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Das Stadtgespräch Juli 2019

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Die aktuelle Ausgabe des Rheda-Wiedenbrücker Stadtgesprächs für Juli 2019

38 Das

38 Das Stadtgespräch Embera Empfangskomitee das Handtuch. Ein paar Jahre später verkauften die Franzosen die Baustelle für 40 Millionen Dollar an die USA, die den Bau 1902 fortsetzten. Allerdings war Kolumbien, zu dessen Staatsgebiet der Kanal gehörte, mit diesem Vorgehen nicht einverstanden. 1903 besetzten die USA das Gebiet des heutigen Panama und erklärten es zum unabhängigen Staat, abgesehen von der fünf-Meilen-Zone beiderseits des Man sieht sie schlecht aber hört sie gut. Wasserspeicher und Naturschutzgebiet Kanals, in der die Amerikaner uneingeschränkt herrschten, de facto wie in einer Kolonie. 1914 fuhr dann das erste Schiff durch den fertigen Kanal. Heute entspricht die Warenmenge, die durch den 2016 entscheidend erweiterten Kanal transportiert wird, etwa fünf Prozent des gesamten weltweiten Seefrachtverkehrs. Die erweiterte und vertiefte Fahrrinne sorgt dafür, dass auch große Schiffe durch den Kanal kommen. Für 96 Prozent aller Schiffe ist der Kanal groß genug. Und die Kosten sind auch moderat, jedenfalls für die Reeder gewaltiger Schiffe, für die die maximal anfallenden 800.000 US-Dollar noch vergleichsweise ein Schnäppchen sind, da ja alles auf den Preis eines einzigen Containers heruntergerechnet wird. Und da Zeit bekanntlich in der Wirtschaft Geld ist, überzeugt die 24-Stunden-Fahrt vom Atlantik in den Pazifik schon. Segelyachten zahlen übrigens rund tausend Dollar, wenn sie die Planung selbst machen. Doch auch, wenn man den Kanal nicht mit eigenem Boot durchfahren oder gar auf einem Frachter oder Kreuzfahrschiff durchqueren will, sollte man sich das gewaltige Bauwerk vor Ort schon anschauen. Da der Kanal immer nur von einer Seite durchfahren werden kann, sieht man zudem jede Menge Schiffe, die auf ihre Passage warten. Das ist vor allem deshalb ein beeindruckendes Bild, weil direkt neben dem Kanal auch heute noch der Dschungel beginnt. Natur pur Kaum ein Besucher ist nicht von den gigantischen Ausmaßen des Kanals fasziniert. Auch die riesige dritte Brücke über den Kanal, die nicht weniger als 212 Meter hoch ist, bei mehr als einem Kilometer Länge, betrachtet man mit Staunen. Eigentlich sollte die Puente del Atlántico schon längst fertig sein, aber der Bau verzögerte sich immer wieder. Doch in diesem Jahr noch wird sie eingeweiht und lässt schon jetzt die größten Ozeanriesen mühelos passieren. Aber auch der Tourist, dem die Technik so gar nichts sagt, findet Interessantes in Panama. Das kleine Land, das seit dem Jahr 2000 über den Kanal selbst bestimmt, hat fast ein Drittel seiner Fläche in 15 Nationalparks unter Naturschutz gestellt. Zudem gibt es Waldschutzflächen und zehn Wildreservate. Es finden sich mehr als 2.000 Tropenpflanzen Nach der Show ist Spielen angesagt und jede Menge Fischarten. In der Sprache der Cueva-Indianer bedeutet pa-na-ma Ort vieler Fische. Mit etwas Glück bekommt man auch Tukans oder Papageien zu sehen. Obwohl Glück dabei eine etwas untergeordnete Rolle spielt, denn ein ortskundiger Führer ist einfach Gold wert. Viele der Tiere, auch der großen wie Faultier oder Affe, sind für den Laien nicht zu finden oder zu erkennen, denn schließlich leben sie freier Wildbahn sehr gut getarnt. Das gewaltige Gebrüll, das man im Dschungel des Öfteren mal zu hören bekommt, stammt übrigens nicht von gefährlichen Jaguaren, sondern von Brüllaffen, die ihrem Namen alle Ehre machen. Die gerade mal 80 Zentimeter großen Kerlchen sorgen vor allem in den Morgenstunden für eine imponierende Geräuschkulisse. Die hat die Funktion, Grenzgebiete zu definieren und damit Revierkämpfe zu vermeiden. Die vegetarische Nahrung ist recht nährstoffarm, sodass die Brüllaffen besondere Anstrengungen möglichst vermeiden. Das Brüllen dagegen ist für diese Klammerschwanzaffen kein Problem, ist doch der Kehlkopf dafür besonders ausgebildet. Zwischen Steinzeit und 21. Jahrhundert Die Naturschutzgebiete in Pa-

39 SMARTHOME Das Zuhause immer in der Hosentasche. MIT SICHERHEIT SICHER! WIR SIND MITGLIED IM NETZWERK „ZUHAUSE SICHER“ nama sind nicht nur für Tiere Schutzräume, sondern auch für einige Menschen. Da das sumpfige Grenzgebiet zwischen Panama und Kolumbien ein idealer Ort für Schmuggler, Drogenhändler und sonstige Kriminelle war und zum Teil noch heute ist, sind die Menschen, die dort ursprünglich lebten, um das Jahr 2000 nach Norden geflüchtet. Kolumbien war in den Neunzigern des vorigen Jahrhunderts keine Alternative, wenn man in Sicherheit leben wollte. Die Regierung von Panama stellte unterschiedlichen Volksgruppen verschiedene Gebiete innerhalb der Naturschutzgebiete zur Verfügung, natürlich mit der Auflage, dass sich die Indianer an die Regeln des Naturschutzes halten. Das war keine allzu große Auflage, denn beispielsweise die Embera, die unter anderem wenige Kilometer vom Panamakanal entfernt, auf Inseln im Gatún- See angesiedelt wurden, brachten der Natur ohnehin viel mehr Respekt entgegen als die weißen Bewohner des Landes. Ihre halbnomadische Lebensweise hatten sie schon vor Jahrzehnten aufgegeben, als ihr Lebensraum immer mehr eingeschränkt worden waren. Heute leben etwa 7.000 Menschen dieses Volkes in Panama. Noch gelingt ihnen der Spagat zwischen ihrer traditionellen Lebensweise und dem modernen Leben. In ihren Dörfern leben sie wie seit Generationen, aber die Kinder besuchen die staatlichen Schulen und sprechen anders als in vielen indigenen Gebieten Mittel- und Südamerikas alle Spanisch. Die Kinder sollen die Wahl haben, geben die Stammesältesten an. Wenn sie einmal erwachsen sind, sollen sie selbst entscheiden, ob sie in der Welt dem Embera oder der modernen Welt leben möchten. Die Begegnung mit den Embera, die nur im Rahmen einer Bootstour über den Gatún-See möglich ist, befremdet zu Anfang, denn schließlich möchte man keine Menschen wie im Zoo besichtigen. Aber so ist das dann auch nicht, denn die Embera stellen ihren naturverbundenen Lebensstil durchaus selbstbewusst vor und bieten eine kleine Show mit Tanz und Musik. Anschließend kann man noch selbst hergestellte Produkte kaufen. Und unterhalten kann man sich auch, sofern man etwas Spanisch spricht. Und sofern man sich vorgestellt hat, denn ohne sich vorzustellen fängt man keine Unterhaltung an – das gehört sich bei den Embera einfach nicht. Das zu tun, was sich gehört, und das Beste für die Kinder zu wollen – das klingt für mich nicht so schlecht als Lebenskonzept. Und dem bin ich unerwartet im schönen Panama begegnet! BRUNNENBAU WASSERAUFBEREITUNG ERDWÄRMESONDEN GELDMACHER & KOTTENSTEDE 33378 Rheda-Wiedenbrück Röntgenstraße 1 www.geko-online.de WASSERHALTUNG VERBAUARBEITEN PFAHLGRÜNDUNG Telefon 0 52 42 / 40 06 02 • Fax 0 52 42 / 40 06 03 GmbH

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