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Das Stadtgespräch Mai 2018

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34 TIPPS

34 TIPPS Das Stadtgespräch WIEDERENTDECKT: LORIOT »Menschen, Tiere, Katastrophen« In der Comedy-Welle gibt es auch einiges Gutes zu entdecken, und außerdem gehöre ich nicht zu denjenigen, die sagen, dass früher alles besser gewesen sei. Aber dennoch ist es klar, dass selbst ein Heer von Comedians nicht wöchentlich neue, qualitativ hochwertige humoristische Edelsteine hervorbringen kann. Dass es um eben solche geht, wird schnell klar, wenn man die vielen Schöpfungen Loriots im Fernsehen wiedersieht oder (erneut) liest. 1992 erstmals in Reclams Universal-Bibliothek erschienen, amüsieren Loriots Zeichnungen und Texte in dieser handlichen Auswahl seither immer neue Leser. In seiner ganz unnachahmlichen Weise widmet sich Loriot darin allen existentiell bedeutsamen Bereichen des modernen Lebens, den lieben Mitmenschen, der Ehe, dem Sport und Tourismus, dem Berufsleben – und nicht zuletzt dem Tier als solchem. Bisher an die 300.000 mal verkauft, darf dieser Band in einer Jubiläums-Edition nicht fehlen. Das gebundene Büchlein, 159 Seiten, bietet für sechs Euro jede Menge Unterhaltung der feineren Art. HÖRBUCH: DANIEL WOLF »Die Gabe des Himmels« Die Wege zur Literatur sind nicht selten unergründlich. Als Beispiel kann Daniel Wolf dienen. Der 1977 geborene Schriftsteller arbeitete zunächst unter anderem als Musiklehrer, in einer Chemiefabrik und in einer psychiatrischen Klinik, bevor sich Daniel Wolf, der eigentlich Christoph Lode heißt, ganz dem Schreiben widmete. Und das mit großem Erfolg, denn »Das Salz der Erde«, »Das Licht der Welt« und »Das Gold des Meeres« landeten in den Bestsellerlisten. Dieses Schicksal könnte seinem neuesten Roman »Die Gabe des Himmels« durchaus auch blühen. Dabei ist nicht sofort klar, ob die im Titel genannte Gabe, nämlich die Fähigkeit zu heilen und dazu forschen zu wollen, Fluch oder Segen ist. Denn im Jahre 1346 verlässt sich die christliche Medizin ganz auf die antiken Autoren und nicht auf eigene Erkenntnisse. Das wird dem jungen Kaufmannssohn Adrien Fleury fast zum Verhängnis. Er studiert in Montpellier Medizin und träumt von einer Laufbahn als Arzt. Doch daraus wird nichts, als er unerlaubte Studien an einem Leichnam betreibt und er dabei erwischt wird. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als in seine Heimat zurückzukehren. Als er jedoch nach Varennes-Saint-Jacques zurückkommt, erkennt er seine Heimatstadt kaum wieder. Reiche Patrizier regieren Varennes rücksichtslos. Das einfache Volk rebelliert gegen Unterdrückung und niedrige Löhne. Die Juden leiden unter Hass und Ausgrenzung. Als Adrien eine Stelle als Wundarzt antritt, lernt er die jüdische Heilerin Léa kennen. Sie verlieben sich und bringen sich damit in höchste Gefahr. Doch dann wütet der Schwarze Tod in Varennes, und Adriens Fähigkeiten werden auf eine harte Probe gestellt. Die Hörbuchfassung des Romans wird von Johannes Steck gelesen, der auch schon die früheren Romane Daniel Wolfs sowie die Medici-Reihe ebenso wie zahlreiche Autoren wie Ken Follett vorgetragen hat. »Die Gabe des Himmels« bietet 22 Stunden Gesamtlaufzeit auf zwei mp3-Cds und kostet 14,99 Euro. Die Druckausgabe bei Goldmann kostet 9,99 Euro, aber dafür muss man selbst lesen… DVD Happy Burnout Burnout ist ja eines der größten Gesundheitsthemen unserer Zeit geworden. Die Leistungsgesellschaft fordert so ihren Zoll von der arbeitenden Bevölkerung. Zu der gehört Fussel allerdings nicht. Vielmehr ist er Charmebolzen, hat schwer Schlag bei Frauen, ist Lebenskünstler und Systemverweigerer aus Überzeugung. Das hat auch längst Frau Linde eingesehen, seine Sachbearbeiterin im Arbeitsamt. Ein solcher Mann darf doch nicht dem schnöden Mammon arbeitend nachjagen. Ergo unterstützt sie seine Zurückhaltung bei der Suche nach bezahlter Tätigkeit nach Kräften. Doch die friedvolle Zeit für Fussel scheint abgelaufen, als eine interne Prüfung Frau Linde zwingt, aktiv zu werden. Also vermittelt sie ihm ein Arbeitsunfähigkeits- Attest mit der Diagnose Burnout. Das zieht natürlich die Therapie in einer stationären Klinik nach sich. Und so findet sich der arbeitsscheue Sponti plötzlich zwischen jeder Menge echter Burnout-Patienten, den Opfern einer Gesellschaft im Effizienzwahn. Voll sein chaotisches Potential nutzend mischt Fussel den Klinikalltag kräftig auf. Doch je besser er seine Therapeutin Alexandra und seine neuen Mitbewohner kennenlernt, desto mehr beginnt Fussel, über sich nachzudenken. Bis irgendwann gar nicht mehr so klar ist, wer hier eigentlich wen therapiert und worum es am Ende des Tages wirklich geht. Und das sowohl in der Therapie als auch im echten Leben. In der hochkarätig besetzten Komödie glänzen vor allem Wotan Wilke Möhring als Fussel und die wunderbar zurückgenommen spielende Anke Engelke als Therapeutin. Obwohl der Film natürlich einige Klischees bemüht – wie könnte es anders bei einer Komödie sein? – enthält er doch auch eine deutliche Spur dessen, was damals »Einer flog über das Kuckucksnest« ausgemacht hat. Auch kommt es natürlich zu überraschenden Wendungen, die hier selbstverständlich unerwähnt bleiben, wir wollen doch keinen Spoiler-Alarm auslösen. Als Klinik diente übrigens das Schloss Körtlinghausen in unserem Nachbar- Kreis Soest.

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Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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