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Das Stadtgespräch Juli 2017

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22 Das

22 Das Stadtgespräch neberschule zu unterstützten. Sie wussten durchweg worum es ging, brauchten nur selten Erklärungen. Ebenfalls die Stimmung begeisterte: Eine große Motivation und vielversprechende Rückmeldungen bestimmten die Unterschriftensammlungen auf den Wochenmärkten, in den Geschäften, vor den Kirchen und anderenorts. »Allen Unterzeichnern der Unterschriftenlisten einen herzlichen Dank für das von ihnen durch die geleistete Unterschrift dokumentierte Interesse an den Erhalt der Wenneberschule. Ohne Sie wäre eine solch hohe Zahl an Unterschriften in so kurzer Zeit nicht möglich gewesen. Und das zum dritten Mal innerhalb von einem halben Jahr«, so die Sprecher Ingvild Splietker, Hartmut Henke und Christian Schmelz. Argumente pro Wenneber Im Fokus der Gespräche standen u. a. die seit Jahren stabilen Anmeldezahlen für die Wenneberschule, die nach Ansicht der Elterninitiative und durch die tagtäglichen Erfahrungen im Schulbetrieb bestätigte ausreichende Raumsituation für einen modernen, individuellen, inklusiven und integrativen Unterricht, das Anwachsen der Klassenstärken und die damit zwangsläufig einhergehende Minderung des individuellen Unterrichts an den verbleibenden Grundschulen, beispielsweise an der Parkschule, die Zunahme gefährlicher und längerer Schulwege für die Wenneber- Schüler und das befürchtete Verkehrschaos an der Ernst-Barlach- Realschule. Viele Mitbürger trugen aber auch die Verärgerung über die Schulpolitik allgemein und zur Schließung der Wenneberschule von Rat und Stadtverwaltung sachlich und auch sehr emotional vor. Ihr Tenor: »Die Verantwortlichen werkeln ein bisschen zu viel an der Schullandschaft in Rheda- Wiedenbrück herum«. Ebenfalls wurde häufig angesprochen, dass bei einer Weiternutzung des »für kleine Menschen geschaffenen« Domizils der Wenneberschule abermals Investitionen erforderlich werden, um das Gebäude an die Ansprüche anderer Zwecke und Nutzung durch Erwachsene anzupassen. »Wir sind überglücklich über das bisher Erreichte«, sagten die Vertreter der Elterninitiative, Ingvild Splietker, Hartmut Henke und Christian Schmelz bei der Übergabe der Unterschriften. »Nun hoffen wir, dass die Stadtverordneten ihre Entscheidung noch mal überdenken und für den Erhalt der Wenneberschule stimmen.« Zur Erinnerung: Am 27. März 2017 hat der Rat mit 25 Stimmen (20 CDU + Bürgermeister, 4 Grüne, 1 UWG) bei 12 Gegenstimmen (8 SPD, 1 Grüne, 1 Linke) die auslaufende Auflösung der Wenneberschule ab dem Schuljahr 2018/19 beschlossen. Kontakt, Mithilfe und weitere Infos unter: wenneberschule@ googlemail.com und facebook. com/Elterninitiative.Wenneberschule Raimund Kemper Bürgermeister Theo Mettenborg, Wolfgang Kaiser (stellv. Landesvors.), Karl-Heinz Wesemann (Vors. Landesverb. NRW), Rolf Schmidt (Ehrenvors. Bundesverb., Herbert Borchelt (Geschäftsf. Landesverband NRW), Günter Philipps (Sprecher Freundeskreis Gütersloh) FREUNDESKREIS FÜR SUCHTKRANKENHILFE Ohne Selbsthilfe gibt es keine nachhaltige Abstinenz (Kem) »Ich bin Polytoxikomane«, erklärte Eddie (v. d. Redaktion geändert). Mit Hasch und dem Konfirmandenbier fing es bei ihm an. Er probierte weiter aus: Speed, Opiate, hochprozentigen Alkohol… und spielsüchtig ist er auch mal gewesen. Anstelle aufzustehen und auf die Arbeit zu gehen, ging die erste Flasche auf. Die Sucht bestimmte seinen Alltag – Jahre lang. Sein Leidensdruck wurde immer größer. Dem Problem stellte er sich aber erst nach dem Sturz von der Treppe, als er wegen einer kompliziert gebrochenen Schulter ins Krankenhaus musste. Die Ärztin vermittelte nach einem Gespräch mit ihm sofort den Kontakt zum Freundeskreis. Vorher hatte er noch gar nichts davon gewusst. In der Gruppe waren sie gleich per »Du« – Es geht um den Menschen, nicht um Titel. Das macht es persönlicher. Er schaffte den Absprung dank des Freundeskreises ohne Therapie. Heute ist er clean und stolz darauf, wie alle, die es schaffen, von ihrer Sucht zu lassen. Aber: »Die Abhängigkeit begleitet uns ein Leben lang. Es ist eine nicht heilbare Krankheit und ich muss lernen, damit umzugehen«, sagte Eddie. »Wann immer ein Rückfall droht, helfen Gespräche mit den anderen Mitgliedern der Gruppe. Das ist sehr wichtig. Auch für mich«, ergänzt er. Bis zu 15 Suchtkranke besuchen die drei Selbsthilfegruppen in der Doppelstadt – es gibt zwei Rhedaer Gruppen und eine in Wiedenbrück. Der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe in Gütersloh organisiert ihre Arbeit, ebenso wie in den 10 weiteren Gruppen in der Kreisstadt und ihren anderen Nachbarstädten. In die Gruppen finden nicht nur

23 Menschen, die selber ein Suchtproblem haben, sondern mit ihnen auch ihre Angehörigen. Weil Sucht eine »Familienkrankheit« ist, machen die Freundeskreise auch Angebote für Angehörige von Suchtkranken. Das Ziel ist klar und hat sich in der über 60-jährigen Geschichte des Freundeskreises für Suchtkrankenhilfe bewährt: Es geht darum, gemeinsam eine zufriedene Lebensgestaltung ohne Suchtmittel zu erreichen. Untersuchungen zeigen, dass 80 Prozent der suchtkranken Menschen, die regelmäßig eine Sucht-Selbsthilfegruppe besuchen, eine langfristig abstinente Lebensweise erreichen. Die drei Rheda-Wiedenbrücker Gruppen des Gütersloher Freundeskreises sind ein Paradebeispiel für die hervorragend funktionierenden Selbsthilfestrukturen in der Doppelstadt. Sie schenken den an der Arbeit teilnehmenden Suchtkranken seit 40 Jahren eine verlässliche Gemeinschaft, um die mit ihrer Krankheit verbundenen Konflikte durchzustehen, so ehrlich wie möglich, und so mutig und stark wie es geht, hilfsbereit und dankbar. »Die Gruppen sind während und nach einer Therapie für ihre Gruppenmitglieder da. Viele, die zu den Freundeskreisen finden, haben eine ambulante, teilstationäre oder stationäre Suchttherapie hinter sich. Viele haben den Weg zu einer abstinenten Lebensweise aber auch erst »nur« mit Hilfe einer Selbsthilfegruppe geschafft. Andere sind durch den Besuch einer Freundeskreisgruppe erst motiviert worden, sich ihrem Problem wirklich zu stellen und eine Therapie zu beginnen. Und nicht wenige bleiben ein Leben lang mit ihrer Gruppe verbunden« berichtet Günter Philipps, Sprecher des Freundeskreises Gütersloh. Ein Betroffener berichtet: »In der Gruppe fühle ich mich wohl und angenommen. Durch die regelmäßige Teilnahme habe ich meine innere Zufriedenheit gewonnen. Der offene und vertrauensvolle Umgang miteinander tut mir immer wieder aufs Neue gut. Es ist wertvoll für mich aus den Schilderungen jedes Gruppenmitgliedes dessen Erfahrungen und Gefühle zu empfinden«. Durch den vor einigen Wochen vollzogenen Umzug der Landesgeschäftsstelle der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe in NRW nach Rheda-Wiedenbrück, Wilhelmstr. 35 (Jugendzentrum »Emstorschule«), können die Angebote der drei Selbsthilfegruppen in der Doppelstadt nunmehr noch durch weitere Veranstaltungen zu bestimmten Themen ergänzt werden. Die Geschäftsstelle vertritt insgesamt 54 Freundeskreise mit 110 Gruppen aus ganz NRW. Damit ist der Landesverband der zweitgrößte Deutschlands, berichtete sein Vorsitzender Karl-Heinz Wesemann beim Tag der offenen Tür, zur offiziellen Eröffnung der Landesgeschäftsstelle. Unter der gleichen Adresse treffen sich seit vielen Jahren die beiden Rhedaer Selbsthilfegruppen. Die Teilnehmerinnen des Kreises »Frauen helfen Frauen« verabreden sich an jedem ersten Donnerstag im Monat, um 20.00 Uhr. Kontakt: Edelgard Großerohde, Ruf 05242- 43930. Die beiden gemischt geführten Gruppen in Rheda und Wiedenbrück sehen sich wöchentlich – in Rheda, stets donnerstags, 20.00 Uhr. Ansprechpartner ist hier Helmut Weber, Ruf 0176-35307638. In Wiedenbrück bietet das Jugendhaus St. Aegidius, Lichtestr. 3, das Domizil für die Zusammenkunft der Gruppe an jedem Montag, 19.30 Uhr. Kontaktperson ist hier Günter Philipps, Ruf 05242-48499, E-Mail info@ag-suchtselbsthilfe.de Gäste und neue Mitglieder, ob betroffen oder angehörig, sind jederzeit herzlich willkommen. Alles was in der Gruppe besprochen wird, wird vertraulich behandelt.

Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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