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Das Stadtgespräch Januar 2016

Das Magazin für Rheda-Wiedenbrück

66 portraitserie

66 portraitserie Das Stadtgespräch Meinolf Mika Von Angesicht zu Angesicht Eine Portrait-Serie mit Menschen in Rheda und Wiedenbrück Von Andreas Kirschner Meinolf Mika Geboren: 1954 Beruf: Kath. Priester und Bankkaufmann Foto: am 25.09.2015 in der Aegidiuskirche und in seinem Arbeitszimmer Meinolf Mika ist zwar schon offiziell verabschiedet, aber noch immer sehr geschäftig. Telefonisch will ich letzte Details unseres Treffens mit ihm klären, aber er ist ständig auf Achse. Wir treffen uns in der Aegidiuskirche. Ein Heimspiel für Mika. Schnell schaltet er noch das große Licht ein und nimmt sich einige Momente Zeit für ein Gespräch mit einem Kirchenbesucher. Man spürt seine Verbundenheit mit den Menschen. Dann ist er bereit für Fotos und meine Fragen. Foto: Andreas Kirschner Andreas Kirschner: Warum soll man Reisende nicht aufhalten Herr Mika? Meinolf Mika: Neue Lebenserfahrungen sind wichtig für mich. Durch Erfahrungen möchte ich in meiner Individualität und im Aufnehmen gesellschaftlicher Ereignisse weiterkommen. Jede Reise lässt mich die Größe und den Reichtum von Menschsein erkennen und deshalb bin ich in meinem Leben ungefähr zwölfmal aufgebrochen. Ich bin bereit noch einmal aufzubrechen, weil ich denke, ohne dieses Neue funktioniert Leben nicht. Daher möchte ich Schritt halten mit einer sehr mobil werdenden Gesellschaft, die davon lebt, dass sie neue Erfahrungen macht. Dennoch hat der Mensch, der den Pastoralverbund Reckenberg hinter sich lässt, Erinnerungen an Wiedenbrück. Auf keinen Fall ist der Grund, warum ich weggehe, dass mich irgendetwas an Wiedenbrück stört. Im Gegenteil, es ist alles sehr gediegen hier. Andreas Kirschner: Was ist das stärkste Bild vor Ihrem geistigen Auge, wenn Sie an Ihre Zeit in Rheda-Wiedenbrück zurück denken? Mika will nicht unbedacht antworten – längere Momente schweigt und denkt er. Mit ihm kann man gut Schweigen. Meinolf Mika: Das stärkste Bild sind Menschen. Ich denke z.B. an einen konkreten Menschen, den ich, als er sehr krank war, einmal besucht habe und den ich heute öfters treffe. Wir lachen zusammen, wir erinnern uns an die Krise dieses Menschen und das ist ein ganz starkes Bild, das in mir bleibt. Dass ich tatsächlich Menschen helfen konnte und sie mit Mut ein neues Leben beginnen konnten. Das ist das Bild, was ich vor mir habe. Wenn ich an Orte denke, dann sind mir die Wallfahrten in Erinnerung. Das waren für mich auch starke Orte, weil die Gemeinschaft, die ich mit Menschen an diesen Orten hatte, im Vordergrund stand. Andreas Kirschner: Wir haben zwei lebende Päpste, Papst Franziskus und den emeritierten Papst Benedikt XIV. Wem von beiden fühlen Sie sich näher? Meinolf Mika: Ich fühle mich Papst Franziskus näher, weil er mich durch seine Texte sehr beeinflusst hat, jetzt erneut aufzubrechen. Weil er den Versuch startet, Formen aufzubrechen, indem er die Realität des Menschen sieht. Ich würde die beiden Päpste nicht als Gegenseiten sehen wollen, weil der Vorgänger-Papst andere Stärken, z.B. in der grundsätzlichen Theologie hat. Aber durch seine Nähe zu den Menschen, seine einfache, klare Botschaft und durch den Versuch, das verengte Bild der Kurie in Rom aufzulösen, ist mir Franziskus einfach näher. Seine Enzyklika Evangelii Gaudium ist für mich zu einem prägenden Ereignis geworden. Das hat mich wirklich umgeworfen und den Menschen noch einmal neu sehen lassen. Andreas Kirschner: Was hätten Sie gerne noch erreicht in Rheda- Wiedenbrück? Meinolf Mika: Ich hätte gerne noch erreicht, dass sich die strukturellen Fragen besser geklärt hätten und dass wir zu Aufbrüchen gekommen wären, die alle Milieus erreicht hätten. Wir haben im Moment ein bürgerliches Milieu, das geprägt ist von einem alten Kirchenbild. Es macht uns hier im Pastoralverbund unsere Aufgabe schwer, dass Menschen sehr an der alten Struktur der Kirche hängen und ihre Gemeinde vor Ort haben möchten. Ich wünschte sehr, dass sie sich in einem weiteren Rahmen wohlfühlten und die Gemeinden keine Gegensätze wären. Hier im Raum Reckenberg wird manchmal eine Enge verfochten, dass Langenberger Langenberger sind, St. Viter St. Viter und Batenhorster Batenhorster sind. Diskussionen führen zuweilen sehr in diese Auseinandersetzung und es mangelt an Bereitschaft zusammen zu rücken. Es ist für mich ein Anliegen zu dieser Grenzüberschreitung aufzurufen. Ich hätte gerne auch gesehen, wenn ich mit meinem Team kleinere Dinge erreicht hätte, wo wir z.B. das Milieu der Genussmenschen erreicht hätten. Dass wir Menschen erreicht hätten, die nicht direkt etwas mit Kirche und Sonntagsmesse zu tun haben, die ich aber trotzdem als sehr gläubig empfinde. Da hätte ich noch Freude gehabt mich zu unterhalten. Die Zeit hat nicht gereicht. Andreas Kirschner: Denken Sie, es wäre einfacher gewesen die Ziele zu erreichen, wenn die Stadtteile Rheda und Wiedenbrück nicht durch die Pastoralverbünde getrennt gewesen wären? Meinolf Mika: Es ist eine komi-

portraitserie 67 sche Situation: Die Stadtteile sollen zusammen wachsen und die katholische Kirche teilt sie verschiedenen Verbünden zu. Das macht einiges schwieriger. Z.B. in der Flüchtlingsdiskussion, sodass wir kaum eine Basis für gemeinsames Handeln haben. Es macht mich manchmal traurig, dass wir diesseits und jenseits der Autobahn keine bessere Kommunikation haben. Beide Pastoralbereiche mit allen Ortsteilen wären aber gemeinsam zu groß mit über 30.000 Gläubigen, deshalb diese, für mich unglückselige, Trennung. Andreas Kirschner: Was lesen Sie gerade? Meinolf Mika: Ich lese eine kleine Schrift von Fred Uhlman: Der wiedergefundene Freund. Das Buch hat mich sehr angesprochen. Es spielt in der Nazizeit und zwei Freunde werden auseinander gerissen, weil der eine Jude ist und der andere Christ. Der Jude muss nach Amerika fliehen und die Freundschaft bricht auseinander. Das Buch ist eine tiefe Auseinandersetzung mit Freundschaft, die mich sehr beeinflusst hat. Andreas Kirschner: Lesen Sie die Zeitung oder macht das eher traurig? Meinolf Mika: Die lese ich mit Bewusstsein jeden Tag. Traurig macht mich manchmal, dass es viele Negativbotschaften sind, aber da möchte ich keinen Bogen drumherum machen und offen sein. Sehnsucht nach etwas Gutem ist natürlich tief da und ich freue mich über jede positive Botschaft. Es ist sehr wichtig, auf dem Laufenden zu sein über die Wirklichkeit und die gesellschaftlichen Fragen. Andreas Kirschner: Was bedeutet Ihnen Heimat? Meinolf Mika: Menschen! Kein Ort, sondern Menschen, Freunde, das ist für mich Heimat. Vor allen Dingen die Menschen, die nicht nur Theologisches reden, sondern ganz anders sind als ich. Die Auseinandersetzung mit Menschen, die anders denken und leben ist für mich Heimat. Einen Ort kann ich nicht nennen. Dafür bin ich zu oft in meinem Leben umgezogen. Ich bin aber an jedem Ort mit einem Heimatgefühl gewesen. Ich habe auch keine Angst Neues zu entdecken. Mein Übergang von einer Kleinstadt in das Ruhrgebiet, in die Stadt Herne, das fordert mich heraus und ich habe keine Befürchtungen, mich da nicht rein zu finden. Andreas Kirschner: Von welcher Musik fühlen Sie sich tief berührt? Meinolf Mika: Bei der Musik Mozarts, die eine gewisse Lebensfreude ausstrahlt. Mozarts Musik holt mich in eine Welt, die einfach Weite und Freude ausdrückt. Seine Musik erinnert mich an Menschen die Harmonie suchen, wie sie diese Musik ausdrückt. Ich enge Musik aber nicht ein. Ich liebe auch Balladen und Chansons. Andreas Kirschner: Welche Weltsicht bekommt man, wenn man sich um die Seelen seiner Mitmenschen sorgt? Meinolf Mika: Dass jeder Mensch ein Individuum mit ganz vielen Facetten, Fähigkeiten und Reichtum ist. Ich bekomme die Einsicht, dass ich achten muss, was er oder sie lebt. Die Achtung vor den Menschen steigt in mir. Ich sehe den Menschen, auch wenn er noch so verformt ist, wenn er noch so viele Fragen hat, als ein ganz kostbares Wesen. Er darf so sein, wie er ist. Ich denke, dass ist auch eine theologische Sicht, dass Gott in jedem Menschen etwas Großartiges schafft und dass es gefährlich ist, Menschen über einen Kamm zu scheren. Deshalb mag ich Ideologien, mag ich einseitige Propaganda nicht. Andreas Kirschner: Glauben Sie, das spirituelle Leben macht bessere Menschen aus uns? Meinolf Mika: Ich achte sehr da- Chinesisches Mittagsbuffet Montags bis samstags (außer an Feiertagen) 12:00 – 14:30 Uhr 7,90 € pro Person Kinder von 1 m - 1,5 m 5,90 € Kinder unter 1 m 4,50 € Kinder unter 3 J. gratis Luxus Buffet mit chinesischem Buffet, mongolischem Grill & Sushi Montags bis samstags 18:00 – 22:00 Uhr An Sonn- und Feiertagen durchgehend geöffnet 14,90 € pro Person Kinder von 1 m - 1,5 m 8,90 € Kinder unter 1 m 6,50 € Kinder unter 3 J. gratis Firmen-Weihnachtsfeier bei Mongolia. Noch sind wenige Termine frei! Chinesisches & Mongolisches Restaurant Mongolia | Aurea 1-3 | 33378 Rheda Wiedenbrück | 02522-8335506 / 9383277 Öffnungszeiten: Täglich von 12:00 – 15:00 Uhr und 17:30 – 23:00 Uhr | An Sonn- und Feiertagen durchgehend geöffnet | Kein Ruhetag

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