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Das Stadtgespräch Februar 2017

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12 Das

12 Das Stadtgespräch Das Lästermaul sagt’s, wie es ist. Holt Euch die Menüs aus der Gerüchteküche und gibt seinen unmaßgeblichen Senf dazu. Pflegt steten Umgang mit dem Druckfehlerteufel und Frau Anna Lyse, der persönlichen Lebens- und Verkehrsberaterin des Lästermauls. Worte, wie Reklamation und Rechtsweg fehlen in Lästermauls Duden sowieso und sind deshalb ausgeschlossen. Alles wird weniger – nur die Schlaufüchse nicht. In die Kategorie gehört der FDPler Patrick Büker, wenn er die Arbeitskosten des Bauhofes, die das Zustandekommen des Adventskrämchens und des Christkindlmarktes überhaupt möglich machen, künftig deckeln will. Und damit liegt der Ratsherr im Trend der Zeit, der da heißt: »Laut sein ist besser als klug sein«; Populismus allerorten. Vielleicht macht sich der Ratsherr mal kundig, bevor er losbolzt und dem Ehrenamt eins auf den Hut gibt. Wie finanziert sich denn die Weihnachtsbeleuchtung? Wer zahlt das Bühnenprogramm? Gema, Künstlersozialkasse, Sicherheitsdienst? Nie gehört oder drüber nachgedacht? Die Infrastruktur und die Energieversorgung fällt kostenlos vom Himmel? Strom kommt einfach so aus der Steckdose? Aufbaupläne und Brandschutzkonzepte liegen auf der Straße? Im Gegensatz zum Ratsherren Büker erhält keiner der Veranstalter auch nur einen Cent an Aufwandsentschädigung für sein »öffentliches« Tätigsein. Zig hunderte Stunden ehrenamtlicher Stunden, bis alles steht und dann auch läuft; das ist der Stoff aus dem die Entstehung der publikumsstärksten Veranstaltung hervorgeht und im Falle Christkindlmarkt seit fast 45 Jahren Bestand und Renommee hat. Für solch einen – vergleichsweise geringen Aufwand – hat die Stadt Rheda-Wiedenbrück noch nie so viele positive Marketingimpulse gesetzt und so viele Menschen bewegt, wie mit den Weihnachtsmärkten. Büker bläst heraus, dass sich die Veranstalter angeblich die Taschen vollmachten. »Ganz schön viel Meinung, für so wenig Ahnung«, sagt das Lästermaul. GESCHENKTES LEBEN Erfolgreiche Organspende für fünf Menschen (Kem) »In so einer Situation kann man keinen klaren Gedanken fassen«, erinnert sich Wilfried R., als die Ärzte ihn auf die Möglichkeit einer Organspende hinwiesen. Seine Tochter war 2012 nach einem Verkehrsunfall im Krankenhaus gestorben. Sie hatte schwerste Hirnverletzungen erlitten, die nicht operiert werden konnten. Maschinen hielten ihren Kreislauf aufrecht. Maren war bereits hirntot. Der damals 63-jährige Vater dachte an Berichte über Organhandel und wollte erst gar nicht. Er hatte sich auch noch nie so richtig mit diesem Thema befasst. Aber irgendwie hat er dann gespürt, dass es eine gute Sache sein würde, und er hat bei der Einwilligung zur Organspende unterschrieben, dass die Organe seiner Tochter Maren (22) sechs schwerkranken Menschen transplantiert werden durften. Später wurde ihm auch klar, dass bestimmt auch seine Tochter mit seiner Entscheidung einverstanden gewesen wäre. Sie war immer

13 ein warmherziger, fürsorglicher Mensch. Mit den gespendeten Organen – Herz, Leber, Lunge, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm – wurde einem Kind, vier Frauen und einem Mann geholfen – eine Seltenheit, denn dass gleich sechs Organe eines Verstorbenen verwendet werden können, kommt nur in jedem 15. Fall vor. Wilfried R. aber tröstete es, dass Marens Tod durch die Organspende einen Sinn bekommen hat. Er erhält seit der Organspende in regelmäßigen Abständen Briefe von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in denen diese über den aktuellen Gesundheitszustand der Empfänger der Organe der verstorbenen Tochter berichtet. Es ist nun bereits fünf Jahre her, als Wilfried R. sich für die Organspende entschied. Er freut sich, dass fünf Empfänger der Organe seiner Tochter noch leben. Der Empfängerin des Herzens geht es weiterhin sehr gut. Im Rahmen der ambulanten Nachbehandlung sind keine Probleme aufgetreten und sie ist weiterhin berufstätig. Vor der Transplantation war die Frau lebensgefährlich erkrankt. Sie konnte die Intensivstation schon nach kurzer Zeit verlassen. Das Transplantationszentrum des Mädchens, das die Lungen erhielt, berichtete der DSO, dass es ihm weiter gut geht und keine Komplikationen aufgetreten sind. Es litt vor der OP an einer nicht heilbaren Lungenerkrankung. Der Mann, der den Dünndarm erhielt, ging es bei seiner letzten Kontrolle im Transplantationszentrum ebenfalls unverändert gut. Er konnte wegen seiner Krankheit bis zu der OP nur künstlich ernährt werden. Bei der Empfängerin der linken Niere besteht auch weiterhin eine gute Nierenfunktion und sie ist nicht auf die Dialyse angewiesen. Ihr eigenes Organ war so stark geschädigt, dass die Frau dreimal pro Woche zur Blutwäsche musste. Bei der Frau, der die rechte Niere in Kombination mit der Bauspeicheldrüse transplantierte wurde, produziert die Bauchspeicheldrüse seit gut einem Jahr nicht mehr genug Insulin, so dass die Patientin dauerhaft wieder Insulininjektionen benötigt. Die damals ebenfalls langsam nachlassende Nierenfunktion hat sich aber stabilisiert, so dass eine erneute Dialyse weiter nicht notwendig ist. Eine weitere Frau hatte die Leber Angehörigengespräch transplantiert bekommen. Ihre eigene war durch eine Krankheit so zerstört, dass die Patientin in Lebensgefahr schwebte. Nachdem es ihr nach der Organtransplantation zunächst wieder gut ging, ist sie zwischenzeitlich doch gestorben. Wilfried R. ging mit dem Schicksal seiner Tochter an die Öffentlichkeit, weil er andere Menschen für das Thema Organspende sensibilisieren will. »Es macht nämlich einen Unterschied, ob die Krankenkasse für Organspenden wirbt, oder ein Vater, der sein Kind verloren hat.« Den einen oder anderen hat er zum Nachdenken gebracht. Foto: DSO/Thomas Goos Es gab aber auch Menschen, die ihm vorwarfen, er wolle sich mit diesem Schritt profilieren und habe von der DSO Geld bekommen. Für ihn war es unbegreiflich, dass Menschen so reagieren können. Schließlich wurde es durch seine Entscheidung möglich, anderen Menschen dauerhaft das Leben zu retten. Die Organspende ist auch ein Zeichen der Nächstenliebe. Sie verdient besonderer Anerkennung. Wilfried R. hat sich nicht beirren lassen. Er wirbt weiterhin für die Organspende. Sie ist die Chance, anderen Menschen das Leben zu retten.

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