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Das Stadtgespräch Januar 2016

Das Magazin für Rheda-Wiedenbrück

24 Das

24 Das Stadtgespräch Goldankauf in Wiedenbrück Foto Zeidler, Lange Straße 51 Sofort Bargeld für Zahngold, Schmuck, Ringe, Münzen. in Zusammenarbeit mit NEW ICE Deutschland GmbH 34 Jahre Goldankauf Bitte Ausweis mitbringen. Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig beim Verlegen der Stolpersteine in der Widumstraße 8, mit Schülerinnen und Schülern der Israel-AG und der Matthias-Claudius-Schule (im Hintergrund). VIERTE STOLPERSTEINVERLEGUNG Gedenken an 11 Opfer des Nationalsozialismus (Kem) Vor zweieinhalb Jahren verlegte der Kölner Bildhauer Gunter Demnig die ersten Stolpersteine (Gedenktafeln aus Messing) in Rheda-Wiedenbrück ins Trottoir. Sie erinnern an die verfolgten und ermordeten Opfer des Nationalsozialismus. 36 Mitbürgerinnen und Mitbürger, die durch den Nazi-Terror entrechtet wurden, haben seitdem ihren persönlichen Gedenkstein erhalten. Bei der jüngsten Gedenkaktion am 26. November 2015 folgten 11 weitere Stolpersteine. Widumstr. 8: Julius Neuhoff (Jahrgang 1892, im Widerstand/KPD, seit 1933 mehrmals verhaftet, hingerichtet am 23. März 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden), Karl Neuhoff (Jahrgang 1894, 1919 Einweisung in die Heilanstalt Lengerich, 1941 Weilmünster, 1944 Heilanstalt Hadamar, ermordet am 22. November 1944), Ernst Neuhoff (Jahrgang 1905, 1941 Verhaftung, Zuchthaus Münster, 1944 Konzentrationslager Buchenwald, ermordet am 14. März 1945 im Außenlager Ohrdruf), Widumstraße 13: Fanny Franziska Kahn (geb. Cohn, Jahrgang 1868, 1942 deportiert ins Konzentrationslager Theresienstadt, 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet), Andreasstraße/Passage: Moses Weinberg (Jahrgang 1869, 1942 deportiert ins Konzentrationslager Theresienstadt, ermordet am 19. August 1942), Berliner Str. 48: Gertrud Weinberg (Jahrgang 1906, 1938 Flucht nach Holland, interniert ins Durchgangslager Westerbork, 1943 deportiert ins Konzentrationslager Auschwitz, ermordet am 17. September 1943), Paula Ursula Weinberg (geb. Grünewald, Jahrgang 1884, 1941 deportiert, ermordet in Lodz/ Litzmannstadt), Wilhelmstraße 30: Walter Weinberg (Jahrgang 1905, 1939 Flucht nach Kuba, Ms. St. Louis, Einreise verweigert, Rückkehr nach Holland, interniert ins Durchgangslager Westerbork, 1944 deportiert, ermordet im Konzentrationslager Auschwitz), Ruth Weinberg (geb. Hoffmann, Jahrgang 1910, 1941 Flucht nach Holland, interniert ins Durchgangslager Westerbork, 1944 deportiert, ermordet im Konzentrationslager Auschwitz), Hans Phillipp Weinberg (Jahrgang 1942, interniert ins Durchgangslager Westerbork, 1944 deportiert, ermordet im Konzentrationslager Auschwitz) Herzebrockerstr. 154 (das Gebäude steht nicht mehr): Alexander Gnegel (Jahrgang 1913, 1935 zwangssterilisiert, 1942 Verhaftung, Zuchthaus Celle, 1944 verurteilt wegen »Wehrkraftzersetzung«, hingerichtet am 20. November 1944 im Zuchthaus Brandenburg Görden) Bürgermeister Theo Mettenborg wies in seinem Grußwort auf die in Rheda-Wiedenbrück seit Jahren gepflegte Erinnerungskultur hin: »Wir erinnern, um niemals zu vergessen. Die Stolpersteine sollen die Opfer sichtbar machen. Das ist notwendig für die Bewältigung der Vergangenheit und hilft uns bei der Gestaltung der Zukunft.« Wie sehr die Bürgerinnen und Bürger Anteil nehmen an dem Schicksal der Opfer des Nationalsozialismus, zeigte sich beispielsweise bei den Vorbereitungen zu der Verlegung. Die Eigentümer des Hauses Berliner Straße 30 informierten die Stadt über ihre bereits 20 Jahre zurückliegende Recherche zur Vorgeschichte ihres Hauses. Durch diese wertvollen Erkenntnisse konnte eine Namensverwechslung verhindert werden. Der Stolperstein für »Fanny Franziska Kahn« kann dadurch richtigerweise vor dem Haus in der Widumstraße 13 verlegt werden. Der Bürgermeister erklärte, dass das Projekt durch die Bürgerinnen und Bürger als Paten getragen wird. Sie haben bisher 57 Patenschaften für die Stolpersteine übernommen. »Dafür danke ich Ihnen sehr.«, sagte Mettenborg. Das Gedenk-Projekt tragen ebenfalls die Forscher sowie Schülerinnen und Schüler, die sich aktiv mit den Biografien der Opfer beschäftigen. Mettenborgs Dank ging hier besonders an Dr. Wolfgang Lewe, Historiker Remigius von Boeselager, Jochen Sänger und Jürgen Kindler. An der Ausarbeitung der Biografien der 11 verfolgten und ermordeten Opfer des Nationalsozialismus in Rheda-Wiedenbrück, die am 26. November einen Stolperstein erhielten, hatten sich Schülerinnen und Schüler der Israel AG des Einstein-Gymnasiums unter der Leitung von Thorsten Mönning und in Begleitung von Elisabeth Meier, Initiatorin und langjährige Leiterin der AG, sowie Schülerinnen und Schüler der Matthias-Claudius-Schule, begleitet von Juliane Müller. Mettenborg freute sich mit Blick auf die Schülerinnen und Schüler, »dass sie sich als junge Menschen, für die das Geschehen von damals so weit zurück liegt, so intensiv mit dem Thema beschäftigen und für das Gedenken ein Stück tragische Heimatgeschichte vermitteln«. Einen würdigen musikalischen Rahmen für das Verlegen der Stolpersteine gestaltete der Vokalpraktische Kurs des Einstein-Gymnasiums unter Leitung von Ildefons Klein.

25 Claudia Reiling (vorne links) und ihre Tochter Julia mit Reitschülern in der kleinen Reithalle. Für den Reitunterricht stehen 40 Reitpferde zur Verfügung. LÄNDLICHER ZUCHT-, REIT- UND FAHRVEREIN WIEDENBRÜCK FAND EIN ZUHAUSE Pferdehof Reiling aus Ruinen erstanden (Kem) Es war vor drei Jahren, in der Vorweihnachtszeit, am 24. November 2012, morgens um 5.58 Uhr: Ein kleiner Brand in den Stallungen der Familie Reiling entwickelte sich rasend schnell zu einem Inferno. Die kompletten Stallungen, einschließlich Futter, Heu und Stroh sowie Sätteln und Zaumzeug wurden vernichtet. Entgegen den ersten Befürchtungen hatten die über 70 Pferde und Ponys die Katastrophe überlebt. Einige der Tiere benötigten eine tierärztliche Versorgung. Ebenfalls den verletzten Bewohnern ging es den Umständen entsprechend gut. Die ganze Sorge der Familie Reiling galt den Tieren, dem Weiterlaufen des Ponybetriebs. Familie Reiling wollte sich von den Sorgen nicht unterkriegen lassen. Mit Mut, Kraft und Zuversicht für die Zukunft stellten sie sich dem Schicksalsschlag, der so oder ähnlich jeden treffen kann. Das eigene Wohlergehen stellte sie hinten an. Es war erstaunlich, wie viele Menschen der Familie Reiling beistanden und helfend mit anpackten. In der vorübergehenden Notunterkunft für die Pferde wurde gearbeitet, gehämmert und ge- räumt. Andere Pferde kamen in umliegenden Ställen und beim Reitverein Wiedenbrück unter. Später führte Familie Reiling die Tiere in einem Zeltquartier auf der zerstörten Pferdehofanlage zusammen. Nach Absprache mit der Familie richtete der Reitverein auf seiner Reitanlage in St. Vit eine zentrale Sammelstelle für Spenden ein. Es wurden das dringend benötigte Heu, Stroh und Sägespäne sowie Zaumzeug, Führstricke, Decken, Sättel für die über 70 Tiere abgegeben. Für Geldspenden wurde ein Konto eingerichtet. Aus Rheda-Wiedenbrück und Oelde, dem ganzen Kreis Gütersloh und dem Nachbarkreis Warendorf und weit darüber hinaus, bis aus Bayern, ja, sogar Spanien, traf die Hilfe ein. Sie kam vom Herzen. Familie Reiling denkt heute mit großer Dankbarkeit an die erfahrene Nächstenliebe und vielen Menschen, die ihr in den tragischen Stunden, Wochen und Monaten der Not zur Seite standen. Auch die Stadt stand ihr bei den Formalien zur Seite. Sie bereitete ihr ein großes Weihnachtsgeschenk, als ein Jahr nach dem Brand, nur wenige Tage vor dem Weihnachtsfest, die Baugenehmigung für den Neubau des Stalls eintraf. Unverzüglich begann die Familie mit den Bauarbeiten. Alle Angehörige und Freunde packten mit an, brachten sich ein, wo sie sich nützlich zeigen konnten. Es war der 23. Dezember 2013. Im Sommer 2014 hatten sie den Stall für die Pferde und Ponys und die kleine Reithalle fertig gestellt. Alle Vorrichtungen sind auf Sicherheit und Brandschutz ausgerichtet. Der Reitunterricht konnte wieder beginnen. Ein großer Wurf steht nun noch bevor: Die Errichtung der großen Reithalle. Im Zusammenwirken aller Beteiligten wird auch diese Etappe auf dem langen Weg des Neustarts gelingen. Es gibt noch einiges zu tun: Einrichtung des Schulungsund Aufenthaltsraums, Putz- und Pflasterarbeiten, und, und, und. Jetzt ist wieder die Vorweihnachtszeit: Neue Ereignisse kündigen sich für den Reiterhof Reiling an. Zum 1. Dezember 2015 zogen die Schulpferde des Ländlichen Zucht-, Reit- und Fahrverein Reckenberg-Wiedenbrück auf den Reiterhof in der Marburg um. Der Verein nahm nunmehr hier den Reitunterricht auf. Julia Reiling, Tochter des Pferdehofes, die schon seit vielen Jahren Mitglied in dem Verein ist, führt die schon in St. Vit ausgeübte Aufgabe nun auf der elterlichen Anlage weiter. Zum 1. Februar 2016 wird ebenfalls der Reitverein selber auf die Marburg umziehen. Diese Schritte wurden erforderlich, weil der Besitzer der Reitanlage an der Stromberger Straße den Kooperationsvertrag mit dem Ländlichen Zucht-, Reit- und Fahrverein Reckenberg-Wiedenbrück aufgekündigt hatte. Die traditionsreiche Zusammenarbeit zwischen dem Reitverein und dem Reiterhof, die durch die Unterstützung des Reitervereins für den niedergebrannten Hof vor drei Jahren eine besonders enge Ausprägung fand, erhält damit eine herausragende Qualität.

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