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Das Stadtgespräch Juli 2018

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6 Das Stadtgespräch 20% auf alle Gartenmöbel! Großer Saison-Räumungsverkauf Sessel / Strandkörbe / Schirme / Auflagen u.v.m. Westermann GmbH & Co. KG Hauptstraße 127 33378 Rheda-Wiedenbrück Tel. 0 52 42 / 98 101-0 info@westermann.cc www.westermann.cc DIE HOFFNUNG STIRBT ZULETZT DIE HOFFNUNG STIRBT ZULETZT Versöhnungskirchengemeinde setzt Zeichen für Menschlichkeit (Kem) »Du siehst, wie leicht Menschen alles verlieren können, und Menschen haben eine Menge Dinge zu verlieren«. Dieses Zitat stammt aus dem von Morteza Yaghma Jahangirian geschriebenen Dialog »Der violette Wolf«. Das Stück entfaltet sich in einem secret-channel. Pfarrer Rainer Moritz und die Künstlerin Barbara Körkemeier trugen Auszüge aus dem Wechselgespräch des 28-jährigen Iraners in der offenen orientalischen Nacht der Evangelischen Versöhnungskirchengemeinde in der Stadtkirche vor. Der vor dem iranischen Regime Geflohene setzt sich darin unter anderem mit der Allmacht der Diktatur und der Härte, daran etwas zu ändern, auseinander: »Aber wenn es hart ist, heißt es auch, dass es verändert werden kann«. Die zahlreichen Besucher der abwechslungsreichen Veranstaltung, unter ihnen auch Geflüchtete aus Syrien und Palästina, folgten dem Vortrag der beiden Rezitatoren sehr aufmerksam. Dieser markierte das Finale der berührenden Veranstaltung vor dem Nachtsegen. Gemeinsam mit der Flüchtlingshelferin Heike Zurmühlen und vielen weiteren Freiwilligen aus der Gemeinde und dem Kreis der Flüchtlinge hatten sie die Vorbereitungen für die offene Kirchennacht getroffen. Das von ihnen zubereitete üppige Büffet mit orientalischen Spezialitäten sprach die Sinne und insbesondere natürlich die Geschmacksnerven an. aufrichtig Verbundenen gefunden, der ihm durch die offene Kirche ein Forum geboten hat, nicht nur seine schriftstellerische Kreativität sondern ebenfalls Werke aus seinem musikalischen und künstlerischen Schaffen zu präsentieren. 23 Arbeiten mit unglaublich filigranen Pinselstrichen, äußerst dichten Botschaften und oftmals kafkaesken und surrealen Zügen konnten die Besucher der Stadtkirche bis Ende Juni bewundern. Hörproben des Sängers stimmten sie nachdenklich. Morteza ist es aber nicht möglich sein Repertoire im Tonstudio zu konservieren. Dafür fehlen dem Fan des virtuosen Pianisten Olafur Arnalds die finanziellen Möglichkeiten. Umso mehr freut sich Morteza, dass er anlässlich der offenen Kirchennacht in Pfarrer Rainer Moritz auf einen sehr einfühlsam interpretierenden Klavierspieler und Saxophonisten stieß. Wenn das Herz spricht Barbara Körkemeier teilt mit Morteza ein Atelier sowie seine Sorgen und Probleme, unterstützt ihn aktiv bei Behörden- und Arztgängen sowie den Auseinandersetzungen mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Die Arbeits- und Darstellungsweisen der beiden Künstler sind grundverschieden. Aber gerade diese Gegensätze sind es, die sie verbinden. Sein Bruder schickt Morteza aus dem Iran via Internet die eigens für ihn geschriebenen Kompositionen. Glückliche Fügung Für Morteza ist es ein Glücksfall, dass er in Rheda-Wiedenbrück auf den Stadtkirchenpfarrer und die weithin bekannte und versierte Künstlerin gestoßen ist. Der zum katholischen Glauben Konvertierte und mit St. Clemens Vernetzte hat in dem Geistlichen der Ev. Versöhnungskirchengemeinde einen Auflehnung Heimat, staatliche Gewalt und Flucht sind die immer wieder kehrenden Themen des Multitalents. Sie spiegeln seine Auflehnung gegen die iranische Diktatur wider: seine Absage an die Vermischung von Staat und Religion, seine Kritik an die radikale Seite des Islams und seine hinterfragende Einmischung

7 in die iranische Tagespolitik. Der Verehrer des altiranischen offenen Herrschers Darius erkennt sie als scheinheiliges Taktieren, die nach seiner Auffassung binnen weniger Jahre zum Krieg führt. Die Auseinandersetzung mit der aktuellen iranischen Politik war es auch, die zum Auslöser seiner Flucht geriet: Er hatte die Ermordung des dritthöchsten Oppositionspolitikers Rhashemi Rafsanjani im Internet prophezeit – die staatlichen Medien sprachen nach dem Tod von einer natürlichen Ursache. Seine Familie berichtete aber von einer Ermordung mit radioaktivem Material. Flucht Der iranische Staat ließ Morteza einsperren und foltern, dann gegen eine Kaution von seinen Angehörigen frei kaufen. Er nutzte die Gelegenheit, um nach Deutschland zu flüchten. Wenig später kreuzte sich sein Schicksalsweg mit dem von Bahaa Almasri in Rheda-Wiedenbrück. Der Syrer hatte vorher eine Bleibe in dem riesigen Flüchtlingslager Al Jarmuk in Damaskus gefunden. Seine mit einem Fotoapparat festgehaltenen Alltagsimpressionen aus dem Lager wird die Versöhnungskirchengemeinde zu einem späteren Zeitpunkt ausstellen. Rückkehr ausgeschlossen »Glaub mir: Ich würde zurückgehen«. Dieses Geständnis von Bahaa könnte ebenfalls für Morteza stehen. Doch so wenig Bahaa eine Perspektive in dem vom Bürgerund Interessenkrieg ausländischer Mächte geschundenen Syrien hätte, so wenig würde Morteza die Rückkehr überleben. Er ist für die iranischen Machthaber ein Staatsfeind: Wie in seinem Dialog »Der violette Wolf« ist der Iraner ein Synonym für neue Wege. Sie aber sind mit der Sicht der Machthabenden nicht vereinbar. Zudem macht seine Islamkritik es ihm unmöglich in irgendeinem islamischen Land um Asyl zu bitten. Er weiß inzwischen eine Menge über das Alte und Neue Testament sowie den Katechismus. »Ich befinde mich auf dem Weg, sehe manches kritisch«, gesteht er. Er versteht es aber nicht, dass im Islam alles verherrlicht wird. Auch in Deutschland keinen Frieden Die gesuchte Ruhe findet der Konvertit aber auch nicht in Deutschland: Er erfährt nicht nur verbale Anfeindungen von Muslimen. Sie gehen bis zu Morddrohungen. Ein Muslim hat ihn bereits ziemlich massiv mit Fäusten traktiert. Für (V. l.) Pfarrer Rainer Moritz und die Künstlerin Barbara Körkemeier sowie Morteza Yaghma Jahangirian Morteza ist es traumatisch, dass er diese Erfahrungen ausgerechnet in der als offen geltenden Gesellschaft Deutschlands machen musste. Darüber hinaus hat ihm das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge noch nicht den Status eines anerkannten Flüchtlings zugesprochen, weil er sich nicht ausweisen kann. Er erfährt mit aller Heftigkeit die daraus erwachsenden Nachteile: »Und du hast nichts. Ich lasse dich nicht arbeiten, ich lasse dich nicht lernen«, beschreibt er diese ungewisse Situation in dem von ihm verfassten Dialog. Dabei würde Morteza gerne sein in Teheran geführtes Studium der Philosophie an der Universität in Bielefeld fortsetzen und das Fach Physik abschließen. Er stand vor der Flucht vor dem Abschluss von Physik Quantum. Aber die dafür erforderlichen Deutschkenntnisse darf er erst als anerkannter Flüchtling erwerben. Natürlich ist es für Morteza hart diese Enttäuschung wegzustecken. Seinen angeborenen Optimismus verliert er trotz all der Nackenschläge nicht: »Jetzt denkst du für Dich, Du bist nichts. Du bist nicht wichtig für diese Welt: Aber ich bin alles. Ich bin so eine wichtige Person.« (Zitat aus dem violetten Wolf). Wer ein Bild von Morteza Yaghma Jahangirian erwerben möchte, kann den Kontakt über das Bleichhäuschen knüpfen. Qualitätsbrille mit ZEISS-Gläsern zum Komplettpreis! Markengläser von ZEISS inklusive Fassung Über 50 Modelle aus der meineBrille-Kollektion Werfen Sie einen Blick auf die meineBrille-Kollektion: krane-brillen.de/meinebrille Einstärkenbrille komplett: Markengläser von ZEISS: 129,- Extradünne Gläser von ZEISS: 169,- Kratzfest · Superentspiegelung · Lotuseffekt sph +6.00 bis -6.00 dpt., cyl bis +2.00 Gleitsichtbrille komplett: Markengläser von ZEISS: 299,- Extradünne Gläser von ZEISS: 369,- Kratzfest · Superentspiegelung · Lotuseffekt sph +6.00 bis -10.00 dpt., cyl bis +4.00, Add 0.75 bis 3.50 dpt. DAS SEH- UND HÖRZENTRUM IN RHEDA-WIEDENBRÜCK: LANGE STR. 59-61 · RHEDA-WIEDENBRÜCK · T: 0 52 42-5 79 96 90 · WWW.KRANE-BRILLEN.DE Der Optiker

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