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Das Stadtgespräch Ausgabe September 2020

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Mein Rheda-Wiedenbrück Das Stadtgespräch 2020

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zusammen mit meinem Freund und inzwischen pensionierten Kollegen Uwe Eichhorn das Täterfahrzeug in Höhe des Wasserturms stellen. Wie sich herausstellte, saßen 5 hochkarätige Täter in dem Fahrzeug. Mit der Unterstützung klappte es vorbildlich und so konnten alle Täter festgenommen werden. Als die Aktion vor Ort fast erledigt war kam noch ein Streifenwagen aus Richtung Wiedenbrück auf uns zu. Im Fahrzeug blinkte etwas. Der Beifahrer stieg aus und kam mit einem kleinen Törtchen mit einer Kerze darauf auf mich zu und sagte: »Du hast Dir Deinen Geburtstag sicherlich auch anders vorgestellt«. Das Stadtgespräch: Welcher unangenehme Vorfall will Ihnen bis heute nicht aus dem Kopf gehen? Andreas Terhechte: Es sind immer die Sachverhalte mit tödlichem Ausgang, die einen immer wieder beschäftigen; ob Verkehrsunfälle, Kapitalverbrechen oder Suizide. Es ist immer etwas, was der Normalbürger eigentlich nicht zu sehen bekommt und sich deshalb vielleicht auch das unendliche Leid für das Umfeld der/des Betroffenen nicht vorstellen kann. Die Verarbeitung funktioniert aber im Gespräch mit den Kollegen ganz gut. Schließlich kommt man auch darüber zu der Erkenntnis, dass wir es nicht ändern können und eben nur die sind, die damit umgehen müssen, wenn es gerade passiert ist. Vielleicht ist dies aber auch unser Ansporn, in unserer Arbeit den Sinn zu sehen, alles zu geben, damit dies alles nicht passiert. Das Stadtgespräch: Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung? Andreas Terhechte: Die Funktion als Leiter der Polizeiwache hat mir die Möglichkeit gegeben, die Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden unseres Bereichs (Rheda-Wiedenbrück, Rietberg, Herzebrock-Clarholz und Langenberg) aktiv zu gestalten. Dabei hat sich gezeigt, dass persönliche Kontakte enorm hilfreich bei der gemeinsamen Bewältigung von Problemen auf allen Gebieten sind. Dazu gehört aber auch der Austausch mit Kollegen und Bürgern, um möglichst alle Aspekte zu berücksichtigen. Es kann ein langer Prozess sein, aber meine Erfahrung zeigt, dass auch die Beteiligten in den Rathäusern stets um ein gutes Ergebnis bemüht sind. Das Stadtgespräch: Was wünschen Sie der Polizei für die Zukunft? Andreas Terhechte: Ich wünsche mir, dass die Kolleginnen und Kollegen auch weiterhin im Einsatz aufeinander aufpassen und immer wieder unversehrt zu ihren Familien zurückkehren. Bei vielen Gelegenheiten habe ich immer wieder betont, dass wir bei unserer Arbeit auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen sind; oft reicht ein Hinweis oder eine Zeugenaussage. Weiterhin würde ich mir wünschen, dass den Kolleginnen und Kollegen der Respekt entgegengebracht wird, den sie verdient haben. Es darf nicht sein, dass wir nur die Guten sind, wenn wir gebraucht werden. Das Stadtgespräch: Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger und Ihrer Wache? Andreas Terhechte: Meinem Nachfolger wünsche ich, dass er auch die ausgezeichnete Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen aus dem Haus hat und die Leitung der Wache für ihn genauso angenehm wird wie sie es für mich war. Für die Wache wünsche ich mir nur eines – einen Neubau. Mit Unterstützung der entsprechenden Stellen der Verwaltung in Gütersloh haben wir zwar im Rahmen der Möglichkeiten versucht, das Arbeitsumfeld für die Kolleginnen und Kollegen möglichst angenehm zu gestalten, aber es bleibt aus meiner Sicht eines der hässlichsten Dienstgebäude der Stadt. Das Stadtgespräch: Welchen Dingen werden Sie als Ruhestandsbeamter nachgehen? Andreas Terhechte: Ich werde es langsam angehen und so lange es geht für meine Kinder und Enkel da sein. Ich habe mir vorgenommen, mit meinen Enkeln (fast 5 Jahre und fast 3 Jahre) möglichst viele Zoos zu besuchen und dort auch meiner Leidenschaft der Fotografie nachgehen. Ansonsten lasse ich es einfach auf mich zukommen. Das Stadtgespräch 37

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