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Das Stadtgespräch Juni 2018

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56 Das Stadtgespräch anzeige jeden Fall mit zum Inventar! Das Stadtgespräch: Sie sind in den Familienbetrieb eingestiegen, weil... Brigitte Monkenbusch: …eigentlich war es ein Zufall. Ursprünglich habe ich als Bürokauffrau bei dem Autohaus Knöbel & Steffensmeier gearbeitet – und mich dort auch sehr wohl gefühlt. Und dann war ich noch ein Jahr in Südfrankreich. Das war so wunderschön und absolut unvergesslich. Doch dann war plötzlich Not am Mann im elterlichen Betrieb und ich bin eingesprungen – und hier geblieben. Christina Monkenbusch: Bei mir war es tatsächlich auch ein Zufall. Ich habe eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau bei Güth und Etscheid gemacht. Das war so spannend und als Bücherwurm habe ich es geliebt, zwischen all den Büchern arbeiten zu dürfen – und das schöne Spielzeug hatte ich auch als 16-Jährige noch gerne in der Hand. Doch dann kaufte mein Vater eine 90 qm große Verkaufsfläche im neuen Marktzentrum auf der ehemaligen Ratsherrenwiese – dem heutigen Glory’s. Dort sollten Schuhe für eine jüngere Zielgruppe angeboten werden. Und als Zweitjüngste der Familie durfte ich den Part übernehmen. Um vorab ein bisschen in den Bereich der Schuhe schnuppern zu können, habe ich Anfang der 80er für ca. 2 Jahre bei meinen Eltern im Geschäft und ein halbes Jahr bei Schlüter in Lippstadt gearbeitet. Seit der Eröffnung von Glory’s 1986 führte ich das Schuhgeschäft. Das Stadtgespräch: Haben Sie Respekt vor dem ewig währenden Bund mit dem Familienbetrieb? Brigitte Monkenbusch: Im besten Sinne: Ja! Die Eltern und Großeltern haben durch Fleiß und Disziplin einen guten Ruf aufgebaut. Ich möchte, dass sich meine Kunden genauso auf die Qualität meiner Schuhe verlassen können. Teilweise kommen heute noch Kunden zu uns mit Einlagen unseres Vaters. Die Einlagen sind 30–40 Jahre alt und immer noch top in Schuss. Christina Monkenbusch: Auf jeden Fall! Meine Eltern sind immer sehr ambitioniert gewesen und haben aus einer kleiner Verkaufswerkstatt am Neupförtner Wall, das Schuhhaus Monkenbusch und Glory’s aufgebaut. Mir war diese Weiterentwicklung ein großes Vorbild. So habe ich 2004 zusätzlich C. Monkenbusch eröffnet. Das Stadtgespräch: Welche Vorteile bringt eine generationenübergreifende Zusammenarbeit? …und welche Herausforderungen? Brigitte Monkenbusch: Unser Vater hat uns beigebracht, wirtschaftlich zu denken und unsere Mutter hat uns die Liebe zu schönen Schuhen und einer ausgefallenen Dekoration mit auf den Weg gegeben. Zum Beispiel, die bei Groß und Klein heißgeliebte Mickey Mouse in unserer Kinderschuhabteilung ist schon 55 Jahre alt und dass sie bei uns steht, ist sicherlich ein Verdienst unserer Mutter. Manchmal war es aber auch schwer, sich zwischen den beiden Gemütern zu entscheiden. Gerade auf den Messen und beim Einkauf neuer Schuhe war schnell klar: Mutter liebt es schön, Vater komfortabel. Da stellte sich manches Mal die Frage, wem ich den Rücken stärke. Christina Monkenbusch: Die Liebe zu Details habe ich auf jeden Fall von meiner Mutter geerbt. Als 1969 die Apollo auf dem Mond landete, hat Mutter das ganze Schaufenster silbern dekoriert. Das war ein echter Hingucker. Sie hat so gerne getackert und mit Folien gearbeitet. Das hat bei mir Spuren hinterlassen. Ich denke, dass eine generationenübergreifende Zusammenarbeit, wie wir sie erlebt haben, durch sehr viel vorbildliche Werte wie Disziplin, Humor, Fairness und auch Großzügigkeit geprägt wurde. Das Stadtgespräch: Welche Teile des Erfahrungsschatzes übernehmen Sie und welche neuen Ideen bringen Sie ein? Brigitte Monkenbusch: Ich denke, dass wir so authentisch bleiben

57 anzeige Die prächtige Schuhmachernähmaschine wurde seit Gründung 1919 genutzt Original Schuhleisten und Schuhmacherwerkzeuge des Vaters und Großvaters sollten, wie wir Monkenbuschs eben sind. Wir verkaufen seit vielen Jahren qualitative, komfortable und schöne Schuhe für Groß und Klein. Dabei nehmen wir uns viel Zeit für das Gespräch mit den Kunden. Und unsere Kunden lohnen es von klein auf durch ihre Treue. (Schmunzelt) Teilweise kann ich den heute Erwachsenen noch den tollen roten Schuh von damals zuordnen. Christina Monkenbusch: In unserer Familie spielt Vertrauen und füreinander da sein eine sehr entscheidende Rolle. Wir lachen sehr gerne zusammen und können uns in schweren Momenten gegenseitig die Schulter stärken. Dieses Vertrauensverhältnis gebe ich auch an meine Kunden weiter. Das Stadtgespräch: Wie kann man Sie beeindrucken? Brigitte Monkenbusch: Durch Einblicke in ein Stück persönliche Zeitgeschichte. Es berührt mich sehr, wenn Erwachsene oder Kinder mit Einschränkungen meinen Laden aufsuchen und ich ihnen helfen kann, das mit Schmerzen verbundene Gehen, mit einem gut sitzenden Schuh zu lindern. Tief beeindruckt bin ich, wenn die Kunden mir ihre Geschichte anvertrauen. Wir haben es von Kindesbeinen an gelernt, Menschen mit Fußproblemen zu begleiten. Da wächst Empathie. Außerdem verreise ich sehr gerne mit einem Wohnmobil und verfolge gespannt jeden Kundentipp für ein neues Reiseziel. Christina Monkenbusch: Ich bin ein echter Naturfan. Und kann mich von den Schönheiten eines ausgiebigen Spaziergangs oder einer Fahrradtour sehr beeindrucken lassen. Tatsächlich freue ich mich immer wieder über frische Blüten, einen spannenden Sonnenuntergang oder einen kleinen Wasserlauf. Und ich bin tatsächlich von sportlichen Höchstleistungen fasziniert. (Lacht aus tiefstem Herzen) Also ich warte damit nicht selbst auf, aber die Leistung von Spitzensportlern fesselt mich immer wieder. Und ich liebe neue Akzente und kleine Überraschungen. Das habe ich wohl auch von unserer Mutter. Das Stadtgespräch: Und wie beeindrucken Sie… · Ihre Mitarbeiter? · Ihre Kunden? · und Ihre Familie? Brigitte Monkenbusch: Ich hoffe durch Ehrlichkeit, Humor und Großzügigkeit. Mir macht es eine große Freude, spontan einen Blumenstrauß zu verschenken. Christina Monkenbusch: (ergänzt) … und Vertrauen! Das ist mir wichtig. Ich bin der Meinung: Was man gibt, erhält man auch wieder zurück. Das Stadtgespräch: Eine Generation entspricht 25 Jahren, wo stehen… · Sie in 25 Jahren? · und Ihr Betrieb? Brigitte Monkenbusch: Da bin ich 80 Jahre alt! Wenn es gut läuft, dann reise ich mit dem Wohnmobil durch Europa und kann hoffentlich noch viel mit meiner Tochter unternehmen. Eine vierte Generation Monkenbusch wird es im Bereich des Schuhhandwerks in Wiedenbrück wohl nicht geben. Denn die ist geisteswissenschaftlich unterwegs. Meine Tochter studiert zwar nicht Kunstgeschichte, sondern Archäologie und Geschichte. Christina Monkenbusch: Meine Wurzeln sind hier. Und ich kann mir nicht vorstellen, hier wegzugehen. Ich arbeite gerne und liebe meine Aufgaben. So lange es also geht, möchte ich hier arbeiten. Ich wünsche mir und finde es auch ganz, ganz wichtig für unsere kleine Stadt, dass der Einzelhandel auch in 25 Jahren noch stark ist. Wer weiß, vielleicht verlocken ja auch in 25 Jahren noch Schuhe aus meinem Haus zum spontanen Kauf.

Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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