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Das Stadtgespräch Dezember 2019

Mein Rheda-Wiedenbrück und Das Stadtgespräch Ausgabe Dezember 2019

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52 Das Stadtgespräch Beim Bürgerforum im Rathaus: Die Vertreter der Stadt- und Kreisverwaltung sowie vom Seniorenbeirat, der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände und vom Institut für Gerontologie an der technischen Universität Dortmund ÄLTER WERDEN IN RHEDA-WIEDENBRÜCK Die Ergebnisse einer Umfrage und von Bürgerforen »Mit zunehmenden Alter ist es früher oder später nicht nur mit dem Auto fahren, sondern ebenso mit dem Fahrradfahren vorbei«, sagte ein Teilnehmer zur Mobilität beim ersten Bürgerforum im Rathaus Rheda zum Projekt »Älter werden in Rheda-Wiedenbrück«. Das Projekt tragen die Stadt- und Kreisverwaltung gemeinsam mit dem Seniorenbeirat und der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände. Sie beauftragten im Sommer das Institut für Gerontologie an der technischen Universität Dortmund mit einer Befragung der über 60-jährigen Bürger. Es versandte 12.200 Fragebögen. Knapp 4000 kamen ausgefüllt zurück – von dem Institut als sehr hoher Teilnahmewert eingestuft. Von den 3851 Fragebögen stammte der überwiegende Teil aus Rheda (1676) und Wiedenbrück (1708); die übrigen verteilten sich auf Batenhorst, Lintel und St. Vit. Bei der Vorstellung der Ergebnisse in den Stadtteilen hatten die Senioren Gelegenheit in den eigens dafür einberufenen Bürgerforen ihre Vorstellungen zu dem Projekt vorzutragen und zu diskutieren. Ihre Vorschläge sollen gemeinsam mit den Ergebnissen der Untersuchung und einem Expertenrat zu Handlungsempfehlungen für die Politik (Stadtrat) entwickelt werden. Wir hatten an dem ersten Bürgerforum im Rathaus teilgenommen. Die rund 40 Anwesenden diskutierten in drei Arbeitsgruppen die Themenfelder der Untersuchung: Mobilität Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) biete für die mobilitätseingeschränkten Leute keine Alternative: »Die City-Busse in der Doppelstadt fahren zu unregelmäßig«, sagte ein Teilnehmer. Die Fahrpläne seien an den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler ausgerichtet. Der Anwesende forderte, dass die City-Busse alle 20 Minuten fahren müssten. Dann sei zudem eine bessere Vernetzung mit dem Bahn- und überörtlichen Busverkehr möglich. Wichtig sei ebenfalls ein angemessener Fahrpreis. Ein weiterer Teilnehmer ergänzte, dass bei einer engeren Taktfolge der Einsatz von kleineren Bussen sinnvoll sei. Zu den Vorschlägen gehörte auch das Angebot von Fahrmöglichkeiten zu bestimmten Veranstaltungen. In der Befragung hatten 14,6 % (St. Vit 22,6 %) der Befragten den ÖPNV für sich als sehr wichtig bezeichnet. Übereinstimmend wies man auf die paradoxe Situation hin, dass die Fahrradwege nach außerhalb sehr gut ausgebaut sind, während der Zustand und Ausbau der Radwege innerorts oftmals zu wünschen übriglässt. Allgemeiner Konsens bestand ebenfalls bei dem Wunsch nach dem Ausbau des Carsharings. Einsamkeit Zur Verhinderung einer Vereinsamung von Menschen im Alter schlug eine Teilnehmerin vor, Alleinstehende in Mehrgenerationenhäusern und Wohngemeinschaften zusammenzuführen. Beispielsweise könnten Freundinnen gemeinsam das Haus oder die Wohnung einer Teilnehmerin gemeinsam nutzen. Sie könnten sich gegenseitig helfen. Die Aufteilung der Wohnkosten beuge zudem der Altersarmut vor. Je älter die Menschen sind, desto schwieriger fällt allerdings der Start in ein gemeinsames Domizil. Dieses Thema sei deshalb schon frühzeitig an die Menschen heranzutragen, so eine Empfehlung aus der Diskussionsrunde. Für die selbständige Lebensführung im Alter wurde auf die guten und preiswerten Mittagstische in den stationären Einrichtungen, hauswirtschaftliche Dienste und den Wichteldienst hingewiesen. Vielen Senioren sei schon durch niederschwellige Hilfestellungen geholfen. Sie benötigen Menschen, die sie an die Hand nehmen, beispielsweise bei Behördengängen oder bei Einkäufen und Spaziergängen. Wohnoptionen Von den Befragten gaben an, dass 63,9 % so lange wie möglich in ihrer bisherigen Wohnung bleiben wollen, eventuell mit Hilfe. Allgemein beklagten die Anwesenden des Forums das Fehlen von bezahlbaren und barrierefreien Wohnungen sowie von Angeboten mit Wohnberechtigungsschein. Es wurde die Befürchtung geäußert, dass sich in Zukunft immer mehr Menschen im Alter keine eigene

53 Wohnung mehr leisten können. Die Initiative »Tausche Haus gegen eine Wohnung« könnte ein Beitrag zur Lösung der Wohnungsnot sein, so ein Vorschlag. 16,4 % der Befragten würden in eine altersgerecht ausgestattete Wohnung umziehen bzw. 8,7 % möchten an einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt teilnehmen. Bei der speziellen Befragung zur gewünschten Wohnform bei Pflegebedürftigkeit standen barrierefreies Wohnen (51,2 %), seniorengerechte Wohnungen (36,2 %) und betreutes Wohnen (28,4 %) an der Spitze der Wunschliste, gefolgt von Mehrgenerationenwohnen (14,4 %), gemeinschaftliches Wohnprojekt (12,3 %), Seniorenwohngemeinschaft (11,2 %), Wohnen bei Kindern und Verwandten (8,3 %), Pflegeheime (6,9 %) und Pflegewohngruppen (5,8 %). Entlastungsangebote Von den Entlastungsangeboten werden entsprechend der Untersuchung bereits wahrgenommen: »Hauswirtschaftliche Hilfe (Putzen, Kochen) 11,8 %, kleine handwerkliche Arbeiten 3,3 %, Pflegeberatung 4,3 %, Hol- und Bringdienst 1,8 %, Begleitung zum Arzt und Behörden sowie Ambulanter Pflegedienst 5,8 %, Hilfe beim Einkaufen 5,0 %, Mahlzeitendienst 4,2 %, Kurzpflege-Einrichtungen 1,2 %, Begleitung bei Spaziergängen 4,1 %, soziale Unterstützung (Besuchsdienst etc.) 1,7 %, Tagespflege 2,1 %, Verbindungspflege 2,4 %, Betreuung bei Pflege mit Demenz 0,8 %. In der Wunschliste rangierten dagegen ganz oben die Unterstützung bei kleinen handwerklichen Arbeiten (24,7 %), Hol- und Bringdienst (16,7 %) und Pflegeberatung (15,8 %). Die Diskussionsrunde machte deutlich, dass vielen Senioren die Informationen über die bestehenden Angebote nicht bekannt sind. Wohnumgebung Bei der Frage nach der Wohnumgebung in Rheda-Wiedenbrück wurde eine Unzufriedenheit mit dem Zustand von Radwegen, der Anbindung an den ÖPNV und den Zustand der Bürgersteige deutlich. Zufrieden äußerten sich die Befragten über die Nähe ihrer Wohnungen zu Grünanlagen, Beziehungen zur Nachbarschaft und Zugänge zu öffentlichen Gebäuden. Eine positive Bewertung gab es ebenfalls für die Aspekte Ruhe des Wohnumfeldes, der Beleuchtung von Parkanlagen und öffentlichen Plätzen sowie das Vorhandensein von Parkplätzen. Als sehr wichtig wurde auch die Nähe eines Supermarktes zur Wohnung eingestuft. Für Rheda und Wiedenbrück bezeichnete man die Nahversorgung als gut. Kritisch sehen die Teilnehmer die Anzahl und den Zustand der öffentlichen Toiletten. Zufrieden äußerten sich in der Gesamtbetrachtung die Teilnehmer über die Bereiche Apotheken, Einkaufsmöglichkeiten, Zahnärzte, nachbarschaftliche Unterstützung, Physiotherapeuten, Geldinstitute, Hausärzte, Dienstleistungen der Stadt und Angebote für einen Mittagstisch. In den kleineren Stadtteilen fiel das Urteil über die Bereiche Apotheken und Einkaufsmöglichkeiten nicht so positiv aus. Zu den geäußerten Wünschen zählten zudem mehr Fachärzte und öffentliche Sitzgelegenheiten mit Aufstehhilfe. Freizeitgestaltung Etwa ein Viertel der Befragten engagiert sich in der Freizeit ehrenamtlich. Darüber hinaus konnten sich ein ehrenamtliches Engagement zukünftig 22,2 % vorstellen. Aber 77,8 % sprachen sich dagegen aus. Bereits genutzt werden von den angebotenen Freizeitmöglichkeiten für Senioren die geselligen Veranstaltungen der Kirchen und Vereine (53,6 %), kulturelle Veranstaltungen (43,0 %) – Sport/Bewegung/Tanz (40,6 %) ist da ganz oben in der Beliebtheitsskala – gefolgt von organisierten Ausflügen (32,1 %), Bildungsangeboten (29,2 %), öffentliche Plätzen als Treffpunkt (18,7 %), Singen/Musizieren

Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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