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Das Stadtgespräch Mai 2016

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Magazin für Rheda-Wiedenbrück

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18 Das Stadtgespräch auch in die Arbeitswelt das Ziel. Soziales Lernen wird groß geschrieben. In Klassenräten, Patenprojekten, Streitschlichtungsprogrammen und zuletzt dem schulübergreifenden Boxprojekt wird das soziale Miteinander so gefördert, dass sich möglichst viele Schülerinnen und Schüler in der Schule wohlfühlen und ihre gemachten Erfahrungen weitergeben können. Als dritte Säule ist die Berufswahlorientierung zu nennen. Die mehrfache Auszeichnung als »Berufswahl- und ausbildungsfreundliche Schule« ist nur die äußere Anerkennung für das differenzierte, jeden einzelnen Entlassschüler ins Blickfeld nehmende Modell der MCS. Zum einen gibt es die BuS-Klasse 9 (Beruf und Schule), die Schüler bei zwei Werkstatt- und drei Schultagen zum Hauptschulabschluss führen und gleichzeitig ausbildungs- bzw. arbeitsreif machen soll. Zum anderen gibt es die Praktikumsklasse 10, die den Schülern mehrere Praktika in heimischen Betrieben/Geschäften ermöglicht und damit den direkten Weg in eine Ausbildung erleichtert. Zusätzlich gibt es das BOB (BerufsOrientierungsBüro), in dem Lehrer in 1:1 Betreuung Schülern bei der Bewerbung helfen und Vorstellungsgespräche trainieren. Nur so ist es möglich, dass in den letzten Jahren über 65% der entlassenen Schüler sofort eine Berufsausbildung beginnen konnten. Das restliche Drittel wechselte in schulische Ausbildungsgänge am Berufskolleg bis hin zum Besuch der gymnasialen Oberstufe. Die Schulleitung Auf den Gründungsschulleiter Gerd Epmeier (1968-1982) folgte Wilfried Behrendt (1982-1996). Reinhard Mader (1996-2013) und Ulrich Backer (2013-2015) waren die letzten Leiter der Schule. Die MCS erlebte ihre zweite Blüte in den 1990er Jahren, als die Schülerzahl bis auf 600 Mädchen und Jungen anstieg. Knapp 50 Lehrerinnen und Lehrer zählte das Kollegium in jenen Jahren. Die innovative Arbeit der Ketteler-Schule Die Ketteler-Schule stellt den jungen Menschen mit seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Sie pflegt eine Kultur der Anerkennung, die Selbstbewusstsein vermittelt, Verantwortungsbewusstsein fördert und überträgt, sowie Engagement – auch außerschulisches – würdigt. Dieses wird auch durch unterschiedliche Projekte, wie z.B. Streitschlichterqualifizierung, Busbegleiterschulung, Schulsanitätsdienst und Kooperation mit Kirchen und Institutionen erreicht. Viele Auszeichnungen und Preise sind Beweis für die gute pädagogische Arbeit der Schule. 1999 wurde die Schule mit dem Siegel »Berufswahl- und ausbildungsfreundliche Schule« ausgezeichnet. Sie konnte sich ohne Unterbrechung fünfmal rezertifizieren. 2005 und 2007 zeichnete Bundespräsident Horst Köhler die Schule mit dem Hauptschulpreis aus. Ebenfalls überzeugte das Konzept zur Werteerziehung. Beim Bundeswettbewerb »Was ist wichtig?« belegte die Schule den 3. Platz. Bei anderen Wettbewerben wurden diverse Nominierungen und Platzierungen erreicht. Die Beschulung von Migranten ohne Kenntnisse in der deutschen Sprache war jahrelang Bestandteil der schulischen Arbeit. Die Förderklasse wurde 2005 aufgrund vorübergehend rückläufiger Migrantenzahlen aufgelöst. Seit 2011 ist auch die Ketteler- Schule eine Schule mit Nachmittagsunterricht und Übermittag- Betreuung. Wegen der rückläufigen Schülerzahlen musste der Mensabetrieb eingestellt werden. Die Vorbereitung auf die Berufsund Arbeitswelt sowie der Übergang von der Schule in den Beruf sind die zentralen Arbeitsschwerpunkte. Die Schule nimmt am Projekt KAoA (Kein Abschluss ohne Anschluss) teil. Das vor einigen Jahren eingerichtete BOB (BerufsOrientierungsBüro) eröffnet allen Schülern gleiche Chancen für die Erstellung ihrer Bewerbungsunterlagen. Im BOB erhalten sie Unterstützung durch den Übergangscoach und die Beratungslehrer. Außerdem wird die Schule in der Berufswahlorientierung durch ortsansässige Betriebe, die FARE gGmbH, den Verein Pro Arbeit e.V., die Fachstelle Übergang Schule- Beruf und weitere Kooperationspartner unterstützt. Und der Erfolg? Jeder zweite Schüler beginnt nach der Schulentlassung eine berufliche Ausbildung. Einige Schüler wechseln regelmäßig in die gymnasiale Oberstufe, die anderen beginnen eine schulische Ausbildung. Die Schulleitung Gründungsschulleiter war Otto Röckner (1969 – 1981). Gerhard Rüter leitete die Schule von 1981 – 2003. Auf ihn folgte Lisa Stratmann-Paulun. Seit der Pensionierung von Ulrich Backer (2015) leitet sie in Personalunion auch die Matthias-Claudius-Schule. Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre gab es über 700 Schüler in 23 Klassen. In den 1990er Jahren besuchten immer noch mehr als 600 Schülerinnen und Schüler die Ketteler- Schule. Sie wurden von 48 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. Das AUS für die Hauptschulen Als die Grundschulempfehlungen bei der Wahl der Schulform für die Eltern die Verbindlichkeit verloren, setzte der schleichende Niedergang der Hauptschulen endgültig ein. Zunehmend mehr Eltern waren überzeugt, dass insbesondere das Abitur und die Mittlere Reife die besten Voraussetzungen seien, später einen Arbeitsplatz zu bekommen. Immer weniger Eltern votierten für die Hauptschulen – bundesweit. Das war der »Main-Stream«. Die Eltern entschieden somit nicht mehr nach der Leistung der Hauptschulen vor Ort und den damit verbundenen vielfältigen individuellen Fördermöglichkeiten für ihre Kinder. Angesichts dieser Prämisse blieben beide Hauptschulen letztlich ohne Chance. Beide Schulen werden nun gemeinsam mit der Ernst-Barlach- Realschule in deren Gebäude an der Lessingstraße ihren vom Rat beschlossenen Weg zu Ende gehen. Sie tun dies stolz erhobenen Hauptes, in dem sicheren Wissen, immer alles für die ihnen anvertrauten Schüler getan zu haben. Im Sommer 2018 gehen in den drei Schulen für immer die Lichter aus. Dann heißt es endgültig: School’s out (– forever)!

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