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Das Stadtgespräch Ausgabe September 2020

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Mein Rheda-Wiedenbrück Das Stadtgespräch 2020

nützliches Wissen über

nützliches Wissen über Parallelwelten und ihre Besonderheiten, Umgangsformen für jede Epoche, praktische Tipps für mehrere Weltteile und das gesamte All. Und wenn Sie im Urlaub nicht nur an den Traumstränden der Vergangenheit herumliegen, sondern die Welt verbessern möchten, erfahren Sie hier, was dafür zu tun wäre, aber auch, was man lieber lassen sollte. Der Clou bei der Sache ist, dass die Autoren sich gar nichts ausdenken, sondern nur Fakten verwenden, die aber jeder Menge Aha-Effekte garantieren sowie zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung. Erschienen im hörverlag, 13,95 Euro. Alte Literatur wiederentdeckt Thomas Wolfe »Eine Deutschlandreise« Von großen Geistern, von Genies auf ihrem Gebiet, erwartet man ja eigentlich immer, dass sie in jedem Gebiet ihre überragenden Fähigkeiten nutzen können, vor allem auf dem Gebiet der Politik. Gut, von genialen Fußballern erwartet man das vielleicht nicht, aber von Schriftstellern auf alle Fälle. Und doch sind auch Schriftsteller nur Menschen und als solche durchaus fehlbar, wie die soeben bei Manesse erschienen literarischen Zeitbilder des Thomas Wolfe erneut belegen. Wolfe ist ab 1926 bis in die späten Dreißigerjahre insgesamt acht Monate lang durch Deutschland gereist. Anhand der persönlichen Aufzeichnungen, der Briefe und einiger Essays und Erzählungen nimmt Wolfe den Leser mit auf eine ungewöhnliche Deutschland-Reise. Dabei erweist er sich als Chronist, der den Zustand und auch die Entwicklung des Landes festhält. Vor allem aber entwickelt er sich selbst und geht, zwar durchaus nicht so schnell wie andere Geistesgrößen, nach und nach auf Abstand mit diesem von Nazis dominierten Land. Zunächst schreibt Wolfe bei seiner ersten Begegnung mit Deutschland im Jahr 1926 noch von den »Hunnen«. Er benutzt ironisch distanziert ein Schimpfwort für Deutsche, das nach dem brutalen Einsatz der Truppen Kaiser Wilhelms bei der Niederschlagung des Boxeraufstands 1900 entstand und im ersten Weltkrieg von englischsprachigen Medien verwendet wurde. Doch mehr und mehr faszinieren ihn deutsche Organisation und Disziplin. Zudem wird er auch noch begeistert von jedermann aufgenommen. Sein 1932 auch auf Deutsch erschienenes »Schau heimwärts Engel« fasziniert nicht nur Hermann Hesse. Teilweise fühlt sich Wolfe in Deutschland mehr wertgeschätzt als in seiner Heimat. Und auch Menschen, die mit Literatur nichts im Sinn haben, sind angetan von dem freundlichen, fast zwei Meter großen Baum von einem Mann, der sich seine kindliche Begeisterungsfähigkeit und seine jungenhafte Art bewahrt hat. Gleichzeitig fasziniert und abgestoßen zeigt sich der junge Amerikaner angesichts der Sauf- und Fressorgien des Oktoberfests: »Etwas, was zum Wesen eines Volks gehörte, war in diesen Horden beschlossen, etwas, so dunkel und seltsam wie Asien, etwas, das älter war als die alten barbarischen Wälder, etwas, das einen Altar umwogt und ein Menschenopfer dargebracht und verbranntes Fleisch verzehrt hatte«. Der Autor fühlt sich »furchtbarer Anziehungskraft« ausgeliefert und besucht mehrfach das Oktoberfest und gerät sturzbetrunken in eine üble Schlägerei, nach der er mehrere Tage mit gebrochener Nase und vier Platzwunden im Krankenhaus verbringen muss. Auf seiner letzten Reise ins Land, in dem er sich »am innigsten zu Hause« fühlt und dessen »Zauber und Mysterium« ihn am meisten fesselt, nimmt er deutlich wahr, wie schlimm es um Deutschland bestellt ist. In »Nun will ich Ihnen was sagen« schildert er seine Abreise aus dem Land, das sich so sehr verändert hatte. Sein Gefühl, dass er nie mehr zurückkehren würde, trog ihn nicht, denn Wolfe verstarb 1938 mit gerade einmal 37 Jahren. »Eine Deutschlandreise« ist erschienen bei Manesse, 410 Seiten, Hardcover, 25 Euro. Der Jugendbuchi Tanja Voosen »Cursed Love« Mia ist eine große Schwester. Mit ihren siebzehn Jahren kümmert sie sich den Sommer über um ihren ein Jahr jüngeren maulfaulen Bruder Tucker und ihr sensibles vierzehnjähriges Schwesterchen. Die Eltern sind beruflich unterwegs, und die drei Geschwister verbringen die langen Ferien auf Whidbee Island vor der Küste Oregons. Dort hat ihre Tante ein Haus am Strand, wo sie mit Mias gleichaltriger Cousine Lila lebt. Das klingt nach perfektem Sommer, Sonne und Spaß, aber Mia trauert ihrer ersten großen Liebe Franklin hinterher. Der hat sie nach monatelanger Beziehung vor dem gemeinsamen Urlaub mit Freunden eben mal per SMS abserviert. Das Ganze ist zwar drei Monate her, aber der Schmerz ist dennoch frisch. In den Wochen zuvor hat Mia ihre verschiedenen Playlists rauf und runter gehört und dabei ihre Wunden geleckt, denn sie ist ja noch lange nicht mit ihrer Trauer, Wut und Enttäuschung fertig. Als sie mit dem Fahrrad die Insel erkundet, stößt sie auf einen zauberhaften kleinen Laden und Joe, der sie mit seinen tiefen braunen Augen sofort in seinen Bann zieht. Und obwohl sie eigentlich gründlich die Nase voll von Jungs hat, erwacht ihr Interesse. Dabei stört es sie auch nicht, dass den jungen Mann, der eigentlich Joseph Dalca heißt, etwas Geheimnisvolles umgibt. Auch die Gerüchte auf der Insel nimmt sie keineswegs ernst, denn seine rumänischen Vorfahren machen ihn ja wohl zu keinem Nachfahren von Dracula. Nur, dass Joe sich manchmal sehr vertraut und gelegentlich distanziert verhält, verwirrt Mia. Auch dass sich Joes Zwillingsschwester, die mit Mias Cousine befreundet ist, so seltsam ihr gegenüber benimmt, kann sie nicht nachvollziehen. Ob es da etwa doch einen Fluch gibt? Erschienen ist der Roman für Menschen ab 14 Jahren bei heyne>fliegt, Paperback, 464 Seiten, 14 Euro. 42 Das Stadtgespräch

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Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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