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Das Stadtgespräch Juni 2019

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34 TIPPS

34 TIPPS Das Stadtgespräch erwähnt werden, dass der Autor Tom Williams ein Engländer ist? Daher kannte er sich auch unter anderem mit »squeaky bum time« aus. So heißt die Zeit der Entscheidungen, bei der die Hintern der Zuschauer nervös über die Plastiksitze rutschen, die daraufhin das Quietschen anfangen! Erschienen bei Riva, 328 Seiten, 16,99 Euro. Roadtrip mit Emma Wer meint, dass das letzte Reiseabenteuer längst erlebt ist, der muss nach der Lektüre von »Roadtrip mit Emma« seine Meinung revidieren. Denn während sich heute das gap year, das mit work and travel in Australien gefüllt ist, fast schon in jedem zweiten Lebenslauf findet, berichtet Christina Klein von einem ganz anderen Abenteuer. Mit Mitte zwanzig beendet sie ihr Architekturstudium erfolgreich, war immer schön fleißig, hat immer nebenbei gejobbt wie es sich für die Nachkommen der Spätaussiedler gehört. Doch statt sich nahtlos mit einem Bürojob in das Berufsleben zu integrieren, plant sie, die Oma zu besuchen. Das klingt einfacher, als es ist, denn die Oma wohnt in Sibirien und Christina möchte mit Freund Paul, der schwer vom Globetrotter- Virus infiziert ist, per Auto dorthin reisen. Also entscheidet sich die junge Frau, ihren Freund mit Emma zu teilen – dem Mercedes 407 D, Baujahr 1986, der als Nutzfahrzeug vom Technischen Hilfswerk und als Viehtransporter genutzt worden war. In liebevoller Kleinarbeit wird aus dem alten Bus ein Wohnmobil der improvisierten Art, das Domizil der beiden für 40.000 Kilometer. Und dann beginnt die Reise über Rumänien und Moldawien, wo die Komfortzone bereits endet. Die nächsten Stationen sind das Schwarze Meer, Georgien, Aserbaidschan, das gewaltige Russland, Kasachstan, schließlich Sibirien, dann zurück über Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan und schließlich den Iran, ehe es wieder gen Europa geht. Erfrischend ist Christinas Kleins Erzählansatz, denn sie stellt sich zu keiner Zeit als weiblichen Alexander von Humboldt oder gar Superman dar, wie es männliche Reisebuchautoren gerne mal tun. In schonungsloser Offenheit berichtet sie auch über Zweifel. Ein weiterer Pluspunkt ist ihre Selbstironie. Sie spielt mit sämtlichen Klischees, was beispielsweise die russische Seele angeht. Und dabei bestätigt sie durchaus auch diese Klischees, was allein schon den Umgang mit Alkohol angeht. Denn diese Reise ist – wie wohl jede wirklich große Reise – auch eine Reise zu sich selbst. Schließlich will sie wissen, wo sie eigentlich herkommt, wo ihre Wurzeln sind und was sie zu dem Menschen macht, der sie jetzt ist. Und natürlich ist die junge Frau, die fließend Russisch spricht, sowohl Deutsche als auch Russin, was beispielsweise angesichts einer »Schaschlik-Bar« offensichtlich wird: »Das ist genau mein Ding. So kenne ich Russland, und endlich fühle ich mich wie zu Hause. Halb nackte Frauen, Wodka und Schaschlik. Ein besseres Arrangement kann ich mir für heute nicht vorstellen«. Das große Lesevergnügen ist erschienen bei Knaur, 221 Seiten, ein Mittelteil mit Farbfotos, 12 gut investierte Euro. WIEDERENTDECKT JOHN STEINBECK »Der Winter unse res Missvergnügens« Wenn es einen Vorteil beim Älterwerden gibt, dann vermutlich den, dass man sich selbst nicht

TIPPS 35 mehr so ernst nimmt. John Steinbeck widmete sich stets ernsten Themen. Und wenn mich etwas an der Lektüre Steinbecks gestört hat, dann zuweilen seine Symbolik, die mir »heavy handed« vorkam, wenn nicht gar Symbolik mit dem Holzhammer. Steinbecks letztem Roman kann man diesen Vorwurf keineswegs machen, denn er besitzt durchaus Leichtigkeit. John Steinbeck wurde 1902 in Kalifornien geboren. Sein 1919 begonnenes Studium der Naturwissenschaften beendete er nach fünf Jahren ohne Abschluss, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. In seinen Büchern thematisierte Steinbeck vor allem die Lebensverhältnisse einfacher Arbeiter und sozial schwächer Gestellter. Zu seinen bekanntesten Werken zählen dabei die Novelle »Von Mäusen und Menschen« sowie die beiden Romane »Früchte des Zorns« und »Jenseits von Eden«. 1962 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. John Steinbeck starb 1968 in New York. Er gilt bis heute als einer der erfolgreichsten und beliebtesten Autoren der USA und taucht mindestens als Schullektüre auch bei uns immer wieder auf. John Steinbecks letzter Roman ist ein bis heute gültiges Lehrstück über Geld und Moral: Sein Protagonist Ethan Hawley, Hätschelkind der Finanzaristokratie von Long Island, muss sich eigentlich um materielle Dinge nicht sorgen – bis ihn die Pleite seines Vaters plötzlich zwingt, auf eigenen Beinen zu stehen. Um Frau und Kinder ernähren zu können, tritt er eine schlechtbezahlte Stelle als Verkäufer in einem Lebensmittelladen an – und dann auch noch in dem Laden eines Itakers, wie er es nennt. Rasch erkennt jedoch er, dass redliches Tagwerk einen Mann nicht weiterbringt. Unter dem Einfluss seiner Frau und dem seines Bankberaters entledigt er sich aller Menschlichkeit und steigt zum skrupellosen Geschäftsmann auf, der ohne Rücksicht auf andere nur den eigenen Vorteil sucht. Der neu übersetze Roman ist erschienen bei Manesse im klassisch kleinen Format, 605 Seiten, 25 Euro. DON WINSLOW »Jahre des Jägers« Was kann man Negatives zu »Jahre des Jägers« sagen? Da gibt es mehrere Aspekte, zum Beispiel, dass das Buch über ein Kilogramm wiegt, genauer gesagt 1.118 Gramm, auf meiner Briefwaage. Oder dass es ein Wälzer von 991 Seiten ist. Oder dass man 26 Euro für die soeben bei Droemer erschienene Hardcoverversion auf den Tisch legen muss – obwohl da selbst kritischen Geistern auffallen muss, dass das Preis-Leistungsverhältnis schon stimmt. Ein weiterer Nachteil für die arbeitende Bevölkerung ist, dass man das Buch nur sehr, sehr schlecht aus der Hand legen kann, was dazu führt, dass man weitaus länger abends liest, als es das frühe Aufstehen am nächsten Morgen vernünftig erschienen ließe. Ich weiß da, wovon ich rede, denn selten habe ich einen so spannenden Roman gelesen. Zum einen liegt das daran, dass Don Winslow einfach schreiben kann und man seine Bücher ohnehin am liebsten in einem Rutsch lesen möchte – was bei knapp tausend Seiten ja etwas eng wird. Zum anderen schreibt der Mann ganz hart an der Realität, die er wie kaum ein zweiter recherchiert hat. In »Jahre des Jägers« wird die Geschichte von »Tage der Toten« und »Das Kartell« zu Ende geführt. Es geht um die aktuelle Phase des US-amerikanisch-mexikanischen Drogenkrieges, in dem der fiktive Drogenfahnder Art Keller eine entscheidende Rolle spielt. Dass die Figur Art Keller ausgedacht ist, ist zu betonen, denn viele der anderen Figuren ähneln tatsächlichen Leuten gewaltig. Da ist zum Beispiel der neue Präsident der USA, der im Roman Dennison heißt. Dessen Geschäftsgebaren gleicht nicht nur dem der mexikanischen Drogenbosse – inklusive Meinungsmache über Twitter. Auch die Immobilien -Milliarden scheinen nicht mehr so richtig sauber zu sein, seit der Schwie- 50 Jahre Steuerberatung Schnusenberg Seit 5 Jahrzehnten steht bei uns der Mandant als Mensch in allen seinen Unternehmens- und Lebensphasen im Mittelpunkt. Nachhaltige und individuelle Beratung sichern den langfris tigen Erfolg der Zusammenarbeit. Herausforderungen gemeinsam angehen – Profitieren Sie von unserer Erfahrung! www.schnusenberg.de Tel. 05242 / 9605-0 info@schnusenberg.de

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