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Das Stadtgespräch Dezember 2019

Mein Rheda-Wiedenbrück und Das Stadtgespräch Ausgabe Dezember 2019

66 TIPPS

66 TIPPS Das Stadtgespräch ANDREAS GÖSSLING »Drosselbrut« Andreas Gößling ist ein Autor von sogenannten True-Crime- Thrillern, also Büchern, die auf tatsächlichen Verbrechen basieren. Zusammen mit dem Gerichtsmediziner Michael Tsokkos hat er drei Romane veröffentlicht, und auch sein neuester Thriller basiert auf einem Fall, nämlich dem des belgischen Mörders Dutroux. Krimi-Leser suchen ja den Thrill, aber wenn man sich bei der Lektüre vor Augen hält, dass das, was als diabolische Phantasie erscheint, tatsächlich schon in der Realität umgesetzt wurde, das ist das wahrlich schauderhaft. Aber bei Gößling gibt es wenigstens Kämpfer für das Gute, die nichts verschlampen – wie es in der echten Dutroux-Mordserie der Fall war. Allen voran die Berliner Hauptkommissarin Kira Hallstein. Der Krimi-Fan kennt sie schon aus dem ersten Roman der Reihe mit dem Titel »Wolfsblut«. Den muss man nicht unbedingt kennen, wenn man zu »Drosselbrut« greift. Zum Inhalt: Innerhalb kurzer Zeit verschwinden zwölf junge Frauen in Berlin – verlockt von einer Social-Media-Kampagne namens »Befrei dich!«. Mit effektvollen Videos von kleinen Vögeln, die sich in Nestern aus Plastikmüll strangulieren, werden die Teenager motiviert, ihr soziales »Netz« zu zerreißen und sich in einsamen Wäldern auf Selbsterfahrungstrip zu begeben. Der jedoch führt nicht zur Erkenntnis, sondern zum Verschwinden der jungen Frauen. Für die Beamten vom Vermisstendezernat sieht das Verschwinden zunächst wie reine Routine aus, denn das Abtauchen aus dem Alltag ist weder ungewöhnlich noch ein Verbrechen. Doch bei Kira Hallstein schrillen sämtliche Alarmglocken. Und als dann die erste Leiche auftaucht, nimmt die Untersuchung Fahrt auf. Allerdings ist dem Leser ebenso wenig wie den Beamten klar, wie und ob die verschiedenen Fälle zusammenhängen. Welche Rolle spielen beispielsweise die sogenannten Enkelinnen-Kidnapper? Und was steckt tatsächlich hinter der Befrei-dich-Bewegung? Kira, die von fast allen einfach nur Hallstein genannt wird, hat zudem noch eine komplizierte Vergangenheit und ein fast ebenso kompliziertes Liebesleben, was die Konzentration auf den Fall oder die Fälle nicht gerade einfacher macht. Erschienen ist der 525 Seiten-starke Krimi von geradezu skandinavischer Qualität als Taschenbuch bei Knaur, Kostenpunkt 14,99 €. HÖRBUCH: ANDREAS GRUBER »Todesmal« Es klingt wie ein schlechter Scherz, der sich aber unverzüglich in bittere Realität verwandelt, als eine Nonne das Bundeskriminalamt in Wiesbaden betritt und angibt, dass sie in den nächsten sieben Tagen sieben Menschen töten wird. Mehr ist aus ihr nicht herauszubekommen, denn sie will ausschließlich mit dem niederländischen Profiler Maarten S. Sneijder sprechen. Doch der hat gerade seinem Chef und Freund die Brocken vor die Füße geworfen und wutentbrannt gekündigt. Schnell stellt sich heraus, dass die Nonne, von der zunächst niemand weiß, wer sie ist und ob sie tatsächlich eine Nonne ist, nicht geblufft hat. Auf sehr einfallsreiche, wenn auch durchaus brutale Art und Weise kommt das erste Opfer ums Leben, ohne dass Kommissarin Sabine Nemez das hätte verhindern können. Schließlich gelingt es dann doch recht schnell, den exzentrischen Profiler, der stets methodisch bedenklich, aber mit großem Erfolg ermittelt, wieder ins Boot zu holen. Doch selbst für den messerscharfen Geist des Holländers scheint die Nonne eine zu harte Nuss zu sein. Und so dauert es Tage, an denen immer jemand stirbt, bis dass Duo Nemez und Schneijder auf der richtigen Fährte sind. Denn die Opfer scheinen alle auch auf die eine oder andere Weise Täter zu sein. Und alles hat mit dem Kloster zu tun, in dem die Nonne jahrzehntelang lebte. Dieser neue Fall, es ist der fünfte für Nemez und Sneijder, verdient das höchste Lob für Krimis; denn er ist nicht vorhersehbar, will sagen, dass man weder die Zusammenhänge schnell erkennt, noch die Irrungen und Wirrungen, die die verschiedenen Leute antreibt. In der Hörversion kommt noch dazu, dass Achim Buch in seiner zehneinhalbstündigen Lesung den Figuren auf bemerkenswerte Weise jeweils einen eigenen Charakter verleiht. Am meisten überzeugt dabei natürlich der ebenso geniale wie arrogante Sneijder. Erschienen im Hörverlag. JUGENDBUCH: LISA MAXWELL »Der letzte Magier von Manhattan« Genau genommen ist »Der letzte Magier von Manhattan« natürlich kein Jugendbuch – anders als in den USA propagiert. Vielmehr handelt es sich bei dem nunmehr auf Deutsch erschienenen Roman um eine Urban Fantasy Saga, und zwar um den ersten Teil. Dieses Genre wird eher von einer jungen Leserschaft angenommen. Und wie überall spielen auch in dieser Gattung Qualitätsunterschiede eine Rolle. Doch man verrät nicht zu viel, wenn man darauf hinweist, dass Lisa Maxwells Roman nicht umsonst auf der New York Times-Bestsellerliste den ersten Rang belegt hat. Als Schauplatz hat die promovierte Literaturwissenschaftlerin, Redakteurin und Buchhändlerin, die aus Ohio stammt, die Metropole New York gewählt. Zur Story: Seit Jahrhunderten herrscht Krieg zwischen zwei Fraktionen von Magiern: Während die einen sich dem mächtigen Orden Ortus Aurea angeschlossen haben, fristen die anderen ein Schatten-Dasein im Untergrund. Zu ihnen gehört die junge Diebin Esta. Das einzige, was Esta besser lesen kann als ihre Mitmenschen, sind Schlösser, die sie mit Leidenschaft knackt. Die hochbegabte junge Frau wird von ihrem Mentor ins New York des Jahres 1901 geschickt wird, um ein Buch zu stehlen, das als Waffe gegen den

TIPPS 67 Orden dienen soll. Esta schließt sich einer Gang von Magiern an, die wie sie den Orden bekämpfen. Sie gewinnt deren Vertrauen und mehr – und weiß doch, dass sie jeden in der Vergangenheit betrügen muss, wenn sie die Zukunft retten will. Das ist also der Cocktail, aus dem die Urban Fantasy Saga besteht: Eine junge Diebin, das New York der Gangs und Gaslaternen und ein uralter Krieg der Magier. Muss noch erwähnt werden, dass das Ganze ausgesprochen spannend und von teils überbordender Phantasie gekennzeichnet ist? Wohl kaum. Erschienen als deutsche Erstausgabe bei Knaur, 574 Seiten, 16,99 €. DVD Unit 42 In den letzten Jahren haben die Belgier bewiesen, dass sie nicht nur Spitze und Schokolade können, sondern auch Fußball und Krimi. Beim flämischen »Undercover« zum Beispiel ging es um einen Drogenbaron, der statt Luxusleben die Gartenzwergidylle des Campingplatzes liebte und den ein verdecktes Ermittlerpaar zur Strecke bringen sollte. Nicht minder erfolgreich sein wird vermutlich »Unit 42« der französischsprachigen Wallonen. Auch diese Serie lebt von den starken Figuren und einer nachvollziehbaren Story. Samuel Leroy (Patrick Ridremont) ist ein Polizist alter Schule. Und er ist privat mächtig angeschlagen, da seine Frau gestorben ist. Nun ist er alleinerziehender Vater dreier Kinder und damit hoffnungslos überfordert, obwohl sein kleiner Bruder öfter als Kindermädchen einspringt. Außerdem stammt Sam, wie ihn alle nennen, beruflich eigentlich aus dem Morddezernat. Das alles ist nicht gerade ideal für seinen neuen Job, nämlich den in der Unit 42. So nennt sich die Cyberbrigade der Polizei, die im Keller der Brüsseler Hauptpolizeiwache untergebracht ist. Schon der Name der Einheit ist verwirrend und ein Insider-Witzchen, denn er bezieht sich auf den Science Fiction-Kultroman »Per Anhalter durch die Galaxis«. Dort lautet die Antwort auf alle Fragen: 42. Leider ist der Job für den neuen Leiter der Einheit dann doch nicht so leicht, zumal Sam mit moderner Technik nichts am Hut hat. Außer Sam arbeitet auch die junge, hübsche Billie Vebber (Constance Gay), die frisch aus der Ausbildung kommt, bei der Einheit. Die beherrscht zwar die Technik, ist aber keine richtige Polizistin, zumal die ehemalige Hackerin nicht immer eindeutig in ihren Loyalitäten ist. Auch der Rest des Teams, also Ex-Drogenfahnder Bob, Technikexperte Nassim oder die taube Gerichtsmedizinerin Alice, ist etwas schräg, aber letztlich gut ausgewählt, da es der Unit tatsächlich gelingt, Cyberkriminelle, die vom Dark Net aus operieren, zur Strecke zu bringen. Die auf Französisch produzierte Serie lief 2017 zunächst im belgischen und französischen Fernsehen und wurde erst letztes Jahr auf Deutsch synchronisiert. Mittlerweile wird sie in verschiedenen Sprachen auf Netflix und auf Deutsch bei ZDF neo gezeigt. Die jeweiligen Folgen sind knapp eine Stunde lang. Wer wie ich keine Lust hat, jeweils eine Woche zu warten, der sollte sich die DVDs besorgen. Die erste Staffel enthält zehn Folgen. Irgendwann demnächst soll die nächste Staffel ausgestrahlt werden – ich warte darauf! Altenau GmbH Sanitär • Heizung www.altenau-gmbh.de Rietberger Straße 86 • Rheda-Wiedenbrück • 05242/ 20 08

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