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Das Stadtgespräch Ausgabe Juli 2020

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Das Stadtgespräch und Mein Rheda-Wiedenbrück Juli 2020

heldenhaft benommen und

heldenhaft benommen und geschlagen haben. Wer meint, mit dem Buch, das im Bücherregal fast sechs Zentimeter einnimmt, die gesamte Napoleon-Biographie geschafft zu haben, der irrt leider oder besser gesagt zum Glück. Denn »Schlacht und Blut« ist nur der erste Band der Napoleon-Saga. Der zweite Band »Ketten und Macht« ist soeben als Heyne Taschenbuch erschienen. Die Erzählung der Geschichte setzt da ein, wo der erste Band endete, nämlich 1795. Und auch beim zwei- ten Band stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis, denn für 11,99 Euro bekommt man sogar 825 Seiten. Den müssen Sie nicht sofort lesen, ich warne ausdrücklich. Wer das dennoch tut, der wird sich mit den nächsten beiden Bänden gedulden müssen, denn Band 3 erscheint im September, Band 4 im März nächsten Jahres. Da schaffe ich jetzt schon Platz im Regal! Buchtis Simon Scarrow »Schlacht und Blut« »Fang dieses Buch nur an, wenn du auch Zeit zum Lesen hast« – so der Hinweis meines Freundes, der mich schon seit ewig kennt. Diesen Rat habe ich eigentlich befolgt, mich dann aber dennoch mehrmals festgelesen in dem 779 Seiten-starkem Wälzer. Dieser hervorragend übersetze Roman des in Nigeria geborenen und in England aufgewachsenen Simon Scarrow beschreibt mutiger Weise den Lebensweg Napoleons, der längst bekannt ist und bestimmt Bände füllt. Als geschichtlich durchaus interessierter Mensch dachte ich, dass ich schon ungefähr weiß, wie Napoleons Biographie aussieht. Aber das dachte ich vor der Lektüre. Während der Lektüre habe ich mich oftmals verwundert gefragt, ob dem Autor die Phantasie nicht einen Streich gespielt hat. Aber heutzutage kann man ja alles nach-googeln, was mir einige Aha-Erlebnisse bescherte, denn Scarrow hat seine Hausaufgaben aber so etwas von gut gemacht! Dabei hat er sich natürlich auch ein paar kleinere Freiheiten genommen und etwa Begegnungen stattfinden lassen, die so hätten passieren können, aber nicht notwendiger Weise auch so passiert sind. Es handelt sich schließlich um einen historischen Roman. Mutig ist der Autor auch insofern, als dass er auf den Kniff verzichtet hat, den viele Schöpfer historischer Romane verwenden. Die schaffen nämlich eine e fiktive Figur, die ganz nah am Geschehen ist, also alles miterlebt, aber nicht in den Verlauf der Geschichte eingreift. Bei Scarrow dagegen geht es um Napoleon on selbst. Daneben als zweite Figur gibt es einen gewissen Arthur r Wellesley aus Dublin. Erst nach und nach ist mir aufgegangen, dass es sich bei dem wenig erfolgversprechenden ungefähr gleichaltrigen jungen Mann um den späteren Duke of Wellington handelt, den großen Gegenspieler Napoleons. Doch davon ist in diesem Roman keine Rede, denn der behandelt lediglich Kindheit, Jugend und junges Erwachsenenalter nalter der Helden, die sich keinesfalls esfalls stets Noah Martin »Raffael – Das Lächeln der Madonna« Ebenfalls ein historischer Roman von beeindruckendem Ausmaß von 632 Seiten ist »Das Lächeln der Madonna« des studierten Kunstgeschichtlers Noah Martin, erschienen bei Droemer. Der Titel deutet schon an, dass es in diesem Buch nicht um Kriegshelden geht, die berühmt oder berüchtigt oder beides sind, sondern um die schönen Künste, genauer gesagt die Kunst der italienischen Renaissance. Und einer der Helden der Malerei ist zweifellos der Meister Sanzio der Jüngere, den alle Welt nur unter seinem Vornamen Raffael kennt. Doch auch die Kunst findet nie und hat nie stattgefunden im luftleeren Raum. Anhand der Biographie Raffaels taucht der Leser in eine Zeit ein, die mindestens genauso wie die heutige Zeit durch politische Ränke, durch das Streben nach Ämtern und Geld und Einfluss gekennzeichnet ist. Und obwohl es zu Beginn des 16. Jahrhunderts natürlich kein Twitter oder Facebook gab, war die Gier der Menschen, sich möglichst positiv nach außen darzustellen mindestens genau so groß wie heute. Und zu den Menschen, die die Kunst für sich arbeiten ließen, gehörten im Italien der Renaissance neben dem Adel und den reichen Kaufleuten natürlich auch die Kirchenfürsten, allen voran der Papst. Raffael Sanzio gilt schon mit zwanzig Jahren als neuer Stern am Himmel der Renaissance. Doch die unruhigen Zeiten in den italienischen Stadtstaaten beeinflussen auch sein Dasein. Der Maler führt ein rastloses Leben, lernt Michelangelo Buonarroti und Leonardo da Vinci kennen, verliebt sich, als er noch mittellos ist, in die junge Bäckerin Margherita Luti und ist ständig auf der Flucht vor den Mächtigen und muss sich mit ihnen arrangieren. Als Papst Julius II. ihn nach Rom ruft, um seine Gemächer neu zu gestalten, verstrickt Raffael sich immer tiefer in die Machtkämpfe einer der blutigsten, spannendsten und faszinierendsten Epochen der europäischen Geschichte. Und auch bei diesem Roman lohnt es sich, nachzugoogeln. Nicht so sehr, um die Fakten zu checken, die an einigen Stellen der Geschichte angepasst wurden, vor allem was die Geschichte mit der schönen Bä- ckerin angeht, wie der Autor freimütig zugibt. Vielmehr geht es darum, dass das Internet neben all dem Blödsinn auch ein Archiv für die wirklich wunderschöne Kunst der Renaissance ist. Ohne große Mühe kann man sich heute die Bilder, um die es geht, in Farbe auf den Bildschirm holen, wobei ich empfehlen würde, erst den Roman zu lesen und dann die Bilder des mit 37 Jahren viel zu früh verstorbenen Genies anzuschauen, die einem dann so viel mehr sagen. Wenn sich das jetzt so liest, als sei Noah Martins Buch überwiegend lehrreich, so ist das nur die halbe Wahrheit, heit, denn »Raffael« ist ausgesprochen spannend bis zum Schluss. Erschienen ist der Roman passend zum 500. Todestag Raffaels bei Droe- mer, Hardcover, 22 Euro. 42 Das Stadtgespräch

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