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Das Stadtgespräch Dezember 2019

Mein Rheda-Wiedenbrück und Das Stadtgespräch Ausgabe Dezember 2019

64 TIPPS

64 TIPPS Das Stadtgespräch Heizungs-Rate ab 69,- € mtl. www.otterpohl-gmbh.de Kupferstraße 6 | Rheda-Wiedenbrück Tel. 05242-93750 | 24-Stunden Notdienst Kanzlei Zur Porta Rechtsanwältin C.J. Venhaus Ihre Rechtsanwaltskanzlei an der Ems für Miet- und Wohnungseigentumsrecht (Tätigkeitsschwerpunkt) Wasserstraße 1 33378 Rheda-Wiedenbrück Tel.: 05242 / 40 56 106 Buch-Tipps Allein zur Buchmesse in Frankfurt erscheinen jährlich Tausende, wenn nicht Zehntausende neue Romane. Da ist die Orientierung nicht immer einfach. Im Folgenden stellen wir Bücher vor, denen gemeinsam ist, dass die Autoren deutschsprachig sind. Doch Deutschsprachigkeit ist ja nun kein Qualitätsmerkmal, deshalb sind die vorgestellten Bücher auf ganz unterschiedliche Art etwas Besonderes. SUSANNE NEUFFER »Im Schuppen ein Mann« »Ein Eisberg bewegt sich darum so anmutig, weil sich nur ein Achtel von ihm über Wasser befindet«. Dieses viel zitierte Bild zum Zauber von Kurzgeschichten stammt von Hemingway. Viel zitiert bedeutet aber nicht, dass die Metapher immer zutrifft. Das tut sie nur bei wahrlichen Meisterinnen und Meistern in der Kunst der kurzen Prosa. Und zu denen zählt definitiv Susanne Neuffer. Das zeigt sie auch in ihrer jüngsten Sammlung von Kurzgeschichten. Da heißt es etwa über die Frauen, die bei einer Tafel helfen, sie »haben energische gute Laune im Gesicht«. In der gleichen Geschichte fasst die Ich-Erzählerin das Ende ihrer Ehe so zusammen: »Jochen war dann auch selber weg, weil er sich mehr von mir versprochen hatte«. In der Geschichte »Glühen«, die nicht einmal eine gedruckte Seite umfasst, beobachtet der Erzähler einen Mann, der mit Frauen flirtet, beziehungsweise noch »eine Viertel Meile vom Flirt entfernt« ist. Er versucht es dabei nicht mit jungen Frauen, sondern mit denen »wo leiser Verfall und lächelnde Souveränität sich verbündet haben, verbündet gegen die gemeinsamen Todfeinde: das Alter, das Nichts«. Leiser Verfall und lächelnde Souveränität – das trifft den Nagel auf den Kopf und kann einem schon einen leisen Schauer über den Rücken treiben. Nicht so sehr das Was überzeugt bei den Geschichten, sondern vor allem das Wie. Dennoch sind auch die Inhalte der kurzen Kunstwerke von Interesse. In wie weit die Gegenstände autobiographisch sind, kann ich natürlich nicht sagen, doch wie sagte einst der Literaturpapst Reich-Ranicki so schön »Literatur ohne autobiographische Züge ist Dreck«. Und sogar Ostwestfalen kommt vor, denn ein Schauplatz einer Lesung in der Geschichte »Nachgespielt oder der subjektive Faktor«, die die gescheiterte Revolution thematisiert, ist Gütersloh. Selbst Paderborn kommt vor, wenn auch nur in dem Satz »warum können wir uns alle nicht an Paderborn erinnern«. Das wäre überhaupt mal ein Thema einer Untersuchung: Warum empfindet Restdeutschland eigentlich Ostwestfalen als tiefste Provinz? Oder ist da etwa trotz weltberühmter Miele-Waschmaschinen, Claas-Mähdrescher und Bertelsmann-Medien etwas dran? Das müssten wir dann mal an anderer Stelle diskutieren. Doch ich schweife ab, eigentlich soll es ja um auch inhaltlich Interessantes gehen, und da überzeugt für mich besonders die Erzählung »Aus aktuellem Anlass: Replika«. Wundervoll ist auch die leise (Selbst)-Ironie, die die Geschichten durchzieht. Erschienen sind die 35 Erzählungen im Maro-Verlag, 223 Seiten, 18 €. RENÉ MARIK »Wie einmal ein Bagger auf mich fiel« Wer bei René Mariks »Wie einmal ein Bagger auf mich fiel« ein Buch voller Komik und Slapstick erwartet, der wird bitte enttäuscht. Der Autor brachte als Schöpfer des »Maulwurfn« ganze Säle zum Lachen mit seinen Handpuppen. Vor allem in den Nuller-Jahren unseres Jahrhunderts erfreute er ein ungewohnt breites Publikum mit dem spracheingeschränkten Maulwurf, seiner Angebeteten, der Barbie, oder dem Eisbären. Doch selbst bei den heiteren Puppen spielte auch immer eine gewisse Melancholie mit, schrammten sie doch immer auch am Rand der Katastrophe entlang und gewannen so die Herzen des Publikums. In der Biographie seiner Provinzjugend schreibt René Marik sehr offen und ehrlich und ohne sich und seine Familie zu schonen. Konsequent aus der Kinder- und Jugendperspektive erzählt, schildert er, wie er als Sohn von Eltern, die eine Bundeswehrkantine betrieben, zwischen Kaserne, Saufgelagen und Bratensoßengeruch groß geworden ist. Dabei widerfährt ihm jede Menge Typisches, denn die Provinz im Westerwald unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der Provinz in anderen Landesteilen. Die Dorfjugend langweilt sich jedenfalls zu Tode und kommt folglich auf jede Menge dämlicher Ideen. Auch typisch ist die Annäherung des Erzählers zum anderen Geschlecht. Wenn

TIPPS 65 es zunächst noch heißt: »Alle Mädchen sind doch bekanntlich doof«, kommt es doch später zu einem dramatischen Gesinnungswandel. Angesichts seines ersten Kusses denkt der Erzähler: »und da sind wir nun und tauschen Speichel aus, und die Welt ist ganz Honigkuchenland«. Doch leider ist das längst nicht alles, was den jungen Marik beschäftigt. Denn zum einen ist da sein Hang, in unangemessener Weise den Kaspar zu spielen, er nennt es den Affen mit der Kesselpauke in seinem Kopf. Und dann ist da noch ein wirklich finsteres Familiengeheimnis, über das selbst dann niemand reden will, als es ans Tageslicht gerät. Doch nicht allein die teilweise schwierige Problematik macht das Buch lesenswert, sondern auch die vielen Situationen, die man aus seiner eigenen Jugend kennt und die man in schmunzelnder Rückschau betrachten kann. Erschienen bei Droemer, 238 Seiten, 14,99 €. GREGOR SANDER »Alles richtig gemacht« Ebenfalls nicht frei von Ironie ist Gregor Sanders neuer Roman. Schon der Titel »Alles richtig gemacht« besteht den Wahrheitstest eher nicht, suggeriert dieser viel gebrauchte Ausdruck doch, dass man im Lebensplan die richtigen Entscheidungen getroffen hat, die einen an das gewünschte Ziel gebracht haben. Davon kann bei Thomas und Daniel, den beiden Helden des Romans, überhaupt keine Rede sein. Dabei sieht es auf den ersten Blick gar nicht so schlecht für Thomas aus. Der ist nämlich Anwalt, promovierter Jurist sogar, und residiert in der ehemaligen Ostberliner Villa des libyschen Diktators Gaddafi. Allerdings ist er allein, denn seine Frau und seine beiden Kinder sind soeben ausgezogen. Und auch seine Klienten stellen nicht gerade die Creme de la Creme dar. Momentan hat er sogar den Auftrag von Iwan, dem schwerreichen Immobilienhai, bekommen, einige Mieter aus ihren günstigen Wohnungen heraus zu bekommen, damit diese in Luxus-Apartments umgebaut werden können. Daniel dagegen hat Karriere und jede Menge Geld in den USA gemacht, wo er sich in New York als Händler illegaler Kunstwerke einen Namen gemacht hat. Allerdings taucht Daniel jetzt wieder überraschend bei Thomas auf. Von Reichtum und großspurigem Auftreten scheint nichts mehr übrig geblieben zu sein. Dabei hatten die beiden Jungs aus Rostock ganz große Pläne. Gerade als es mit der DDR zu Ende ging, waren die beiden damaligen Teenager so weit, dass ihnen die ganze Welt offen zu stehen schien. Es folgen die ersten Schritte in die Unabhängigkeit. Als ihnen die Stadt an der Ostsee zu klein wird, ziehen sie nach Berlin und eröffnen eine hippe Bar. Dort scheint das Leben eine einzige Party zu sein. Liebe und Geld ist reichlich vorhanden. Aber sie machen vieles einfach nicht richtig. Der Autor mit seinem Roman jedoch schon, denn es gelingt ihm mit diesem Roman, die Geschichte der jüngsten Vergangenheit auf anschauliche, unterhaltsame und lebhafte Weise zu erzählen. Erschienen bei Penguin Deutschland, Hardcover, 240 Seiten, 20 €.

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