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Das Stadtgespräch Januar 2016

Das Magazin für Rheda-Wiedenbrück

40 Das

40 Das Stadtgespräch Dicke Bücher zu Weihnachten Andere schließen. Willkommen bei uns. Jetzt Termin vereinbaren und kostenloses Girokonto eröffnen. 1 Commerzbank Filiale Rheda-Wiedenbrück Klingelbrink 20 33378 Rheda-Wiedenbrück Tel. 0 52 42 59 03 65 Mit Zufriedenheitsgarantie: 50€ + 50€ zum Start 1 bei Nichtgefallen 1 1) Kostenlos bei privater Nutzung und ab mind. 1.200 € monatl. Geldeingang, sonst 9,90 € je Monat. Startguthaben 50 € erst nach 3-monatiger Kontonutzung (mind. 5 monatl. Buchungen über je 25 € oder mehr) und nur, wenn seit 24 Monaten kein Zahlungsverkehrskonto bei der Commerzbank besteht. Zahlung 50 € bei Nichtgefallen erst nach regelmäßiger Kontonutzung über mind. 1 Jahr (mind. 5 monatl. Buchungen über je 25 € oder mehr) und nachfolgender Kontokündigung unter Angabe von Gründen binnen 15 Monaten nach Kontoeröffnung. Ist schon klar, dass das dicke Buch keine literarische Gattung im eigentlichen Sinne ist. Aber für die Leser stellt sich schon oftmals so dar, dass sie dicke Wälzer zwar gerne lesen, doch der Alltag spricht dagegen. Für solche Leute, ich gebe unumwunden zu, dass ich auch so einer bin, sind die Feiertage um Weihnachten geradezu gemacht. Man hat Zeit und sitzt wetterbedingt nicht im Garten zu grillen, sondern lieber vorm Kamin und genießt die Ruhe. Dass die Lektüre nicht unbedingt Friede, Freude, Eierkuchen vermitteln muss, steht auf einem anderen Blatt. Jedenfalls haben wir schon einmal die dicken Bücher gesichtet und empfehlen diese im Folgenden. INY LORENTZ Die steinerne Schlange Gut, im literaturwissenschaftlichen Proseminar werden die Bücher des Autorenteams Iny Lorentz wohl eher nicht auftauchen. Vielleicht eher in der Abteilung Kreatives Schreiben. Wer einen Iny Lorentz-Roman kauft, weiß was ihn erwartet, denn das Muster ist zwar variantenreich, doch im Grunde immer gleich: Eine starke Frau muss sich in einer Männergesellschaft durchsetzen. Mit diesem Rezept begannen Elmar Wohlrath und Iny Klocke 2003, als sie mit Die Kastratin ihren ersten Erfolg hatten, der allerdings von der Wanderhure noch übertroffen wurde. Neben den mittlerweile sechs Romanen der Wanderhure gibt es noch weitere Bücher, die allerdings nicht im Mittelalter spielen. Der zeitliche Hintergrund ist gerade das, was die Romane neben den vielen Glückswendungen und den interessanten, wenn auch nicht wirklich vielschichtigen Figuren, für viele lesenswert machen. Insofern ist der neue Roman Die steinerne Schlange sehr geschickt gemacht, führt er doch die Leser in eine Zeit, in der sich niemand so richtig auskennt, bis auf die Historiker natürlich und vielleicht Lateinlehrer. Es geht nämlich um das römische Reich und seine Grenze zu den Barbaren, also zu unseren Vorfahren. Die steinerne Schlange ist die Bezeichnung der Germanen für den Limes. Die Germanen begreifen sich nicht als ein Volk, sondern sehen ihre vielen Stämme als Völker an, die zum Großteil auch noch verfeindet sind, was genau das Problem angesichts der Weltmacht Roms ist. Der Ort der Handlung liegt im Süden Deutschlands, also nicht am Teutoburger Wald, und Zeit der Handlung ist zwei Jahrhunderte nach der Varusschlacht. Während sich ihr großer Bruder, der eigentlich Stammesoberhaupt sein sollte, in römische Dienste begeben hat und sich nun Hariwinius nennt, erweist sich Gerhilds jüngerer Bruder als schwacher Anführer des Germanenvolkes, das außerhalb des römischen Limes siedelt. Gerhild selbst ist noch vom alten Schlag, kommt als Frau jedoch als Stammesoberhaupt nicht in Frage. Als sie sich weigert, die Gespielin eines römischen Feldherren zu werden und diesen dann auch noch im Zweikampf besiegt, hat sie es sich gänzlich mit der Macht verscherzt. Einen

41 verfeindeten Germanenfürsten verletzt sie und nimmt ihm bei einem Überfall sein kostbares Schwert ab. Ihr Kämpferherz tritt vollends zutage, als sie entdeckt, dass die Römer eine Invasion planen und auch mit den scheinbar befreundeten Stämmen nichts Gutes vorhaben. Ein bisschen erinnert mich das Römerbild an die Szene in dem Monty Python- Film Das Leben des Brian, als der Anführer der Judäischen Volksfront (oder war es die Volksfront Judäas?) fragt: Was haben uns die Römer je gebracht und er einräumen muss: Was haben sie uns je gebracht außer sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen, schönen Straßen, medizinischer Versorgung, Schulwesen, Wein, öffentlichen Bäder, Sicherheit und Frieden? Aber die Sympathien im neuen Roman von Iny Lorentz liegen eben bei den Schwachen und Mutigen, die aber ordentlich Kampfgeist und Raffinesse aufbringen und damit Lust auf mehr machen. Und in die Kategorie »dicke Bücher« passt Die steinerne Schlange mit seinen 634 Seiten (Knaur, 19,99 Euro) alle Mal. deren Vorbild erinnert Elizabeth Gaskells feine Ironie ebenso wie ihr ausgeprägter Sinn für die kleinen Dramen des Alltags. «Wives and Daughters» ist Elizabeth Gaskells letzter Roman, verfasst auf der Höhe ihrer Meisterschaft. Die Autorin schuf damit ein kolossales Zeit- und Gesellschaftspanorama, angesiedelt im frühen 19. Jahrhundert, am Vorabend der industriellen Revolution. Die «feudalen Gefühle», heute noch intakt, sind morgen schon passé. Selbst im hintersten Winkel Englands zeichnen sich allmählich Änderungen der sozialen Verhältnisse ab, und mit ihnen werden sich die Bedingungen menschlichen Zusammenlebens grundlegend ändern. Der bezeichnende Untertitel des Buchs lautet «Eine alltägliche Geschichte», und nichts könnte alltäglicher sein als das liebe Geld. Finanzielle Zwänge und Kalamitäten werden ebenso wenig ausgespart wie die Erkenntnis, dass Unabhängigkeit zuvorderst ein Privileg der Besitzenden ist. In diese Gesamtperspektive organisch eingebunden, finden sich in «Frauen und Töchter» die unterschiedlichsten weiblichen Lebensentwürfe und Wunschbilder. Diese ergänzen, variieren oder kontrastieren ihrerseits die individuelle Emanzipationsgeschichte der Romanheldin, dem gesitteten Mädchen Molly Gibson, das zur selbstbewussten jungen Frau heranreift. In souveräner Gesamtschau zeigt die Verfasserin, wie das Große ins Kleine greift und wie umgekehrt Privates zu etwas durch und durch Politischem wird. Das facettenreiche Werk, in England längst kanonisiert, gilt hierzulande noch als Geheimtipp, wenn auch in Ehren gehalten von einer stetig wachsenden Fangemeinde. STEPHEN GREENBLATT Will in der Welt Bleiben wir auf der Insel. 2016 jährt sich nämlich der Todestag des Meisters zum 400. Mal. Das mag man kaum glauben, wenn man Shakespeares Werke liest oder besser noch hört und sieht. Und selbstverständlich füllt die Sekundärliteratur zu Shakespeare ganze Räume in den Englischse- ELIZABETH GASKELL Frauen und Töchter Bleiben wir bei dicken Büchern. Der Roman Frauen und Töchter von Elizabeth Gaskell, der zuerst 1864 erschien und soeben bei Manesse neu aufgelegt wurde, ist nur 17 Zentimeter hoch und 10 Zentimeter breit, umfasst aber nicht weniger als 870 Seiten (26,90 Euro). Der Verlag nennt das Buch einen himmlischen Wälzer. Dem kann ich mich nur anschließen. Dieses bezaubernde Sittenbild aus dem 19. Jahrhundert zählt zu den großen Romanklassikern der englischen Literatur. Im Mittelpunkt der zeitlos gültigen «comédie humaine» stehen, ähnlich wie bei Jane Austen, zutiefst menschliche Schicksale. An

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