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Das Stadtgespräch Dezember 2019

Mein Rheda-Wiedenbrück und Das Stadtgespräch Ausgabe Dezember 2019

60 Das

60 Das Stadtgespräch Die Sanierungsarbeiten am Küsterhaus stehen vor dem Abschluss. DORF AKTIV MACHT ST. VIT LEBENS- UND LIEBENSWERTER Endspurt bei den Sanierungs arbeiten für das Dorf gemein schafts haus (Kem) »Wir lagen mit den Bauund Renovierungsarbeiten beim Küsterhaus immer im Zeitplan«, blickt der Vorsitzende des St. Viter Vereins »Dorf aktiv«, Ludger Vollenkemper, stolz zurück. Gerade bei der Sanierung und Modernisierung eines alten Fachwerkhauses ist das nicht selbstverständlich. Die Erfahrung lehrt, dass hierbei auftretende unvorhersehbare Überraschungen einfach dazu gehören. So gleichfalls bei dem 1658 errichteten Küsterhaus. »Dorf aktiv e. V.« konnte die dadurch auftretenden Mehrarbeiten für die Umnutzung zum Dorfgemeinschaftshaus aber kompensieren. Aktuell mussten ehrenamtliche Helfer die Fassade des Backsteinteils säubern. Die Arbeiten bereiteten die Ausbesserung der Fugen an dem Gebäude vor. Wider Erwarten erwiesen sie sich als sehr marode. Sie bröseln aus. Diese Feststellung erhielt »Dorf aktiv« nach einer gründlichen Untersuchung der Fugen. Gemeinschaftsprojekt Die ersten Planungen des Vereins für die Sanierung des denkmalgeschützten Küsterhauses (bauhistorische Untersuchung, Raumnutzung, Bauzeichnungen, erste Kalkulation) reichen bis in die Jahre 2015/16 zurück. Die Unterzeichnung des Erbbaurechtsvertrages mit der Kirchengemeinde für 49 Jahre durch Ehrenamtlicher Einsatz von »Dorf aktiv«: (oben v. l.) Hermann-Josef Budde, Heinrich Splietker, Hans-Martin Leskovsek, (unten v. l.) Hans-Jürgen Hornbostel, Karl-Heinz Fricke, Kathrin Gerhard Ludger Vollenkemper und Heinrich Splietker als Vertreter des eigens für das Sanierungsprojekt gegründeten gemeinnützigen Vereins »Dorf aktiv« bereitete den Weg für die Umgestaltung des Küsterhauses in ein Dorfgemeinschaftshaus. Das wohl überlegte Projekt gibt dem ältesten Haus von St. Vit eine neue Zukunft. Dieser Dorftreff wird St. Vit noch lebens- und liebenswerter machen. Er hält zugleich seine Jahrhunderte alte Geschichte erlebbar. Das Projekt begeistert die Menschen und potentiellen Förderer von Anbeginn. Viele Bürger der Dorfgemeinschaft tragen es mit. Sie fühlen sich mitgenommen. Sicherlich tragen dazu maßgeblich auch die von »Dorf aktiv« organisierten Veranstaltungen als Treffpunkte der Kommunikation (Radlertreff, Sommer- und Apfelfest, Konzerte etc.) rund um das historische Küsterhaus bei. Die Mitgliederentwicklung von »Dorf aktiv« spiegelt diese sehr positive Resonanz wider: Der Trägerverein zählt heute über 170 Mitglieder. Alleine in diesem Jahr kamen mehr als 30 Neumitglieder dazu, freut sich der Vorsitzende. Sanierung Die baurechtlichen Voraussetzungen erfüllte der Verein mit der Unterzeichnung des Bauantrages Anfang Dezember 2017. Er holte die Angebote für die ersten Gewerke nach der Genehmigung des Bauantrags Anfang 2018 ein. Zur Vermeidung weiterer Schäden ließ er die südliche Hausfront abstützen. Die eigentliche Renovierung startete im Mai 2018 mit der Bergung der Küchenbodenfliesen aus dem Mörtelbett, ihrer Säuberung und Einlagerung in Kisten zur späteren Wiederverwendung. Freiwillige Helfer legten die Gefache frei. Handwerker erneuerten teilweise Ständer und Riegel, passten neue Schwellbalken ein, mauerten die neuen Gefache wieder aus, schraubten von Innen eine Dämmschicht aus Naturfaserplatten davor und verputzten diese mit einer Lehmschicht. Sie trugen den alten Kamin und Kaminkopf ab und gossen eine neue Betonsohle. Inzwischen ist eine Dämmung verlegt, eine Fußbodenheizung installiert und Estrich eingezogen. Die Handwerker bargen ebenfalls die Deelenplatten in der Küche und im Vorrat. Neue Holz-Fenster im dänischen Stil schmücken den Fachwerkteil, den Backsteinbau klassische zweiflüglige Holzfenster mit Oberlichtern. Erst Mitte Oktober bauten die Handwerker das renovierte alte Deelentor mit

61 den charakteristischen nach oben abgerundeten Fenstern wieder ein. Zur besseren Belichtung der Deele hat ebenfalls der untere Teil der Torflügel eine Verglasung erhalten. Durch den neu geschaffenen und ebenfalls lichtbringenden Eingang zum Garten erhält die Deele eine vergrößerte Fläche in L-Form. Bei Veranstaltungen können somit bis zu 50 Personen in der Deele Platz finden, berichtet der Vorsitzende. Im seitlichen Gebäudeteil entstanden Räume für die Toiletten. Save the Date »Dorf aktiv« hat die Save the Date- Karten bereits verschickt. Sie tragen als Datum für die Einweihung den 19. September 2020. Bis dahin sind die letzten Renovierungs- sowie die noch anstehenden Innenarbeiten abzuschließen, beispielsweise die Einrichtung der Küche und die Installierung der Sanitäranlage, Wiederverlegung der herausgenommenen Fliesen und Deelenplatten, Malerarbeiten, und, und, und. Ebenfalls die Gestaltung des Außengeländes nach den Plänen des Büros von Landschaftsarchitektin Laura Heuschneider steht noch an. Die Stadt und die Kirchengemeinde wurden über die Pläne bereits informiert. Vom Südeingang des Dorfgemeinschaftshauses wird ein direkter Zugang zu der Stromberger Straße führen. Durch den neuen Weg entsteht zugleich eine Sichtachse auf das historische Haus. Auf der Südseite wird ebenfalls eine Terrasse geschaffen. Die Rohre für die Entwässerung werden in Kürze verlegt, die Dachrinnen angeschlossen. Die eigentlichen Gärtnerarbeiten folgen im Frühjahr. Finanzierung 120.000 € fehlen aktuell noch an der Deckung der Gesamtkosten in Höhe von 680.000 € (ohne Außenanlagen 630.000 €). Bis zum Ausgleich der Finanzierungslücke stellt »Dorf aktiv« die verschiebbaren Gewerke von der sofortigen Ausführung zurück, beispielsweise die geplante Radlerunterkunft in dem Backsteinbau. »Dorf aktiv« startete 2016 in die Sanierungsarbeiten mit einer Baukosten-Kalkulation von 530.000 €. Der Verein sprach zur Finanzierung Stiftungen (z. B. NRW-Stiftung, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bürgerstiftung) sowie öffentliche Mittelgeber (Landesmittel Denkmalpflege und Dorfentwicklung, städtische Mittel) an. Zusammen mit kirchlichen Geldern und den Eigenmitteln stand das Finanzierungskonzept für das Dorfgemeinschaftshaus auf sicheren Beinen. Der Konjunktur bedingte Anstieg der Baukosten seit Baubeginn in Höhe von jährlich etwa vier bis fünf Prozent hat einen wesentlichen Anteil an der Entstehung einer Finanzierungslücke. Zudem befanden sich erheblich mehr Ständer, Riegel und Schwellbalken in einem maroden Zustand als ursprünglich absehbar war. Für eine unerwartete Kostensteigerung sorgt natürlich ebenfalls der nachträglich festgestellte schlechte Zustand der Fugen im Backsteinteil des Küsterhauses. Der Vorsitzende beurteilt die Finanzierungslücke nicht als dramatisch. Er ist überzeugt, dass »Dorf aktiv« die Lücke in absehbarer Zeit durch weitere Mittelzuwendungen und Spenden schließen kann. Zudem kann der vor viereinhalb Jahren mittellos gegründete Verein zwischenzeitlich auf ein Eigenkapital von rund 80.000 € zurückgreifen. Er bildete das Vermögen aus Spenden und den Erlösen der Veranstaltungen und den Mitgliedsbeiträgen. Ludger Vollenkemper fühlt sich in seiner Einschätzung bestätigt, da von den bisherigen Förderern eine weitere Unterstützung signalisiert wurde. Sein Dank gilt allen fördernden Einrichtungen und den Unterstützern, die die Türen für die Förderung öffneten sowie allen Spendern, den Mitgliedern von »Dorf aktiv« und allen freiwilligen Helfern, nebst den Handwerkern, die durch ihre umsichtige Arbeit wesentlich zur Einhaltung des Zeitplanes beigetragen haben.

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