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Das Stadtgespräch Mai 2018

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32 TIPPS

32 TIPPS Das Stadtgespräch SIBYLLE LUITHLEN »Wir müssen reden« Der Titel meiner Dissertation im Fach Germanistik lautet »Der Wir-müssen-reden-Topos in der neueren deutschen Literatur«. Nach einem kurzen Abriss über sämtliche Gebiete, die diese drei Worte betreffen, von der Psychologie bis zur Fernsehsendung mit Cordula Stratmann und den entsprechenden Wendungen in anderen Sprachen (Englisch: we need to talk), beschränke ich mich natürlich auf das rein Literarische, was ja für sich genommen schon ein sehr weites Feld ist. Nur einen Professor für meine Dissertation muss ich noch finden. Ach ja, schreiben muss ich die Doktorarbeit auch noch. Da hat es Sibylle Luithen schon viel besser, denn ihr Roman ist bereits erschienen (DVA, 248 Seiten, 20 Euro). Und tatsächlich hält das Buch, was der Titel verspricht, denn »wir müssen reden« kündet stets von Unheil – selbst in der (vielleicht weiblichen?) Variante »Schatz, wir müssen reden«. Und der unheilvolle Satz läutet fast immer das Ende von irgendetwas ein, meist einer Beziehung. So ist es auch bei Feline. Die hat ihr Leben fest im Griff – jedenfalls überwiegend, jedenfalls bislang. Die süße fünfjährige Tochter Youna ist zwar etwas früh in ihr Leben getreten, aber sie ist ihr Sonnenschein, ihr leuchtender Punkt an einem trüben Horizont, wie Feline es ausdrückt. Gut, mit dem Job als Lehrerin hat es bisher nicht so geklappt, denn vor einer normalen achten Klasse in Panik zu geraten, ist nun nicht gerade der Gipfel der pädagogischen Professionalität. Und außerdem gibt Feline ja nun Deutschkurse an der Volkshochschule. Mit Ehemann Lars ist auch alles in Ordnung, der arbeitet etwas viel, auch spät abends, aber so ist das nun mal. Nur, dass er gar nicht arbeitet, sondern auf Freiersfüßen wandelt. Mit einer Studentin namens Loles. Felines Auszug aus dem Schlafzimmer ist schnell gemacht, das Angebot der Volkshochschule für ein paar Wochen in einem schwäbischen Provinznest kommt ihr gerade recht. Und so flüchtet die junge Frau, um ihre Wunden zu lecken und um sich klar zu machen, wie ihr Leben nun weitergehen soll, von dem sie speziell in der Phase, als sie sich noch als Heldin aus einem Tolstoi- oder Emily Brontë-Roman sah, erwartet hatte, dass es perfekt werden würde. Denkanstöße bekommt sie dabei von Silver, der sich gar nicht erst auf den Leistungsdruck einlässt und sich eher durchs Leben treiben lässt. Sibylle Luithen ist mir ihrem ersten Roman ein echter Wurf gelungen. Vielleicht auch, weil nicht nur die gleiche Tätigkeit – sie unterrichtet wie ihre Heldin Deutsch als Fremdsprache – beide, Autorin und Feline, beschäftigt. Aber wie hat es Marcel Reich-Ranicky so treffend ausgedrückt: Ein Roman ohne autobiographische Züge ist Dreck! RÜDIGER SCHAPER »Alexander von Humboldt – Der Preuße und die neuen Welten« Die Literaturwissenschaft hat sich lange mit ersten Sätzen beschäftigt. Über den ersten Satz im »Zauberberg« gab es ganze Seminare. Nun, so wichtig ist der erste Satz vermutlich nicht, aber gleichzeitig kann es auch nicht schaden, wenn dieser Lust auf mehr macht. Wie zum Beispiel dieser Satz: »Alexander von Humboldt ist 57 Jahre alt, er ist weltberühmt und pleite und muss nach Berlin zurück«. So beginnt nämlich Rüdiger Schapers Biographie des großen Universalgelehrten, die einen neuen Blick auf diese welthistorische Figur gewährt. Wie konnte aus dem »lust- und kraftlosen Jungen« (Schaper) der große Forscher und Reisende werden, der seiner preußischen Heimat zweihundert Jahre voraus zu sein scheint und gleichzeitig natürlich auch in ihr befangen ist. Aus der Perspektive der letzten Lebensjahrzehnte, die Humboldt, nach seinen Entdeckerjahren in Übersee, nun weitgehend in der ungeliebten preußischen Heimat verbringt, lässt Schaper dieses Forscherleben Revue passieren. Er widmet sich Humboldts Kindheit, der Jugend, der Bildung und den Reisen ebenso wie seiner schillernden Persönlichkeit und spürt dabei auch dem preußischen Erbe nach, das ihn zeitlebens begleitet hat. Und hier, in der preußischen Heimat, zieht Humboldt Bilanz: Hier wird er Geist und Materie, Natur und Geschichte, Wissenschaft und Kunst und die eigenen Reiseabenteuer in ein universelles System überführen. Vor dem großen Wurf hat Rüdiger Schaper, Jahrgang 1959, schon länger keine Angst. Er leitet das Kulturressort des Berliner »Tagesspiegel«, für den er seit 1999 tätig ist. Zuvor war er zehn Jahre lang Kulturkorrespondent der »Süddeutschen Zeitung« in Berlin. Seine beiden Werke »Karl May. Untertan, Hochstapler, Übermensch« (2012) und »Spektakel. Eine Geschichte des Theaters von Schlingensief bis Aischylos« (2014) zeigen, dass es ihm ge-

TIPPS 33 lingt, komplexe Themen gebündelt darzustellen und auch neue Aspekte in der Geistesgeschichte zu finden, über die schon alles gesagt scheint. Erschienen ist »Der Preuße und die neuen Welten« bei Siedler, gebundenes Buch, 285 Seiten, 20 Euro. MARITA SPANG »Die Frauenburg« Auf der Mosel gibt es ein Ausflugsschiff, das den Namen »Gräfin Loretta« trägt. Das ist nicht zufällig, denn Loretta von Sponheim (* 1300; † 1346), geborene von Salm und Gräfin aus dem Geschlecht der Sponheimer, war schon eine ganz besondere Frau des späten Mittelalters. In der Literatur unserer Zeit wimmelt es ja nur so von starken Frauengestalten, die zu selbstbewussten und mächtigen Herrscherinnen aufsteigen. Doch die Wirklichkeit war patriarchalisch geprägt, die Männer hatten das Sagen. Dennoch es gibt tatsächlich Ausnahmen von der Regel und Loretta, die Heldin des gerade erschienen Romans von Marita Spang, war eine von ihnen. Das Römisch-Deutsche Reich im Jahr 1324. Die junge Gräfin Loretta von Starkenburg-Sponheim übernimmt nach dem frühen Tod ihres Gatten die Regentschaft für ihren unmündigen Sohn. In dem Kurfürsten Balduin von Trier findet sie einen mächtigen Verbündeten gegen ihre zahlreichen Feinde und nach einer unglücklichen Ehe Erfüllung in ihrer geheimen Liebe. Auf dem Höhepunkt ihres Glücks entschließt sich Loretta, eine Burg, eine möglichst uneinnehmbare noch dazu, zu erbauen. Das war natürlich unerhört für eine Frau ihrer Zeit. Und das rief ebenso natürlich mächtige Gegenspieler auf den Plan. Aber Loretta ist nicht zimperlich in ihren Mitteln und scheut nicht einmal den Konflikt mit dem Papst. Die promovierte Psychologin Marita Spang hat ihren Roman, der bei Knaur erschienen ist, 813 Seiten, 10,99 Euro, inklusive Anhang mit Nachwort und Glossar sowie Literaturhinweisen, hervorragend recherchiert und mitreißend erzählt. Letzteres ist nur möglich gewesen, weil die Autorin die verschiedenen Handlungsstränge, vor allem die vielen Fehden und die damit verbundene Personenanzahl behutsam aber deutlich reduziert hat. Marita Spang hat den HOMER-Preis für historische Literatur für ihren Roman »Hexenliebe« erhalten. Doch auch ihr neuestes Werk, das das Leben Lorettas nachzeichnet, dieser schillernden Frau, die im deutschen Mittelalter ihresgleichen sucht, ist schwer preisverdächtig. Dann sollten wir uns unbedingt mal kennenlernen! JUGENDBUCH: ANNE FREYTAG »Nicht weg und nicht da« Schön traurig und traurig schön – so könnte man vielleicht die Romane von Anne Freytag beschreiben. Ihre Helden und vor allem die Heldinnen haben gemeinsam, dass sie einiges durchmachen, durchgemacht haben oder durchmachen müssen. Aber dennoch sind sie immer auch positiv, mutig und gewinnen dem Leben die schönen Seiten ab. Genau so eine Heldin ist auch Luise, die nach dem Tod ihres Bruders einen radikalen Schnitt macht: Sie trennt sich von ihrem mausgrauen Ich und ihren dunkelbraunen Haaren. Übrig bleiben drei Millimeter Frisur und eine Mauer, hinter die niemand zu blicken vermag. Als Jacob und sie sich begegnen, ist er dennoch sofort fasziniert von ihr. Doch Luise hält Abstand. Bis sie an ihrem sechzehnten Geburtstag aus heiterem Himmel eine E-Mail von ihrem toten Bruder bekommt – es ist die erste von vielen. Mit diesen Nachrichten aus der Zwischenwelt und dem verschlossenen Jacob an ihrer Seite gelingt es Luise, inmitten dieser so aufwühlenden wie traurigen Zeit, das Glitzern in ihrem Leben zu entdecken. Autorin Anne Freytag hat International Management studiert und als Grafikdesignerin und Desktop-Publisherin gearbeitet, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Erwachsenen- und All-Age-Romanen widmete. Für ihre ersten beiden Jugendbücher wurde die Autorin zwei Mal in Folge für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert – 2017 für »Mein bester letzter Sommer« und in diesem Jahr für »Den Mund voll ungesagter Dinge«. Gerade stellte Anne Freytag mit »Nicht weg und nicht da« (heyne>fliegt, 478 Seiten, 16 Euro) auf der Leipziger Buchmesse ihren dritten Jugendroman (ab 14 Jahren) oder besser gesagt All-Age- Roman vor, denn auch die erwachsene Leserschaft findet offenbar Gefallen an ihren Büchern. Lernen statt Pauken! Entspricht die Schulleistung Ihres Kindes dem Übungsaufwand? Gibt Ihr Kind beim Lernen vorschnell auf? Träumereien, Zappelphilipp, aggressiv? Ihr Kind findet keinen Zugang zu den eigenen Ressourcen? Leidet Ihr Kind unter Schulangst und psychomatischen Beschwerden? Täglicher Kampf um die Hausaufgaben? Fehlende Arbeitsorganisation? Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen? Trotz Übens schlechte Noten? Lese-Rechtschreib- oder Rechenschwäche? Verhaltensauffälligkeiten im emotionalen/ sozialen Bereich? Ihr Kind ist hochbegabt, hat keine Anstrengungsbereitschaft und leidet unter Unterforderung? Dann sollten wir uns unbedingt mal kennenlernen!

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