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Das Stadtgespräch Juni 2016

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Magazin für Rheda-Wiedenbrück

38 TIPPS

38 TIPPS Das Stadtgespräch blieb in der Stadt hängen, weil sie wahrnahm, dass die Hauptstädter offenbar Straßenmusiker nicht als Bettler sondern als Künstler sehen. Bei solch ungewöhnlicher Musik sprach sich recht schnell um, dass ein ganz besonderes Mädel auf der Warschauer Straße vor der U-Bahnstation auftritt. Mehrere Vertreter großer Plattenlabels sprachen sie an. Auch sollte sie bei Wettbewerben fürs Fernsehen mitmachen, aber all das wollte die junge Frau mit den reifen Ansichten nicht. Jetzt hat sie schließlich eine CD aufgenommen, »Orbit« genannt. Diese umfasst reine Studioaufnahmen, die aber dennoch die Magie der Live-Auftritte irgendwie mit einfangen. Die Stilrichtung ist schwer zu nennen, denn Jazz-Elemente finden sich ebenso wie Folk und auch Pop- Balladen. Manchmal fühle ich mich sogar an Leonard Cohen erinnert, an dessen Melancholie. Alice Phoebe Lou hat eine wesentliche bessere Stimme als der Poet der melancholischen Sehnsüchte und sieht deutlich besser aus. Aber wie gesagt, irgendwie passt ihr Äußeres nicht zu ihren Liedern, aber sie wird ja auch noch älter… JUGENDROMAN: STEPHAN REICH »Wenn’s brennt« Vielleicht hat »Wenn’s brennt« von Stephan Reich das Zeug zum Jugendkultroman, zu gut Neudeutsch zum »coming of age«-Roman. Schließlich spiegelt das Buch das Lebensgefühl zweier Teenager in der Provinz wieder – und die ist nicht nur in Ostwestfalen, wie wir vielleicht als Teenager gedacht haben. Und auch die Sprache ist die der Teenager, oder doch jedenfalls recht nah dran. Geschrieben hat den Roman allerdings kein Teenie, sondern der Redakteur Stephan Reich, der Germanistik, Anglistik und Soziologie in Münster studiert hat. Und der ist 32 Jahre alt. So alt wie J.D. Salinger übrigens, als er seinen »Fänger im Roggen« geschrieben hat. Und das ist ja nun der archetypische Roman über das Erwachsenwerden, wenn auch schon 1951 erschienen. Das große Vorbild für Dialekt, Soziolekt und Jugendsprache im Roman bleibt natürlich Mark Twain, der seinen Huckleberry Finn reden lässt, wie ihm die Schnauze gewachsen ist. Samuel Langhorne Clemens, wie der Autor eigentlich hieß, war schon 49, als er den Roman schrieb, der im deutschen Sprachraum als Kinderbuch missverstanden wurde. Nur Bret Easton Ellis war so alt wie sein Protagonist, als er »Unter Null« mit 21 Jahren 1985 schrieb, den streckenweise autobiographischen Roman über die reichen gelangweilten Kinder der reichen gelangweilten Hollywood-Eltern. Stephan Reich ist sich sehr bewusst, dass er durchaus zeitlichen und emotionalen Abstand zu seinen Helden hat und sagt im Interview: »Ich fühle mich den Figuren, gerade Finn und Erik sehr nah, vielleicht ist ihre Sprache also eine verjugendsprachlichte Version meinen eigenen Sprechens«. Und obwohl der Roman nicht autobiographisch ist, gibt es doch für den Autoren Anknüpfungspunkte. Zum Inhalt: Seit Kindheitstagen sind Erik und Finn, die in der norddeutschen Provinz leben, beste Freunde. Aber nach den Sommerferien werden sich ihre Wege trennen: Während Erik eine Lehre bei seinem Vater auf dem Postamt beginnt (ihm fällt nichts Besseres ein), muss Finn die Schule wechseln und nach Hamburg ziehen, weil seine Eltern das so wollen. Jetzt bleiben den beiden sechs Wochen, in denen sie es noch einmal so richtig krachen lassen wollen – doch je näher der Abschied kommt, desto düsterer wird die Stimmung. Die Partys werden zu reinen Saufgelagen, Streiche geraten außer Kontrolle und werden zu Straftaten. Das anfängliche Gefühl der unendlichen Freiheit (endlich keine Schule mehr!) weicht der Angst vor der Zukunft ohne einander. Bis irgendwann nicht mehr klar ist, ob Erik und Finn dasselbe meinen, wenn sie vom Ende der gemeinsamen Zeit sprechen. Erschienen ist der Roman für Jugendliche und solche, die es einmal waren, bei der DVA, 236 Seiten, Klappbroschur, 14,99 Euro.

TIPPS 39 ERICH FOLLATH Jenseits aller Grenzen Eigentlich war ich sauer auf Erich Follath, den ich persönlich gar nicht kenne. Er hat nämlich ein Buch geschrieben, das ich selbst gerne geschrieben hätte. Doch die Lektüre von »Jenseits aller Grenzen – Auf den Spuren des großen Abenteurers Ibn Battuta durch die Welt des Islam« hat mich mit dem Schicksal versöhnt. So ein gutes Buch, erschienen im Spiegel-Buchverlag, 524 Seiten, 24,99 Euro, hätte ich ohnehin nicht hinbekommen, allein schon weil ich nicht alle Länder bereist habe, die auf Ibn Battutas Route liegen. Das sind nämlich beeindruckend viele. Und selbstverständlich hätte ich nicht annähernd über die Kontakte verfügt, die Erich Follath als langjähriger Diplomatischer Korrespondent des Spiegel hat. Ibn Battuta ist bei uns nicht gerade bekannt. Das ist ein Jammer, denn der große arabische Reisende steht Marco Polo in Nichts nach. Doch während Marco Polo im Westen in aller Munde ist, kann man das für Ibn Battuta nicht behaupten. Es ist sogar momentan nach meiner Recherche nicht möglich, seine »Reisen ans Ende der Welt: 1325 – 1353« als Buch auf Deutsch zu bekommen. Meine Taschenbuchausgabe stammt aus dem Jahr 2001. Das ist schade. Jedenfalls bereiste der große Abenteurer im 14. Jahrhundert weite Teile der damals bekannten Welt, seine 30-jährige Odyssee führte ihn von Marokko, genauer gesagt seiner Heimatstadt Tanger, über Mekka, Konstantinopel und die Krim bis nach Samarkand, Indien, Indonesien und China. Das einigende Band der von ihm bereisten Länder war der Islam, den Ibn Battuta in seinen Schriften als Religion des Fortschritts und der Toleranz schildert. Auch die Aufgeschlossenheit anderen Kulturen gegenüber nimmt einen großen Teil seiner Reiseberichte ein. 700 Jahre nach Ibn Battuta hat sich Erich Follath auf die Spuren des »Königs aller Reisenden« begeben und begegnet einer fundamental veränderten islamischen Welt: An zwölf Orten, die Ibn Battuta wichtig waren und die immer noch einen besonderen Klang haben, zeigt Follath eindrucksvoll, wo die islamische Welt heute steht, mit welchen Problemen sie kämpft und welche Herausforderungen sie zu bewältigen hat. Sein Buch ist eine Spurensuche nach einer der geheimnisvollsten Persönlichkeiten des Mittelalters, eine Nachforschung, die alte Stätten und aktuelle Brandherde der Politik erklärt und dem Leser faszinierende Einblicke in Geschichte und Gegenwart der islamischen Welt eröffnet. Die Karten im Einband zeigen die Reiseroute und die Stationen von Ibn Battutas gewaltiger Reise, die auch für einen heutigen Reisenden ausgesprochen beeindruckend ist und unter anderem auch Traumreiseziele wie die Malediven, Sri Lanka oder die indonesischen Inseln umfasst. Insgesamt hat Ibn Battuta wohl mehr als 110.000 Kilometer zurückgelegt. Dabei hat er sich an Regeln gehalten, die nicht alle dem heutigen Touristen gut bekommen würden, denn Frauen hat er gerne verführt und Gastgeschenke mitunter vehement eingefordert, wovon Follath in einem Special heutzutage ausdrücklich abrät! Anzuraten ist dagegen sehr die Lektüre des kenntnisreichen Buchs, in dem sowohl einfache Leute wie einflussreiche Persönlichkeiten zu Worte kommen. AB SOFORT BEI UNS! Kraftstoffverbrauch: kombinierter Testzyklus 4,9 – 4,0 l/100 km; CO₂-Ausstoß: kombinierter Testzyklus 115 –94 g/km (VO EG 715/2007) Clarholzer Straße 73 | 33442 Herzebrock | Telefon 0 52 45/20 66

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