusammen raufen, beschließt ein junger Amateurfunker, auf eigene Faust zu ermitteln, von wem die seltsamen Zahlenreihen stammen, die ihm ein unbekannter gefunkt hat. Der klassische Verlierer, der kaum Freunde und Kontakte hat, macht sich auf die Suche, wobei er nicht einmal genau weiß, worum es geht. Lediglich die kryptischen Botschaften zu dem Fall heben ihn erreicht. Und dann passiert ein weiteres Verbrechen. Nach Yrsas Krimi-Reihe mit der Anwältin Thora, die sechs Romane lang die Leser fesselte, ist das Freya-Huldar-Duo das neue Team, das die Fälle hoch im Norden lösen wird. Und darauf darf man sich getrost freuen. Bleibt zu hoffen, dass der Verlag auch in künftigen Hörbuchversionen wieder Mark Waschke gewinnen kann, der genau den richtigen Ton für diesen besonderen Thriller trifft. Seit 2015 ist Waschke als Tatort-Kommissar der ARD in Berlin zu sehen. Wein im FachWerk Lange Straße 91 Rheda-Wiedenbrück info@lieblingsweinladen.de NEU! Ab 15.11.16 sind wir auch dienstags für Sie da: Di 15:00 Uhr – 18:30 Uhr Mi 15:00 Uhr – 18:30 Uhr Do 15:00 Uhr – 18:30 Uhr Fr 10:00 Uhr – 13:00 Uhr 15:00 Uhr – 18:30 Uhr Sa 10:00 Uhr – 15:00 Uhr Bei uns kaufen Sie nicht die Wein im FachWerk Kommen Sie bei uns auf den Geschmack! Am verkaufsoffenen Sonntag, dem 30.11.16, können Sie bei uns ausgewählte Weine, die Sie zu Weihnachten verschenken möchten, selbst probieren! Ob für Privat oder für Geschäftskunden, wir stellen Ihnen gerne Ihr individuelles Weihnachtspräsent zusammen.

Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

© 2020 lokalpioniere
Impressum / Datenschutz