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Das Stadtgespräch November 2015

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Magazin für Rheda-Wiedenbrück

54 Das

54 Das Stadtgespräch WATT NICH ALLE GIBT IN DER FORSCHUNG Vater von 800 Kindern und Stiche in die Weichteile Seit 1991 vergibt die altehrwürdige Universität von Harvard Preise für Forschungen, deren Chancen auf den Gewinn des Nobelpreises eher gering sind. Da die Mitglieder der US-Elite-Uni des Westfälischen nicht mächtig sind, heißt die Veranstaltung auch nicht »Watt nich alle gibt«, sondern Verleihung des Ig-Nobel Preises. Das spielt auf den Nobelpreis an, aber ignoble bedeutet im Englischen gemein, unehrenhaft, unwürdig. Und in der Tat sind die Forschungsprojekte auf den ersten Blick zumindest überraschend, wenn nicht lächerlich. Da lassen sich renommierte Wissenschaftler wie der Entomologe (Insektenwissenschaftler) Justin Schmidt und sein Kollege von der Cornell Universität 38 Tage lang an 25 verschiedenen Orten stechen. Jeden Tag ließen sie sich fünfmal irgendwohin stechen, um herauszufinden, wo es am meisten schmerzt. Das Ergebnis kann nicht wirklich überraschen, schmerzt es doch an den Nasenflügeln, der Oberlippe und am Penis am meisten. Für diese Versuche muss man die Wissenschaft schon sehr lieben, ich persönlich wäre für solcherlei Forschung nicht zu haben. Allerdings ist es Schmidt gelungen, 78 verschiedene Arten des Schmerzes herauszufühlen. Der Stich der Dolichovespula maculata, einer Wespenart Nordamerikas, die deutlich größer als die Deutsche oder Gemeine Wespe ist, wird wie folgt beschrieben: üppig, herzhaft, leicht kross – so als wenn man sich die Hand in einer Drehtür klemmt. Das ist aber noch gar nichts gegen die Paraponera clavata, auch 24-Stunden Ameise, Tropische Riesenameise oder Bullet Ant genannt. Die bestraft ihre Feinde mit Schmerz, und der ist »pur, intensiv, brillant, als wenn man über glühende Holzkohle läuft und dabei einen rostigen Nagel in der Ferse stecken hat«. Die Anthropologen Elisabeth Oberzaucher und Karl Grammer von der Universität Wien wurden ebenfalls ausgezeichnet. Von Moulay Ismail Ibn Cherif, seines Zeichen Sultan von Marokko, heißt es, er habe 888 Kinder hinterlassen. Die Anthropologen sind nun der Frage nachgegangen, ob es für einen Mann tatsächlich möglich ist, so viele Nachkommen zu zeugen. Der Herrscher wird je nach Sicht für die Einigung Marokko, die Vertreibung der Engländer aus Tanger und die Etablierung des Herrscherhauses, das noch heute das nordafrikanische Königreich regiert, geehrt oder aber als Ismail der Blutrünstige angesehen. Das Guiness Buch der Weltrekorde von 2008 kürte ihn zum Mann mit den Im Land der Nachfahren des Sultans meisten Nachkommen und gab gar die Zahl mit 1.042 Kindern an. Insgesamt schwanken die Angaben zwischen gerade mal lächerlichen 867 und beeindruckenden 1.171 Kindern. 1672 mit 27 Jahren an die Macht gekommen und diese 55 Jahre lang gehalten, führte der Sultan in erster Linie Kriege, setzte Tausende europäische Sklaven ein, um sich Bauten zu errichten, die größer waren als Versaille, und verfügte über einen Harem, der mehr als 500 Damen beherbergte. Die hatten natürlich ein Anrecht darauf, regelmäßig vom Sultan beglückt zu werden, was aber schon rein rechnerisch bedeutet, dass sie nur alle zwei Jahre dem Souverän beiwohnten, wenn der in Stimmung war. Ismail war jedoch dafür bekannt, dass er oftmals eine Mörderlaune hatte, die bei ihm leider wörtlich zu nehmen war, denn vor allem wenn er in Gelb gekleidet war, führte er spontane Hinrichtungen gerne selbst durch. Die Forscher von der Uni Wien haben nun nach intensivem Rechnen herausgefunden, dass Ismail in der Tat 800 Kinder gehabt haben könnte, aber, so Oberzaucher, das sei eine Menge Arbeit gewesen. Denn er musste wirklich jeden Tag seines Erwachsenenlebens ein- bis zweimal Sex haben, was erst einmal nicht so wild klingt, aber zum Stress ausartet, wenn man(n) tatsächlich jedes Jahr über ein halbes Jahrhundert lang rund 500 Mal jeweils eine andere Frau beglücken soll, denn nur so lässt sich eine solche Nachkommensschar produzieren. Auch steht zu befürchten, dass Ismail die Knaus- Ogino Methode zur Ermittlung der fruchtbaren Tage nicht wirklich bekannt war – wurde diese doch erst 1928 vorgestellt. Dass jeder Schuss ein Treffer war, das gehört damit sicherlich ins Reich der Mythen. Wo wir schon beim Sex sind: Forscher aus Osteuropa und Japan haben sich mit der Vorstufe zum Sex wissenschaftlich befasst und dabei herausgefunden, dass intensives Küssen gut für Menschen ist – also nicht nur in dem Sinne, wie wir es alle wissen, sondern im medizinischen. Allergische Reaktionen etwa lassen dramatisch nach. Auch die Ansteckungsgefahr schwindet. Ein anderer Forscher hat ein Ei entkocht, also das Gegenteil von gekocht. Statt das Eiweiß zu verfestigen, hat er gestocktes Eiweiß wieder in flüssigen Zustand versetzt, was zunächst idiotisch scheint. Ist es aber gar nicht, denn die Umwandlung von Proteinen könnte in der Krebsforschung eingesetzt werden oder auch nur bei der Käseherstellung. Eine Forschergruppe aus den USA und Taiwan hat das »Gesetz des Urinierens« herausgefunden. Säugetiere, egal welcher Größe, leeren ihre Blasen in 21 Sekunden, wobei dieser Wert um maximal 13 Sekunden über- oder unterschritten wird. Der Elefant pillert also genauso lange wie die Maus. Die Frage ist nur, warum ist das so? Und die nächste Frage ist natürlich: Warum will man sowas wissen? Vielleicht für die nächste Party, auf der es nur ein Gästeklo gibt und man entsprechend warten muss – dann könnte man dem

55 eingeschlossenen Toilettengänger einen dezenten Hinweis darauf geben, dass die 21 Sekunden schon deutlich mehr als 13 Sekunden überschritten sind. Zum Schluss möchte ich ein Forschungsergebnis nicht unerwähnt lassen, das sich mit Sprachen beschäftigt. Der Holländer Mark Dingemanse (sieht aus wie 14, hat aber 2011 promoviert) vom Max Planck Institute for Psycholinguistics in Nijmegen hat zusammen mit zwei Kollegen nämlich herausgefunden, dass es das Wort »hä?« wohl in allen Sprachen der Welt gibt. Das englische huh, das französische hein (die verschiedenen Schreibungen geben nur den jeweiligen Lautstand wieder) kennen vielleicht viele. Allerdings wissen die holländischen Forscher nicht, warum das so ist. Ich selbst habe schon darüber nachgedacht, denn die meisten Formen, die von der Hochsprachform abweichen, entstehen durch die sogenannten Verschleifungen. Sie verstehen nur Bahnhof? Gut, ein Beispiel: aus »komme einmal herüber« wird in der gesprochenen Sprache gerne »komma rüba«. Das ergibt deshalb einen Sinn, weil der Sprecher nicht nur mehrere Silben einspart, sondern auch noch ein ganzes Wort. Außerdem muss man das R im Auslaut nicht mitsprechen, was uns etwas schwer fällt. Das funktioniert jedoch nicht mit »hä«, denn dabei spricht man genauso wenig und genauso viel wie mit »was«. Auch im Englischen kann man »what«, im Französischen »quoi« im Polnischen »tso« (ich hoffe, das wird auch so geschrieben, ich kenne es nur vom Hören) signalisieren, dass man etwas nicht verstanden hat. Man macht sich das Sprechen dabei gar nicht einfacher – aber warum macht man es dann überhaupt – und warum ist das überall so? Wenn wir so weit sind, hat die Ig-Nobel-Verleihung ihren Zweck erfüllt, wir haben uns gewundert, amüsiert und anschließend nachgedacht. 05242 - 93030 Der Förderverein der Osterrath-Realschule hatte die Eltern und Kinder der Klassen 5 und 6 zum Jahresfest eingeladen. OSTERRATH-REALSCHULE FEIERTE 300 Eltern und Kinder machten mit Strahlender Sonnenschein, fröhliches Kinderlachen, der Duft von Stockbrot und Bratwürstchen, dies sind einige besondere Eindrücke vom Jahresfest des Fördervereins der Osterrath-Realschule. Über 300 Eltern und Kinder der Klassen 5 und 6 waren gekommen, sie brachten 78 Salate mit für ein tolles buntes Büffet. Bratwürstchen und Getränke gab es vom Förderverein. Die Survival-AG der Schule entfachte ein großes Lagerfeuer an dem Stockbrot und Marshmallows von den Kindern an langen Stöcken geröstet wurde. Für Spiel und Spaß sorgte das Spielmobil der »Falken Gütersloh«. Die Sporthelfer der Schule organisierten Fußball- und Basketballspiele, so dass alle Kinder auf ihre Kosten kamen. Der Vorsitzende des Fördervereins, Andreas Heimann, begrüßte alle Gäste.

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