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Das Stadtgespräch Januar 2018

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66 TIPPS

66 TIPPS Das Stadtgespräch Sandberg Regie geführt hat, was für eine frische Brise sorgt, wenn ich mal im maritimen Bild bleiben darf. Geblieben ist dagegen Johnny Depp als dauertrunkener Piratenkapitän Jack Sparrow, an dem man sich auch im fünften Teil der Saga kaum sattsehen kann, die diesmal ausschließlich in Australien gefilmt wurde. Geschickt verbindet der Film alte Seefahrersagen wie die vom Fliegenden Holländer mit anderem Seegarn und der Jack Sparrow-Geschichte. Die setzt sich gleich zu Anfang durch einen Bankraub der etwas anderen Art fort, denn die Crew ohne seetüchtiges Schiff und ohne Geld für die Renovierung benötigt dringend Bares. Und auch die weiteren Erzählstränge der Geschichte werden in schnellen und wunderschönen Bildern präsentiert und schließlich zusammengeführt. So die Story von Henry Turner, der schon als Kind seinen Vater vom Fluch des Fliegenden Holländers erlösen wollte. Der kleine Henry ist mittlerweile zu einem schmucken Soldaten der britischen Marine herangewachsen und verfolgt immer noch seine Mission. Dazu muss er allerdings den Dreizack Poseidons in seinen Besitz bringen, was er wiederum nur mit der Hilfe von Captain Jack bewerkstelligen kann. Und dann ist da noch die junge und selbstverständlich bildhübsche Astronomin Carina (Kaya Scodelario), die als Hexe hingerichtet werden soll. Muss noch erwähnt werden, dass jede Menge perfekt choreographierte Schlachtszenen, wahnsinnige Special Effects und wirklich witzige Dialoge den Film bereichern? Natürlich nicht! Reif für die Insel? Neulich hat mich mal wieder die Aufräumwut gepackt. Das kommt nicht häufig vor und ist auch meist wieder schnell vorbei, aber das Phänomen ist nun mal da. Im Zuge der Aufräumaktion, die sich auf den besonders beliebten Bereich der alten Papiere bezog, fielen mir meine Unterlagen in die Hand, die ich als Pennäler am Ratsgymnasium angefertigt hatte. Nun bin ich mir in der Rückschau absolut sicher, dass damals jede einzelne Unterrichtseinheit eine Sternstunde der Pädagogik war. Telefon: 964545 Dennoch war offenbar meine Faszination für den Schulstoff wenig ausgeprägt. Das legen zumindest die zahlreichen Zeichnungen nahe, die Hefte und Lektüren verzieren. Bei den tatsächlichen Anmerkungen für die jeweilige Lektüre habe ich mich dagegen zurückgehalten. Wenn es nicht um irgendwelche Horrorbilder geht, die angemessener Weise die Macbeth-Lektüre verzieren, dann taucht immer wieder die einsame Insel mit Sand und Palmen auf. Traum vom Paradies unter Palmen Dabei war ich mir schon damals bewusst, dass ich weder der erste war noch vermutlich der letzte sein werde, der sich nach der tollen Palmeninsel, dem Paradies auf Erden, sehnt. Und je mehr ich mich in die Zeit als Pennäler zurückversetze desto besser erinnere ich mich daran, dass ich im Grunde so leben wollte wie der Maler Paul Gauguin. Dessen Leben war in Somerset Maughams »Silbermond und Kupfermünze« beschrieben, das ich freiwillig gelesen habe – freiwilliges Lesen kam damals nicht oft vor. In dem Roman geht es darum, dass ein durch und durch bürgerlicher Mann seine Existenz aufgibt und Maler wird. Und das in tropischen Gefilden, wo die Frauen wunderschön braun und spärlich bekleidet sind und dazu Reh-äugig und natürlich die Sanftmut selbst. Und die Sitten sind selbstverständlich auch lockerer als im steifen Europa. Dem Klima entsprechend konnte man in einer Hütte am Strand hausen, wo die Palmen Schatten spendeten und das warme türkisblaue Wasser jederzeit zum Bade lockte. Eigentlich wäre eher erwähnenswert, wenn man als junger Mann nicht von einer solchen Insel träumen würde. Direkt nach meiner Bundeswehrzeit, die sich fünfzehn Monate in die Länge gezogen hatte, habe ich das eingeschoben, was man heute das gap-year nennt, also eine einjährige Lücke. Gut, dadurch dass ich der Wehrpflicht nachgekommen war, dauerte es halt gut zwei Jahre, bis ich ans studieren kam. Dazwischen lag ein halbes Jahr richtiger Arbeit und eine Reise, für die ich fünf Monate eingeplant hatte. Und auf dieser Reise ging der Pennälertraum in Erfüllung, denn im Südosten Mexikos, in der Karibik, tauchte vor mir genau so eine Insel aus dem türkisblauen Wasser auf: die Isla Mujeres, Insel der Frauen. Palmen satt, weißer Sand, kein Massentourismus wie in Cancún oder Cozumel, sondern nur Rucksacktouristen und ein einziges Hotel für Individualreisende. Mein Tagebuch klingt begeistert: »Das hier ist so richtig das, was ich mir gewünscht habe. Tagsüber schnorcheln, baden oder schwimmen, abends Essen gehen, ab und zu nach schönen Fotoecken suchen (fällt hier nicht schwer)«. Dazu noch das internationale Publikum

67 – US-Amerikaner der untypisch zurückhaltenden Art, Franko-Kanadier und eine Handvoll Europäer. Nicht zuletzt die Mexikaner selbst, die aber größtenteils zum Feiern, sprich zum Brüllsaufen, angerückt waren. Für immer im Paradies leben? Nach drei Tagen bin ich dann zu dem glorreichen Entschluss gekommen: Hier bleibst du einfach für immer! Ich fand, ich war auch gut dafür gerüstet. Meine Reisekasse, die ja noch vier weitere Monate halten sollte, war prall gefüllt, obwohl man mir das nicht angesehen hat. Und dann konnte ich ja immer noch einen Job auf der Insel finden. Mit meinen drei Volkshochschulkursen Spanisch war ich der King unter den Gringos, denn die haben sich höchstens mit hola begrüßt, aber dann war auch schon Schluss. Essen und Trinken bestellen, nach einer Unterkunft fragen oder sich vorstellen konnten die nicht. Mein Englisch war auch ganz gut nach dem Englisch Leistungskurs und wochenlangem USA-Aufenthalt. Und dann konnte ich ja auch noch Französisch – ich hatte am Rats ja nicht nur Bildchen gemalt und Schwäne beim Landen auf der Ems beobachtet. Na und Deutsch konnte sowieso keine Sau. Gut, über das Lohnniveau habe ich mich damals nicht gar so umfassend informiert. Wenn eine Nacht in der Hängematte drei D-Mark kostete und ein Essen mit Vorspeise, Nachspeise und Getränken sechs D-Mark (für diejenigen, die nur den Euro kennen: alles durch zwei teilen), dann hätte ich mir die Löhne für illegal beschäftigte Gringos wohl vorstellen können. Reichen baden, essen, schlafen? Aber so weit kam es erst gar nicht. Baden und in der Hängematte liegen und irgendwie für die Ernährung sorgen ist ein tolles Programm. Nach einer Woche jedoch – längst hatte ich mich von den Strapazen der Anreise erholt und auch mehr als reichlich ausgeschlafen – fing das Leben auf der Isla ganz leicht an, mir auf den Wecker zu gehen. Außerdem ist das warme Klima traumhaft vor allem, wenn man in Deutschland im kalten Winter auf den Regen schaut. Mein Tagebuch am achten Tag vermeldet: »Ich weiß nicht, wie lange es dauert, bis die Hitze mich umgebracht hat – sicher ist dagegen, dass sie mich umbringt«. Und am Ende der Eintragung hießt es noch: »Ich könnte die Zeit doch viel nützlicher zu Hause verbringen. Zumindest müsste ich nicht warten, bis es kühler wird«. Nach zehn Tagen war ich dann von meinem Palmeninseltraum kuriert. Ich verließ die Insel, um sofort wieder zurück zu fahren, denn der einzige Bus am Tag war schon ohne mich losgefahren. Schließlich war es dann am Tag 11 so weit, dass ich meine Reise fortsetzte. Palmeninseln finde ich übrigens immer noch toll, aber nicht für gut. Gerade ist ein neuer französischer Gauguin-Film ins Kino gekommen – ob der wohl den Inseltraum wieder anheizen wird? Geschenkideen Hausschuhe Geldbörsen Handtaschen Schuh Witthaut Marktzentrum • Wiedenbrück

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