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Das Stadtgespräch Juli 2017

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33 eine gute »Bleibe-Perspektive« in Deutschland haben. Zudem ist zu berücksichtigen, dass älteren Menschen das Erlernen einer Sprache schwerer fällt als den jungen Leuten. Faruk Sabri steht ihnen bei allen Fragen zur Seite – u. a. bei Behördengängen und dem Ausfüllen von Formularen; anfangs ebenfalls beim Einkaufen und Kennenlernen von Rheda-Wiedenbrück sowie beim Erlernen der neuen Lebenspraxis – beispielsweise bei der Wohnungssuche. Familie Said wohnt in einer Drei-Zimmer-Wohnung, Familie Rasheed in einem Wohnheim. Immer donnerstags nehmen sie an dem Beratungs-Café in der Diakonie an der Hauptstraße teil. Zwischen 13 und 16 Uhr. Sie können sich dann mit anderen Flüchtlingen austauschen, aktuell erhaltene Formulare zum Ausfüllen mitbringen und Anziehsachen aus der Kleiderkammer entgegen nehmen. Jetzt sind sie schon eineinhalb Jahre in Deutschland und sie warten immer noch auf eine Aufenthaltsgenehmigung vom Bundesamt für Migration. Faruk Sabri hat bei der Ausländerbehörde beim Kreis Gütersloh, beim Bundesamt für Migration in Nürnberg und bei der Außenstelle in Bielefeld persönlich und wiederholt fernmündlich vorgesprochen, nach Bielefeld und Gütersloh die beiden Familien mitgenommen, eine Anwältin eingeschaltet – der Konflikt blieb bis auf den heutigen Tag ungelöst. Seltsam: Es sind Fälle bekannt geworden, da klappte es in vier Monaten. Und natürlich würden sich die beiden Väter freuen, wenn sie mit irgendeiner Anstellung etwas für sich und ihren Familien verdienen könnten. Dennoch schöpfen die beiden Familien Hoffnung. Sie haben erfahren, dass Faruk Sabri, Marita Sieben und Hadija Destanovic sowie der gesamten Diakonie ihr Schicksal nicht egal ist. Dem Flüchtlingspaten Faruk Sabri ist 2007 die Flucht aus seiner Geburtsstadt Mossul in die für ihn fremde Kultur in Deutschland mit unverständlicher Sprache und unleserlicher Schrift gelungen. Schon 2008 fand er in Rheda-Wiedenbrück seinen ersten Arbeitsplatz. Seitdem er Marita Sieben vor sieben Jahren kennen lernte, steht er der Flüchtlingsberatung der Diakonie gerne als Dolmetscher für Kurdisch und Arabisch zur Verfügung. An der Volkshochschule erlernte er in über 200 Unterrichtsstunden Deutsch. Zusätzlich betrieb er ein Selbststudium am PC. Mit der Übernahme der Patenschaften möchte er ein Bisschen von der selber erfahrenen Hilfe bei der Integration zurückgeben und den Menschen zeigen, dass man den Schritt in die neue Kultur schaffen kann, ihnen Mut machen. Insgesamt wurden bei der Diakonie 64 Patenschaften geschlossen. Alle Paten zeigen ein großes Engagement. Es entstand schnell ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Besonderheit dieses Projekts besteht darin, dass alle Paten selber einen Migrationshintergrund haben und seit Langem integriert sind. Flüchtlingsberaterin Marita Sieben hat das Projekt, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugendliche gefördert wird, ins Leben gerufen, organisiert und begleitet es weiterhin neben Hadija Destanovic. Die Vernetzung mit dem Integrationsbüro der Stadt, der evangelischen Kirchengemeinde und verschiedenen Kulturvereinen ist hilfreich. Zusätzlich unterstützt die Kirche mit Spendengeldern verschiedene Freizeitaktivitäten des Projekts. Es wird von den Paten und Flüchtlingen sehr positiv bewertet.

Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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