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Das Stadtgespräch Juni 2019

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38 Das

38 Das Stadtgespräch Das Bremer Rathaus Die Stadtmusikanten sind allgegenwärtig auf die städtische Gerichtsbarkeit, das Doppeladlerwappen auf die lange angestrebte Reichsfreiheit Bremens. Die Holzversionen waren 1366 von Kriegern des Erzbischofs Albert II. umgestürzt und verbrannt worden, da die Zuwendung zum Kaiser für den Bischof die Abwendung von Mutter Kirche bedeutete. Daraufhin wurde Roland aus Stein erneut aufgestellt, und zwar 1404, noch vor dem Bau des Rathauses. Lediglich der Kopf ist nicht mehr Original, denn er der wurde ins Focke-Museum gebracht. Kleiner Tipp am Rande: Beim Fotografieren des Rolands auf die Straßenbahn achten, denn die fährt über den Marktplatz und wird gerne übersehen. Etwas Besseres als den Tod fi ndest du überall Noch mehr als der Roland symbolisieren vielleicht die Bremer Stadtmusikanten die Sehnsucht der Hanseaten nach Unabhängigkeit. Etwas versteckt neben dem Rathaus ziert seit 1953 das Denkmal aus Bronze den Platz. Die zunächst durchaus umstrittene Bronzeplastik, die manch einem Bremer nicht lustig genug war, anderen zu nah am Rathaus, ist mittlerweile längst Publikumsmagnet nicht nur bei kleinen Besuchern. Das Berühren des Eselsmauls soll Glück bringen, weshalb es ohne Patina glänzt. Das Märchen, das die Grimm-Brüder zum ersten Mal 1819 in schriftlicher Form festhielten, spiegelt eine alles andere als märchenhafte Realität, denn das Schicksal der Tiere ist das Schicksal des Gesindes in Zeiten vor dem Sozialstaat. Im Alter nicht mehr gebraucht und nutzlos geworden, hatte das Gesinde keinen Anspruch auf ein lebenswertes Leben. Durch Eigeninitiative schaffen es die Tiere, sich aus der prekären Lebenssituation zu befreien und sich gegen scheinbar übermächtige Kräfte durchzusetzen. Und das Durchsetzen gegen mächtige Kräfte war unter anderem auch ein typisch bremisches Ding. Länger als anderswo wehrte man sich gegen die Christianisierung. Schriftlich erwähnt wird Bremen Ende des 8. Jahrhunderts, weil die Einwohner einen Missionar vertrieben hatten und zwei Priester erschlagen. Immerhin konnte sich wenige Jahre später ein Bischof etablieren. Ein wichtiger Schritt in der Geschichte war die Ernennung zur Reichstadt, die 1186 durch Barbarossa geschah. Wichtiger noch war wohl der Beitritt zur Hanse im Jahre 1260. Noch heute zeugen die prächtigen Handwerkerhäuser vom Wohlstand, der mit dieser Art des globalen Handelns einherging. Bremen wurde zum Hochseehafen. Allerdings versandete die Weser immer mehr, sodass im 17. Jahrhundert der erste künstliche Hafen Deutschlands in Vegesack angelegt wurde. Ab 1783 trieben die Bremer Kaufleute direkten Handel mit den USA. Die Wallanlagen, die heute ein Naherholungsgebiet mit vielen Grün und vielen bunten Blumen sind – mittendrin steht auch noch eine Windmühle – zeugen vom Schutzbedürfnis, der Handelsmetropole. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde schließlich vom Königreich Hannover das Land für den Bau von Bremerhaven erworben, damit Bremen im Überseehandel im Geschäft bleiben konnte. Das erste deutsche Dampfschiff wurde hier gebaut. Expressionismus in Backstein In den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts gewann die »Bremen« das Blaue Band für die schnellste Atlantiküberquerung. Zur selben Zeit wurde auch die Böttcherstraße gebaut, die heute in ihrer gesamten Länge von 110 Metern unter Denkmalschutz steht. Die Böttcherstraße enthält eine ganze Reihe von Gebäuden, die in der seltenen Stilrichtung des Expressionismus gestaltet sind, zuweilen auch Backsteinexpressionismus genannt. Der Bremer Kaffeekaufmann Ludwig Roselius (1874–1943) spielte die entscheidende Rolle als Mäzen für die verschiedenen ungewöhnlichen Bauwerke, von denen ein Teil heute Museum ist. Der Besucher entdeckt immer wieder neue, zum Teil sehr verspielte Elemente, die sonst nirgends zu finden sind. Selbst das Glockenspiel ist einmalig, besteht es doch aus dreißig Porzellanglocken, die außer zwischen Januar und März zu jeder Stunde zwischen 12 und 18 Uhr spielen und an die Seefahrer-Tradition der Hansestadt erinnern. Heute finden sich zudem noch Geschäfte und Betriebe in der Böttcherstraße, die Ungewöhnliches zu bieten haben, dabei aber gar nicht mal so billig sind. Den Namen hat die berühmte Straße noch aus dem Mittelalter, denn in dieser direkten Verbindung zwischen Markt und Weser hatten unter anderem die Böttcher ihre Werkstätten. Ein

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Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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