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Das Stadtgespräch Juli 2019

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Die aktuelle Ausgabe des Rheda-Wiedenbrücker Stadtgesprächs für Juli 2019

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44 anzeigen Das Stadtgespräch Ziemlich lässig am Bund präsentiert sich die Rom. Kreativer Kopf und Autodidakt: Jan Müller bei der Fertigung einer Paris INSIGHT STORIES, TEIL 3 Handtaschen aus Holz made by Jan van Boch (CL) Tatsächlich sind wir auf der Suche nach noch unbekannten, kreativen Köpfen aus Rheda-Wiedenbrück abermals fündig geworden. Diesmal hat es uns nach Batenhorst gezogen – hier sitzen wir am Werktisch oder besser an der Nähmaschine von Jan Müller alias Jan van Boch. Es brummt leise im Hintergrund und duftet herrlich nach Holz und Leder. Warum? Der Tischlermeister und Holz-Ingenieur Jan fertigt wunderschöne Handtaschen aus einem ganz besonderen und recht ungewöhnlichen Material: edlem Holz. Die Taschen sehen umwerfend aus, fühlen sich ganz zart an und sind wesentlich leichter als gedacht. Kurz: Sie lassen jedes Frauenherz mit dem Hang zum Besonderen höherschlagen und wecken dieses sündige Must- have-Verlangen. Das Stadtgespräch: Lieber Jan, du hast deine Manufaktur Jan van Boch getauft. Wir sind neugierig, welche Geschichte verbirgt sich hinter diesem ausgefallenen Namen? Jan Müller: Ich heiße Jan Müller, den Namen mag ich, doch kam er mir damals bei der Gründung meiner Manufaktur für exklusive Handtaschen aus Holz ein wenig zu … sagen wir … zu generisch vor. Dann kam ich ins Grübeln und habe überlegt, welche Dinge mir wichtig sind. Zum einen bin ich leidenschaftlicher Segler. Sehr gerne in unserer Nachbarstadt Warendorf, noch lieber aber in Holland. Ich mag die Niederlande sogar so gerne, dass ich angefangen habe, ein wenig niederländisch zu lernen. Daher kommt also das »van«. Geboren und aufgewachsen – zumindest die ersten Jahre meines Lebens – bin ich in Bochum. Die kreative wie industrielle und vor allem authentische Mentalität des Reviers faszinieren mich. Ich glaube, dass ich mich mit diesen Werten ganz gut identifizieren kann. Boch steht also in Anlehnung für mein Ruhrpott-Herz. Und so wurde der Name Jan van Boch geboren. Das Stadtgespräch: Und unter diesem Namen fertigst du wunderschöne und sehr individuelle Taschen aus Holz in Kombination mit Leder. Neben den klassischen Handtaschenformen entdecken wir Clutches, Shopper, Crossbody Bags, Gürteltaschen und Doktortaschen in Palisander, Eiche, Birke und Nussbaum. Warum möchte man oder besser frau den Henkel deiner Taschen sofort in ihrer Armbeuge spüren? Jan Müller: Oh, danke, ich fühle mich sehr geschmeichelt! Ich denke, dass der Reiz meiner Taschen tatsächlich von dem besonderen Material Holz ausgeht. Ich bin auf Manufaktur-Messen in München, Düsseldorf, Hamburg und Berlin unterwegs. Da komme ich mit vielen Kundinnen ins Gespräch und meist lautet der Tenor, dass meine Taschen zu Sammlungen passen und dass sie gerne für besondere Anlässe genutzt werden, beispielsweise für den Besuch eines schönen Konzerts oder Oper. Das Stadtgespräch: Du bist Tischlermeister und Holz-Ingenieur und du bist leidenschaftlicher Segler, sogar Segellehrer. Verrate uns

anzeigen 45 Von Wien über Amsterdam nach Lissabon Stylish und strapazierfähig: Jans Armbänder aus Segelschoten sprechen Männer und Frauen gleichermaßen an. doch mal, warum ein Mann wie du nebenbei auch noch Taschen aus Holz fertigt? Jan Müller: (lacht) Ich arbeite gerne mit meinen Händen und bin immer auf der Suche nach einer kreativen wie handwerklichen Herausforderung. Und Taschen bieten jede Menge Herausforderungen: In erster Linie müssen sie nutzbar und langlebig sein, sie müssen den ein oder anderen Inhalt transportieren und gut aussehen, es sollen elegante Damen und moderne Frauen gleichermaßen angesprochen werden und eine gewisse Nachhaltigkeit ist mir auch wichtig. Zu tüfteln und Lösungen zu finden sorgt für meine innere Zufriedenheit. Es macht mir Spaß, zertifizierte Holzund Lederlieferanten aus Deutschland ausfindig zu machen und das gute Gefühl zu haben, ein gutes Produkt zu verwenden. Genauso gerne bin ich auf den Messen unterwegs und lerne meine Kunden kennen, spreche mit ihnen über individuelle Wünsche und möchte diese dann auch umsetzen. Und ich finde es spannend, den Markt zu beobachten, welche Farben funktionieren, welche Muster eine Rolle spielen und ob sich alle Formen realisieren lassen. Das Stadtgespräch: Recherchierst du dabei nur für den deutschen Markt? Jan Müller: Nein. Ganz aktuell fer- tige ich eine Tasche für eine Kundin in Schweden an. Auch bei der Wahl der Namen für die einzelnen Taschen orientiere ich mich international. Sie tragen Namen wie Stockholm, Lissabon und natürlich auch Berlin. Dabei versuche ich die Designs den Ländern anzupassen. Die Stockholm geht in Richtung Scandy-Style und die Lissabon ist mediterraner angehaucht. Das Stadtgespräch: Und was verbirgt sich hinter Berlin? Jan Müller: Das ist eine Tasche für Freunde des Vintage-Looks. Doch generell ist der deutsche Markt eher klassisch orientiert. Es werden meist gedeckte Farben in grauer Eiche mit silbernen Verschlüssen bevorzugt. Das Stadtgespräch: Wie lange benötigst du für die Produktion einer Tasche? Jan Müller: Da können gut und gern mal 10–12 Stunden verstreichen. Das Stadtgespräch: Wie können wir ein Designerstück von dir erwerben, ohne auf den Manufaktur- Messen von München bis Berlin unterwegs zu sein? Jan Müller: Über www.janvanboch. de können alle Taschenmodelle angesehen und bestellt werden. Genauso wie meine Armbänder aus Schoten oder geflochtenem Leder. Oder du kommst einfach in meiner kleinen Werkstatt vorbei und wir besprechen alles persönlich beim Kaffee. Das Stadtgespräch: Genau, hier sitzen wir ja gerade ganz entspannt und fühlen uns bei dir in Batenhorst recht wohl. Trotz oder gerade wegen des Werkstatt-Charmes ist es hier sehr gemütlich. Was zeichnet deinen Standort aus? Jan Müller: Aufgewachsen bin ich in Rheda-Wiedenbrück, doch mittlerweile wohne ich in Verl. Meine Werkstatt habe ich zusammen mit einem Kumpel vor über 15 Jahren gefunden. Den Pferdekamp entlang in die Bauernschaft zu fahren und dann auf den Hof abzubiegen. Der weitläufige Blick, das viele Grün, die Ruhe – ein perfekter Ort zum Arbeiten. Das Stadtgespräch: Das klingt schon fast ein bisschen romantisch, wie würdest du denn den Motor beschreiben, der dich zu der Gründung deines Unternehmens geführt hat und immer wieder unterstützt? Jan Müller: Zum einen ist da immer die Frage: Wie lässt sich die Form, die ich in meinen Gedanken trage, realisieren. Dann geht es ans Ausprobieren. Oft gefolgt von Rückschlägen. Doch erstaunlicherweise motivieren die mich, weiter zu forschen. So lange, bis ich die perfekte Tasche in meinen Händen halte. Unterstützt werde ich dabei von meiner Familie, sie hilft mir bei meinem Onlineauftritt, der Organisation von Messen und auch der Durchführung der Shootings. Das Stadtgespräch: Lieber Jan, wir möchten uns bei dir bedanken. Du hast uns wunderbar persönliche Einblicke gewährt, die wir sehr gerne mit all unseren Lesern teilen. Macht auch auf dem Beifahrersitz eine gute Figur: die Stockholm in grauer Eiche – wurde sogar für den German Design Award 2018 nominiert.

Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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