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Das Stadtgespräch Juni 2016

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Magazin für Rheda-Wiedenbrück

58 portraitserie

58 portraitserie Das Stadtgespräch Von Angesicht zu Angesicht Eine Portrait-Serie mit Menschen in Rheda und Wiedenbrück Von Andreas Kirschner Bettina Windau Geboren: 1958 Beruf: Programmdirektorin; privat engagiert im Vorstand der Bürgerstiftung Rheda-Wiedenbrück Foto: am 29.04.2016 in den Räumen der Bürgerstiftung im Haus Weidekemper Andreas Kirschner: Was fühlen Sie, wenn Sie ein altes Fachwerkhaus besuchen, wie das, in dem wir gerade sitzen? Bettina Windau: Neugierde, was sich da alles abgespielt hat im Laufe der Zeit. Ich frage mich, was das Haus für eine Geschichte hat, wer es gebaut hat, wie die Menschen gelebt haben und was sich verändert hat in der Stadt um die Menschen herum. Ich freue mich, wenn Fachwerkhäuser weiterhin funktionieren, wenn sie eine neue Nutzung erhalten und sie jemand rettet. Andreas Kirschner: Wann entlockt die Stadt Rheda-Wiedenbrück Ihnen Glücksmomente? Bettina Windau: Ziemlich häufig, ehrlich gesagt (lacht herzlich). Ich finde, das ist wirklich eine schöne Stadt. Das Stadtbild, das Grün und die Flora, das gefällt mir gut. Aber was mich von Anfang an sehr begeistert hat, war, wie Menschen miteinander umgehen. Das ist wirklich anders als in anderen Städten. Dieses Gemeinschaftliche, dass man immer jemanden findet, der weiter hilft mit einem guten Rat. Als unsere Kinder klein waren und ich mit dem Kinderwagen in die Stadt fuhr, gab es Menschen, die machten mir noch die Tür auf in den Geschäften. Das erlebt man nicht überall. Das ist wirklich etwas Besonderes (begeisterter Ton). Glücksmomente ist ein großes Wort, aber ich bin zufrieden, hier zu wohnen. Andreas Kirschner: Was ist Heimat? Bettina Windau: Heimat ist das, wo man sich so ungefähr fühlt wie gerade beschrieben. Ich glaube, das hat mit einem Ort nichts zu tun, sondern mit Menschen, die man kennt und mit denen man gerne zusammen ist. Andreas Kirschner: Kann man Heimat stiften? Bettina Windau: Das weiß ich nicht. Ich glaube, man kann die Bedingungen schaffen, dass Menschen sich heimatlich fühlen können. Aber wo dann Heimat ist, entscheidet jeder für sich selbst. Das ist sehr abhängig davon, was man für einen Lebensweg hatte. Die Menschen, die jetzt kommen, wie damit in Rheda-Wiedenbrück umgegangen wird, das ist schon von einer besonderen Qualität. In der Berichterstattung werden Flüchtlinge häufig als Problem gesehen, aber hier in Rheda-Wiedenbrück ist die Stadt super damit umgegangen. Die Bürger, als auch die Politik und Verwaltung haben handfest angefasst und das richtig gut hingekriegt. Andreas Kirschner: Welcher Gegenstand in Ihrer Handtasche würde mich überraschen? Bettina Windau: Mal sehen; da ist ein Tablet-PC drin, ein Telefon und Schlüssel und Tempotücher, überrascht Sie nicht wirklich. Ein bisschen Chaos ist da drin, überrascht Sie auch nicht. (Lacht) Ich glaube nicht, dass wir etwas Super-Überraschendes finden werden. Andreas Kirschner: Bekommt die mächtigste Frau der Welt bald Konkurrenz? Bettina Windau: Würden Sie das als Konkurrenz empfinden? Merkel und Clinton könnten vielleicht auch Verbündete sein, oder? Wollen wir’s mal hoffen. Aber ich würde das gar nicht über das Frau- Sein definieren wollen. Irgendwie geht es in dem Geschäft darum, Bettina Windau Fotos: Andreas Kirschner was man tut. Ich glaube, als Herr Trump angetreten ist, haben wir alle etwas anderes gedacht, als das was jetzt passiert ist. Ich frage mich, was geht in den Köpfen der gemäßigten Republikaner vor? Was machen die wohl? Das finde ich spannend. Frau Merkel, nein, Konkurrenz keineswegs. Andreas Kirschner: War es Ihr Lebenstraum, Mutter zu werden? Bettina Windau: Nein, das war es nicht. Ich habe mich außerordentlich gefreut, Mutter zu werden, aber zwischendurch habe ich eine Menge Dinge getan, die nicht unbedingt auf ein Familienleben hingezeigt hätten. Ich finde es total perfekt, Mutter zu sein und es wäre ganz schrecklich gewesen, wenn ich das verpasst hätte. Andreas Kirschner: Sie sind seit 20 Jahren bei der Bertelsmann Stiftung. Womit fing alles an? Bettina Windau: Das fing an, als ich Teilnehmerin an einem Seminar war, das die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit der Stadtbibliothek Gütersloh veranstaltet hatte. Ich habe eine Ausbildung als Bibliothekarin und arbeitete zu der Zeit bei den Kreisbibliotheken Unna. Just zu dem Zeitpunkt war bei der Bertelsmann Stiftung angedacht, die Bibliotheksprojekte zu erweitern. Und so bin ich zu dem Thema dort gestartet. Jetzt mache ich ganz was anderes. Jetzt ist mein Thema die Zivilgesellschaft, also gemeinnützige Organisationen und freiwilliges Engagement. Bei der Bertelsmann Stiftung habe ich gemerkt, was für ein interessantes Instrument Stiftungen sind. Stiftungen haben eine ganz eigene Logik und Möglichkeiten, die der Staat nicht hat. Ich habe auch den Stifter, Reinhard Mohn, kennengelernt und viel mit ihm zusammengearbeitet. Andreas Kirschner: Heute sind Sie Direktorin des Programms »Zukunft der Zivilgesellschaft«. Wie sieht für Sie das Ideal dieser

portraitserie 59 Gesellschaft aus? Bettina Windau: Die ideale Zivilgesellschaft ist unabhängig von Staat und Märkten. Sie kooperiert, denn ich glaube, die großen Aufgaben z. B. im Bildungsbereich, kann kein Sektor allein wirklich lösen. Ich würde mir außerdem wünschen, dass die Zivilgesellschaft vielfältig ist, mit unterschiedlichen Stimmen, unterschiedlichen Sichtweisen und unterschiedlichen Arten des Engagements. Das freiwillige Engagement braucht oftmals hauptamtliche Unterstützung, damit es funktionieren kann. Das haben wir z. B. in der Flüchtlingsarbeit gesehen. Rheda-Wiedenbrück ist da für mich immer so ein Modell, wie das wirklich sein sollte, etwas das wirklich gut klappt. Die Stadt als Ermöglicher, als Koordinator, aber die zivilgesellschaftlichen Akteure mit großer Freiheit. Das ist mir wichtig. Andreas Kirschner: Das Ideal: eine Vision oder Utopie? Bettina Windau: Nein, das ist keine Utopie (mit entschlossenem Ton). Die Gesellschaft ist immer in Veränderung. Ich glaube, das muss Bürgergesellschaft auch sein, denn es gibt unterschiedliche Handlungsfelder, in denen sie tätig ist. Andreas Kirschner: Zinserträge aus Stiftungskapital sind dramatisch eingebrochen. Ist Mario Draghi noch Ihr Freund? Bettina Windau: Ich weiß nicht, ob der jemals mein Freund war, keine Ahnung. Die Bürgerstiftung ist glücklicherweise in einer Verfassung, dass sie nicht so sehr darunter leidet. Einer der Gründe ist, dass Heiner Wortmann die Finanzgeschäfte für uns ziemlich schlau regelt. Der zweite Grund ist, dass wir mit unserem Jahresbudget nicht allein abhängig sind von den Erträgen des Stiftungskapitals. Es gibt andere Einnahmequellen, die für uns wichtig sind. Die Patenschaften, die Spenden, die Freunde, all diese Dinge, die direkt in das jährliche Budget fließen. Das Zinsniveau hat unsere Arbeit nicht negativ beeinflusst, aber das liegt an den Menschen, die an unserer Seite sind. Andreas Kirschner: Was interessiert Sie an Pferden? Bettina Windau: Oh! Themenwechsel. Ziemlich viel und schon ziemlich lange. Ich habe schon als Kind mit Pferden zu tun gehabt. Ich finde, das sind außerordentlich angenehme Persönlichkeiten. Wenn ich mit Pferden zusammen bin, dann kann ich mich darauf konzentrieren und alles andere abschalten. Es ist für mich ein Gegenprogramm zum Beruf. Man kramt so vor sich hin, steht da in Gummistiefeln und sieht auch ganz anders aus. Man kann Pferde reiten, sie versorgen und man kann sich daran freuen, dass sie schlau sind. Zudem sind sie gemeinschaftsstiftend, denn da sind andere Menschen, die auch Pferde mögen, was sehr schön ist. Andreas Kirschner: Was ist Ihre größte Begabung? Bettina Windau: (lange Pause) Das ist schwierig. Wenn ich mich auf etwas festlegen müsste, dann würde ich sagen, dass ich mir gut Dinge vorstellen kann. Wie sie sein sollen, obwohl sie noch nicht da sind. Und, dass man dann auch Wege findet, um vom »jetzt ist es noch nicht da« zum »wie soll es sein« zu kommen. PFINGSTKONZERT MIT EMOTIONEN Eintracht, Geselligkeit und Bokel sangen Sonnenschein herbei Das Gemeinschaftskonzert begeisterte die Gäste. (Kem) »Am kühlenden Morgen« – passender hätten der Gastgeber »Eintracht Liedertafel« und die an dem Gemeinschaftskonzert beteiligten Chöre MGV Geselligkeit Batenhorst und der MGV Bokel den Einstieg in dieses morgendliche Singen am Pfingstsonntag nicht wählen können: Denn mit dem Erklingen dieses Liedes unter der Leitung der Eintracht-Dirigentin Sandra Botor trat tatsächlich aus den Regenwolken »hell leuchtend die Sonne hervor«, wie es sein Text beschreibt. Der Eintracht-Vorsitzende Wolfgang Wichert wollte bei diesem strahlenden Erlebnis nicht zurückstehen: Er begrüßte die Sänger und die Zuhörer mit warmen Worten auf dem Josef-Temme- Platz an der Langen Straße. Jeder spürte, jetzt wird es doch noch einen stimmungsvollen Vormittag geben. Die Anspannung über einen möglichen ungewissen Ausgang des Open Air-Konzerts wich aus den Gesichtern der Sänger und mit großer Freude intonisierten sie die einstudierten Gesänge – bei den Auftritten des MGV Geselligkeit unter dem Dirigat von Gunter Schöler und des MGV Bokel unter der Leitung von Klaus Zobel. Sie sangen in Bestform und ebenso wie die Eintracht-Sänger unter Botors Handschrift überzeugten sie mit klarer Artikulation, schnellen Tempi und einer famosen Interpretation der volkstümlichen, modernen und klassischen Literatur, wie beispielsweise »Santiano«, »Ein schöner Tag« und »Welch ein Morgen«. Initiator dieses alljährlichen Konzerts ist der MGV Geselligkeit Batenhorst. Die Eintracht ist seit 38 Jahren bei dem Pfingstkonzert aktiv. Seit 2014 ist der MGV Bokel dabei. Die 1832 gegründete Eintracht ist der älteste Männergesangverein im Kreis Gütersloh und trägt mit der musikalischen Unterstützung der Karfreitagsprozession und der Ausübung des jährlichen Osterweckrufs zur Pflege der im christlichen Glauben begründeten Tradition bei. Der MGV Batenhorst und der MGV Bokel sind in ihren Dörfern nicht wegzudenkende Kulturträger.

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