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Das Stadtgespräch Dezember 2019

Mein Rheda-Wiedenbrück und Das Stadtgespräch Ausgabe Dezember 2019

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72 Das Stadtgespräch Thomas-Mann-Haus in Nidden DA WAR ICH PERSÖNLICH! Zweimal auf der halben Welt Haben Sie schon einmal auf beiden Hälften der Welt gestanden? Naja, eigentlich macht man das ja ständig, jedenfalls wenn man sich in Nord-Süd-Richtung aufstellt. Die Zählung des Nullmeridians ist vollkommen willkürlich. Allerdings ist sie seit der internationalen Meridiankonferenz von 1884 festgelegt. Damals beschloss man, dass die Londoner Sternenwarte Greenwich der Nullpunkt sein soll. Und damit auch der Besucher nachvollziehen kann, wo die Zählung der Längengrade beginnt, hat man eine Metallschiene im Boden verlegt, die die Welt seitdem in eine westliche und eine östliche Hälfte teilt. Und der Besucher stellt sich idealerweise mit dem einen Bein auf die westliche und mit dem anderen auf die östliche Welthalbkugel. Dann noch schnell das Foto gemacht und weiter geht’s in dem Bewusstsein, auf beiden Hälften der Welt gestanden zu haben und dann sagen zu können: Ich stand persönlich da! Im Knast von Richard Löwenherz Doch nicht nur Erdkunde-Fans ist das Glücksgefühl bekannt, wenn man sich an Originalschauplätzen befindet. Wer statt reinem Strandurlaub auch schon mal zum Trümmergucken aufraffen kann, der weiß, wovon ich rede. Da ist zum Beispiel die Ruine Dürnstein in der Wachau, Österreich. Das Gebäude ist schon länger eine Ruine, genau seit dem Dreißigjährigen Krieg, als ein schwedischer General die Burg sprengen ließ. Erbaut wurde sie zwischen 1140 und 1145. Zu internationaler Bekanntheit geriet sie aber erst in den Jahren 1192/1193, als sie keinen geringeren als Richard Löwenherz über mehrere Monate als Gefangenen beherbergte. Und das kam so: Herzog Leopold V. von Österreich befand sich mit Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, auf dem Dritten Kreuzzug ins Heilige Land. Im Juni 1190 ereilte den Kaiser ein tödlicher Badeunfall. Dadurch zerfiel die Allianz der Truppen, die aus Dänemark, Norddeutschland, dem Rheinland, Österreich und sonst woher stammten. Die Belagerung von Akkon an der Mittelmeerküste zog sich über zwei Jahre hin, ohne dass sie von den christlichen Einheiten eingenommen werden konnte. Das änderte sich erst, als Richard und der französische König dort aufschlugen und innerhalb eines Monats die Stadt für sich eroberten. Sie ließen ihre Fahnen über der Stadtmauer wehen. Der österreichische Leopold pflanzte seine Fahne daneben, was allerdings das Missfallen Richards erregte, denn nicht die Österreicher hatten die Araber besiegt und außerdem war Leopold noch nicht einmal König. Richard pflückte also die Fahne von der Brüstung und trampelte auf ihr herum oder, laut anderen Zeugen, warf sie in den Kot des Burggrabens – war er doch nicht gewillt, den Ruhm und schon gar nicht die Profite mit dem Österreicher zu teilen. Leopold war nicht amüsiert. Doch auch im Mittelalter traf man sich nicht nur einmal. Richard verließ etwas überstürzt ein Jahr später Jerusalem, das er nur von außen gesehen hatte, weil er befürchten musste, dass sich sein Bruder John die Herrschaft über England, genauer gesagt von Schottland bis ins spanische Navarra, unter den Nagel reißt. Da Richard es aber geschafft hatte, sich auch mit seinem französischen Amtskollegen zu überwerfen, wollte er Frankreich inkognito umgehen auf seinem Weg nach England. An der Küste Dalmatiens, die damals zu Österreich gehörte, landete er getarnt als Kaufmann. Doch der Schwindel wurde schnell durchschaut, wohl auch, weil Richard es nicht lassen konnte, mit exotischen Kostbarkeiten um sich werfen. Immerhin gelang es ihm, sich bis zur Donau mit einer kleinen Truppe durchzuschlagen, doch dann verschwand er von der Bildfläche, weil er in Dürnstein eingekerkert war. Die Lösegeldforderung, die das Dreifache des jährlichen Staatseinkommens umfasste oder anders ausgedrückt 35 Tonnen Silber, wurde nach Monaten bezahlt. Und wer den zwanzigminütigen Fußweg auf sich nimmt, der kann die Festungsruine heute noch sehen und wird zudem mit einer fantastischen Aussicht über die Donau belohnt. Im Sommerhaus von Thomas Mann Während die Burgruine Dürnstein immer besichtigt werden konnte, ist das Sommerhaus von Thomas Mann auf der Kurischen Nehrung im heutigen Litauen erst seit wenigen Jahrzehnten für westliche Besucher geöffnet. Der Literatur-Nobelpreisträger von 1929 hatte sich in Nida ein wunderschönes Häuschen mit Blick auf das Kurische Haff bauen lassen. Die Sommer von 1930 bis 1932 verbrachte der große Romancier hier und schrieb an seiner Tetralogie »Joseph und seine Brüder«. Nida entwickelte sich daraufhin immer mehr zur Künstlerkolonie. Doch damit war bald Schluss. 1933 emigrierte Thomas Mann aus Deutschland. Das Haus verwaltete ein befreundeter Maler, doch die Nazis enteigneten die Besitz Manns und Göring taufte das Haus in Jagdhaus Elchwald um. Im Zweiten Weltkrieg erholten sich hier deutsche Offiziere. Danach wollten die Russen, die neuen Herren im Land, das Haus abreißen, was der litauische Schriftsteller Antanas Venclova verhinderte. Stattdessen wurde eine Gedenkstätte errichtet, die deutsche Besucher sogar vor dem Fall des Eisernen Vorhangs besuchen konnten. Nach alten Plänen wurden das Wohnzimmer, die Terrasse und das Arbeitszimmer Manns authentisch wiederhergestellt. 1996 wurde das Museum im Sommerhaus eröffnet. Seit 1997 findet jährlich ein Kultur- Festival statt, und das Museum ist mit 40.000 Besuchern im Jahr das meistbesuchte in Litauen. Was man auf jeden Fall machen sollte, trotz des gelegentlichen Rummels in dem kleinen Haus, ist aus dem Arbeitszimmer durch die Bäume auf die davorliegende Wasserfläche zu schauen, um den Italienblick, wie Mann ihn nannte, zu genießen.

73 RAINER BABINSKY – ALS GOLDSCHMIED ZURÜCK »Neue Räume, neue Kaffeemaschine« (CL) Mit diesen Worten begrüßt Rainer Babinsky lächelnd seine langjährigen Kunden in seinen neuen Räumlichkeiten an der Bleichstraße 4. Der erfahrene Goldschmied und die selbsternannte »Kaffeetante« kann die Finger einfach nicht von den kleinen Feilen, Hammern und dem Kontakt zu seinen Kunden lassen. Eigentlich wollte er im letzten Jahr wirklich in den wohlverdienten Ruhestand treten und verkaufte nach reiflicher Überlegung seine Goldschmiede. »Doch bereits nach kurzer Zeit fiel mir die Decke auf den Kopf«, schmunzelt der emsige Juwelier und fing kurzerhand an, Schmuckgutachten für Zoll, Finanzamt und Versicherungen zu schreiben – natürlich in eigens dafür neu-angemieteten Räumlichkeiten. »Babinsky ist wieder da«, sprach sich daraufhin schnell unter den Stammkunden herum und schon starteten die ersten lockeren Anfragen zu Reparaturen, Umarbeitungen und Anfertigungen. »Das Schmuckhandwerk macht mir halt einfach Spaß und es hält Geist und Gelenke beweglich«, freut sich Babinsky, der nun wieder an 3 Stunden pro Tag mit geduldigem Geschick, liebenswürdigem Humor und natürlich einer Tasse Kaffee für Kunden, Gutachten und alle anfallenden Tätigkeiten, die in ein Goldschmiedehandwerk gehören, zur Verfügung steht. Goldschmiede Babinsky · Bleichstraße 4 · 33378 Rheda-Wiedenbrück · Tel. 0170/3173737 Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag: 9.30 – 12.30 Uhr und Donnerstag 14.30 – 17.30 Uhr »Ich bin ja Rentner …«, doch die Leidenschaft an die jahrhundertealte Handwerkskunst des Goldschmiedens hört für Rainer Babinsky nicht mit Eintritt in das Rentenalter auf. KREISSPARKASSE WIEDENBRÜCK Gewinn beim KNAX- Preisausschreiben Charlotte Kirschnick aus Rheda- Wiedenbrück hat erfolgreich beim großen KNAX-Preisausschreiben aus KNAX-Heft 3/2019 mitgemacht. Die Zehnjährige bekam nun von ihrer Kundenberaterin Monika Walljasper ihren Preis, das Spiel »Exit Kids«, überreicht. Das KNAX-Heft ist alle zwei Monate in den Geschäftsstellen der Kreissparkasse Wiedenbrück erhältlich. Im Veranstaltungskalender auf www.knax.de/kskwd sind neben den Ausgabeterminen der Hefte auch die Termine der KNAX- Veranstaltungen zu finden. Gewinnerin Charlotte Kirschnick mit Kundenberaterin Monika Walljasper Dr. Eduard Kusch neuer Chirurg in der Praxis Dr. Ghassemi-Fard Nach seiner langjährigen Beschäftigung als Chefarzt der Chirurgischen Klinik am St. Elisabeth Hospital in Gütersloh sowie im Sankt Vinzenz Hospital in Wiedenbrück wird Herr Dr. Eduard Kusch seine berufliche Tätigkeit ab sofort als Chirurg in der Praxis Dr. Ghassemi-Fard fortsetzen. Er bietet bestmögliche und modernste Behandlungen im ambulanten sowie im stationären Bereich. Herr Dr. Kusch freut sich sehr, seinen Patienten zukünftig bei Bedarf helfen zu dürfen. Dr. Eduard Kusch Praxis Dr. Ghassemi-Fard • Dr. Eduard Kusch • Kökerstrasse 6 33330 Gütersloh • Fon 05241 29977 www.ghassemi-fard.de

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