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Das Stadtgespräch Mai 2017

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62 Das

62 Das Stadtgespräch Traum aus Stahl und Chrom TEIL 2 Die gute alte Zeit der Oldtimer Sie sind Spritfresser, sie sind unbequem, sie sind ein Sicherheitsfiasko, sie sind teuer, sie sind reparaturanfällig – aber sie sind wunderschön. Manchmal jedenfalls. Die Begeisterung für alte Autos ist rational nicht zu erklären, wohl aber durch die Emotionen! Da ist zum Beispiel das erste Familienauto, an das man sich erinnern kann, wenn vielleicht auch nur dunkel. Bei mir war das der Borgward Isabella. Ein totschicker Wagen. Die wurden überhaupt nur von 1954 bis 1961 gebaut. Die Legende besagt, dass die Wagen einfach zu gut waren, nie kaputt gingen und deshalb nicht neu gekauft wurden, was dann zur Pleite führte. Klingt gut. Misswirtschaft dagegen klingt ziemlich hässlich, ist aber wohl eher der Grund, warum es Borgward nicht mehr gibt. Doch egal, die Autos waren schön, auch schön schnell, der Isabella TS kam mit seinen 75 PS immerhin auf 150 km/h. Und obwohl die Autobauer sich natürlich auch schon damals von anderen Marken »inspirieren« ließen, hatten die Fahrzeuge doch alle auch etwas Unverwechselbares. Ich kann mich zum Beispiel noch lebhaft an die Borgward-Raute am Kühlergrill erinnern, vermutlich, weil ich als Dötzchen direkt darauf geguckt habe. Käfer, Enten und sonstige Knuddel-Autos Erinnern kann ich mich natürlich auch noch sehr lebhaft an mein erstes Auto, das im guten Zustand heute ein Oldtimer wäre und mit dem H im Kennzeichen als historisches Fahrzeug gelten könnte. Der Wagen war von 1966 und würde die Bedingung, dass ein Auto älter als 30 Jahre sein muss, damit locker erfüllen, wäre er doch letztes Jahr schon 50 geworden. Und doch würde ich keine Unsummen mit meinem geliebten ersten Wagen verdienen, auch im Top-Zustand nicht. Der Grund dafür ist, dass der VW Käfer derjenige Oldtimer ist, der in der größten Stückzahl auf dem Markt ist. Das spricht zwar einerseits für die Qualität des Weltbestsellers, andrerseits aber auch für die schiere Menge der produzierten Wagen, denn der Käfer rollte knapp 16 Millionen mal allein in Deutschland vom Band, weltweit waren es mehr als 21 Millionen. Käfer gibt es heute rund 50.000 auf unseren Straßen, nur annähernd daran kommen die 32.000 Trabbis, die zum großen Teil aber deutlich jünger sind als die Käfer – das gilt nicht so richtig. Den Mercedes Benz /8 (sprich: Strich acht) gibt es auf unseren Straßen etwa 14.000 mal, den Mercedes der Baureihen W 110-112 – das sind die mit der Heckflosse! – immerhin noch knapp 6.000 mal. Legendär ist natürlich auch der Citroën 2CV, in Deutschland besser bekannt als »Ente«. Das Auto, das man angeblich mit einem Schraubenzieher und einem Zehnerschlüssel komplett auseinander nehmen konnte und das nur ganz schwierig oder unmöglich in der Kurve umzuwerfen war (das war lange vor dem Elch-Test), ist immerhin noch in mehr als 12.000 Exemplaren unterwegs. Von 1949 bis 1990 gingen knapp vier Millionen Enten vom Band. Dabei war die Technik schon Mitte der 50er Jahr überholt. Den Spitznamen Ente bekam der 2 CV in Holland, wo man den Wagen »de lelijke eend« das hässliche Entchen nannte. Dass 2 CV ursprünglich für 2 PS stand, ist allerdings üble Nachrede. Die Ente hatte schon 1955 zornige zwölft PS, das Modell 1970 gar 23 PS. Aber es ging damals und geht heute natürlich nicht um Leistung, wenn man einen 2 CV fährt, sondern um das liebenswert Altmodische. Einen nicht ganz so hohen Knuddelfaktor hatte der Renault 4, kurz R 4, von dem es nur noch gut 2.000 gibt. Und was ist mit dem legendären heißen Teilen der Siebziger? Über den einen gibt es eine ganze Serie von Witzen und sogar einen Kinofilm mit Till Schweiger, als er noch jung und knackig, aber schon nuschelig war. Der andere war der Maurer-Porsche. Die Rede ist natürlich vom Opel Manta und vom Ford Capri. Die sind wirklich selten geworden – leider oder Gott sei Dank! Vom Opel Manta fahren auf unseren Straßen bundesweit noch ungefähr dreieinhalb Tausend, vom Capri sind es noch zweieinhalb Tausend. Kulturgut oder entsorgenswerter Schrott Ob der Capri oder der Manta als Schrott von gestern anzusehen ist, der so schnell wie möglich entsorgt werden sollte, oder eben als Kulturgut ist natürlich Ansichtssache. Es gibt Bestrebungen Oldtimer ins UNESCO-Weltkulturerbe aufzunehmen. Das wird diejenigen freuen, die überlegen, sich einen Oldtimer zuzulegen. Der Begriff »Oldtimer« ist übrigens ebenso englisch wie das »Handy«, denn beides ist Denglisch, also das, was Deutsche für Englisch halten. Unser Handy heißt als Eigenschaftswort im englischsprachigen Raum »praktisch«, das Ding, mit dem man telefonieren kann (mittlerweile eine nebensächliche Funktion) heißt mobile phone (im Vereinten Königreich) oder cell phone bei den Amis. Das Wort oldtimer kennt man im Englischen auch. Allerdings würde man zum Beispiel Sean Connery als oldtimer bezeichnen, also als jemanden, der schon lange beim Film dabei ist. Oldtimer bezeichnet also Menschen. Alte Autos heißen veteran cars oder antique cars, wenn sie etwa aus den Fünfziger Jahren sind, heißen sie auch classic cars. Das sind dann die berühmten Ami-Schlitten, Symphonien aus Stahl und Chrom und Lack, bei denen man sich noch auf die Stoßstange stellen konnte oder über die Motorhaube laufen, ohne dass etwas passiert wäre. Schließlich spielten Gewicht und Spritverbrauch so überhaupt keine Rolle, dafür aber Zierflossen! Doch egal, welcher Herkunft die Oldtimer sind oder welche Bezeichnung sie haben, beim Kauf von alten Fahrzeugen gibt es eine Reihe von Aspekten zu berücksichtigen. Goldgrube oder Geldverbrennungsmaschine Wer sich mit dem Gedanken trägt, einen Oldtimer zu kaufen, der sollte sehr auf der Hut sein. Heutzutage informiert man sich schnell im Internet. Genau dort gibt es auch die tollsten Preise, regelrechte Dum- pingpreise, traumhafte Angebote für Traumwagen. Allerdings haben diese Angebote dann gerne mal einen klitzekleinen Haken, denn das Auto, das

63 im Top-Zustand ist und auch noch zu haben, steht leider im Ausland. Es muss nur noch überführt werden, kein Problem. Und diese Kosten zu tragen, wird dem künftigen Käufer doch nicht schwerfallen. Daher sollen dann schnell mal 500 Euro überwiesen werden! Also: Finger weg von solchen Angeboten. Den richtigen Preis für einen Oldtimer zu ermitteln ist tatsächlich eine Kunst für sich. Aber es gibt Profis, die genau damit, nämlich mit Expertisen für alte Fahrzeuge, ihren Lebensunterhalt verdienen. Und dieses Honorar sollte man schon investieren. Ebenfalls von Nutzen sein können Gutachter von DEKRA oder TÜV, die einschätzen, ob das Fahrzeug, das man im Auge hat, tatsächlich schützenswert ist und damit das begehrte H-Kennzeichen vergeben werden kann. Zur Orientierung kann es natürlich nicht schaden, wenn man die Portale im Netz tatsächlich beobachtet und das idealerweise über Wochen oder Monate, denn auch dann bekommt man ein Gespür für realistische Preise. Ein weiterer Vorteil ist es, wenn man die Schwachstellen des Objekts der Begierde kennt. Jeder Oldtimer-Typ hat seine besonderen Macken. Die sind auch bekannt, jedenfalls den Spezialisten. Es gibt Oldtimer Clubs für verschiedene Modelle. Dort trifft man auf geballtes Know-how. So kann man die Schwach-, vor allem die Roststellen schnell selbst finden. Die Bereitschaft, das Wissen zu teilen ist oft sehr groß, es gibt sogar Dokumentationen im Netz, die zeigen, wie Oldtimer Schritt für Schritt restauriert wurden. Pinkes Big Block Auto Kostenfalle Ersatzteile Bevor man dann aber zum Kauf schreitet, sollte man sich erkundigen, wie denn die Ersatzteillage aussieht. Ansonsten kann man auch schon mal sein blaues, besser gesagt, teures Wunder erleben. Wenn das geliebte Auto zum Beispiel einen Kotflügel braucht, es aber keinen gibt, dann wird’s teuer oder aber man bekommt überhaupt kein Ersatzteil, dann steht der Wagen nur im Schuppen. Viele Oldtimer-Besitzer kaufen deshalb gleich zwei Modelle ihrer Traumautos, wobei das eine nur zum Ausschlachten gedacht ist. Vielleicht gibt es ja Ersatzteilhändler, die sich gerade auf den Wagen, den ich mir zulegen will, spezialisiert haben. Und vielleicht haben die auch noch vertretbare Preise. Vielleicht aber auch nicht – dann kann der Wagen zwar vom Kaufpreis her erschwinglich sein – nicht aber was die Wartung betrifft. Wenn einfach irgendwelche Ersatzteile verbaut werden, kann es sein, dass der TÜV-Gutachter bei der nächsten Untersuchung sein O.K. zum H-Kennzeichen nicht mehr gibt, denn schützenswert sind schließlich nur Fahrzeuge mit überwiegend Originalteilen. Und das liegt im Grunde ja auch im Interesse der Oldtimer Fans. Die wollen möglichst das Original fahren – möglichst auch in der Kleidung aus der Zeit und dem sonstigen Zubehör. Schließlich geht es ja, wie gesagt, nicht um Effizienz oder gar Bequemlichkeit, sondern um Emotionen und für die kann man schon mal etwas leiden… Anradeln der TSG bei strahlendem Sonnenschein Am letzten Samstag im März trafen sich 41 Radsportler, um die kommende Radsaison zu eröffnen. Der Sonnenschein war sicherlich auch ein Grund, warum die Aktiven so zahlreich erschienen waren. Erfreulich auch, dass Neu- und Wiedereinsteiger die Gelegenheit nutzten, sich der TSG Rheda Radsportabteilung anzuschließen. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto mit Frühlingsgesichtern am Ems-See teilten sich die Radsportler entsprechend der Leistungsfähigkeit in drei Gruppen auf. Nach einer zweieinhalbstündigen Ausfahrt erwartete die Radsportler zum gemütlichen Beisammensein in der Klosterschenke Kaffee, Kuchen, Schnittchen und Kaltgetränke. Mitte Juni gehen die Herren auf ihre Jahrestour zu den Dammer Bergen, 36 Radler haben sich hierzu angemeldet. Für den nötigen Konditionsaufbau gilt es nun regelmäßig zu trainieren. Die Trainingsfahrten finden ab sofort dienstags um 17:00 Uhr (Genießer) und um 18:00 Uhr, freitags um 16:00 Uhr (Genießer) und samstags um 14:00 Uhr statt. Treffpunkt ist die ehemalige Gaststätte Klein. Natürlich freuen sich die Radler auch auf Interessierte, die ein Rennrad und Helm besitzen und sich radsportlich betätigen möchten. Dem Motto »Gemeinsam Losfahren, gemeinsam Ankommen« folgend, hofft die TSG Radsportabteilung, auch Hobby-Rennradfahrer für den Radsport im Verein begeistern zu können. Nähere Einzelheiten finden Interessierte im Netz unter: www.tsg-rheda.de.

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