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Das Stadtgespräch für Rheda-Wiedenbrück Ausgabe März 2020

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Die März Ausgabe vom Stadtgespräch März 2020 im Webkiosk von Mein Rheda-Wiedenbrück. Die City-App für Rheda-Wiedenbrück. Das Stadtportal.

1 Aufgerichtet 21 Meter

1 Aufgerichtet 21 Meter hoch D Die Spur der Hinkelsteine Mit der Megalithkultur durch Europa, Teil 2 Auch im neuesten Asterix-Band »Die Tochter des Vercingetorix«, der ein Muss für alle Fans standhafter Gallier ist, spielen Hinkelsteine wieder eine ganz natürliche Rolle. Das ist historisch richtig und falsch. Tatsächlich liegt die Wiege der Megalithkultur, also der Kultur der riesigen Steingebilde, in der Heimat von Asterix und Obelix, nämlich in der Bretagne. Und auch Vercingetorix hat existiert. Nachdem Caesar ganz Gallien, wie er das Gebiet vom heutigen Belgien bis an die spanische Grenze nannte, im Jahr 56 v. Chr. unterworfen hatte – viele ehemalige Schüler werden sich erinnern, wurden sie doch mit Caesars »De Bello Gallico« gequält, erhoben sich diverse Stämme der untereinander zerstrittenen Gallier. Der Arvernerfürst Vercingetorix schaffte es allerdings, die verschiedenen keltischen Stämme gegen die Invasoren zu einen und aufzuwiegeln. Er wurde dann allerdings bei der Schlacht bei Alesia nahe des heutigen Dijon geschlagen, musste die Waffen strecken, wurde sechs Jahre lang eingekerkert und wurde in Rom erst im Triumphzug vorgeführt und anschließend getötet. Im 19. Jahrhundert wurde Vercingetorix ähnlich wie bei uns Hermann, den wir noch heute im Teutoburger Wald bestaunen können, als erster Widerstandkämpfer der Nation verehrt. Der neue Asterix setzt zumindest seiner, leider fiktiven, Tochter ein witziges Denkmal. Stonehenge ist ein europäischer Import Der Hinkelsteinbruch von Obelix dagegen ist historisch völlig falsch. Gut, Obelix hat es auch nie gegeben und in den Zaubertrank, der übernatürliche Kräfte verleiht, ist schon gar niemand gefallen. Nicht, dass die Priester der Kelten, die Druiden, nicht mit bewusstseinserweiternden Drogen experimentiert hätten. Aber als die Kelten im fünften Jahrhundert v. Chr. das Gebiet der heutigen Bretagne erreichten, existierte die Megalith-Kultur schon mehr als ein Jahrtausend nicht mehr. Zwar war den Kelten offenbar bewusst, dass die riesigen Steinmonumente etwas Besonderes darstellten, warum sie sie auch in ihre Kulte einbanden, aber einen Kontakt mit den ursprünglichen Bewohnern hat es niemals gegeben. Dafür hat es allerdings einen anderen, erstaunlichen Kontakt gegeben, wie die Archäologin Bettina Schulz Paulsson von der Universität Göteborg herausgefunden hat. Nach ihren Erkenntnissen hat es vor siebentausend Jahren eine Verbindung gegeben zwischen den Menschen auf dem europäischen Festland und denen, die auf den heute Britischen Inseln lebten. Die Schifffahrt ohne Sichtkontakt zum Land hat also zweitausend Jahre früher begonnen, als man lange angenommen hatte. Paulsson hat nachgewiesen, dass sich der Stein-Kult zunächst über mehrere Jahrhunderte hinweg nach Norden und gleichzeitig nach Süden bis zum Schwarzen Meer ausgebreitet hat. Der älteste Teil von Stonehenge stammt aus der Zeit von 3100 v. Chr., ist also deutlich jünger als die ältesten Funde in der Bretagne. Heute kann man nachweisen, dass einige der gewaltigen Steine, die heute bei den europabefreiten Briten stehen, aus demselben Steinbruch kommen wie die Megalithen der Bretagne, nämlich vom Festland. Selbst britische Forscher räumen ein, dass es wahrscheinlich ist, dass mindestens zwei Bauphasen von Stonehenge unter maßgeblich kontinentalem Einfluss errichtet wurden. Die Idee einer Kultur, die den Ärmelkanal überspannt, scheint also nicht so ganz neu zu sein, was die Idiotie des Brexits erneut unterstreicht, aber lassen wir das. Riesige Hinkelsteinfelder So faszinierend und einzigartig Stonehenge noch heute ist, so sind die Ausmaße der Anlage in etwa die eines Fußballfeldes. Die Steinreihen der Örtchen Carnac und Kermario, die sich an der bretonischen Küste befinden, bestehen dagegen aus nicht weniger als 3000 Menhiren genannten Steinen, die sich in Reihen angeordnet über vier Kilometer ziehen. Die Steine sind zwischen einem halben Meter bis zu vier Metern hoch und wiegen entsprechend. Schon in den 1920er Jahren zog es die kulturbeflissenen Franzosen an diesen Ort des großen touristischen Interesses, der auch ohne Erklärungen beeindruckt. Seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts kommen auch immer mehr Touristen aus dem Ausland, die die rätselhaften Monumente bestaunen. Im Sommer kann man nur im Rahmen von Führungen auf die Steinfelder, doch Aussichtsplattformen sorgen dafür, dass der Besucher die Hautkrebs Prophylaxe – Diagnose – Behandlung Tel.: 0 52 42 5 78 95-80 • Klassische Dermatologie • Ästhetische Dermatologie • Laserzentrum • Hautkrebszentrum • Licht-Therapie PDT 42 Das Stadtgespräch

1 Ein herzförmiger Selfiepunkt 1 Schon die kleinen Dolmen sind einen halben Meer hoch. 1 Gang zur Grabkammer Ausmaße erfassen kann. Dass gleich nebenan in Carnac und in Trinité-sur- Mer der Sandstrand lockt und die Restaurants zum Schlemmen einladen, vor allem für alles, was das Meer zu bieten hat, schadet dem Besucherinteresse ebenfalls nicht. Die Tatsache, dass bis heute nicht eindeutig geklärt werden konnte, was die parallel verlaufenden Reihen, die unter ungeheurem Einsatz von Arbeitskraft und steinzeitlicher Technik entstanden sein müssen, für eine Bedeutung hatten, lädt zu Spekulationen ein. Die Erklärung, dass es sich offenbar um Gräber handelt, produziert mehr Fragen als Antworten. Und auch das oftmals neblige, dämmerige und regenreiche Wetter trägt dazu bei, dass die Megalithen im Zwielicht als mythische Wesen wahrgenommen wurden. Gut möglich, dass den Menschen die Kultstätten nicht ganz geheuer waren, sie diese gemieden haben und so zu ihrer Erhaltung beigetragen haben. Verneigung vor den Toten Nur wenige Kilometer von Carnac entfernt findet sich bei Locmariaquer der sogenannte Table des Marchand, auch La Table des Marchands genannt, also der Tisch der Familie der Händler. Die Fundstätte wurde glücklicher Weise schon 1899 zum historischen Monument erklärt, wodurch verhindert wurde, dass die Dorfbewohner die Steine für ihre Häuser hier entnahmen, was billiger und bequemer war, als sie zu kaufen. Der Tisch, wie er vom Volksmund genannt wurde, ist niemals als Tisch gedacht worden. Vielmehr bildet ein länglicher, horizontaler Menhir, der von kleineren senkrechten Steinblöcken gestützt wird, das Gerüst für eine Grabkammer. Die Bruchsteine, die die Räume zwischen den Menhiren verfüllen, waren im Laufe der Zeit entnommen worden, sodass die Anlage frei schwebend wirkte. In Locmariaque hat man den ursprünglichen Zustand des Grabes, das im vierten Jahrtausend v. Chr. errichtet wurde, wiederhergestellt. Der Besucher der Cairn genannten Anlage kann heute nicht nur durch den entsprechenden Gang in die Grabkammer gehen, er kann auch die Verzierungen an den Megalithen bestaunen. Bei Eintreten muss der Besucher den Kopf einziehen, denn das Portal ist nur 1,40 Meter hoch, was die Forscher heute als Trick der Baumeister verstehen, musste der Besucher sich auf diese Weise doch verbeugen, wenn er den Gang betrat. 1,40 Meter war selbst damals niedrig – Ötzi brachte es immerhin auf stattliche 1,58! Nur wenige hundert Meter von der Table des Marchand entfernt liegt der gewaltige Er Grah genannte Dolmen, der in vier Teile, die für sich schon beeindruckend sind, zerbrochen ist. In voller Höhe würde der Brocken nicht weniger als 21 Meter messen und rund 300 Tonnen wiegen. Unfassbar, wie solch ein Monument mit einfachsten Mitteln bearbeitet werden konnte. Hinkelsteine mit wenig Beachtung Es gibt buchstäblich tausende Menhire und Dolmen in der Bretagne. Über Jahrhunderte ist man auch, nennen wir es pragmatisch, mit ihnen umgegangen. Die kleineren dienten als Baumaterial, und die größeren wurden gerne als Untergrund für christliche Steinmetzarbeiten verwendet. Die Nazis, die Frankreich im Zweiten Weltkrieg besetzt hielten, nutzten die Anlagen auch schon mal als Teil ihrer Atlantikwall genannten Verteidigungsanlagen entlang des Atlantiks. Wo Granitfelsblöcke standen musste kein Beton gegossen werden. Die Bunker sind übrigens auch ein Dreiviertel Jahrhundert nach Ende des Krieges noch an vielen Stellen zu sehen – hoffentlich hält der Beton nicht annähernd so lange wie die Hinkelsteine! Die schlichte Anzahl der Megalithen führt dazu, dass ganz viele Dörfer irgendwo große Steine stehen haben. An anderer Stelle würde man Museen darum errichten, doch die Vielzahl lässt die Wichtigkeit offenbar schwinden. Nicht aber die rätselhafte Schönheit. Und so findet man in vielen Gebieten der Bretagne völlig unberührte Stätten, deren Bedeutung schon seit Jahrtausenden nicht mehr klar ist. Zahnerhalt oder Zahnverlust Informationsveranstaltung am 17.11.2019 um 11.oo Uhr. Um Anmeldung wird gebeten 05242/5789510 Das Stadtgespräch 43

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