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Das Stadtgespräch Januar 2016

Das Magazin für Rheda-Wiedenbrück

70 Das

70 Das Stadtgespräch Gar nicht mal so günstig sind Cocktails Nicht alles ist auf eigene Faust günstiger DARF’S EIN BISSCHEN MEHR SEIN? Preisfalle Kreuzfahrt Zehn Tage Karibikkreuzfahrt für 1.199 Euro inklusive Flug von Frankfurt nach Miami! Das klingt toll und ist toll. Waren früher Kreuzfahrten ausschließlich den Wohlbetuchten vorbehalten, können sich heute auch Normalverdiener den Urlaub auf See leisten. Allerdings empfiehlt sich dringend, dass man sich das jeweilige Angebot genau anschaut, damit es nicht nach der Reise oder schon während der Reise ein böses Erwachen gibt. Gerade für Kreuzfahrt-Neulinge schnappt die Kostenfalle oftmals ordentlich zu. Genaues Studieren des Angebots schafft vor der Buchung Klarheit. Unsere Karibikkreuzfahrt kostet beispielsweise nur im Juni 2016 1.199 Euro, also wenn das Wetter bei uns ohnehin schön ist – oder doch jedenfalls die Chance auf schönes Wetter besteht. Im April kostet das Ganze schon 200 Euro mehr. Zu Ostern kostet dann der Spaß 2.600 Euro pro Nase. Wer kann sollte antizyklisch buchen, also immer dann, wenn alle anderen keine Ferien haben, beispielsweise Mitte Januar oder direkt vor und nach den Sommerferien von NRW oder ganz Deutschlands, also Anfang Juni oder Ende September. Die Reiseveranstalter wissen sehr gut, wann das bevölkerungsreichste Bundesland Urlaub macht und, da braucht man sich keine Sorgen zu machen, das klappt immer, setzt entsprechend die Preise in den Ferien hoch. Das gilt übrigens oft auch für Flüge, bei denen es sich durchaus empfehlen kann, nach Hannover (Niedersachsen hat nie genau gleichzeitig Sommerferien mit uns), Frankfurt oder Amsterdam und Brüssel auszuweichen. Doch zurück zu unseren Kreuzfahrten. Antizyklisch ist schnell gesagt, aber vollkommen unmöglich, wenn man schulpflichtige Kinder hat – oder einen schulpflichtigen Job wie Lehrer, Schulsekretärin und sonstig betroffen ist. Gehen wir einmal vom günstigsten Fall aus, um bei unserem Beispiel zu bleiben. Sie können und wollen außerhalb der Ferien verreisen und können daher unsere Karibikkreuzfahrt für knapp 1.200 Euronen buchen. Dann landen Sie natürlich in einer Innenkabine. Das ist in Ordnung, wenn Sie ohnehin die ganze Zeit an Deck sind und nur zum Schlafen in die Kabine gehen. Frische Seeluft, ruhige Stunden auf dem eigenen Balkon während der Ozeanriese lautlos durch die Wellen gleitet (jedenfalls lautlos für den Passagier), privat sonnen oder auch einfach nur ungestörte Lesestunden draußen, das alles entgeht dem Passagier mit Innenkabine. Auch hat er die Landschaft oder das Meer nicht stets im Blick, höchstens auf dem Monitor, der live die Außen-Bilder überträgt. Ich persönlich rate, solange zu sparen, bis man tatsächlich die Balkonkabine bezahlen kann, wobei jeder natürlich selbst entscheiden muss, ob ihm die Aussicht und die Luft einige Hundert Euro pro Kopf wert sind. In unserem Beispiel für Ostern liegen 810 Euro pro Kopf zwischen der billigsten Innen- und der teuersten Balkonkabine. Von den Suiten wollen wir erst gar nicht anfangen. Das einzig Gute bei diesen Kosten ist, dass man sie vorher sieht. Aber dann kommt noch das Kleingedruckte. Interessant wäre da etwa, dass je nach Linie und zum Teil je nach Reiseziel eine Service- Pauschale fällig wird, es sei denn sie ist explizit ausgeschlossen. Das können dann zwölf Dollar oder auch neun Euro sein. Rechnen wir das Ganze mal mit dem Euro durch. Die neun Euro am Tag sind wieder pro Kopf, was sich bei zwei Personen in acht Tagen an Bord auf schlappe 144 Euro summiert. Und dann kommen etwa auch bei den Getränken, die oft ziemlich teuer sind (eigene Getränke darf man auf die meisten Schiffe natürlich nicht mitnehmen – und sei es nur Wasser), 15 Prozent Servicegebühr hinzu, bei Schönheitsbehandlungen ebenfalls. Kostentechnisch ist es auch nicht uninteressant, ob man etwa zu den Mahlzeiten Getränke serviert bekommt oder die eigens bestellen und bezahlen muss. Wenn man für jedes kleine Wäs-

71 serchen 3,05 Euro zahlen muss, dann läppert sich in einer Woche auch so einiges zusammen. Manchmal rechnen sich sogenannte Getränkepakete, vor allem wenn man vorhat, auf regelmäßiger Basis Cocktails zu schlürfen. Auch sollte man bei all inclusive klären, was denn tatsächlich inkludiert ist (wie es so schön auf Reisebürokaufmännisch heißt). Landausflüge sind in den meisten Fällen nicht im Reisepreis enthalten. Je nachdem, was das Wichtigste für die Kreuzfahrt ist, also das Schiffsleben oder die Orte, kann man auch bei den Landausflügen richtig sparen, denn die sind nicht immer günstig. Wenn man beispielsweise eine Stadt schon kennt, sie vielleicht sogar vor ein paar Wochen erst das letzte Mal besucht hat, dann kann man schon auf den Landgang verzichten und viel Geld sparen. Oder man kann die Spa-Behandlungen an Bord genießen. Das ist nämlich meist deutlich günstiger als an Seetagen, wo alle in den Spa-Bereich wollen – antizyklisch halt. Natürlich kann man auch auf eigene Kappe an Land gehen. Allerdings verlangt das nach Planung. Wer etwa meint, man könne spontan einen kleinen Ausflug mit dem Taxi nach Sankt Petersburg machen, der wird enttäuscht sein, denn ohne Visum kommt man gar nicht erst aus dem Hafen in Russland. Das individuelle Visum muss im Vorfeld beantragt und bezahlt werden. Bei organisierten Ausflügen ist das anders. Auch sollte man wissen, wo man anlegt. Während man in Istanbul locker wenige Hundert Meter vom Anleger bis in die Altstadt schlendert, ist die Fahrt von Piräus nach Athen nur dann ein Katzensprung, wenn man weiß, wo die U-Bahn ist. Von Civitavecchia nach Rom ist man dagegen eine gute Stunde unterwegs und legt für den Shuttle-Bus rund 150 Euro auf den Tisch des Hauses. Die Gefahr bei individueller Planung ist natürlich, dass man sein Schiff verpassen könnte. Auf die »eigenen« Busse warten die Schiffe, nicht jedoch auf die Linienbusse, die im Verkehr steckengeblieben sind. Wer die Abfahrt verpasst, muss zusehen, wie er wieder an Bord kommt. Das kann einfach sein, denn von Rom nach Sorrent kann man auch mit dem Zug oder Bus kommen. Wenn der Stopp, der nach Rom kommt, allerdings Istanbul ist, dann wird’s knapp. Die »ich habe das Schiff verpasst«-Nummer in Russland mag ich mir gar nicht vorstellen, zumal die Leute an den Grenzen ohnehin nicht gerade als Charme- Bolzen bekannt sind. Die Gefahr, Nicht immer lockt der Landgang sich zu verspäten, ist allerdings eher gering, wenn man beispielsweise Tallinn zu Fuß oder Helsinki mit dem Fahrrad erkundet. Ein kleiner Rest Abenteuer bleibt dennoch und ich habe mehrfach erlebt, wie Leute im gestreckten Galopp die letzten Meter am Anleger zurück gelegt haben, als schon fast alle Leinen los waren. Für Internet-Freaks ist das schwimmende Hotel auch nicht wirklich günstig. Die Kosten ergeben sich aus der Tatsache, dass so ein Schiff natürlich nicht an Landlinien angeschlossen ist (wie auch?). Also ist der Netzzugang, das Telefonieren und auch das Simsen nur über Satelliten- Verbindung möglich und entsprechend teuer. Selbst telefonieren sollte man nur im Notfall. Beim nächsten Landgang kann man ja ein Internet Café ansteuern. Zum Schluss noch ein letzter Tipp: Bei Kreuzfahrten zahlt man mit der Bordkarte, also gefühlt irgendwie überhaupt nicht, weil keine Scheine knistern. Allerdings sollte man sich schon ab und zu über den Stand der Kosten auf dem Laufenden halten. Das geht meist über das bordeigene interaktive Fernsehen. Ich persönlich empfehle jedoch, den altmodischen Kulli auf Papier zu bemühen und die digitalen Daten mit den Quittungen zu vergleichen. Bei allem High Tech sind nämlich gar nicht mal so selten Leistungen falsch oder doppelt gebucht, und das tut bei diesen Preisen ja nun echt nicht nötig, wie der Hamburger sagen würde!

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