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Das Stadtgespräch Ausgabe Januar 2017

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66 TIPPS

66 TIPPS Das Stadtgespräch Allein Streifenpolizist Sascha Woltmann nimmt sich der Sache mit viel Elan an. Nicht so ganz uneigennützig, will er doch gerne zur Weimarer Kripo wechseln. Doch Woltmann steht vor schwierigen Entscheidungen, denn er ist sich keineswegs sicher, wie er vorgehen soll. Soll er seine frühere Schulfreundin Mandy Hoppe einweihen, die mittlerweile Vize-Chefin der Kripo ist? Oder soll er alles auf eigene Kappe unternehmen, was im Falle des Scheiterns das Törchen zur Kripo-Karriere natürlich für immer verschließen würde? Ist die ganze Sache etwa eine Nummer zu groß für ihn, denn nach und nach stellt sich heraus, dass die alten Knochen zu einem fast schon vergessenen Skandal der deutschen Vergangenheit führen? Auch mit seinem zweiten Krimi gelingt Leibrock wieder die Mischung aus Lokalkolorit, Realitätsnähe und ironischer Distanz, die den Roman zum Lesevergnügen machen. LITERATURNOBELPREIS Bücher über Dylan Zum Literaturnobelpreis gehört es einfach dazu, dass man über den jeweiligen Gewinner streitet. Geht es tatsächlich nur um Literatur? Ist der Preis vielleicht berechtigt, kommt aber Jahre oder gar Jahrzehnte zu spät? War einmal wieder eine bestimmte Nation, eine bestimmte Sprache oder eine bestimmte politische Ausrichtung einfach dran? Sind Leute, die eher »nebenamtlich« Literaturschaffende sind, überhaupt angemessene Preisträger? Ist Lyrik, zumal in ihrer Unterform als Liedtext, überhaupt preiswürdig oder schon jetzt überrepräsentiert? Und schließlich: Sollte man den Preis an jemanden verleihen, von dem man schon erwarten kann, dass er an der Feierlichkeit nicht teilnehmen wird und das nicht, weil er in einem totalitären Staat festsitzt, sondern weil er etwas Wichtigeres vorhat, mit dem er seine Missachtung ausdrücken kann? Sie merken, all diese Fragen passen durchaus zum aktuellen Nobelpreisgewinner. Am 13. Oktober 2016 hat bekanntlich Bob Dylan, der im Mai 2016 75 Jahre alt wurde, als erster Singer-Songwriter den Literaturnobelpreis für seine Songtexte zugesprochen bekommen und damit seine einzigartige Karriere um eine weitere Besonderheit ergänzt. Leonard Cohen (siehe dazu den Artikel »So long, Leonard«) nannte Bob Dylan den Picasso of Song. Kein anderer Künstler hat wohl die Entwicklung der Rockmusik und der Song-Poesie über die letzten fünf Jahrzehnte so nachhaltig, so ausdauernd und so einfallsreich bestimmt wie der 1941 als Robert Allen Zimmerman geborene Musiker. Bob Dylans Songs wie »Like a Rolling Stone«, »Blowin‘ in the Wind« oder »Knockin‘ on Heaven’s Door« haben eine ganze Generation geprägt und sind bis heute unsterblich, unverwüstlich und vielfach gecovert. Dennoch erschließt sich die Vergabe des Literaturnobelpreises vielleicht nicht unmittelbar. Es hilft jedoch, wie so oft, wenn man etwas genauer hinschaut. Und dabei können zwei Bücher helfen. Die Bob-Dylan-Biographie des Professors für Vergleichende Literaturwissenschaft Heinrich Detering zeichnet das Werk des Song-and-Dance-Manns kenntnisreich und lebendig nach – von den ersten Alben des Folksingers wie »Bob Dylan« und »The Freewheelin‘ Bob Dylan« bis hin zu den noch einmal ganz neue Wege beschreitenden Alben des 21. Jahrhunderts wie »Modern Times« oder »Shadows in the Night«. Die 2007 entstandene und in 6. Auflage 2016 überarbeitete Biographie enthält eine umfangreiche Literaturliste und eine Diskographie. Das mittlerweile als Standardwerk geltende Buch nimmt immer auch die Zeitgenossen Dylans in den Blick. Erschienen bei Reclam - nein, nicht im kleinen gelben Heftchen, sondern im großen 215-Seitenstarken blauen Taschenbuch. Kostenpunkt 16,95 Euro. Im gleichen Verlag ist »Code of the Road« erschienen (324 Seiten, 12,95 Euro). Interessanter Weise von Knut Wenzel, seines Zeichens Theologie-Professor von der Universität Frankfurt am Main, herausgegeben, enthält diese Sammlung Interpretationen von insgesamt 16 Dylan-Fachleuten, einer davon übrigens auch Heinrich Detering. Die Aufsätze gehen

TIPPS 67 nicht nur Dylans eigener Frage nach: »How many roads?«, also auf wie vielen Straßen man im Leben gereist sein muss. Bob Dylan selbst ist auf vielen unterwegs gewesen und hat die Wege unzähliger Menschen gekreuzt. Dabei ist sein Songbook nicht nur immer umfangreicher geworden, seinen Liedern haben sich gleichzeitig auch immer neue Bedeutungsspuren unterlegt. Dieses Buch zeichnet einige dieser Spuren nach. Es ist dabei so vielfältig geworden wie die Begegnungen, die Menschen mit Dylan hatten und haben: im Hören seiner Lieder, beim Besuch seiner Shows, in der Lektüre seiner Texte. So finden sich hier Klassiker interpretiert, aber auch persönliche Vorlieben und verborgene Schätze. Und es zeigt sich: Bob Dylans Lieder sind wie Passwörter für die Lebensreisen der Vielen: Sie sind der »code of the road«. Und wer den Code der Straße entdeckt hat, dem kann man auch den Literaturnobelpreis verleihen… Russland unter Putin Diktatoren sind oft lächerliche Figuren. Lachhaft ist, was sie sagen, haarsträubend, was sie tun. Aber mögen Zeitgenossen und mag die Geschichte Diktatoren auch als Witzfiguren sehen, gefährlich sind sie dennoch. Und das vor allem im eigenen Land. Um zu verstehen, was in dem riesigen Reich im Osten vor sich geht, empfiehlt sich die Lektüre zweier Bücher, die aktuell zum Thema erschienen sind. PETER POMERANTSEV »Nichts ist wahr und alles ist möglich« In einer großartigen Mischung aus Reportage und Erinnerung schildert der russischstämmige britische Fernsehproduzent und Autor Peter Pomerantsev seine Erfahrungen aus neun Jahren Leben und Arbeiten in Moskau. Putins Russland erscheint als Realityshow, die völlig der Regie des Kremls gehorcht. Die Medien verbreiten glitzernden Unsinn oder Unwahrheiten im Dienste der Staatspropaganda, die Politik gründet auf Lügen, und das Justizsystem beugt sich den Vorgaben der Herrschenden. Pomerantsev zeichnet sein brennend scharfes Porträt Russlands nach dem Ende der Sowjetzeit mithilfe eindringlicher Anekdoten und Geschichten: von den jungen, Golddigger genannten Frauen auf der Suche nach dem Glück bei neureichen Männern, von Polittechnologen und zynischen TV-Moderatoren, von dem Gangster, der Filme dreht und sich als nächsten Steven Spielberg sieht, den russischen Hells Angels, die sich zu heiligen Kriegern stilisieren, von verlorenen jungen Leuten, die sich Sekten in den Arm werfen, dem Anwalt, der im Gefängnis zugrunde geht. Eine bittere Anklage erzählt Pomerantsev als nachtschwarze Gesellschaftskomödie. Erschienen als gebundenes Buch bei der DVA, 304 Seiten, 21,99 Euro. BENJAMIN BIDDER »Generation Putin« Benjamin Bidder bewegt sich ebenfalls zwischen Russland und dem Westen. Geboren 1981, hat er Volkswirtschaftslehre in Bonn, Mannheim und Sankt Petersburg studiert. Er ist Absolvent der studienbegleitenden Journalistenausbildung mit Stationen bei der Märkischen Oderzeitung und der Financial Times Deutschland. Benjamin Bidder ist seit 2009 beim SPIEGEL, zunächst als Redakteur im Politik-Ressort von SPIEGEL ONLINE. Von 2009 bis 2016 war er Moskau-Korrespondent. Im September 2016 kehrte er in die Redaktion von SPIEGEL ONLINE zurück. Heute lebt er mit seiner Frau und zwei Kindern in Hamburg.

Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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