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Das Stadtgespräch Juni 2017

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32 Das Stadtgespräch Das Stadttor führt aus der Altstadt von Kampen zur Landseite Der Hansestein aus Rheda-Wiedenbrück für die Sammlung im Oldenzaaler Rathaus VOM 15. BIS 18. JUNI Rheda-Wiedenbrück beim Hansetag in Kampen Der diesjährige internationale Hansetag findet vom 15. bis 18. Juni in der niederländischen Stadt Kampen statt. Die kleine Hansestadt liegt nahe der Mündung der Ijssel und hat mit 32.000 Einwohnern genau die Größe von Oldenzaal, der niederländischen Partnerstadt von Rheda-Wiedenbrück. Die mittelalterliche Altstadt von Kampen war in der Hansezeit von einer Stadtmauer umgeben, von der noch zwei schöne Stadttore übrig sind – eines zur Flussseite und eines zur Landseite. Ein grüner parkartiger Ring umgibt Kampen mit Spazierwegen um kleine Seen. Die meisten Besucher besichtigen den holzgetäfelten Schöffensaal im alten Rathaus. Der Gerichtssaal ist vom Zuschauerraum durch eine Holzwand getrennt. Aber die Fenster haben keine Glasscheiben, sodass die Zuschauer jedes Wort im Gerichtssaal verstehen können. Die Hansekoggen fuhren früher von Kampen bis nach Russland und brachten von dort unter anderem Heiligenbilder mit, die sogenannten Ikonen. Noch heute hat die niederländische Hansestadt Kampen ein Ikonenmuseum. Während der Hansezeit versorgte die Stadt ihre Handelspartner unter anderem mit Zigarren. Eine einzige Zigarrenfabrik gibt es noch. Rheda-Wiedenbrück, seit 2008 Mitglied im internationalen Hansebund, will am Hansetag in Kampen teilnehmen. Damit ist die Stadt an der Ems erstmalig bei einem Hansetag dabei, der außerhalb Deutschlands stattfindet. Vielleicht ist auch die Hansestadt Oldenzaal in diesem Jahr in Kampen mit von der Partie, sodass man gemeinsam auftreten kann. Im vergangenen Jahr hatten Rheda-Wiedenbrück und Oldenzaal ihre seit 40 Jahren bestehende Freundschaft erneuert. Man versprach sich, die Zusammenarbeit zu verstärken. Rheda-Wiedenbrück überreichte dabei einen Hansestein für die Sammlung im Oldenzaaler Rathaus. In der niederländischen Partnerstadt hatte man für den noch fehlenden Stein aus Rheda-Wiedenbrück extra einen Platz frei gehalten. Die Teilnahme am Hansetag in Kampen muss natürlich gut vorbereitet sein. Dazu dienen unter anderem auch Faltblätter in englischer, niederländischer und deutscher Sprache, die von der Mitgliedschaft Rheda-Wiedenbrücks im Hansebund berichten und die Stadt vorstellen. Die neue bildreiche Glanzbroschüre erwähnt die Tatsache, dass wir seit 9 Jahren Hansestadt sind, nur am Rande. Bei den Fachwerkhäusern wird auch das »vielfältig genutzte Hansehaus Ottens im Herzen Wiedenbrücks« aufgelistet. Daraus kann man aber schwerlich auf die Zugehörigkeit der Stadt zum Hansebund schließen. Jeder ist als Gast des Hansetages willkommen. Der Besuch des Hansemarkts und die Teilnahme am Rahmenprogramm sind gratis. Die Fahrt nach Kampen über die A 30 und von Oldenzaal aus über die A 1, die A 35 und die N 35 beträgt gut 200 km. Kampen ist nicht die einzige niederländische Hansestadt. Insgesamt gibt es 15 Mitglieder des Hansebundes in unserem Nachbarland. Allein am Fluss Ijssel liegen außer Kampen die Hansestädte Zwolle, Doesburg, Zutphen, Hattem und Deventer. Als die Niederlande im Jahre 1648 ihre Unabhängigkeit erlangten, mussten die niederländischen Mitglieder den mittelalterlichen Hansebund verlassen. Dadurch wurden die Handelsbeziehungen gekappt und der wirtschaftliche Schwerpunkt wurde von den Hansestädten an der Ijssel und an der Küste der Zuiderzee in den Westen nach Amsterdam und Rotterdam verlagert. Später zerfiel die Hanse insgesamt und 1669 fand der letzte Hansetag in Lübeck statt. Als die Stadt Zwolle im Jahre 1980 ihr 700-jähriges Stadtjubiläum feierte, setzte man das Thema »Zwolle im ehemaligen Hansebund« mit auf das Jubiläumsprogramm und lud die früheren Handelspartner dazu ein. 30 Hansestädte – darunter auch Oldenzaal – schickten ihre Delegationen. Spontan wurde der Hansebund wieder aufgerichtet und Lübeck übernahm erneut die Führung. Oldenzaal ist also Gründungsmitglied des neuen Bundes unserer Zeit. Seitdem findet jedes Jahr wieder ein Hansetag statt, jedesmal an einem anderen Ort. Auch die deutschen Städte haben sich beteiligt und so spielten z.B. Lippstadt und Osnabrück im Laufe der Jahre den Gastgeber. Inzwischen gehören dem Bund der Neuzeit 185 Mitglieder aus 15 Ländern an, die auch schon im Mittelalter mit der Hanse verbunden waren. Seit 2008 ist Rheda-Wiedenbrück ebenfalls unter den 101 deutschen Mitgliedsstädten – übrigens als einzige Hansestadt im Kreis Gütersloh. Weil von den deutschen Städten fast die Hälfte in Westfalen liegen, ergriff Herford die Initiative und lädt seit 1983 die westfälischen Hansestädte ebenfalls zu einem jährlichen Treffen ein. 2015 fand ein solcher westfälischer Hansetag in Lemgo statt, 2019 will Warendorf die Hanseaten aus Westfalen zu Gast haben. Der internationale Hansetag jedoch wird im nächsten Jahr in Rostock und 2019 in der russischen Stadt Pschkow ausgetragen. Jürgen Sudhölter

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Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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